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Die neue Welt · 1933-09-01 · Heft 312 (1.9.1933) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 312 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 312 DIE NEUE WELT Seite 9 errichten. Die palästinensische Hotelindustrie sei heute In der Lage, Kongreßbesucher und -Gäste angemessen unterzubringen. Mit der einmütigen Annahme des Antrages des Bürgermeisters von Tel-Awiw ist im Hinblick darauf, daß alle Kongreßparteien bereit sind, ihn zu unterstützen, zu rechnen. Erklärung des Präsidenten der Tschechoslowakei zur Judenfrage PräsidentMasaryk hat am 23.August in seinem Sommersitz in Topolzan den Direktor der Jüdischen Telegraphen-Agenur, Jacob Landau empfangen. Der Präsident erklärte: Ich verfolge die Vorgänge auf dem Prager Zionistenkongreß mit größtem Interesse. Die Bemühungen zur Schaffung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina haben meine volle Sympathie. Direktor Landau richtete an den Präsidenten die Frage, ob der Völkerbund das Problem der deutschen Juden aufgreifen solle. Masaryk antwortete: Ich nehme an, daß der Völkerbund in der Tat diese Angelegenheit behandeln wird. Das jüdische Problem in Deutschland kann nicht als rein interne Angelegenheit behandelt werden. Tausende von Juden, denen die Existenzmöglichkeit genommen wurde, sind in wachsender Zahl im Begriff, Deutschland zu verlassen. Sie bilden naturgemäß ein Problem für alle Länder, die ihnen ein Asyl geboten haben. Trotz allem glaube ich, daß die Situation sich zum Besseren wenden wird. Antisemitismus ist nichts Neues. Die Makkftbl-Kampfspfele in Prag Am 24. August wurden in Prag die Makkabi- Kampfspiele feierlich eröffnet. An dem Einzug in das Belvedere-Stadion beteüigten sich Sportler aus 14 Ländern: Palästina, England, Dänemark, Finnland, Frankreich, Danzig, Litauen, Ungarn, Holland, Jugoslawien, Polen, Oesterreich, Rumänien und der Tschechoslowakei. Das größte Aufsehen erregte das Team Englands, in dem Daniel Prenn und die deutsche Speerwurfmeisterin Martha Jacob mitmarschierten. Lebhaft akklamiert wurde das palästinensische Team und die rumänische Mannschaft, die, wie die Prager Sportpresse hervorhebt, am einheitlichsten-und diszipliniertesten wirkte. Die sportlichen Konkurrenzen umfaßten alle Arten der Leichtathletik, Fußball (Rumänien schlug Palästina 6:i), Tennis, Tischtennis, Fechten, Boxen und Schwimmen. Im Boxen gewann Polen fünf Meisterschaften. Der Boxkampf, des finnischen Makkabisten Gurewitsch gegen Friedmann (Tschechoslowakei) mußte wegen allzugroßer Ueberlegenheit des ersteren abgebrochen werden. Am Freitag Morgen begannen die Mehrkämpfe der Turner und Turnerinnen. Die Leichtathletik-, Fußball- und Tenniskonkurrenzen wurden fortgesetzt. .* . Lord Melchett und Lady Erleigh sind zum Besuch der Makkabi-Festspiele in Prag eingetroffen und wurden von Außenminister B e n e s c h empfangen. Die leichtathletischen und turnerischen Konkurrenzen, die Fußball- und Tennisturniere, sowie die Ringkämpfe nähern, sich, ihrem Abschluß. Dem Tenniswettspiel Englands gegen die Tschechoslowakei wohnte eine ungeheure Zuschauermenge bei. Daniel Prenn wurde im Doppelspiel 1:2 geschlagen, siegte jedoch im Einzelspiel 6 :4. " ' 'In Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten und einer großen Zuschauermenge wurde Sonntag die Makkabiade zum Abschluß gebracht. Im Finale des Fußballturniera siegte Polen Uber Rumänien 2:1, Litauen schlug die Tschechoslowakei 4 :0 und besetzte damit den d r i 11 e n Platz. Oesterreich gewann die Dr. Herzl-Staffel in 4:31,2, Blödy (Hakoah) siegte über 1500 Meter in'. 4:13,4. Auch die 4X400 Meter-Staffel igewann Oesterreich, (3:29,4) und in der Damenstaffel über 4X100. Meter sowie in der gleichen Staffel für Herren endeten die" Oesterreicher an zweiter Stelle. (Wir werden noch ausführlich über dieses grandiose Sportfest berichten. D. Red.) Zu den jüdischen Feiertagen naoh Polen fährt der Sonderzug am 18. September 1933 nach Krakau, Lemberg, usw. Pullmann-Wagen, reservierte Plätze. Wir bieten den Teilnehmern wie bei unseren Sommerreisen alle Bequemlichkeiten und verschicken auf Verlangen gratis unseren Prospekt. Näheres durch Schenker & Co., I., Schottenring 9, Tel. R-50-510, Büro E. Forstel, I., Kärntnerring 12, Tel. U-40-301. . E- I Das Palästina- Informationsbnch war innerhalb 8 Wochen vergriffen! 2. Auflag« soeben erschienen äs; Das beste Bi sein Att! Präzise Beantwortung aller Fragen über Palastina- Verwaltung, Steuer, Recht, Zoll, Verkehr, Touristik, Einwanderungsbestimmungen, Exlstenzmögiichkei'en, Zionismus / FUhrer durch das Land / Hebräisches Vokabularium in Lateinschrift 120 Oktavselten Tatsachen und Zillern' •Ine Landkarte I Im Inland S 4.20, im Ausland M. 2 50, Schw Fr 3— Pengö 4.-, Zloty 5.-, Dinar 45.— bei Vorauszahlung, inklusive Porto . Gen. m, b. 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Stephen Wise führte aus, daß die bisherigen sozialistischen Experimente dem Aufbau des jüdischen Palästina hemmend entgegengewirkt haben und daß Palästina daher ohne die Hindernisse des Sozialismus aufgebaut werden müsse. Meir Großmann (Judenstaats-Zionist) fragte, ob die Verhandlungen über den Transfer (Uebertragung jüdischen Vermögens aus Deutschland nach Palästina) im Auftrag der zionistischen Exekutive geführt werden.; Exekutivmitgliecl Berl Locker: erwiderte, daß solche Verhandlungen nicht geführt würden < und daß die Exekutive bereit sei, Einzelheiten der politischen Kommission mitzuteilen. Großmann begnügte sich nicht mit dieser Erklärung und fragte an, ob die „Anglo Palestine Bank" der Kontrolle der zionistischen Exekutive unterliege oder nicht, zumal, scheinbar diese Bank die in Rede stehenden Verhandlungen mit Hitler-Deutschland führe. In die Enge getrieben, erklärte Locker, daß die Exekutive' berechtigt sei, unter Abgabe von Gründen keine Antwort auf die Interpellation Großmanns zu geben. Es wird also erwartet, daß die politische ..Kommission seinerzeit. dem. Kongreß Bericht erstatten und .ihn, in die Lage ver-' setzen wird, über die Angelegenheit zu verhandeln. Der lahmgelegte Kongreß Bekanntlich hätte der Zionistenkongreß seine Beratungen Donnerstag, >den- 31.- August; . abschließen* sollen. Inzwischen sind -durch die Manöver der Linken (Palästina-Depeschen rings um den Arlosoroff- Mord und die sogenannte Untersuchungskommission gegen die Jabotinsky-Revisionisten) wertvolle Sitzungstage verlorengegangen. Allgemein wird damit gerechnet, daß der Kongreß um einige Tage verlängert werden muß, da die Kommissionen erst in den letzten " Stunden arbeitsfähig geworden sind und das Problem der künftigen Leitung (Präsidium und Exekutive) sich erst im Anfangsstadium'befindet. Viel Lärm um nicht« Aus Prag wird unter, dem 27. August dem. Warschauer^ „M o m e n t" gemeldet: Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat sich telegraphisch an die Jerusalemer Exekutive gewendet, um Einzelheiten Uber die Tagebuchstellen Achü Meers zu erhalten. (Von uns an anderer Stelle gebracht. Anm. der Red.) Von Jerusalem ist die Antwort gekommen, die Exekutive möge sich nicht zu stark an den „Revolutionsakten" der Linken engagieren. Damit im Zusammenhang steht die kategorische Weigerung der Herren Motzkin und Ussischkin als der Mitglieder des Präsidiums, Katzenelsons Deklaration vorzulesen. Wie es heißt, haben die genannten Herren mit ihrer Demission gedroht. Richtigstellung Wir erhalten nachstehende Richtigstellung, die wir, obwohl sie dem Preßgesetz nicht entspricht und auch inhaltlich nicht einwandfrei ist, aus freien. Stücken abdrucken: In Ihrer Zeitungsnummer 309 vom 11. August 1933 haben Sie auf Seite 10 eine amtliche Verlautbarung der israelitischen Kultusgemeinde in Wien vorgebracht, welche unrichtige Behauptungen über das Gremium der jüdischen Kaufmannschaft, des Gewerbes und der Industrie in Wien enthält, weshalb wir Sie höfl. im Sinne des § 23 des Preßgesetzes — wie folgt — zu berichtigen auffordern: „Es ist unwahr, daß die Verlautbarung des Gremiums der judischen Kaufmannschaft, des Gewerbes und der Industrie in Wien, wonach .eventuelle. Beschwerden gegen Rechtsanwälte oder die Kultusgemeinde Wien schriftlich bekanntzugeben' sind, einen! unzulässigen Uebergriff und v eine Ueberschreitüng * der durch die Statuten des Vereines vorgesehenen Vereinstätigkeit darstellt." „Richtig ist, daß nach 9 3, Punkt. C und F, der Statuten des Gremiums der jüdischen Kaufmannschaft, des Gewerbes und der Industrie in Wien, die Gewährung von unentgeltlichem Rechtsschutz für die Mitglieder vorgesehen ist, ebenso auch das Einschreiten bei Behörden, Aemtern und. anderen Körperschaften: zweckp Wahrung gemeinsamer Interessen der Mitglieder.4' „Es ist unrichtig, daß die Bundespolizeidirektion den Obmann des Vereines, Aron Moses Ehrlich, Wien, II., Rembrandtstraße 16, angewiesen hat, in Hinkunft derartige Ankündigungen zu unterlassen." „Richtig ist, daß der Obmann des Vereines, Aron Moses Ehrlich, Wien, II., Rembrandtstraße 16, einen solchen Erlaß nicht erhalten hat." Im Auftrag der Gremialleitung: Aron Moses Ehrlich. Lord Melchett in Wien Lord Henry Melchett weilte zuerst Samstag, den 26. ds., inkognito in Wien, um die Wiener Museen zu besichtigen, und traf nochmals Montag, den 28. d., mittels Flugzeug von Prag in Wien ein. Im Hotel Bristol fand eine Pressekonferenz statt, bei welcher Lord, Melchetts Sekretär, Herr Jacob, im Namen Melchetts Erklärungen abgab. Er betonte, daß Lord Melchett nach Wien gekommen sei, um mit den Wiener jüdischen Sportkreisen.Fühlung.zu nehmen und um die Möglichkeiten der Handelsbeziehungen zwischen Oesterreich einerseits und England und Palästina andererseits an Ort und Stelle zu prüfen. f .. .. . EJas, Wiener .Empfangskomitee /gab;, zu Btteen des Gastes . im Hotel Bristol ein Bankett, an welchem zahlreiche Persönlichkeiten der Wirtschaft,,'der Wissenschaft, des Sportlebens, der Kunst teilnahmen. Auch der englische Gesandte Selby war anwesend. Im Namen der Bundesregierung gab Ministerialrat Dr. Wellpäch, der .;. Genugtuung Ausdruck,1 daß der hervorragende englische Wirtschaf tspolitiker sein Interesse der österreichischen Wirtschaft zugewendet habe. Es sprachen für das Gremium der Kaufmannschaft Präsident Lan g e r, für die jüdischen Kaufleute Und Gewerbetreibenden Präsident J; Jollea, für die Kultusgemeinde Vizepräsident Dr. Ornat ein, für die österreichischen zionistischen. Organisationen das bekannte Mitglied des Herzl-Klubs Zahnarzt Dr. Paul Berger, namens der Logen des Bne Brith Kommerzialrat Klemperer, namens der. jüdischen Frontkämpfer Hauptmann Stiassny. Der Vorsitzende Dr. Felix überbrachte die Grüße des Wiener Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang. In seiner Erwiderung betonte Lord Melchett die Wichtigkeit der Sympathien Englands für Oesterreich und wies auf die praktischen wirtschaftspolitischen Wege hin. Dienstag,, den 29. August, vormittags, erschien Lord Melchett in den Amtsräümen der Wiener Kultusgemeinde in der. Seltenste ttengasse, wo sich zu seinem Empfang im großen Sitzungssaal die Mitglieder des Vorstandes, soweit sie in Wien anwesend waren, des Rabbdnats und die Vorstände aller Aemter und Anstalten versammelt, hatten. Nach einer Begrüßungsansprache des Vizeprä»identen Dr. Ornstein würdigte Oberrabbiner Doktor Feuchtwang die Verdienste des Hauses Lord Melchett. Loi'd Melchett antwortete auf die Begrüßung unter warmer Anerkennung der Rolle der Wiener Judenschaft ia der Geschichte sowohl der Juden als auch Oesterreichs. *' Am Nachmittag desselben Tages wurde Lord Melchett vom österreichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß empfangen. Die Aussprache galt den Plänen Lora Melchetts, die österreichische Wirtschaft in innige Berührung mit England zu bringen und dadurch zur Ueberwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise beizutragen. In Begleitung Lord Melchetts befand sich der englische Gesandte in Wien Mr. Selby. Die Audienz währte eine volle Stunde. 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