Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 311 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr . 311 DIE NEUE WELT Seite 5 Rund lim den Kongreß Eröffnung der Makkabiade Aus Prag wird uns geschrieben: Sonntag, den 20. August, fand unter großer Anteilnahme der aus allen Teilen der Welt nach Prag gekommenen Juden die feierliche Eröffnung der Makkabi- Pestspiele statt. Der Smetana-Saal des Prager Repräsentantenhauses war bis auf das letzte Plätzchen besetzt, als um 9 Uhr Dr. Rosenfeld namens des Makkabi-Weltverbandes die offiziellen Stellen begrüßte und die Makkabiade eröffnete. Ing. Pazofsky, der Landesleiter des tschechischen Kreises, erwiderte; sodann sprach für die zionistische Exekutive Prof. Selig Brodetzky. Die anschließenden Vorführungen der Turner stellten alles bisher von den Makkabäern Gezeigte in den Schatten. Die einzelnen Riegen überboten einander an Präzision der vorgeführten Uebungen. Besondere Leistungen waren die Freiübungen des tschechischen Kreises und die von den Zöglingen des Prof. Dickstein ausgeführte Bodengymnastik. Die Jugoslawen zeigten meisterhaft Uebungen nach Wiemanns Op. 92. Der Glanzpunkt des Abends war das Geräteturnen der Mustermannschaften am breiten Pferd und am Barren. Gertrud Kraus (Wien) und M. Kummermann (Prag) führten in gewohnt meisterhafter Weise Tänze vor und gaben dem Abend ein besonders festliches Gepräge. (Am Flügel: Prof. Guttmann, Berlin.) Das Publikum war begeistert und spendete reichen Beifall. Nach diesem Auftakt ist zu erwarten, daß die Makkabiade sich weiterhin im Trubel der anderen Kongreßveranstaltungen behaupten und neue Anhänger der Makkabi-Bewegung gewinnen wird. H. K. Zionistische Ansprachen im tschechoslowakischen Bundfunk Die Prager Rundfunkstation hat am 23. August um halb 7 Uhr abends vier zionistische Ansprachen gesendet. Die Ansprachen, die auf je fünf Minuten beschränkt waren, wurden von Nahum Sokölow in hebräischer, von Prof. S. Brodetsky in englischer, von Bert Locker in jiddischer und vom Abgeordneten Dr. Angelo Goldstein in tschechischer Sprache gehalten. JEDEN JUDEN INTERESSIERT PALÄSTINA, wie es wirklich ist Ganzleinen S 9.45, karton. S 8.30. In 4 Wochen 5000 Exemplare verkauft Neuauflage in allen Kuchhandlungen oder durch den FIBA-VERLAG, VI., Gumpendorferstraße 10, Telephon B-24-9-78 Festkundgebung des Keren Kajemeth Im Großen Saal des Repräsentantenhauses fand am 19. August eine von 1500 Personen besuchte Festkundgebung des Keren Kajemeth statt, auf der Dr. A. Goldstein in tschechischer Sprache, Agronom W11kanski in hebräischer Sprache und der Präsident des Keren Kajemeth, M. M. Ussischkin, in deutscher Sprache Ansprachen hielten. In großangelegteer Rede zeigte Ussischkin die in den letzten drei Jahren in Palästina erzielten Fortschritte auf und richtete an die Versammlung den Appell, dem jüdischen Volk, dessen größte Gefährdung darin liege, daß es keinen Boden unter den Füßen habe, Boden zu verschaffen. Es sei tragisch, daß der Keren Kajemeth gerade in diesem Augenblicke vermehrten jüdischen Bodenhungers keine Bodenreserven mehr zur Verfügung hat. Bedeverbot außerhalb des Kongresses für Jabotinsky Wie die Pariser tschechoslowakische Gesandtschaft offiziell mitteilt, wurde Wladimir Jabotinsky das Einreisevisum in die Tschechoslowakei unter der Bedingung erteilt, daß er während seines Aufenthaltes auf tschechoslowakischem Gebiet keinerlei Reden außerhalb des Kongresses halte. Jabotinskys WeKwahllisle ungültig Das Kongreßgericht hat die Weltwahlliste der Jabotinsky-Revisionisten als ungültig erklärt. Dadurch kommen diese um eine Anzahl von Delegierten. Ueber 800.000 organisierte Zionismen Aus dem Bericht des Referenten des Kongreßibüros ist zai entnehmen,, daß die Zionistische Organisation in der ganzen Welt insgesamt 828.682 Mitglieder zählt. Ben Gurion droht Revisionisten mit Einwanderungssperre Auf einer Konferenz der Linken erklärte Ben Gurion u. a., daß die Arbeiter-Partei eine Aenderung der Konstitution der Zionistischen Organisation fordern werde. Diese solle die Möglichkeit erhalten, unerwünschte Gruppen auszuschließen, eventuell mit Entaug der Einwanderungszertifikate zu bestrafen. Die jüdischen Vermögen in Deutschland Wie in Kreisen des Zionistenkongressea bekanntgeworden ist, hat sich in Berlin eine zionistische Treuhandgesellschaft gebildet, die mit der Reichsregierung ein Abkommen über die Erleichterung des Transfers jüdischer Vermögen aus Deutschland nach Palästina abzuschließen bestrebt ist. So wurde ein Abkommen dahin getroffen, daß Juden, die in Palästina wohnen, für ihre in Deutschland befindlichen Gelder auf palästinensische Rechnung Maschinen einkaufen können. Zunächst ist das Abkommen auf drei Millionen Mark geschlossen worden. Nach dem Beispiel dieses Abkommens hat die deutsche Zionisten» organisation mit der Reichsregierung ein ähnliches Abkommen getroffen, nach welchem Zionisten, die nach Palästina ausreisen wollen, drei Millionen Mark zum Ankauf von Waren in Deutschland zur Mitnahme nach Palästina bewilligt werden. Aus der Welt der Meinungen und Gerüchte Ein Duumvirat? In Prag rings um das Repräsentantenhaus kursieren Gerüchte, wonach diesmal kein Präsident der zionistischen Organisation gewählt werden wird, sondern ein Präsidium, das aus Nahum Soko 1 ow und Professor Welzmann bestehen soll — also ein Duumvirat. Postenschiebung Der bisherige Organisationsreferent in der zionistischen Exekutive, Herr Borl Locker, hat nicht die Absicht, in der Exekutive zu verbleiben. Als sein Nachfolger wird der Vorsitzende der Histadruth und Direktor des Haifaer Technikums, Ing. S. Ka p 1 a n, genannt. Eine schöne Botschaft Am Abend des 19. August fand in Prag die Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten statt. In einem Gespräch mit Pressevertretern erklärte Dr. J. Schwarzbart, daß die Allgemeinen Zionisten nicht gegen die Revisionisten kämpfen und gegen den Klassenkampf der Linken in Palästina Stellung nehmen werden. Wird Farbstein bleiben? Im „Hajnt" vom 21. August bringt der Redakteur des Londoner offiziellen „Haolom" M. Kleinmann die Ansicht zum Ausdruck, daß die ultimative Forderung des Misracbl, Farbstein als Kandidaten für die Palästina-Exekutive zu präsentieren, der das Alijah- Referat Ubernehmen soll, von der Arbeiterpartei entschieden bekämpft würde. Die Arbeiterpartei sei wohl bereit, auf eine breite Koalition einzugehen, nicht aber auf die erwähnten misrachistischen Ansprüche. Kongreßprobleme in der Presse Dr. Schwarzbart über die Geldmittel der Linken — Max Brod ruft zur Einheit auf — Das Blatt Kramaf über den Zionismus Der Begründer des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Dr. I. Schwarzbart, äußert sich im „Israelitischen Wochenblatt" (Zürich) über einige zionistische Probleme, u. a. über die Ueberbrückung der Gegensätze zwischen den Revisionisten der Jabotinsky-Gruppe und der Linken: . Q •■■ rfl» >,. . . .... r. . - „In der Politik gibt es nichts Unmögliches. Es ist jedoch kaum zu erwarten, daß schon bei diesem Kongreß zwischen diesen zwei Extremen eine solche Aussprache möglich ist. Ohne eine solche ist aber eine Brücke unmöglich. Ein kluger Vermittler müßte wenigstens im vorhinein wissen, daß eine Verständigung nicht ganz aussichtslos ist, um eine Verständigung zu versuchen. Zu der Frage eines Antrages, die Revisionisten der Jabotinsky-Gruppe aus der zionistischen Weltorganisation auszuschließen, hat der Weltverband noch keinen Anlaß gehabt, Stellung zu nehmen. ■ Die Stellung'des Weltverbandes wird von zwei Gesichtspunkten bestimmt sein, und zwar,von der Tendenz, Frieden zu stiften, was nur im Wesen unseres Programms liegt; andererseits von der absoluten Treue zur vorbehaltlosen Disziplin der zionistischen Weltorganisation gegenüber. Es wäre meiner persönlichen Ansicht nach ein großer Nachteil für die Bewegung, wenn der zionistische Patriotismus, den der Revlsionsnius hervorgerufen hat, der zionistischen Bewegung verlorengehen mußte. Die Revisionisten Jabotinskys müssen deshalb den unlogischen und schädlichen Standpunkt eines Primats ihrer eigenen. Disziplin gegenüber der zionistischen Weltorganisation ganz aufgeben und so handeln wie eine Partei in einer gesunden Nation. Das sehnen wir herbei. Hoffentlich siegt Vernunft über Erbitterung." Bezüglich des Erfolges der Linken erklärte Dr. Schwarzbart: „Der Erfolg der Linken ist auf folgende Umstände zurückzuführen: Ausbau von praktischen starken Positionen im Lande, stramme Organisation der .Histadruth-Haowdim', geeinigte Front nach außenhin, trotz manch tiefer Differenzen innerhalb der politischen Arbeiterbewegung, eine ungeheuer zielbewußte und konzentrierte Wahlagitation und vor allem finanzielle M i 11 e 1.. All das schuf das Bild einer Macht, die immer anzieht. Es liegt im Wesen des Indifferenten, sich jenen anzuschließen, die stark sind, deshalb gingen die Indifferenten mit der Linken. Schließlich sind die Fehler und sächlichen Fehlgriffe Jabotinskys auch mitbestimmend gewesen." Allzu zurückhaltend äußert sich Dr. Schwarzbart Über die Frage, ob sich die Allgemeinen Zionisten gegen einen zu starken Einfluß der Linken in der Bewegung wehren würden, indem er meint: „Der demokratische Charakter unserer Bewegung fordert, daß die geschaffene Situation loyal anerkannt wird. Das Prinzip der Disziplin innerhalb der zionisttsphen Weltbewegung gilt gegenüber jeder Exekutive, gleichgültig, wie ihre politische Zusammensetzung ist. Ein entgegengesetzter Standpunkt würde einen Präzedenzfall für eine Anarchie schaffen." In der Prager „Selbst wehr" schreibt Max Brod in einem „Zur Sammlung! Zur Einheit!" betitelten Leitaufsatz u. a.: „Ich gehöre durchaus nicht zu denen, die einer yemtitichuag der Gegensätze das Wort reden, So wie Die Haupttreffer-Serie beim „Glücksbauer" Wieder 3 Haupttreffer! Bei der letzten Klassenlotterieziehung gewannen beim „Glücksbauer" (Bankhaus Albert Bauer), Wien, IV., Favoritenstraße 4, das Los Nr. 47.239 S 50.000, das Los Nr. 12.457 S 10.000 und ebenfalls bei der letzten Baulosziehung das Los Em. 1926 Serie 4975 Nr. 92 S 10.000. Klassenlose für die Hauptziehung V. Klasse noch erhältlich. Karel Kramafs, widmet dem Kongreß aus der Feder von K. J. Vopälecky einen großaufgemachten Aufsatz. Nachdem der Autor die Etappen des Aufbaus Palästinas gezeichnet hat, wendet er sich der gegenwärtigen jüdischen Situation und den zionistischen Aspirationen zu. Er schreibt: „Wir, die 300 Jahre auf den Wiederaufbau unseres Staates gewartet haben, haben am besten Verständnis für ein Volk, das 2000 Jahre darauf wartet. Hiebet sehen wir, daß sich trotz des großen Einflusses, welchen die Juden in der Welt haben, immer wieder neue und neue Ueberraschungen vorbereiten. Bei dem Fortschritt, den die Friedenskonferenz für die jüdischen Interessen bedeutete, schien es, daß das große Werk gemäß dem Programm sich entwickeln werde, aber die palästinensischen Araber verzögerten und verzögern den Erfqlg der Juden, und obwohl sie selbst unfähig sind zu kulturellem Schaffen, ein vernachlässigtes Land nicht zum Erblühen bringen können, wehren sie sich gegen das Einströmen der Juden, und England, der entscheidende Faktor in Palästina, will es sich mit den mohammedanischen Arabern nicht verderben oder braucht in Indien die Mohammedaner, als Gegengewicht. Daraus resultiert die ganze Situation. Die Weltkrise hat Palästina nicht erschüttert, die Arbeit schreitet vorwärts... Bei dem bekannten Temperament der Juden ist es natürlich, daß ihre Beratungen, Zusammenkünfte und Kongresse voll sind von scharfen, stürmischen, ja leidenschaftlichen Debatten. Alle streben dem gleichen! Ziel zu, aber die Mittel und Wege zu ihm sind verschieden und jede Gruppe stellt sich sie anders vor... Unsererseits wird zweifellos dem Zionistenkongreß bestes Gelingen gewünscht. Wir wünschen nur, daß alle Zionisten bei uns auch wirklich Juden seien, daß alle immer und Überall loyal zur Republik und zum Staats-. volk stehen." Im Warschauer „Moment" schreibt A. Birloff unter dem Titel „S t u r m w o 1 k e n über dem Zionistenkongreß" bezüglich der Haltung der Poale Zion: ■<■■ - ' „In den Führerkreisen der Linken herrscht ein©1 große Begierde, ihre Mehrheit zur „endgültigen Erledigung Jabotinskys und der Revisionisten" auszunützen. Einen direkten Antrag, sie aus der Organisation auszuschließen, wagen sie nicht zu stellen; gerade bei solch einem Kongreß kann ein der-1 artiger Antrag skandalös durchfallen. Auch die Frage wegen „Disziplin und Primat" zuzuspitzen und auf solche Weise den revisionistischen Flügel loszuwerden, scheint' ihnen kein genug sicheres Mittel zu sein. Die linken Führer wollen auf dem Kongreß einen Spektakel inszenieren, der die Revisionisten und Jabotinsky persönlich zwingen soll, sich lebend zu begraben, d. h. vor der. ganzen Welt zu kompromittieren. Es handelt sich um die Einsetzung einer sogenannten Untersuchungskommission. (Diese Kommission wurde — wie an anderer Stelle gezeigt — vom Aktionskomitee eingesetzt. Anm. d. Red.) Bezüglich der Zusammensetzung der Exekutive liegt nach der Darstellung A. Birloffs folgender Plan vor; „Um die Ausschaltung der Revisionisten herbeizuführen, sind die Linken bereit, verschiedene * Konzessionen bezüglich der Zusammen« setzung der Exekutive zu machen, ja sogar unter Umständen Weizmann zu opfern. Aber im allgemeinem COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel. B«42-5-38 Einzige offizielle Kongreßreise nach PALÄSTINA mmmmmmmmmmmmmm 7. September bis 3. Oktober 1933 Sonderfahrt des Riesen - Ozean - Luxusdampters „R o m a" (61.000 Tonnen) Unterwegs, Aufenthalt in Rom, Neapel, Athen, eventuell Kairo ' ■ - - -...... .' f" ' Auskünfte und Anmeldungen im Kongreß» büro und im Palästina-Amt in Prag mmmmmmmmm^ß*^ wir uns klar abheben sollen und wollen von der nichtjüdischen Welt, ohne Feindschaft, ruhig, doch auch ohne Assimilationssehnsucht — so müssen auch die innerhalb des jüdischen Volkes bestehenden ideologischen Gegensätze religiöser und sozialer Art zum Austrag kommen. Abernichtjetzt! Das ist der entscheidende Punkt. Im Augenblick einer Feuersbrunst beginnt man nicht zu streiten, ob zuerst der Tisch oder das Bett, zuerst der Marxismus oder die göttliche Lehre gerettet, aus dem brennenden Haus herausgetragen werden soll. Man rettet beides, man rettet womöglich den gesamten Hausrat. Später, wenn die Flammen gelöscht sind, mag man in Muße feststellen, was von den geretteten Stücken wichtiger, was weniger wichtig, was vielleicht sogar überflüssig war. Angesichts des Brandes debattiert man nicht! Ich beantrage daher: ein temporäres Ruhen der weltanschaulichen Gegensätze im Zionismus. Nicht für immer, wohl aber für die entscheidende Zeitspanne, für die die Römer ein „Caveant .consules" ausgerufen hätten." Die Prager „NärodnfList y", das Organ Doktor