Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 312 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 312 DIE NEUE WELT Bettet man unter der Bewachung von Nazitruppen zu hunderten durch die Straßen paradieren läßt, indem sie die Juden aus den gelehrten Berufen ausstoßen, in denen es viele zur Meisterschaft gebracht hatten, indem sie ihre Kinder aus den Schulen, ihre Männer aus den Gewerkschaften ausschließen. Man sperrt ihnen jeden Weg, ihren Unterhalt zu finden, man treibt sie in die grauenhaften Konzentrationslager, man hungert sie aus und foltert sie, man erschießt und erschlägt sie, man erfindet jede erdenkliche Form der Peinigung, bis der Selbstmord zum einzigen Ausfluchtsmittel wird — und das alles mit dem eingestandenen Zwecke, sie zu vertilgen. Gegen dies alles, den schmutzigsten Boykott in den Annalen der Geschichte, rufen wir die Menschheit zu einem Gegenboykott auf. Dieser Aufruf geht von der Ueberzeugung aus, daß es noch Idealismus und Rechtsgefühl gibt. Mit dieser Erklärung unserer Absichten wende ich mich an das „American Jewish Committee", dessen guten Willen ich keinen Augenblick lang bezweifle, dem ich aber die Weisheit des Urteils abspreche, und fordere es auf, nicht länger beiseite zu stehen, sich zu befreien von seinen ängstlichen und schlechtdurchdachten Vorurteilen lind teilzunehmen an der aktiven Durchführung des Boykotts, unserer einzigen Waffe außer der Anrufung des Völkerbundes . . . Es genügt nicht, daß Sie keine Waren „made in Germany" mehr kaufen. Sie müssen es ablehnen, mit Irgend einem Kaufmann oder Ladenbesitzer etwas zu tun au haben, der irgend welche deutsche Waren verkauft oder deutsche Schiffe und Schiffahrt fördert. Zu unserer Schande sei es gesagt, daß es einige Juden — glücklicherweise nur einige wenige — unter uns gibt, die so bar sind aller Würde und Selbstachtung, daß sie sich bereitfinden, auf deutschen Schiffen zu reisen, wo man sie verachtet und wo sie dem gerchten Ekel der Mitpassagiere und der Angestellten, die sie bedienen, ausgesetzt sind. Ihre Namen sollten fern und nah angeprangert werden. Es Bind Verräter an ihrer Rasse." Das Manöver mit den Palästlna*Depe§dien Als in der Generaldebatte Dr. Schechtmann (Jab.-Rev.) die Tribüne bestieg, um das Wort zu ergreifen, verließ die ganze Arbeiterdelegation den Saal. Nach der Rede Schechtmanns erschien sie wieder und übergab dem Präsidenten eine Deklaration, in welcher sie erklärt, weshalb sie die Rede Schechtmanns nicht angehört habe. Nach der Beratung darüber, ob die Deklaration dem Plenum vorgelegt werden solle, verschob der Präsident die Sitzung auf Sonntag abend. Inzwischen bemühte sich das Präsidium, sich die Berichte und das Material zu verschaffen, das ihm die Grundlage zu der Erklärung zu geben hat, die beinhalten soll, ob die Deklaration der Linken vorgelesen werden möge oder nicht. In der Deklaration der Linken wird gesagt, sie hätte die Sitzung deshalb verlassen, weil hier Menschen vorhanden seien,, die zum Arlosoroff-Mord in Verbindung ständen. Es handelt sich hier um das inzwischen aufgedeckte Manöver von Palästiaa-Depeschen, die sich auf ein von der Untersuchungsbehörde gefundenes „Tagebuch" von Achi Melr beziehen. In diesem Tagebuch sollen sich Notizen finden, die auf eine Organisierung des Arlosoroff-Mordes seitens der sogenannten extremen revisionistischen Kreise in Palästina hindeuten lassen. Präsident Motzkin unterbrach die Plenarsitzung und berief eine Beratung des Präsidiums ein, welches beschließen sollte, ob eine Deklaration vorgelesen werden solle, welche Berl Katzenelson im Namen der Linken eingebracht hatte. Diese Deklaration bezog sich auf das letzte Verhör mit Achi Meir, Stavsky und Rosenblatt vor dem Untersuchungsrichter in Jaffa. Das Präsidium beschloß, die Vorlesung aufzuschieben, bis das Präsidium in der Lage sei, auf telephonischem und telegraphischem Wege authentische Meldungen in dieser Angelegenheit zu bekommen. Die in Rede stehenden Tagebuchstellen sind, wie leicht ersichtlich, Notizen Uber Gerüchte, welche nach der ifH.HI ■• 6. September bis 41. Oktober 1933 | In Verbindung mit einer Mittelmeer- 1 rundrahrt mit dem Lloyd-Dampfer 1 „Vienna" | Rückfahrt über Aegypten mit dem 1 Lloyd-Dampfer „Hetouan" . § Aufenthalt in: Palästina 15 Tage. / Kairo § S Tag« / Konstantinopel 2 Tage / Athen | 2 Tage / Rhodos 1 Tag / Venedig 1 Tag | Genua 1 Tag 1 Rosch - Haschanali in Jerusalem | Pauschalpreis von Wien bis Wien: | Dampfer III. Klasse Spezial (vereinfachte II. Kl.), i Eisenbahn II. Kl., gut bürgerl. Hotels u. MlCf) I Verpflegung, Führung, Trinkgelder usw. u 14311." I Bei Benützung der II. Schiffski. um S 350.- mehr [ Gesamtarrangement: Frau Berta Taubes | Technische Durchführung; Reisebüro 1 „Marlenbrücke" (Palästinadienst), Wienl, 1 Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86 u. R-24-2-87 | g Auskünfte taglich / Prospekte gratis I Ermordung Arlosoroffs den ganzen Jischuw beunruhigen. So heißt es u. a.: „Ein Freund der Engländer, ein Mann, der von des Herrschers Brot gegessen hat, ist von den Händen Unbekannter gefallen." Aehnliche Stellen haben sich auch in diversen Briefen Achi Meirs gefunden. Beim Verhör vor dem Untersuchungsrichter hat sich Achi Meir auf einen Artikel im „Chassit Haam" bezogen, in welchem die Zeitung schwere Trauer über den schauerlichen Mord zum Ausdruck bringt. Die Plenarsitzung wurde in der letzten Minute auf Montag, 11 Uhr vormittags, verschoben. Diese Verschiebung hängt damit zusammen, daß das Präsidium des Kongresses sich telegraphisch nach Palästina gewendet hat, um neue und einwandfreie Dokumente betreffs des Arlosoroff-Mordes, insbesondere wegen der Tagebuchstellen Achi Meirs, zu erhalten. Das Präsidium hat an die Jerusalemer Exekutive und an den Bürgermeister Dizengoff telegraphiert, da aber eine Antwort noch nicht vorlag, wird das Präsidium bloß zur Deklaration von Berl Katzenelson Stellung nehmen. * Wie bereits erwähnt, wurde das A. C. einberufen und wird sich mit der Tätigkeit der Revisionisten (Jab.- Rev.) beschäftigen, soweit es sich um etwaige Beziehungen zum Arlosoroff-Mord handeln sollte. Die Nachtsitzung des Aktions-Komitees soll sehr stürmisch verlaufen sein, führte indessen nicht zu einem endgültigen Ergebnis. Es verlautet, daß der Kongreß eine eigene Untersuchungskommission zur Prüfung der Mitschuld der Revisionisten nach Palästina entsenden wird, und daß die Exekutive vom Kongreß die Vollmacht erhalten wird, je nach dem Ergebnis dieser Untersuchung dann von sich aus alles Weitere zu veranlassen. VorWeizmanns Rüde kehr Manipulationen^ Manöver u» Sfellensdhadher Die J. T. A. meldet unter dem 27. d. aus Prag: Die Verhandlungspause des Kongreßplenums wurde von den einzelnen Partelen zu intensiven Vorbesprechungen über die Bildung der neuen zionistischen Exekutive und die Wahl des Präsidenten der Organisation ausgenützt. Alles deutet darauf hin, daß Dr. Weizmann wieder zum Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agenoy gewählt werden wird, obwohl er sich bisher noch nicht auf dem Kongreß gezeigt hat. Dr. Weizmann ist aus Zürich wieder in der Tschechoslowakei eingetroffen und hält sich derzeit einige Stunden von Prag entfernt in dem Kurort Zermak auf. Unterhändler der Arbeiterpartei haben sich zu ihm begeben, um Verhandlungen über seine Beteiligung an der neuen Exekutive und die Uebernahme der Fuhrung der Organisation mit ihm aufzunehmen. Wie die J. T. A. erfährt, macht Dr. Welzmann seine Einwilligung davon abhängig, daß der neuen Exekutive aussehließlichvon ihm selbst nominierte Persönlichkeiten angehören. Die Auswahl der in Betracht kommenden Kandidaten hat Dr. Weizmann noch nicht vorgenommen. Er beabsichtigt, zu einem späteren Zeitpunkt einen diesbezüglichen Vorschlag von Zermak aus zu erstatten. Andererseits verlangt die Arbeiterpartei als stärkste Fraktion des Kongresses, daß der neuen Exekutive, wie immer sie sich im übrigen zusammensetzen möge, drei Mitglieder aus der Arbeiterpartei angehören müssen. Die Vertreter des jüdischen Arbeiterverbandes Palästinas, Histadruth Haowdim, sind der Ansicht, daß eine Exekutive, der drei Arbeiterparteiler und ein Radikaler — als Vertreter der Radikalen kommt mit großer Wahrscheinlichkeit Abg. Grünbaum in Betracht — angehören, nicht zu fürchten habe, daß Dr. Weizmann eine Diktatur über die Exekutive ausüben werde; sie ist im Gegenteil davon überzeugt, daß eine solche Exekutive ein ausreichendes Gleichgewicht zum persönlichen Willen Weizmanns bilden werde. Sollte Dr. Welzmann zu einem Einverständnis mit der Arbeiterpartei gelangen, so Ist seine Wahl durch eine große Mehrheit, bestehend aus Arbeiterpartei, Radikalen und sicheren Anhängern Welzmanns in der Gruppe der Allgemeinen Zionisten, gesichert. Es wird bereits eine Liste der Personen genannt, die in die neue Exekutive eintreten soUen. Diese Exekutive würde sich aus Berl Locker, Ing. S. Kaplansky, Josef Sprinzak, Prof. S. Brodetzky, Morris Rothenberg und J. Grünbaum zusammensetzen. Hlezu käme noch der Präsident, also vermutlich Weizmann. Der Misrachi ist vorläufig nicht geneigt, einen Vertreter in die Exekutive zu entsenden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, daß er im letzten Augenblick noch anderen Sinnes wird. Für die Revisionisten besteht keinerlei Aussicht einer Beteiligung an der Exekutive. Zioni'stenlfongreß und judi§clu arabische Beziehungen Die „Times" vom 24. d. widmen dem Zionistenkongreß einen Artikel, in welchem sie folgendes ausführen: „Die schwierige Lage der Juden in Deutschland gibt dem Kongreß eine besondere Wichtigkeit. Die wichtigste Aufgabe des Kongresses ist die Vorbereitung eines Programms für die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina für die nächsten zwei Jahre und die Wahl eines Führers, beziehungsweise einer Exekutive, welche dieses Programm zu verwirklichen haben werden. Als panjüdische Versammlung kann der Kongreß nicht gleichgültig sein gegenüber dem Los ihrer Gesamtheit, welche über die ganze Welt zerstreut ist. Die letzten Ereignisse haben in einem gewissen Maße die zionistische These unterstützt, wonach der Liberalismus und die Assimilation das jüdische Problem nicht lösen werden. Die Leiden, welche die stark assimilierten Juden in Deutschland auszustehen haben, jene deutschen Juten, welche früher dem Zionismus Indifferent und sogar feindlich gegenüber standen, haben sie dem Zionismus näherf// Emil Janrvngs Glanzrolle in dem Millionenfilm KONIG PAUSOLE Regie: Alexis Granowsky / Musik: Dr. Karl Rathaus Uraufführung: OPERN-KINO I. IMPERIAL-KINO I. LOWEN-KINOIII. WIENZEILE-KINOVI. MARIA-THERESIEN-KIKO VII. FLIEGER KINOIX. THEATER-KINOXVII. Monopol: Huichak * Co. gebracht. Dies ist die Erklärung des bemerkenswerten Interesses, welches der gegenwärtige Kongreß im Judentum hervorgerufen hat. Die Kongreßwahlen sind überall sehr leidenschaftlich durchgeführt worden, und der Rückschlag der Revisionisten, die mächtige Gegner des englischen Mandats sind und zu glauben scheinen, daß das nationale Heim eher im Sturm als langsam aufgebaut werden muß, ist charakteristisch. Der Erfolg der mäßigen, sozusagen konstitutionellen Elemente wird zweifellos in den Kongreßverhandlungen zum Ausdruck kommen. Der Umstand, daß Nachum Sokolow, der Veteranpräsident der zionistischen Weltorganisation, in seiner Eröffungsrede die Ereignisse nicht sehr scharf besprochen hat, zeigt seine Weisheit und Selbstkontrolle. Ein Gegenangriff würde die Lage der Juden in Deutschland noch verschlimmern und eine vernünftige Verteidigung durch die Behauptung, daß die Juden die deutsche Zivilisation bereichert haben, wäre bei den Kämpfen für die „arischen Ideale" vergebliche Mühe. Sein Appell an seine Glaubensgenossen, keine sensationellen Aktionen zu erwarten,, sondern die* Kräfte zu vereinigen, um den Zionismus zum Erfolg zu führen, wurde freundlich aufgenommen. Es ist wahrscheinlich, daß die Vorschläge zur Unterbringung deutscher Juden in Palästina unter dem Aspekt der Aufnahmsfähigkeit des Landes berücksichtigt werden. Palästina prosperiert zweifellos trotz der Weltkrise, doch kann ein auf die Mandatsmacht eventuell ausgeübter Druck, falls er gelingen sollte, diese Prosperität in Gefahr bringen. Eine Berücksichtigung dieser Gefahr wird die Kongreßdelegierten nicht abhalten, mit zahlreichen Kritiken gegen die englische Politik in Palästina aufzutreten. Derartige Kritiken waren auch auf den letzten drei Kongressen zu hören. Nützlicher als diese sich wiederholenden Kundgebungen von Ungeduld wäre die Formulierung und Aufstellung von Plänen für eine jüdische und arabische Zusammenarbeit, welche die Zionisten oft mehr loben als praktizieren. * Die „Times" vom 23. d. veröffentlichen einen Bericht ihres Jerusamer Korrespondenten unter dem Titel „Araber und Juden — eine Gelegenheit für Zusammenarbeit". Darin heißt es: Während des letzten Besuches von Lrod Allenby und Sir Cunliffe-Lister haben arabische Führer gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina demonstriert. Es ist sehr zweifelhaft, ob die Gegnerschaft gegen die jüdische Einwanderung bei den arabischen Massen vorhanden ist. Die Fellachen haben zweifellos durch die jüdische Einwanderung und durch Zufluß des jüdischen Kapitals viel profitiert. Denn eines ist sicher: Es gibt jetzt keine Arbeitslosigkeit unter den Arabern. Selbst der Prench- Be rieht gibt zu, daß die Zahl derjenigen Araber, die durch den Kauf des Bodens seitens der Juden angeblich ihre Existenz verloren hätten, unbedeutend ist. Die Bauarbeit und die damit verbundenen Nebenbeschäftigungen wie der Transport von Baumaterialien usw. beschäftigen tausende Hände. Die Bauunternehmer können die erforderliche Zahl von Arbeitern nicht auftreiben. Es ist auch ein lebhafter Bedarf für Gemüse, Milchprodukte und Geflügel entstanden. Haßgefühle gegen Juden sind besonders bei den gebildeten Arabern vorhanden. Sie hassen den Fortschritt der jüdischen Bewegung und dieser Haß wird durch das Bewußtsein, daß sie gegen diese Bewegung hilflos sind, genährt. Die Araber sind uneinig unter sich und haben keine gemeinsame Organisation. Der im w «su ■DIE PERLE DER A DMA I DIE SCHÖNSTE INSEL BEI RAQUSA I NEUENTDECKTE BIAUE GROTTE Herrlichster Sommer- und K»i-bstaufenthalt. Vorzügliche und reichliche Wiener Küche. Schöne Zimmer mit fließendem Wasser. 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