Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 312 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 312 Kongreß des Maklcabi- Wellverbandes Am 28. August abends wurde der Kongreß des Makkabi-Weltverbandes in Prag feierlich eröffnet. Nach den Begrüßungsworten des Präsidenten Ing. Pacovsky und mehreren Ansprachen hielt Dr. L e 1 e v e r, London, in hebräischer Sprache eine Rede, in der er zunächst dem Präsidenten Masaryk für die Sympathien dankte, die er dem Judentum stets beweist. Ev beschäftigte sich dann mit der Lage der Juden in Deutschland und sagte u. a.: Die Zionisten verpflichten sich, nicht eher zu rasten, bis die Rechtstellung der deutschen Juden wieder gesichert sei. Nach der Katastrophe des deutschen Judentums liege die Verantwortung der jüdischen Nation auf den Schultern des englischen Judentums. _ __ Die Revisionisten* Verfolgungen in Palästina Adii Meirs Tagdbudi Die J. T. A. meldet aus Tcl-Awiw: Am 22. August wurden die 14 palästinensischen Revisionisten, die anläßlich einer Razzia vor einiger Zeit verhaftet wurden, dem Richter in Jaffa unter der Anklage vorgeführt, in den Jahren 1931, 1932 und 1033 mit dem Ziele konspiriert zu haben, aufrührerische Handlungen unter Anwendung von Gewalt und Terror zu begehen, gegen Verwaltungsbehörden der Palästina-Regierung Widerstand zu leisten, Unzufriedenheit und Unruhe unter der Bevölkerung hervorzurufen. Den Tatbestand der Verschwörung zum Aufruhr erblickt die Anklage ferner in der Veröffentlichung von: Artikeln in einer illegalen Publikation „Habirjonim" und in der mündlichen und serhiftlichen Aufreizung zu Ungesetzlichkeiten., Gegen einen der ursprünglich Beschuldigten, Baruch Milavsky, wurde die Anklage zurückgezogen, dagegen unmittelbar vor der. Verhandlung ein gewisser Josef Katzonclson aus Jerusalem neu verhaftet und vor Gericht gestellt. Inspektor Tenenbaum vou der Kriminalpolizei erklärte, er habe bei der Haussuchung in der Wohnung Achi-Meirs auf dessen Schreibtisch 16 Briefe und Aufrufe gefunden, aus denen das Besfcßhen eines Geheimbuhdes, Zionim Meapechanim oder Brith Birjonim, hervorgehe. In den Aufrufen werde gegen den French-Bcrieht und gegen die Beschränkung der jÜdiachen Einwanderung nach Palästina protestiert und die jüdische Jugend aufgefordert, für die F r e i h e i t Zions zu kämpfen. Ferner seien die Aufrufe gegen die Vorschläge betreffend eine jüdisch-arabische* Round-Table- Konferenz und gegen die Einsetzung eines Parlaments mit „Arabern, jüdischen Verrätern und der Palästina-Regierung" gerichtet. Die Polizei, erklärte Inspektor Tenenbaum weiter, habe ferner einen Dechiffrierschlüsgel und einige in chiffrierter Schrift geschriebene Briefe gefunden, in denen betont wird, daß der Brith Birjonim^eine Geheimorgan jsation bleibe und Mitglieder nur aufnehmen dürfe, wenn es sich um verläßliche Leute von festem Charakter handelt. Aus einem von dem Beschuldigten Jewin geschriebenen Brief sei zu ersehen, daß der Revisionistenführer Jabotinsky den Ausschluß der palästinensischen Extremisten aus der revisionistischen Partei verlangt habe, falls sie nicht ihre Taktik ändern sollten. Polizeiinspektor G o ff er sagte aus, er habe in Meirs Zimmer dessen Tagebuch und andere Dokumente gefunden, aus denen hervorgehe, daß der Brith Birjonim im Oktober 1931 die Aktion gegen die palästinensische Volkszählung, sowie die Obstruktion der Antrittsvorlesung Norman Bentwichs an der Hebräischen Universität organisiert hat. (Jxa Oktober 1931 waren Achi Meir und einige seiner Anhänger verhaftet worden, weil sie amtliche Aufzeichnungen betreffend die Volkszählung ausradiert hatten. Eine unter seiner Führung befindliche Anti-Volkszählungs- Organisation hat die Aufrufe verbreitet, in denen die Juden aufgefordert wurden, die Volkszählung zu boykottieren, weil sie eine Vorstufe für die Einsetzung eines Legislativ Council in Palästina darstellt. Er war auch einer der Rädelsführer bei der Störung der Antrittsvorlesung Norman Bentwichs im Februar 1932.) Der Verteidiger der angeklagten Revisionisten Dr. Cohen erklärte, er beabsichtige, Jabotinsky— dem die Behörden bekanntlich die Einreise nach Palästina verweigern — als Zeugen vorladen zu lassen. Ferner verlangte Dr. Cohen die Freilassung gegen Kaution derjenigen fünf Bes9huldigten, die bisher noch nicht auf freien Fuß gesetzt wurden. Staatsanwalt Shitrit erhob gegen den Antrag des Verteidigers in bezug auf vier der Angeklagten HOTPENsioN KIRSCHBAUM UDO-VENEDIG PIAHAU 8. M, HImMHb 20 Gut bürgerliche FamiWenpenslon,, mit direkter Sicht nach Venedig / Fließendes Wasser in allen Zimmern / Vorzügliche Wiener Küche / Terrasse mit großem, schaltigem Carlen / Eigene Badezelte Sehr mäßige Preise / Prospekte auf Verlangen / Schilling-ßinzahlutig auch in Wien i keinen Einspruch, dagegen verweigerte er die Zustimmung zur Freilassung von Achi Meir, da er beabsichtigt, gegen diesen die Anklage wegen Mitschuld an der Ermordung Arlosoroffs zu erheben. Die Verhandlung wurde sodann auf den 1. September vertagt. Jehiida Mm* freigelassen Am 24. August wurden die Vernehmungen in der Strafuntcrsuchung gegen S t a v s k y und Rosenblatt fortgesetzt. Zu Beginn der Verhandlung verkündete der Staatsanwalt, daß er auf Grund der jüngsten Erhebungen die Anklage gegen Jehuda Minz zurückziehe. Unter lebhaften Aeußerungon der Freunde verließ dieser, nachdem er Stavsky, Rosor.b?aft und Achi Meir, gegen den die Anklage wegen Mitschuld an der Ermordnung Dr. Arlosoroffs erhoben worden war, die Hand geschüttelt hatte, den Gcrichtssaal. Der Staatsanwalt verlas sodann die Anklage gegen Achi Meir, der beschuldigt wird, mit Stavsky und Rosenblatt den Mord vorbereitet und diese zur Tat angestiftet zu haben. Hierauf wurden dem neuen Angeklagten Achi Meir die von den früher einvernommenen Zeugen gemachten Aussagen, nämlich die Aussagen Dr. Alotins vom Hadassah-Spltal, der Dr. Arlosoroff vor seinem Tod behandelt hatte, Frau Arlosoroffs und des Leiters der Kriminalpolizei Hauptmann Rice, vorgelesen. Nachdem Hauptmann Rice noch einige Angaben über die Befragung Dr. Arlosoroffs vor seinem Tode durch einen Polizisten gemacht hatte, wurde die Verhandlung vertagt. Ein Provokateur Die Fortsetzung der Vernehmungen im Vorverfahren gegen Rosenblatt, Stavsky und den jüngst ebenfalls unter Anklage gestellten Achi Meir führte am 25. August zu sensationellen (!) Enthüllungen über die Vorgeschichte des Mordes an Dr. Arlosoroff. Der Arbeiter Moses Cohen, der, des Diebstahls beschuldigt, gleichzeitig mit Rosenblatt im Jerusalemer Untersuchungsgefängnis war und dessen Zelle teilte, sagte vor dem Jaffaer Gericht aus, R o s e n b 1 a 11 habe ihm gegenüber ein Geständnis des Mordes abgelegt. Cohen erklärte, er habe Rosenblatts Vertrauen gewonnen, indem er sich als Revisionist ausgab. Rosenblatt habe zu ihm gesagt: „Ich habe Arlosoroffaus politischen Gründen erschossen. Stavsky war an dem Mord beteiligt, jedoch nicht Minz. Hätte Frau Arlosoroff gewußt, daß ich der Mörder ihres Gatten bin, so hätte sie mir nicht in die Augen geschaut." In größter Erregung und mit erhobener Stimme erklärten Rosenblatt und Stavsky bei dieser Aussage, ^der Zeuge lüge. ■ ' Bezeichnend für die Mentalität der englisch-arabischen Behörde ist die Tatsache, daß sie dem verhafteten Rosenblatt einen Provokateur beigibt, einen abgestraften Gesellen, um diesen später als Zeugen zu benützen. Europa blickt nach dem Nahen Osten Die Ziele der Levante-Messe Tel-Awiw 1934 Von Dr. J. Adle r, Tel-Awiw . Export, Erschließung neuer Märkte, das \at der Ausweg aus Auftragsmangel und Arbeitslosigkeit. Wo aber sind heute überhaupt neue Märkte zu finden? Drv Nahe Osten gewährt in dieser Hinsicht weit bessere Aussichten als jeder andere Teil der Erde. Viele Jahrhunderte hindurch waren diese Länder — Palästina, Aegypten, Syrien, Arabien, Irak, Türkei — wirtschaftlich vernachlässigt gewesen. Heute hat sich die Situation vollständig geändert. Wer. als Geschäftsmann oder als Tourist den Mittleren Osten bereist, wird staunender Zeuge eines einzigartigen Vorgangs. In rapider Entwicklung übernehmen die 50 Millionen Menschen dieses Erdraums die Errungenschaften der modernen Zivilisation. Sie intensivleren ihre Landwirtschaft und technisieren ihre städtischen Gewerbe und ihr Verkehrswesen. Sie bauen neue Autostraßen, Eisenbahnen, Elektrizitäts* zentralen, Häfen und dehnen ihre Städte durch modernste Fabriken und Wohnquartiere aus. Diese Entwicklung ist das Stimulans eines starken Importbedarfs an allen Waren, die zur technischen Equipierung und zu einer höheren Lebenshaltung gehören. Im besten Jahr uer Nachkriegszeit hat der Gesamtimport des Mittleren Ostens schon1140 Millionen erreicht, in erster Linie aus Textilwaren, Maschinen, Elektromaterial, Baustoffen, Eisenwaren, Chemikalien und Lebensmitteln bestehend. Gegenüber dem Drucke der Weltwirtschaftskrise hat sich der Import gut um ein Drittel besser behauptet als der Import aller anderen Länder der Erde. Dieser Markt beansprucht also mit Recht die höchste Aufmerksamkeit der internationalen Exportindustrien. Wie steht es um die Devisenbestimmungen? In Palästina, Aegypten, Syrien, Irak, Cypern sind glücklicherweise solche Reglementierungen überhaupt unbekannt. Auch sind die Zölle (in Palästina) niedriger als in den meisten Ländern Europas und Amerikas, während sie im übrigen Orient durchaus erträglich sind. Wer die idealen Bedingungen dieses neuen großen Absatzmarktes kennenlernt, dem werden auch die dortigen günfltlgea Einkaufsmöglichkeiten nicht verborg« tytl* cl&u £)a,7n&n fnie Strumpf* TdxAcAdeicfe mitt furnmiöand UaJ>laj% eßxstiscfiem er«»"»"| mra<?n| IIJaboi$fc[ 4-0 ben. Für Europas Bedarf an Orangen und sonstigen Südfrüchten, an Frühgemüse, Reis, Kaffee, Tabak, Zigaretten, Eiern, Oelen und Seifen, Baumwolle, Wolle, Seide, Häuten und Fellen, Petroleum bieten die Länder der Levante die vorteilhaftesten Bezugsquellen. Es wäre für den Kaufmann unmöglich, den Mittleren Osten planmäßig zu bearbeiten, wenn es nicht ein gemeinsames geschäftliches Zentrum gäbe, eine Konzentration des Levantemarktes an einem bestimmten Orte, zu einem bestimmten Termin. Dieses Problem bestand schon vor Jahrtausenden. Bereits damals wurde es durch Palästina gelöst, das „Land der Mitte" im ältesten Kulturkreis der Welt, das Land des Transits und des Seehandels schon in den Kindheitstagen der Menschheit. Wiederum erleben wir es, daß Handel und Industrie des Orients ihren Brennpunkt in Palästina finden. Tel-A wiw: Kennt man schon allgemein die Geschichte dieses jungen Wirtschaftszentrums des Orients? 1909 gründen 300 Menschen, Pioniere der großartigen jüdischen Kolonisation, die das alte . Palästina verjüngt, am Strande des Mittelmeeres eine neue Siedlung: Tel-Awiw. Nach 24 Jahren, 1938, wohnen hier 60.000 Menschen und in nicht ferner Zeit werden es über 100.000 sein. Fast noch verblüffender ist die Entwicklung der Levante-Messe, die in Tel-Awiw ihren Sitz hat. Erstmalig fand sie 1926 statt, ein Versuch, der zur Wiederholung ermutigte. Schon die vierte Levante-Messe Tel- Awiws, 1929 abgehalten, erreicht 330 Aussteller (darunter 121 ausländische Firmen) und 120.000 Besucher, und die fünfte Levante-Messe, die 1932 stattfand, bringt es in jähem Aufschwung auf 1226 Aussteller und auf 285.000 Besucher, mit dem geschäftlichen Resultat: Unmittelbare Messeabschlüsse rund 100.000 Pfund und Nachbestellungen auf Grund der Messeanbahnungen von mehreren Millionen Pfund! So hat die Levante-Messe Tel-Awiw gerade in dem „internationalen Krisenjahr" 1932 ein glänzendes Examen bestanden. Daraus ergab sich die Basis für die nunmehr sechste Levante-Messe, die im Mal 1934 vonstatten gehen wird, zum ersten Male auf eigenem permanenten Gelände von 100.000 Quadratmeter, in permanenten Hallen, in der definitiven Form einer großen internationalen Messe. Sie wird — als einzige moderne Mustermesse des gesamten Orients — der Treffpunkt der bedeutendsten Ein- und Verkaufs- Interessenten des „Mittleren Ostens" sein, das Schaufenster der europäischen und amerikanischen Industrieproduktion für die Levante — und umgekehrt. Stark verbilligte Sonderdienste der Eisenbahnen, der Schiffslinien, der Autolinien, des Luftverkehrs werden den Teilnehmern der Messe zur Verfügung stehen. Umfassende Organisation wird dafür sorgen, daß Unterkunft und Verpflegung auch bei stärkstem Andrang tadellos funktionieren, daß alle gewünschten Auskünfte über das Levante-Gesqhäft präzise erteilt werden, daß überhaupt die Levante-Messe Tel-Awiw 1934 alle wirtschaftlichen Wünsche befriedigt. , Fein* *»dtt"a Petit- PiM-T"*"