Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 312 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711934--3899-2717317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 312 DIE NEUE WELT Seite 3 I, Wollzelte 34 Halb 9 Uhr HINEIN IN SIMPL Tel. R-26-4-31 Haute und tlglloh Halb 9 Uhr DIE LACHENDE FRONT I Ausnahmsweise keine Revue in 30 Bildern von Fritz Gerold Musik Robert Schwarz Mitwirkend: 35 WEENER LIEBLINGE Prelae der Platze S 1.- bis S 5.60 waren. Der 17. Kongreß beschloß, die Zusicherungen des MacDonald-Briefes als Verhandlungsbasis für die Ausarbeitung einer vereinbarten Politik, die die Grundlage der Kooperation zwischen Mandatarmacht und Jewish Agency bilden sollte, zu akzeptieren. Es kam ein neues Regime zunächst unter Mr. Thomas und Sir Robert Hamilton, später unter Sir Philip Lister und Lord Plymouth. Der schwere Kampf Dr. Weizmanns in den düsteren Tagen von 1930 erzielte eine günstigere Einstellung zu unserer Arbeit sowohl in London wie in Jerusalem. Doch war diese Verbesserung von manchen Wechselfällen begleitet. Die Boden-, Einwanderungs- und andere Fragen der Palästina- Arbeit trafen auf ernste Schwierigkeiten; dieser Kongreß tagt unter dem Schatten gewisser Entscheidungen und Vorschläge der Regierung, die tiefste Besorgnis erwecken. Zur Besprechung des French-Berichtes Ubergehend, erklärte Prof. Brodetzky, daß unmittelbar nach dem letzten Kongreß der Versuch gemacht wurde, jede Bodentransaktion in Palästina gesetzlicher „Kontrolle" zu unterwerfen. Diese Gefahr sei wenigstens vorläufig durch den Regierungswechsel in England beseitigt worden. Inzwischen habe der Landentwicklungsdirektor French seine Untersuchungen durchgeführt, und obwohl der Bericht nicht veröffentlicht werden sollte, bevor der High Commissioner auf Gründ der Bemerkungen der Jewish Agency und der Araber seine Vorschläge gemacht und der Kolonienminister seine Entscheidung über den Bericht getroffen haben würde, sei der Bericht am 14. Juli gleichzeitig mit seiner Ankündigung durch den Kolonienminister im Unterhaus veröffentlicht worden, ohne Hinweis darauf, daß die Behauptungen des Berichtes bestritten und seine Vorschläge von Männern abgelehnt wurden, die mit der Autorität einer zwei Generationen langen Erfahrung sprechen können. Auf Grund des French- Berichtes solle die Tätigkeit der Regierung in bezug auf Landerschließung, auf die Wiederansiedlung dislozierter Araber mit einem Kostenaufwand von 250.000 Pfund und auf Erweiterung der Pächterschutzgesetzgebung beschränkt bleiben. Die eigene Statistik der Regierung zeige, wie absurd die Behauptimg von der Verdrängung von Arabern durch jüdische Siedlung, eine Behauptung, die vier Jahre lang die Grundlage antijüdischer Agitation bildete, sei. Hunderte jüdischer Palästinasiedler, die unter zumindest so schweren Bedingungen gearbeitet hätten wie die Fellachen, bedürften ebenso der helfenden Hand der Regierung wie andere Bürger des Landes. Es sei zu hoffen (!), daß die Regierung in Bpdenfragen nicht das in der Vergangenheit bei anderen Regierungsaufgaben befolgte Prinzip aufrechterhalten werde, daß es Sache der Regierung sei, sich um die Araber zu kümmern, während die Juden sich um sich selbst zu kümmern hätten. Die Forderung nach Parität zwischen. Juden und Arabern (!) in der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Regierung sei nicht erfüllt worden. Auch für die Verwendung der restlichen 1,750.000 Pfund der vorgeschlagenen Anleihe müsse eine die jüdische Steuerleistung Und die Verpflichtungen der Regierung hinsichtlich der primären Aufgabe des Mandats, die Errichtung des jüdischen Nationalheims, berücksichtigende Methode gefordert werden. Brodetzky besprach sodann die Schwierigkeiten, die sich in der Berichtsperiode der jüdischen Einwanderung entgegenstellten. Im Oktober 1931 habe die Palästina- Regierung für sechs Monate 3 50 Zertifikate angeboten. Der neue High Commissioner Sir Artur W a u c h o p e habe die Einwanderungspolitik in liberalerer Weise gehandhabt als seine Vorgänger. Trotz erhöhter Zertifikatszahl und der beträchtlichen Einwanderung in den letzten zwei Jahren stelle die Einwanderung indessen nicht einmal den Ausdruck der einschränkenden Formel dar, auf die die Regierung ihre .Einwanderungspolitik gründe, nämlich der Aufnahmefähigkeit des Landes. Die sorgfältig berechneten Zertifikatanforderungen der Agency würden in einer der wirtschaftlichen Absorptionskraft des Landes durchaus nicht angepaßten Weise gekürzt. Die Politik der Regierung hinsichtlich der Einwanderung sowohl von Arbeitern wie von Juden mit eigenem Kapital bedürfe gründlicher Revision. Dem Vorwurf der sogenannten „illegalen" jüdischen Einwanderung begegnete Brodetzky mit dem Hinweis auf die kontrollose Masseneinwanderung] von A r a b e r n, d(e außerhalb Palästinas genügend weiten Lebensraum haben. Im weiteren Verlauf seines Referats befaßte sich Prof. Brodetzky mit der Rolle, die Palästina als Land jüdischer Masseneinwanderung in der nächsten Zeit zu spielen haben werde,; Palästina sei nicht ein Land für die Einwanderung jüdischer Individuen, sondern das Land, das mit dem Geschick des jüdischen Volkes verknüpft sei. Daß im Mandat nichts von den zwingenden Gründen erwähnt sei, die die Juden zur Rückkehr nach Palästina treiben, könne die Haltung der Juden \ selbst und die der Welt gegenüber diesem Problem nicht berühren. Palästina sei nicht bloß ein von einer Mandatarmacht verwaltetes Territorium; es sei die Lebensgrundlage des jüdischen Volkes, die Bedingung seines Fortbestehens in der Zukunft. Er wies darauf hin, daß die Zehntausende von Juden, die bisher Deutschland verlassen hätten, im Hinblick auf die Wirtschaftslage der verschiedenen Länder mit ihren Millionen Arbeitslosen überall an verschlossene Türen pochen. Für Zehntausende Polle ein' Unterkommen geschaffen werden. Zur Besprechung der Beziehungen zu England-übergehend, erklärte Brodetzky, er werde von Tag zu Tag mehr davon Uberzeugt, daß alles, was das Verhältnis des Vertrauens und der Zusammenarbeit von Zionisten imd fcfandatannacht beeinträchtigen könnte, zu einemVn h e, U führen müßte, das um jeden Preis vermieden werden müsse. Poch müsse sich das Wohlwollen Englands auch in der Frage der Zulassung von Juden nach Palästina ausdrücken. Der Kongreß müsse offen erklären, daß er Palästina als Land der Zukunft der jüdischen Nation, betrachte, Zunächst sei Einheit der politischen Aktion notwendig. In diesem Stadium der jüdischen Geschichte sei es tragisch, auf einem Zionistenkongreß noch die Notwendigkeit geschlossener Aktion und solidarischen Vorgehens betonen zu müssen. Einheit des zionistischen Strebens bedeute nicht, daß alle Zionisten gleich denken, aber sie könne und müsse bedeuten, daß alle Zionisten gleich handeln. Er verlange nicht Inquidität, sondern Disziplin. Der zweite Punkt, auf den man sich konzentrieren müsse, sei die Mobilisierung der jüdischen öffentlichen Meinung. Noch niemals habe die gesamte Judenheit so wie heute die ausschließliche Bedeutung Palästinas für die Lösung der Judenfrage erkannt. Aber diese Erkenntnis sei noch nicht in Taten zum Ausdruck gekommen. Die Palästina-Bewegung habe noch nicht jene Kraft erlangt, die sie auf Grund der Ereignisse der letzten. Monate haben müßte. Diese Betrachtung, erklärte Brodetzky, führe zum Problem des politischen Status der Juden in Palästina selbst über. Er befaßte sich mit der Frage des Legislative Council, die auf Grund der von der Regierung im November und im Juni in Genf gemachten Erklärungen Grund zu dauernder Besorgnis biete. Die Juden fürchten, erklärte er, im Falle einer solchen Verfassungsänderung des Landes einer Majorität ausgeliefert zu werden. Nach Palästina aber gingen die Juden nicht, um wieder in derselben Lage zu sein wie in anderen Ländern, in denen andere über ihr Schicksal entscheiden und in denen jüdische Arbeit, jüdische Energie und jüdischer Geist nur so lange willkommen sind, bis man ihrer nicht mehr bedürfe. Palästina sei nach zionistischer Auffassung nicht eine Station auf dem Wege des wandernden Juden, sondern der Endpunkt seiner Wanderung. Palästina solle das Land der jüdischen Nation sein, in der dieser der Status einer Nation mit allen jenen nationalen Freiheiten gegeben werden müsse, ohne die .das Leben einer Nation zwecklos sei. Als eines der kompliziertesten politischen Probleme bezeichnete Prof. Brodetzky die Araberfrage. Viel sei auf diesem Gebiet durch Dr. Arlosoroff, dessen Tod JÜDISCHE ELTERN 9, Kauft Schulbücher für eure Kinder nur in der jüdischan Buchhandlung Hermann TlldinCr ECKETaborslr.5i> Lehrbücher für alle Lehianstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen Spetanfrai* Zuiandung überallhin Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 tief betrauert werde, getan worden. Hinsichtlich dieses großen und komplizierten Problems müsse man stets Verantwortungsgefühl und Mäßigung bewahren. Unserer politischen Arbeit muß die Auffassung zugrunde liegen, daß Palästina alle Faktoren für den Aufbau eines nationalen Lebens zusammenfaßt. In und durch Palästina müssen wir das große Uebel der Galuth, die politische Unsicherheit des jüdischen Lebens wieder gutmachen. In und durch Palästina müssen wir das finden, was uns im wirtschaftlichen Leben der Judenheit am stärksten fehlt, nämlich ein wirtschaftliches Gleichgewicht in dem Sinne, daß die Beschäftigungen und Berufe der Juden den Bedürfnissen der jüdischen Nation entsprechen. In und durch Palästina müssen wir unser jüdisches geistiges Leben wiederaufbauen, begründet auf der Sprache, in der unsere Propheten sprachen und unsere Dichter sangen. Schließlich erklärte Prof. Brodetzky, der Kongreß müsse eine politische Aktion beschließen, durch die den Völkern der Erde die Wahrheit über die Lage des jüdischen Volkes und über die Möglichkeiten, die Palästina für die Erlösung des jüdischen Volkes biete, vermittelt werden soll! Die Lage der Juden an den Ländern der Zer§f reuung Nahum Sokolows großangelegtes Referat über die Judennot in Ost- und Mitteleuropa Ein Referat über die Lage der Juden in allen Ländern der Diaspora in der Art der Kongreßreden Max Nordaus, an dessen Vorbild er einleitend anknüpfte, hielt der Präsident der Zionistischen Organisation Nahum S okolow. Er wies darauf hin, daß die jetzige Lage der Juden in der Welt vieles Gemeinsame mit der Lage vor 86 Jahren, als der Zionistenkongreß zum erstenmal in Basel zusammentrat, hat. Nur habe sich die Lage bedeutend verschlimmert. Dos jetzt durchlebte Stück Menschheitsgeschichte zeige ein viel verwickelteres und verworreneres Gewebe als zur Zeit, da die erste Nordau- Rede gehalten wurde. Nach der Veränderung der politischen Landkarte durch den Weltkrieg, nachdem der Zionismus zu einem verbrieften Völkerrecht geworden und Millionen von Juden Minoritätsrechte gewährleistet worden waren, habe die jetzt noch andauernde kritische Nachkriegsperiode begonnen. Sowjetrußland. Der Entwicklung der jüdischen Lage in den einzelnen großen Zentren der Judenheit sich zuwendend, besprach Sokolow zunächst die Entwicklung des jüdischen Rasiere dich besser! Iii SWING die einzige schwedische Weltmarke Schicksals in der Sowjetunion. Die einst im Gesamtjudentum geistig führende russische Judenheit, erklärte Sokolow, sei auf einen toten Punkt gelangt. Verfolgung des Zionismus, sinnlose Ausschaltung der hebräischen Sprache aus der jüdischen Erziehung und dem jüdischen Leben, Angriffe auf die jüdische Religion seien die Folgen der Zionistenhetze der Jewskaja, einer Gruppe assimilatorisch-kommunistischer jüdischer Propagandisten, die den Zionismus als „antirevolutionär" denunzierten. In den Gefängnissen und Verbannungsorten des fernsten Sibiriens schmachte eine große Zahl von Anhängern des zionistischen Gedankens einzig und allein darum, weil sie dem Gebot ihres nationalen und religiösen Gewissens folgen wollten. Der Kongreß sei nicht versammelt, um an irgend einem Volke oder an irgend einem Staate Kritik zu Üben. ' Es gehöre nicht zu seinem Programm! Uber diese oder Emanuel Newntan in Wien Ueber Einladung des Austro-Palästinensiachen-Wirtschafts-Dienstes hat sich das Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und Leiter des Wirtschaftsdepartements der Jewish Agency, Herr E. Newman bereit erklärt, nach Beendigung des XVIII. Zlonistenkongresses, falls es die getroffenen Dispositionen möglieh machen, auf einen von obiger Institution veranstalteten Empfang über die wirtschaftliche Lage und wirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina zu sprechen. Einladungen zu diesem Empfang wollen beim Sekretariat des Austro-Palastiuensiscben-Wirtschafts- Dienstes, Wien, IX., Berggasse 16, Tel, A 17-5-10 (jeden Montag und Donnerstag von 4 bis 6 Uhr) Angefordert werden. jene Staatsform, dieses oder jenes wirtschaftliche System den Stab zu brechen. Doch müsse das jüdische Volk die einem alten Kulturvolk zukommende Autonomie und Freiheit des Geistes, wie er sich in den Jahrtausenden seiner; Ringens offenbart habe, fordern. Polen Sodann ging Sokolow zur Besprechung der politischen und wirtschaftlichen Lage der polnischen Judenheit über. Er betonte, daß er sich, obwohl er seit vielen Jahren außerhalb JÖplens lebe und in England naturalisiert sei, zu den „polnischen Juden" zähle, weil er und eine lange Reihe seiner Vorfahren in Polen geboren wurden und vielleicht auch deshalb, weil „polnischer Jude" ein Schimpfwort war und immer noch ein gewisses Odium an der Bezeichnung hänge. Mit Polen verbinde die Juden tausendjährige Erinnerung an gemeinsames Geschick. Durch Einlassung eines großen Judenstroms aus anderen Ländern habe Polen ein Reservoir für die jüdische Welt geschaffen und dadurch positiv zur Erhaltung der jüdischen Nation beigetragen. In der neueste» Zeit habe Polen eine der Balfour-Deklaration würdig zur Seite stehende Erklärung zugunsten des Judentums abgegeben, seine Regierung habe gegen Pogrome, Verfolgung und antisemitische Agitation und fürfriedliche Entwicklung Stellung genommen. Trotzdem hätten die Juden Polens auch weiter noch um ihre Minderheitsrechte und ihre Emanzipation zu kämpfen. Andererseits übersteige die Verarmung der polnischen Judenheit in den letzten Jahren alles, was Nordau seinerzeit als Judennot bezeichnet hat. Angesichts dieses Elends, sei die unerhörte Energie und Vitalität zu bewundern, mit der das polnische Judentum sich aufrechterhalte. Die polnische Judenheit erwarte von der Regierung eine der spezifisch jüdischen Notlage Rechnung tragende ökonomische Politik. Die Lage in Deutschland Besonders bemerkenswert und für die zionistische Auffassung charakteristisch waren jene grundsätzlichen Ausführungen, die Sokolow an die Betrachtung der jüdischen Lage in Deutschland knüpfte. Die Zionisten, erklärte er, die das Wesen der Judenfrage seit jeher erkannt hätten und durch ein großes Aufbauwerk an ihrer Lösung arbeiteten, seien bestürzt angesichts der unerwarteten Zuspitzung eines Konflikts, durch die ein COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, SpitaCgasse 3, Tel. B-42-5-38 Einzige offizielle Kohgreßreise nach PALÄSTINA mmmmmmmmmmmmmmmm 7. September bis 3. Oktober 1933 Sonderfahrt des Riesen - Ozean - Luxusdampfers „Roma" (51.000 Tonnen) Unterwegs Aufenthalt in Rom, Neapel. Athen, eventuell Kairo Auskünfte und Anmeldungen auch im Kongreßbüro und im Palästina-Amt in Prag