Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 313 (8.9.1933)
- Date
- 1933-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 313 DIE NEUE WELT Seite 5 Die Wahl der Exekutive Dr. Hoffmann (Jab.-Rev., Riga) bringt ein Minoritätsvotum, welches lautet: 1. Die sogenannten Disziplinresolutionen der Sitzung des A. C. vom August 1932 stehen nicht im Einklänge mit der historischen Entwicklung und dem inneren Wesen der zionistischen Konstruktion. Diese Resolutionen gelten daher als abgeschafft. 2. Dagegen übernehmen sämtliche im Zionistenkongreß vertretenen Parteien und Gruppen die moralische Verpflichtung, alle Anstrengungen zu machen, um unter Wahrung ihres Programms, sowie ihrer Ausdruck- und Handlungsfreiheit auf dem Wege des permanenten gegenseitigen Kontaktes mit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation die harmonische Koordination der Gesamttätigkeit der zionistischen Weltbewegung insbesondere auf außenpolitischem Gebiet zu sichern. . In der Begründung des Minderheitsvotums führt Redner aus: Organisations-Resolutionen sollen den Zw.'ck haben, Ordnung in die Organisation zu bringen; in den vorgelegten Resolutionen sehen wir aber keinen Plan, unsere große Bewegung in Ordnung zu bringen, sondern nur Vorschläge über Disziplin. Man kann aber nicht einmal sagen, daß es sich um Disziplin handelt, es handelt sich eigentlich hier nur um Repressalien. Auch clor Territorialverband erscheint uns als eine große Gefahr und wird nur dazu führen, daß die Parteien miteinander in Streit geraten werden. Man kann nicht mit drakonischen Maßnahmen, welche keinen abschrecken und keinen überzeugen werden, Ordnung in der Organisation schaffen. Darum halten wir die Vorschläge der Kommission für gefährlich, unnütz und schädlich und bitten den Kongreß, unsere Vorschläge anzunehmen, v An der Debatte beteiligen sich Federbusch (Misrachi), Reich mann, Großmann (Judenst.), Dr. Hellmann, Mereminsky — die vier Mehrheitsresolutionen v/erden mit 157 gegen 13 Stimmen angenommen. ■ \ . 16. Sitzung, 4. September Nachmittag. Es werden die Anträge der Organisationskommission über die zionistischen Gerichtsiristanzen behandelt und die entsprechenden Resolutionen gefaßt. Der Kongreß beschließt auch eine Resolution über die Schekelquote kleiner Länder. Es folgen, diverse Resolutionen, über, die wir in der nächsten Nummer berichten werden. Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft die Wahlen. der Exekutive, des Aktionskomitees, des Kongreßgerichtes, des Ehrengerichtes und anderer Instanzen. Die vom Vorsitzenden Remez vorgeschlagene Leitung . (siehe 1. Seite d. Bl.) wurde en bloc angenommen. Die Jabotinsky-Revisionisten Mtten-durch einenihrer Delegierten im Protokoll zu1 notieren, daß die revisionistische Fraktion sich an der Abstimmung nicht beteiligt hat und daß sie im Saale nicht anwesend war. . Die letzten Minuten Präsident Nahum Sokolow ergreift das Wort. Er erklärt, der Kongreß sei nicht nur ein lebendiger, sondern auch ein lebhafter Kongreß gewesen — ein schwerer, aber ein guter Kongreß. Er gläübe, daß etwas Großes hinter dem Prager Kongreß gesteckt habe. Schließlich dankt Sokolow dem Vorsitzenden des Kongresses Doktor M o t z k i n, der die letzten Worte spricht. Motzkin dankt der tschechoslowakischen Regierung, dem Präsidenten Masäryk, der Stadt Prag und der Presse und den einzelnen Kongreßbüroleitern und schließt den Kongreß am 15. September, 9 Uhr vormittags. Rund um den Kongreß Judenslaatspartei Die Leitung der während der Kongreßtagung in Prag neukonstituierten ..Judenstaatspartei" ersucht uns um Veröffentlichung folgender Kundmachung: „In der Zeit vom 20. bis 29. August fand in Prag — während der Tagung des XVIII. Zionistenkongresses — eine Konferenz des Sonderverbandes der demokratischen Zionisten-Revisionisten statt, an welcher die Mitglieder das Exekutivkomitees, des A.-C, die demokratisch-revisionistische Kongreßfraktion sowie Delegierte aus C. S. R., Galizien, England, Lettland, Litauen, Polen, Palästina, Oesterreich und Rumänien teilgenommen haben. Die Konferenz befaßte sich mit der im Sonderverband durch die Spaltung in der revisionistischen Union geschaffenen Lage und mit der Stellungnahme zu den Problemen des XVIII. Zionistenkongresses. Nach einer eingehenden Aussprache wurde« einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Da die Loslösung des Sonderverbandes der demokratischen Zionisten-Revisionisten von der Welt- Union der Zionisten-Revisionisten zur Tatsache geworden ist, beschließt die Konferenz, den bisherigen Namen des Sonderverbandes in JUDENSTAATSPARTEI (Sonderverband der Zionisten-Revisionisten in der Zionistischen Weltorganisation) umzuändern. Dieser Beschluß wird den innerhalb der nächsten zwei Monate einzuberufenden Landeskonferenzen zur Ratifizierung vorgelegt werden. Der Parteirat wird durch das Exekutivkomitee einberufen. 8. Die Konferenz beschließt, dem Exekutivkomitee einen Wirtschaftsrat mit dem Sitze in Erez-Israel anzugliedern, ebenso alle bisher gegründeten Wirtschaftsorganisationen in Ercz Israel und in der Oaluth auszubauen. Ein besonderes Augenmerk wird dem in Palästina bereits bestehenden Informationsbüro sowie der Bank Lehithyashvuth Amamith Beerez-Israel Ltd. zugewandt werden. 9. Unmittelbar nach Beendigung des XVIII. Zionistenkongresses wird mit der intensivsten Propagandatätigkeit für die Judenstaatspartei begonnen. Zu diesem Zwecke werden die Mitglieder des Exekutivkomitees die einzelnen Länder besuchen. Die Länder C. S. R., Lettland, Litauen, Rumänien, Polen werden von Herren M. Großmann besucht, während die Herren Dr. S. E. Soskin und Ing. Robert Stricker in den übrigen Ländern ihre Tätigkeit aufnehmen werden. 10. Die Konferenz beschließt den Ausbau ihrer Jugendorganisationen. Dem Exekutivkomitee wird ein . Jugeiuldcpartcment angegliedert, das sich dem Aufbau des „Brith Hakanaim" und dem Ausbau aller bisher bestehenden Studenten- und Jugendorganisationen widmen wird. Die Landesorganisätionen werden beauftragt, die Organisation von Hachscharah-Gruppen in die Wege zu Versn®«tensuber$ras deufccher Judj&tt nach Palästina Das deutsche Reichswirtschaftsministerium veröffentlicht eine Verordnung, in der auf Grund von Verein-' barungen mit interessierten jüdischen Kreisen die Möglichkeiten des Vermögenstransfers deutscher Juden nach dem Ausland, hauptsächlich nach Palästina, geregelt werden. Er betrifft folgende Abschnitte: Transfer der zur Existenzgründung notwendigen, 15.000 Mark übersteigenden Beträge. . . . Einzahlung bis zu 50.000 Mark per Person für sofortige Investierung bei späterer Auswanderung. •' Auswanderung nach anderen Ländern. . / > :Transferierung laufender Versorgungsbezüge. Wertpapierbesitz-Anrechnung auf den freizugebenden Betrag. Zurückbleibende Güthaben der Auswanderer. - Prüfung, von Gründuhgsplänen durch die Industrie-, kammern. , ,....... . .. Entscheidungsberechtigung ' der Devisenbewirtschaftungsstellen.!■ Meldung über Auswandereranträge. t- Wir'werden den deutschen Erlaß in der nächsten J^ummer im Wortlaut veröffentlichen. ~ Zionistenführer beim tschechischen Außenminister Außenminister Dr. Benesch empfing am 31. August den Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewisti Agency Nahum Sokolow, den Präsidenten de« Zionistenkongresses und des Comitee des Del^gations Juives Leo Motzkin, das Mitglied der Zionistischen Exekutive Prof. S. Brodetzky und den jüdischen Abgeordneten im tschechoslowakischen Parlament-Dr. Angelo Goldstein. Der Besuch der zionistischen Führer beim tschechoslowakischen Außenminister trug nicht bloß reinen Höflichkeitscharakter, sondern war eingehender Erörterung politischer Fragen, die mit der zionistischen Aufbauarbeit im Zusammenhang stehen, gewidmet. Ein Kommunique über den Verlauf dieser Besprechungen wird nicht ausgegeben werden. Dieses Siege! bürgt... daß Kunerol streng rituell erzeugt wird und daher auch für Strenggläubige ohne Bedenken für die Zubereitung von Speisen verwendet werden kann. Kunerol ist ein völlig reines Pflanzenfett, nahrhaft, leicht verdaulich und fast unbegrenzt haltbar. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S.r E h r e nf e I d zu Mattersburg hergestellt. 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung! 1 2. Die Konferenz beschließt, die Exekutive des Sonderverbandos, welche aus den Herren M. Großmann (Palästina), Dr. J. Machower (London), Dr. S. E. Soskin j (Genf) und Ing. Robert Stricker (Wien) besteht, bis zur nächsten Weltkonferenz' als oberste Leitung der „Judensfaatspartei" zu belassen. Diesem Exekutivkomitee wird das Recht zuerkannt, drei neue Mitglieder, davon zwei in Palästina und eines in der Galuth, zu kooptieren. 3. Die Konferenz beschließt, den Sitz der Exekutive der - Judenstaatspartei nach Erez Israel zu verlegen. Das Sekretariat wird seine Tätigkeit am 1. Oktober dort aufnehmen. '" ' In London wird unter der Leitung Herrn Dr. J. Mechow ers eine politische Vertretung des Exekutivkomitees etabliert. In Wien wird unter der Leitung Herrn Ing. Robert Strickers ein Organisationsdepartement für die europäischen Länder errichtet, dessen Sekretariat Herr Fritz Richter leiten wird. 4. Die Konferenz beschließt, im Frühjahr 1934 die ordentliche Weltkonferenz der Judenstaats- , p a r t e i einzuberufen. Der Ort wird vom Exekutivkomitee im Enivernehmen mit den Landesorganisationen bestimmt werden. . . 5. Die Konferenz genehmigt ein Budget, welches die Uebersiedlung des Exekutivkomitees nach Erez Israel sowie die Tätigkeit bis zur nächsten Weltkonferenz finanziell sicherstellt. Dieses Budget basiert in der Hauptsache auf der „Parteisteuer" (Mass Miflagti), durch deren Entrichtung die Mitgliedschaft zur Judenstaatspartei erworben wird. Die Höhe des „Mass Miflagti" wird vom Exekutivkomitee im Einvernehmen mit dem Kontinentalbüro .bestimmt. 6. Die. Konferenz beschließt, die bisherige Verbindung mit dem „Tel-Haj-Fonds" zu lösen, und nimmt die Demission der bisherigen Direktoren des Fonds, M. Großmann und Ing. Rob. Stricker, zur Kenntnis. 7. Die Konferenz beschließt, den Weltparteitag der Judenstaatspartei nach folgenden Gesichtspunkten zu bilden: Auf Grund der in den einzelnen Ländern erzielten Stimmen zum Zionistenkongreß wählen die Landeskonferenzen zwei Drittel der Mitglieder des Parteirates, während dem Exekutivkomitee das Recht zuerkannt wird, im Einvernehmen mit den einzelnen Landesorganisätionen ein Drittel der Mitglieder des Parteirates zu ernennen. Die den einzelnen Ländern zukommende Zahl von zu wählenden Parteimitgliedern wird vom Exekutivkomitee festgelegt. Die Wahl der Parteiratsmitglieder erfolgt auf den Landeskonferenzen, leiten. Die Struktur des „Brith Hakanaim" wurde von der Konferenz genauest festgelegt. 11. Die Konferenz beauftragt das Exekutivkomitee, eine Erklärung zu erlassen, in welcher der Oeffentlichkeit die Neugestaltung der Judenstaatspartei' und deren Programm bekanntgegeben werden. Die Kongreßfraktion der Judenstaatspartei bestand aus den Mitgliedern des A.-C. M. G r o ß m a n n, Ing. Robert Strick e r,- Dr. Jakob Kahan, M. Weinstein, Dr. J. Mach o vv e r sowie aus den Delegierten der- Liste (Weltwahlliste) „Sonderverband der Zionisten-Revisionisten", Dr. J. Joz, Dir. J. Moskowsky, Dr. Dow; Donner (Ersatz: Osias Potescher), Rechtsanwalt Jos. Mann (Ersatz: Dr. 'Max'Kiewe und Oskar Herlinger), Theodor Gruber, Mosche Lutzky (Weltwahlliste, Dr. H. Rosenblum (Weltwahlliste). . Die Adresse des Kontinentalbüros lautet: Organisationsdepartement der Judenstaatspartei, Wien, II., Untere Augartenstraße 38. Tel. A-45-6-34. Gründung der Weltorganisation „Hechaluz, Haklal Zioni" Auf einer Konferenz von Vertretern der Landes¬ und Weltverbände „Hechaluz Haklal Zioni", „Hanoar Hazioni", „Histadruth Akademaim Zionim" und „Achwa" (Kleinpolen) wurde ein Weltverband „Hechaluz, HaklalZioni" gegründet, der alle Chaluz-Elemente, die sich zum Allgemeinen Zionismus bekennen, umfassen soll. Dem neugegründeten Verband sind Organisationen in Kleinpolen, Kongreßpolen, Bukowina, Altrumänien, Lettland, Litauen, Belgien, Ungarn und Slowakei angeschlossen. Von den Mitgliedern der in dem . neuen Verband zusammengeschlossenen Organisationen befinden sich derzeit 4320 auf Hachschara. 355 Mitglieder werden an der nächsten Alijah teilnehmen. Die Konferenz formulierte die ideologischen Grundsätze des Verbandes und stellte ein Arbeitsprogramm für die-nächste Zeit auf. Drei Zentralen des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten In der Schlußsitzung der II. Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten wurde eine Leitung aus 13 Mitgliedern des Weltverbandes gewählt. Die Leitung ist in drei kooperierende Zentralen geteilt: Erez Israel, Galuth und amerikanische Zentrale. Ein Budget von 5000' Pfund wurde für die Organisationsarbeiten des Verbandes und; seiner Zentralen bewilligt.