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Die neue Welt · 1933-08-25 · Heft 311 (25.8.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 311 (25.8.1933)
Date
1933-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 311 ***+\ , V. . \ t \ :c^r;;';;:^Vi^ ••'-^VrÄ/^^^/Vwf?;'. ' v:> ^rtltf :v "; ^^itMilo :," j joijj;« Führend in Petit-PointJaschen Petit-Point-Neuheiten und Tapisserien für Innendekorationen nur J. JOLLESI Studios ♦x- *mj/o Erzeuger & X» Wien V//, Andreasgasse 6 rechnen sie doch mit einer Exekutive unter der Führung Weidmanns, der in London das politische Ressort verwalten und in Jerusalem durch drei Männer seines Vertrauens, . nämlich durch Leonard S t e i n . (den seinerzeitigen Sekretär der Zion. Exekutive in London) .und die ehemaligen Mitglieder der palästinensischen Exekutive Colonel Kisch und Dr. Artur Ruppin Vertreten werden soll. Vom Misrächi würde die Linke Dr. Arbn Bar.th oder Meir Berlin, keinesfalls aber Färbst ein akzeptieren." Ueber die Motive, die die Linke zur Einsetzung der „Untersuchungskommission" bewogen hat, sägt Birloff: „Die Untersuchungskommission ist ein Manöver, um die Aufmerksamkeit des Kongresses von peinlichen außenpolitischen Fragen, wie Prench-^e r i c h t, B b d e?n g e s e t z, a n t i z i o n i s t i s c h e Ein w än d erung.s politik, Scheitern der Verhandlungen bezüglich der. Kolonisation Trans Jordaniens usw.» abzulenken. Während man die Revisionisten in die Defensive drängt und sie als die Beschuldigten isoliert, will man die Restauration des alten Weizmann-Regimes, die Hegemonie im Palästinaamt, bei Verteilung der Zertifikate und ähnliche Manipulationen." //Judi§die Rundschau'' verboten Seit Beginn des Hitler-Regimes in Deutschland hatte die „Jüdische Rundschau" die schwere Aufgabe, dem unorganisierten, desorientierten deutschen Judentum Richtlinien zu geben; sie. hatte auch den Kampf für die Ehre und Würde des jüdischen Menschen zu führen, neben dem Bestreben,, der deutschen nichtjüdischen Welt die Judenfrage näherzubringen. Wenn die „Jüdische Rundschau" auch in der innerzionistischen Politik und in ihrer Hältung zur britischen Mandatarmacht d}e Prinzipien des absoluten, kompromißlosen Zionismus vermissen ließ und durch ihre oft brithschalomistische Haltung den Geist der zionistischen Volksbewegung in seinem Vorwärtsgehen hemmte, so hat sie doch gerade in den .schwersten Tagen des deutschen Judentums und des deutschen Zionismus Wesentliches geleistet. Ihre Haltung unter den schwierigen Verhältnissen hat viel zur Festigung der letzten zionistischen Positionen in Hitler-Deutschland beigetragen. Darum, ist das Verbot ihres Erscheinens bis zum 15. Februar 1934 ein schwerer Schlag. m Im Leitartikel ihrer letzten Nummer antwortet die „Jüdisch^ Rundschau" auf die Beschuldigungen, die im i,Vö 1 kischen Beobachter" vom 17. Augüst (von uns an anderer Stelle wiedergegeben), in einem Artikel über den Zionistenkongreß gegen den Zionismus im allgemeinen und gegen die deutschen Zionisten im besonderen erhoben wurden. Es wird festgestellt, daß der Zionismus, der die Judenfrage als ein Problem der Real* politik auffaßt, seinem ganzen Wesen nach nicht gegen Irgend ein Volk Stellung nehmen kann, sondern durch Schaffung einer neuen Lebensform für die Juden die Ursachen bedauerlicher Konflikte mit der Umwelt zu beseitigen strebt. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: Der Zionistenkongreß hat als solcher nichts mit der aktuellen Lage in Deutschland zu tun. Seit 1897 gab es Kongresse, er ist bereits der XVIII. Beiner Art, er hat also bereits getagt, lange bevor die deutsche Judenfrage |n •in akutes Stadium getreten war. Gewisse Prinzipien müssen dabei als feststehend angesehen werden: Das stolze Bekenntnis zum jüdischen Volk und zur jüdischen Art schließt natürlich eine Ablehnung der Vorstellung der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse in siöh. Auch der erbittertste Gegner der Juden wird nicht, erwarten, daß die Juden selbst die These von der jüdischen Minderwertigkeit übernehmen... Es ist nichts natürlicher Und muß auch vom Gegner als natürlich empfunden werden —, als wenn man sich gegen solche Charakteristik zur Wehr setzt. Bs ist aber ebenso selbstverständlich, daß eine große jüdische Konferenz für das Prinzip djr Sleichberechtigung der Juden eintritt. Denn ese Gleichberechtigung üst; nicht nur ein« materielle Frage, sondern zugleich eine Frage der Ehre und der Menschenwürde. Für diese Ideen der Gleichwertigkeit der jüdischen Rasse und der Gleichberechtigung jüdischer Menschen will der Zionismus^ werben, aber die tiefe Einsicht in das Wesen der Judenfrage behütet ihn hier vor der Wahl falscher Mittel. Sein Weg ist der mühevolle Weg der aufbauenden Arbeit. Schließlich werden in dem Artikel die Behauptungen des. „Völkischen Beobachters"., über einen .angeblichen „zionistischen Weltboykott gegen Deutschland" und seine Vermutung, daß es neben den offiziellen Beschlüssen des Kongresses noch irgend welche „wirkliche"; Beschlüsse geben werde, widerlegt. Es wird darauf hingewiesen, daß der. Zionismus von Anfang an. auf das Oeffentlichkeltsprinzip größten Wert legte, und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß';, das jede Auseinandersetzung erschwerende' Mißtrauen gegen den Zionismus schwinden werde, Diese Ausführungen dürften das Verbot der „J. R." herbeigeführt. haben. . Verbot jüdischer Zeitschriften Das geheime Staatspolizeiamt in Berlin hat nunmehr auch' die letzten periodischen jüdischen Druckschriften, die „Zentral Vereins-Zeitung", das Organ des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jUdischen Glaubens, und die „City-Post", verboten, nachdem schon die „Jüdische Rundschau", die alle drei Tage er- TOBELBAD 81'« ideale. Sommerfrische, wundervolles Therraal-Strandbad, 2400 m» gr. beton Bassin, mitten im Walde gelegen. (Pension: 4 relchh. Mahlzeiten) Inkl freier Benützung des Strandbades von S 8.— bis 10.— (Keine Kurtaxe) Alle Kurbehelfe. — Auskunft und Prospekte durch die Kurverwaltung schien;; bis zum 15. Februar11934 verboten' worden war. Pas Verbot der Zentralvereins-Zeitung" erstreckt sich allerdings nur bis 2. September d. J., während die „City- Post" überhaupt nicht mehr erscheinen darf. Es bleibt also nur das „Israelitische Familienblatt" bestehen. Wie uns berichtet wird, soll der bisherige Chefredakteur der „Jüdischen Rundschau", Dr. Robert Weltsöh, der tschechoslowakischer Staatsbürger ist, aus Deutschland ausgewiesen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die „Jüdische Rundschau" unter neuer Schriftleitung wieder erscheinen darf. Der„Völkische Beobachter" zum Zionistenkongreß Berlin, 17. August. (J. T. A.) Im „Völkischen Beobachter" widmet Alfred Rosenberg dem Prager Zionistenkongreß einen Artikel, in dem nach einem Hinweis darauf, daß die Zionisten Deutschlands sich an der Tagung nicht beteiligen werden und in ihrem Organ,, der „JUdischen Rundschau", den Wunsch geäußert haben, daß sich der Kongreß unter Vermeidung von Kampfjproklamationen ausschließlich den mit der derzeitigen % a g e d e r Juden und dem P a 1 ä s t i n a-A u f b a u im Zusammenhang stehenden Fragen widme, behauptet wird, die „Rundachau" hätte früher eine andere Haltung eingenommen, aus der man habe ersehen können, daß man sich im deutschen Zionismus der Judenherrschaft vollauf bewußt gewesen sei und Uber das durch den Verssiller Vertrag herbeigeführte Elend in Deutschland triumphiert habe. Weiter wird erklärt, angesichts der Beschwörungen Übe): den Verlauf des jetzigen Kongresses sei festzustellen, daß das Zentrum des weitjüdlschen Boykotts gegen Deutschland sich im Schlosse des Zionistehführers Lord M eiche tt in London befinde. Es folgen Bemerkungen Uber die Amsterdamer Konferenz und deren BMchluß, eine neuerliche Konferenz zur BeegFeßhung dQS Boykotts, den der Verfasser einen zionistischen nennt, im Oktober in London abzuhalten. Vom verstorbenen ersten Lord Melchett wird behauptet, er habe bei der Friedenskonferenz in Versailles die höchste Tributförderung gegenüber Deutschland gestellt, was die deutschen Zionisten nicht gehindert habe, ihn als großen Führer zu verehren. Zum Schluß heißt es in dem Artikel: Deutschland wird natürlich, die Entwicklung der alljüdischen Tätigkeit, die in kombinierter Weise vonstatten geht (in Deutschland bescheiden, im Ausland hetzerisch), aufmerksam verfolgen. Wir sind selbstverständlich Überzeugt davon, daß die offiziellen Reden auf dem Zionistenkongreß nichts von den wahren Absichten verlautbaren lassen; was wirklich beschlossen wird, wird die Folge geheimer Unterredungen der Herren aus New York, Amsterdam, Paris und London sein. Die Protokolle dieser Unterredungen der Weisen von Zion werden wir wohl kaum zu Gesicht bekommen. Die Auswirkungen dieser Beschlüsse aber werden sich vermutlich doch erfassen lassen in der Haltung der Presse, in der Weltwirtschaft und in manchen anderen Dingen. Auch über diese Verhältnisse wird man in Deutschland Buch führen und dafür Sorge tragen, daß der Anschlag, den bestimmte jüdische Kreise unter Ausnutzung anderer Staaten auf die Lebensnotwendigkeiten der deutschen Nation vorbereiten, nicht das deutsche Volk trifft, sondern di« Schuldigen an diesen* Verschwörungen und ihre Komplicen. # Auf die maßlose Böswilligkeit und bewußte Verfälschung der wirklichen Sachlage wird der Kongreß zweifellos eine Antwort geben müssen. Von der Universität Jerusalem Jahreskonferenz des Kuratoriums des Instituts für judaistische Studien Unter dem Vorsitz von Chief Rabbi Dr. Hertz, tagte in Oenf die Jahreskonferenz des Kuratoriums für das Judaistische Institut der Hebräischen Universität Jerusalem. Universitätskanzler Dr. J. L. Magnes erstattete den ausführlichen Bericht Uber die Entwicklung des Instituts in letzter Zeit und über die in Jerusalem ausgearbeiteten Pläne für die Erweiterung seines Rahmens im kommenden Jahr. Nach eingehender Aussprache über di$.. vorgelegten Pläne wurde ein A u s b a u-P r o g r a m m beschlössen, das eine Erweiterung des Forschungsbereichs des Instituts und die Schaffung von Möglichkeiten vorsieht, die Arbeit jüdischer Gelehrter, die durch die Maßnahmen in Deutschland betroffen wurden, für das Institut nutzbar zu machen. Neue Professuren für Hebräisch und jüdische Philosophie wurden ge-. schaffen. Ferner sollen eine weitere Lehrkanzel für Bibelforschung sowie Lehrkanzeln für altisraelitische Geschichte und für Geschichte und Literatur in der Zeit des zweiten jUdischen Reiches errichtet werden. Das Kuratorium kam überein, daß in den nächsten Monaten größtmögliche Anstrengungen zur Aufbringung neuer Mittel für das Institut gemacht werden sollen, um die Ueberwindung der gegenwärtigen Krise und die Schaffung größerer Möglichkeiten für Lehre und Forschung zu sichern.. " _. ,¥......■ Errichtung einer medizinischen Fakultät Die Leitung der Hebräischen Universität Jerusalem hat ein Manifest erlassen, worin die Bedeutung der Hebräischen Universität infolge der Ereignisse der letzten Zeit Uber ihren bisherigen Rahmen hinausgewachsen sei. Es wird eine Erweiterung der Universität und der von den Revisionisten seit Jahren geforderte Ausbau von einem Forschungsinstitut zu einer Lehrstätte angekündigt. Für diese Aufgabe ist die Sammlung von mindestens 15.000 Pfd. erforderlich. Das Manifest beschäftigt sich des weiteren mit der Notlage der in Deutschland massenweise entlassenen jUdischen Gelehrten und mit der Möglichkeit, diesen auf der jungen Universität Jerusalem eine Wirkungsstätte zu. sichern- Der Rahmen des judaistischen Instituts soll erweitert werden. Die Geisteswissenschaftliche Faktultät soll durch Angliederung neuer Abteilungen vergrößert werden. Es besteht die Absicht, die Institute für Mathematik, Chemie, Biologie, Naturgeschichte, Volkshygiena und Mikrobiologie zu einer vollständigen naturwissenschaftlichen Fakultät zusammenzufassen. Auch sollen neue Lehrkanzeln für physikalische Chemie, theoretische und mathematische Physik, Experimentalphysik und Pharmazeutik geschaffen werden, Die wichtigste Partie des Manifeste beschäftigt sich mit dem Plan, eine medizinische Fakultät zu gründen. Die Universität besitzt bereits hochqualifizierte medizinische Laboratorien, welche den Ausbau eines medizinischen Zentrums ermöglichen. Im Zusammenhang damit können zahlreiche jüdische Gelehrte aus Deutschland eine neue Betätigungsbasis erlangen. Die Universität teilt mit, daß mit dem nächsten Wintersemester Vorlesungen über Chemie als Hauptfach mit dem Ziel der Erteilung wissenschaftlicher Grade (Doktorat) eröffnet werden. Auch steht die Eröffnung des neuen Instituts für Landwirtschaftswissenschaft bevor. Das ordentliche Budget der Universität beträgt 40.000 Pfd., so daß die zum erwähnten Ausbau erforderliche Erhöhung des Einkommens der Universität um. mindestens 15.000 Pfd. gesichert werden soll. Weltverband für Sabbatschutz in Amsterdam In Amsterdam ist der Generalsekretär des Welt-. Verbandes für Säbbatschutz, Dr. Josef Stern, ein-, getroffen. Dr. Stern wird sich in Amsterdam, wo sich der provisorische Sitz des Weltverbandes jetzt befindet, eine Zeitlang aufhalten. 300 Palästina-Auswanderer aus Polen abgereist Am 15. August sind aus Warschau 220 Auswanderer, nach Palästina abgereist. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem Bahnhof eingefunden, um von den Palästina-Fahrern Abschied zu nehmen. Als der Zug aus der Halle rollte, wurde die Hatikwah angestimmt. In Lemberg wurde an den Zug ein Wagen, mit weiteren 80 OUm angehängt. Unter den Auswanderern befinden sioh 140 Öhaluzim aus verschiedenen Organisationen; auch die übrigen Reisenden fahren zu dauernder Niederlassung naoh Palästina. Gleichzeitig ist auch eine vom zionistischen Zentralkomitee zusammengestellte Gruppe von TouristeJI nach Palästina abgerejat, ,

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