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Die neue Welt · 1933-09-01 · Heft 312 (1.9.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 312 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr» 312 Jüdische Mädchen vor der Berufswahl Dr. Krüger-Heim Wien II, Malzgasse 7 Telephon A-48-0-77 Zweijährige Fachschule für Weißnähen und Kleidetmachen mit Oeffentllchkeitsrecht Einjährige Haushaltungsschule und zweimonatige hauswirtschaftliche Vorbereitungsnurse für Palästina; streng rituell Viele sonstige Ausbildungsmöglichkeiten 1 Privat-Volks- und Hauptschule mit OtffentllchkeHsrecht Prospekt auf Wunsch / Internat / Mittelstandspreise Berufsberatung täglich von 10 bis 12 Uhr Einwanderung deutscher Juden zu öffnen, ihre Ansiedlung zu erleichtern und alles zu tun, damit das jüdische Nationalheim, dessen Errichtung der Hauptinhalt des Mandates ist, im schnellsten Tempo und im größten Umfang aufgebaut wird, um so eine unerschütterliche Existenzgrundlage für das jüdische Volk zu schafften, dessen Dasein seit Jahrhunderten nicht so gefährdet war wie heute. 3. Der Kongreß appelliert an die Oeffentlichkeit der Welt, an alle Staaten, die ihre Solidarität mit dem Inhalt des Palästina-Mandats bekundet haben, und an den Völkerbund, der seine Durchführung zu überwachen hat, dem jüdischen Volke durch aktive Hilfe, vor allem in Form Internationaler, politischer Kooperation in seine Bemühungen um den Aufbau des Nationalheims beizustehen. II. Im Hinblick auf die Katastrophe, die die Juden in Deutschland getroffen hat, hält es der XVIII. Zionistenkongreß für seine Pflicht, ein Wort der Mahnung und des Rufes an das jüdische Volk in seiner Gesamtheit zu richten. Noch niemals in der Geschichte des Zionismus hat sich die volle Richtigkeit der zionistischen Analyse der jüdischen Gesamtsituation und die Berechtigung der zionistischen Lösung der Judenfrage in solch tragischer und überzeugender Weise manifestiert. Die Geschehnisse in Deutschland besiegeln den endgültigen Zusammenbruch all jener Illusionen, die in der bürgerlichen Emanzipation allein oder gar in der gewollten Assimilation eine Lösung der Judenfrage erblickt haben, den Zusammenbruch aller Versuche, die Solidarität und das gemeinsame Schicksal des jüdischen Volkes zu leugnen. Die Katastrophe in Deutschland hat bewiesen, daß der Zionismus und das jüdische Nationalheim in Palästina die einzige Lösung der Judenfrage sind. Das zionistische Ideal in allen seinen Auswirkungen gibt der jüdischen Gemeinschaft und jedem ihrer Mitglieder die innere Kraft und Fähigkeit, allen Angriffen auf ihre Ehre und Existenz Widerstand zu leisten. Kein anderes Land der Welt bietet heute auch nur in annähernd gleichem Maße Zuflucht und Existenzmöglichkeit für die Zehntausende verdrängter und entwurzelter Juden. In der Tragödie des deutschen Judentums gibt es nur einen Lichtblick: Erez Israel. Daher fordert der XVIII. Zionistenkongreß das jüdische Volk auf, über alle Parteigegensätze hinweg das Bewußtsein des gemeinsamen historischen Schicksals in sich neu zu erwecken und alle seine Energie, äeine Fähigkeit, seine Mittel in den Dienst der Verwirklichung des zionistischen Endziels zu stellen. Der schnellste Aufbau des Nationalheims ist die entscheidende Aufgabe dieser Generation. Vereint mit unserem Protest gegen das unsagbare Unrecht, das den Juden Deutschlands angetan wird, vereint mit unserem Gelöbnis, nicht zu ruhen, bis dieses Unrecht wieder gutgemacht ist, wird der entschlossene Wille des jüdischen yolkes zum Aufbau seines nationalen Heimes und eine' entscheidende Leistung als Bekundung dieses Willens den stärksten Beweis unserer nationalen Solidarität mit den Juden Deutschlands darstellen. * / Sodann gelangte die Resolution der Jabotinsky- Revisionis.ten zur Verlesung; sie lautet: 1. Der Kongreß erhebt feierlichen Protest gegen die allen Gesetzen der Gerechtigkeit und allen Geboten der menschlichen Gesittung zuwiderlaufende Entrechtung der jüdischen Bürger des Deutschen Reiches. Der Kongreß erklärt, daß die Tendenz des in Deutschland herrschenden politischen Systems auch die festesten Grundlagen der bürgerlichen Existenz aller Juden, wo immer sie leben, zu untergraben droht, daß daher dieses Ereignis nicht mehr als eine Angelegenheit der deutschen Judenheit, sondern als eine des gesamten Weltjudentums zu betrachten und zu behandeln ist; und daß es zur Pflicht des Weltjudentums geworden ist, auf diesen Vernichtungsfeldzug gegen das jüdische Weltvolk im Namen des jüdischen Weltvolks und mit allen uns zur Verfügung stehenden, der Ethik des Judentums und der Menschheit gemäßen Mittel eines gerechten Abwehrkampf es. zu reagieren. Der Kongreß begrüßt daher die spontane Entscheidung der jüdischen Massen in allen Ländern, ihre Kaufkraft und ihren wirtschaftlichen Einfluß als Faktor des Welthandels künftighin ausschließlich zugunsten der Produktion jener Staaten einzusetzen, welche das Prinzip der unbedingten Gleichberechtigung ihrer jüdischen Bürger grundsätzlich anerkennen, und beschließt, daß die zionistische Bewegung jeden ernsten Versuch, diese gerechte Schutzaktion der jüdischen Volksmassen auszubauen und zu organisieren, aktiv und energisch unterstützen wird. Der Kongreß erklärt ferner, daß die Vergewaltigung der Staatsbürger jüdischer Abstammung durch das regierende System in Deutschland eine politische Gesinnung enthüllt, die die stärksten Gefahren für die Wohlfahrt aller Nationen, für den Weltfrieden und die menschliche Gesittung in sich birgt, und daß es die Pflicht aller jüdischen Kreise ist, auf diese Gefahr die schärfste Aufmerksamkeit der Machtfaktoren der Kulturwelt zu lenken- Dieser Ruf zur Schutzaktion gilt für alle Teile des jüdischen Volkes, einzig ausgenommen die deutsche Judenheit. In tiefstem brüderlichem Mitleid mit der tragischen Lage der deutschen Juden, im vollen Vertrauen, daß sie die Tragödie mit Treue und Würde bestehen werden, wird eich das Weltjudentum jedes Versuches enthalten, das Verhalten der deutschen Juden gegenüber dem in Deutschland regierenden System nach irgendwelcher Richtung zu beeinflussen; aber zu gleicher Zeit kann das Weltjudentum seine eigene Taktik diesem Regime gegenüber in keiner Weise von den diesbezüglichen Stimmungen der deutschen Judenheit abhängig machen. Es gilt jetzt, für die Lebensberechtigung eines Weltvolkes, nicht bloß für das Bestehen einer Landesgemeinde zu kämpfen; und der Kongreß erklärt feierlich und entschieden, daß alle Versuche, durch unwürdige und unmenschliche Drohungen mit lokalen Repressalien die Einstellung der Schutzaktion des Weltjudentums zu erpressen, unberücksichtigt bleiben werden. Der Kongreß erklärt, daß die Katastrophe des deutschen Judentums der ganzen Welt den endgültigen und entscheidenden Beweis für die große Wahrheit gibt, daß die einzige Lösung des tragischen Problems der Weltjudenheit nur in der Schaffung eines Gemeinwesens besteht, einerseits auf einem Territorium mit genügendem Raum für die breiten jüdischen Massen, andererseits ausgestattet mit allen Rechten einer nationalen jüdischen Staatlichkeit. Gerade diese Lösung der Judenfrage hatten die Schöpfer der Balfour-Deklaration und des Mandats im Auge; daher ist die einzig richtige Interpretation, diese Versprechungen, die die zivilisierte Welt in diesem Dokumenten übernommen hat, die Umwandlung Palästinas zu beiden Seiten des Jordan in einen jüdischen Staat. Der Kongreß wendet sich an die Mandatarmacht, an den Völkerbund und an die Regierungen sowie an die öffentliche Meinung der zivilisierten Welt mit der Forderung, diese Auffassung der im Palästina-Mandat enthaltenen Grundsätze endgültig anzunehmen und daraus alle praktischen Konsequenzen zu ziehen, und zwar: a) Freie Einwanderung der jüdischen Massen nach Palästina zu beiden Seiten des Jordans, unter der ausschließlichen Führung und Verantwortung der zionistischen Organisation als Jewish Agency; b) die Durchführung aller jener politischen, administrativen und Ökonomischen Reformen in dem gesamten ursprünglichen Mandatsgebiete, die unter völliger Garantie der Rechte der im Lande lebenden nichtjüdischen Bevölkerung in ihrer Gesamtheit ein den Zielen der jüdischen Massenkolonisation entsprechendes Regime darstellen; c) die Sicherheit der jüdischen Ansiedler im gesamten Mandatsgebiete durch die Schaffung von legalen, in Zahl und Ausrüstung ihrer Aufgabe gewachsenen und aus Juden bestehenden Schutzformationen zu gewährleisten; d) der Mandatarmacht und der Jewish Agency die Aufnahme einer den genannten Zielen adäquaten internationalen Anleihe zu ermöglichen. Die Resolution der demokratischen Revisionisten Die Machthaber im deutschen Volke haben einen Kampf eröffnet, dessen Ziel die Vernichtung des jüdischen Volkes ist und dessen Formen an Graumsamkeit nicht zu Übertreffen sind. Die Glut unermeßlichen Hasses hat alle Begriffe von Gerechtigkeit und Menschlichkeit vernichtet. Führer eines Volkes hoher Kultur und Zivilisation sind dem Taumel blinder Wut verfallen. Wir stehen vor diesem Ereignis erschüttert, aber nicht überrascht. Vor sechsunddreißig Jahren hat unser großer Lehrer und Führer Theodor Herzl die Judenfrage in ihrer schrecklichen Größe aufgerollt. Er hat ausgesprochen, daß an der ungelösten Judenfrage alle Begriffe von gesellschaftlichem Fortschritt und Kultur zuschaden werden müssen, daß die ungelöste Judenfrage die Welt verseucht. Er hat auf die einzig mögliche Lösung der Judenfrage verwiesen: auf die Versetzung des jüdischen Volkes in normale Verhältnisse, auf dessen Repatriierung, auf die Errichtung des Judenstaates. Im Sinne Theodor Herzls lehnen wir es ab, uns in nutzlosen Klagen und Verwünschungen zu ergehen. Wir fordern von den Kulturvölkern die Lösung der Judenfrage, damit das jüdische Volk und mit ihm die. Kulturwelt nicht länger geschändet werden. Wir fordern vom Völkerbünde, daß er sein Mitglied Deutschland dazu -verhalte, in Wahrung der Grundsätze des Völkerbundes die Verfolgung seiner jüdischen Mitbürger einzustellen und das an ihnen begangene Unrecht gutzumachen. Wir fordern vom Völkerbunde, daß er dem jüdischen Volke in höchster Not ungesäumt die moralischen und materiellen Mittel zur Verfügung stelle, welche nötig sind, um jüdische Massen, vor allem deutsche Juden, nach Palästina zu überführen. Wir fordern damit nur das, was dem jüdischen Volke feierlich zugesagt wurde.. Wir fordern von England, von der Macht, welcher das Mandat für Palästina als Verwalter des jüdischen Nationalheims Ubertragen wurde, Erfüllung ihrer Pflicht, alles zu tun, um den Aufbau des jüdischen Nationalheimes zu fördern. Wir fordern Abkehr von der bisherigen, mandatswidrigen Politik der Palästina-Regierung, welche auf Behinderung des jüdischen Kolonisationswerkes hinausläuft, und Einleitung einer Politik, welche dem jüdischen Volk und dem Mandat gerecht wird. Angesichts der von den deutschen Machthabern heraufbeschworenen entsetzlichen Judennot darf die Kulturwelt nicht zögern, dem alten jüdischen Volkesein Recht auf Ehre und Leben zu sichern. Wir fordern vom jüdischen Volke stolze Selbstbesinnung, Abbruch aller Beziehungen zu einem Feinde, der ihm unendliche Schmach angetan hat, Konzentrierung aller moralischen und materiellen Kräfte um eine Aufgabe, um die Lösung der Judenfrage im Sinne Theodor Herzls, um den Aufbau des Judenstaates. Der //Völkische Beobachter" Daß die Resolution der Demokratischen Revisionisten, die eine völlige Absage an den Feind, die gegenwärtigen Machthaber Deutschlands, bedeutet, schlagkräftiger und das Hakenkreuz beunruhigender ist als die Mehrheitsresolution, beweist die Antwort Hitlers im „Völkischen Beobachter", der in seiner Nummer vom 26. August unter dem Titel „Die zionistische Proklamation — Neuer Hetzfeldzug des Judentums gegen Deutschland'4 schreibt: „Hervorzuheben ist bei Bewertung dieses arroganten Angriffes, daß die Juden in Deutschland in Ausübung ihrer religiösen Tätigkeit nirgends behindert Beim vornehmen Stndtschnelder bekommen Sie Herrenanzüge aus bestem Material, erstklassiger Ausführung und mödernstem Schnitt schon für §190«— Große Auswahl in modernen Stoffen! LUDWIG SPERLINGER Wienl, Wolli«it«17, II. St. (Will), T«l. 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Es ist teilweise ihr Geld, das jetzt in der rücksichtslosen, verruchten Hitlerschen Propagandakampagne, die den Antisemitismus in der ganzen Welt verbreiten will, Verwendung findet. Mit diesem Geld sind die Hitler-Leute in Großbritannien, in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern eingefallen, wo sie Zeltungen gegründet haben, Agenten aushalten und auf jede Welse mit einer unbekannten Zahl von Millionen ihr infames Evangelium propagieren. Es sind die Hitler-Leute selbst, die einen Boykott einführten und durchführten, einen teuflischen Boykott zur Vernichtung der Juden, indem sie Abzeichen an den jüdischen Geschäften anbringen, die ihren Handel unterbinden. Indem sie jüdische Ladenbesitzer einkerkern, dt« worden sind. Nirgends ist eine Synagoge geschlossen oder beschädigt worden, nirgends wurde ein Jude auf dem Wege dahin belästigt. (Die Resolution spricht von, Behinderung der religiösen Lebensformen durch das Verbot der Schechita. Red.) Der Vorwurf ist von einem heimtückischen Motiv geleitet: Man möchte durch diese Entschließung allen Nationen der Welt beibringen, daß in Deutschland eine religiöse Verfolgung stattfinde! Zweifellos wird dieser verlogene Vorwurf seine Früchte zeitigen in einer verschärften Hetze gegen das neue Deutschland. Da sämtliche Zionisten der Welt (die Vertreter Deutschlands sind vorsichtshalber nicht erschienen) für diese Entschließung gestimmt haben, so haben wir es hier mit einer programmatischen Einheitsfront des gesamten zionistischen Weltjudentums zu tun, das sich jetzt erst recht bemühen wird, die Souveränität der anderen Staaten für die jüdischen Sonderinteressen einzuspannen. Interessant ist die Forderung, daß die ganze sogenannte „zivilisierte Welt" sich für die Juden einsetzen müsse, und der Aufruf an den Völkerbund, sich im Kampf für die jüdischen Privatinteressen einzusetzen! . Das alles stellt eine unerhörte Einmischung in innerpolitische deutsche Verhältnisse dar, denn was sich in Deutschland abgespielt hat, ist eine rein deutsche Revolution gewesen, welche die Rechte anderer Staaten und Völker nicht angetastet hat. . Wenn die Herren glauben, durch derartige verlogene Angriffe und provozierende Entschließungen die Lage der Juden in Deutschland zu bessern, so irren sie außerordentlich. Man wird sich den Wortlaut der Resolution in Deutschland genau betrachten. und beobachten, welche tatsächlichen Folgerungen aus ihnen gezogen werden." Untermeyer beschämt den Kongreß Der New Yorker Rechtsanwalt Samuel Untermeyer führte den Vorsitz der Amsterdamer Internationalen Boykott-Konferenz, deren Resolutionen wir kürzlich veröffentlicht haben. In der Vorwoche nach New York zurückgekehrt, sprach er im Rundfunk über „Juden, die den Boykott sabotieren", und führte u. a. aus: „Was den Boykott anlangt, Ist es befremdend, V

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