Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 311 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nrl 311 Die Tagung des Aktionskomitees Donnerstag, den 17. August, begann in Prag die Tagung des zionistischen Aktions-Komitees. Ueber die Sitzung, die unter Ausschluß der Oeffentllchkeit stattfindet, liegen folgende Berichte vor: Die Mitglieder der Exekutive der Zionistischen Organisation trafen bereits eine Woche vor dem Kongreß in Prag ein. Das Präsidium des A. C. beriet zuerst Uber die Festsetzung der Tagesordnung für seine Sitzung. Die Linke forderte eine Anpassung des A. C. und seiner Beschlüsse an die durch das Ergebnis der Kongreß wählen geschaffene Lage. Das war der Grund, weshalb die A. C.-Tagung um zwei Tage hinausgeschoben wurde. Die Frage des Kongreßpräsldiums Die Verhandlungen, die am 17. August begannen, betrafen zunächst die Zusammensetzung des Präsidiums auf dem 18. Zionistenkongreß. Die linken Mitglieder des A. C. verlangten, daß ihre Gruppe, als die stärkste Partei, auf dem Kongreß den Präsidenten stellen solle. Schließlich einigte man sich darauf, daß der Vorsitzende des A.*C. Leo Mo tzkin auch diesmal wieder als Präsident des Kongresses vorgeschlagen werde. Jedoch knüpften die Vertreter der Arbeitergruppe daran die Bedingung, daß die Revisionisten im Kongreßpräsidium diesmal nicht vertreten sein sollen. Bekanntlich gehörte dem Präsidium des vor zwei Jahren abgehaltenen Kongresses Dr. Soskin, einer der Führer des revisionistischen Sonderverbandes, an. Die von der Arbeitergruppe gestellte Bedingung wurde im Hinblick darauf akzeptiert, daß die überwiegende Mehrheit der revisionistischen Delegierten zum 18. Zionistenkongreß nicht auf das Programm der als Sonderverband anerkannten Großman-Gruppe, sondern auf der unabhängigen Jabotlnsky-Liste gewählt wurde. Am zweiten Beratungstage stand die Frage der Verantwortung gewisser revisionistischer Gruppen im Mittelpunkt der Beratungen. Die der Arbeiterpartei angehörigen Mitglieder stellten den ganz sonderbaren Antrag auf Einsetzung einer speziellen Kommission, die untersuchen soll, ob die Tätigkeit gev/isser revisionistischer Gruppen mit den Grundsätzen der allgemeinen zionistischen Politik in Einklang gebracht werden, kann und ob ihr weiteres Verbleiben innerhalb der Zionistischen Organisation zulässig erscheint. Gleichzeitig soll, die Frage geprüft werden, ob und inwieweit die revisionistische Partei für Aktionen dieser Gruppen verantwortlich gemacht werden könne. Der Antrag der der Linken " angehörenden A. C.-Mitglieder führte zu einer s t:ü r m l s c h e n De b a.t t e und wurde von einer Anzähl von Mitgliedern des A. C. schärfstens bekämpft. Die wichtigsten Probleme des Kongresses ' Das A. C. gelangte zur Ansicht, daß der Kongreß sich -möglichst auf die Probleme der g r o ß z.ü g l g e n Einwanderung (vor allem deutscher Juden) nach Palästina konzentrieren solle. Ferner soll der Kongreß einen Appell an England al s M an d atarm a,c h t für Palästina und an den Völker b ü n d formulieren, in dem im Hinblick auf die sch wierige Lage groß er Teile der Jtid'e"hheit politische Maßnahmen, insbesondere" zur Erleichterung der Einwanderung einer möglichst großen Zähl deutscher Juden nach Palästina, gefordert werden söilen. Dieses Problem erscheint dem A, C. von so überragender Bedeutung, daß es beabsichtigt, die Tagesordnung des Kongresses zwecks Ermöglichung einer intensiveren Behandlung des Planes einer konstruktiven Hilfsaktion zu beschneiden. .Zur Beratung der Frage einer Reorganisa.t ion derJewish Agency hatten die Allgemeinen' Zionisten eine geschlossene Sitzung einberufen. Auf Grund dieser Beratung werden die Allgemeinen Zionisten die-Forderung erheben, daß das Fifty-Fifty-Prinzip, bei der Zusammensetzung der Exekutive der Jewish Agency aufgehoben werde. Sowohl in der Londoner als auch in der Palästina-Exekutive soll in Zukunft den Nichtzionisten bloß ein Drittel der Sitze eingeräumt werden. Ferner wurde beschlossen, zu verlangen, daß der Council und das Administrative Committee der Jewish Agency in Zukunft nur dann das Recht haben sollen, Kongreßbeschlüsse zu ändern, wenn mindestens 25-Prozent der nichtzionistischen Mitglieder dies verlangen. Stimmabgabe durch Vertreter soll bei der Beschlußfassung über Anträge auf Abänderung von Kongreßbeschlüssen nicht zulässig sein. Für eine Reform der Jewish Agency Auch die übrigen. Kongreßfraktionen sind der Ansicht, daß das Fif ty-Fif ty-Prinzip in der Jewish Agency aufgegeben werden müsse. Nach einer Meldung der J. T. A. billigen auch die Linken den diesbezüglichen Entschluß der Allgemeinen Zionisten und werden den Antrag stellen, daß die Jewish Agency reformiert werden müsse, und zwar in dem Sinne, daß die Vertretung der Nicht zionisten prozentual, herabgesetzt werde. Noch weitergehend sind die Forderungen sowohl der Radikalen Zionisten als auch des Misrachi. Die Radikalen wollen der Nichtzionistischen Fif ty bloß je einen Vertreter in der Londoner und In der Jerusalemer Exekutive zubilligen, der Misrachi will für die Aufhebung des Fifty-Fifty-Abkommens stimmen. Eine Sonderkommission ohne Vertrauen Der vorhin erwähnte Antrag der Linken zur Schaffung einer Spezialkommission betreffs Untersuchung der Tätigkeit gewisser revisionistischer Gruppen und einer etwaigen Verantwortung der revisionistischen Partei für diese Tätigkeit wurde vom A. C. mit den Stimmen der Linken, der Allgemeinen Zionisten und der Radikalen angenommen, Gegen den Antrag stimmten bloß die Revisionisten der Großman-Richtung, während die Jabotinsky-Revisionlsten und der Misrachi sich der Stimme enthielten. In dem Antrag wird verlangt, daß die Kommission „alle ihr erreichbaren Tatsachen Dr* med« iinfv* Hugo Wcinberger Anny Weinberger geb« Blaser beehren sich, ihre stattgefundene Vermählung bekanntzugeben Wien, im August 1933 II, Taborstraße untersuchen" und dem A. C. einen Bericht erstatten solle, woraufhin das A. C. über „weitere Schritte zu entscheiden" haben werde. Der Untersuchungskommission gehören M. M. U s s i s c h k i n, Rabbi Meir Berlin, Dr. Nahum Goldmann, Dr. Victor Jacobson, Leo Motz kin und Professor Brodetsky an. In der vorangegangenen Aussprache über den namens der Arbeiterpartei von Berl Katznelson, dem Chefredakteur der Tageszeitung „Dawar", gestellten Antrag erklärte das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Professor Selig Brodetzky, eine solche Kommission sei eine vitale politische Notwendigkeit zur Beseitigung einer dem Zionismus drohenden Gefahr. Die Vertreter des Misrachi brachten einen anders förmulierten Antrag zu dem Gegenstand ein. Sie forderten, daß die Untersuchung auf die Prüfung des Konflikts zwischen Linken und Revisionisten beschränkt werde. Dieser auch von den Revisionisten unterstützte Antrag wurde jedoch abgelehnt. Die Revisionisten nahmen zum Antrag der Arbeiterpartei eine verschiedene Stellung ein. Während die Anhänger der Großmann-Richtung eine Vertagung der Untersuchung befürworteten, bestand der Vertreter der Jabotinsky-Richtung, Schlechtmann, auf ihrer sofortigen Durchführung, verlangte aber, daß ihr ein allgemeinerer Charakter gegeben Werde und daß sie sich auch auf die Prüfung der von den Revisionisten gegen die Arbeiterpartei erhobenen Beschuldigungen erstrecken soll. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde der Antrag der Arbeiterpartei angenommen, woraufhin Schlechtmann namens der Revisionisten erklärte, diese brächten der Befugungskommission kein Vertrauen entgegen. Sie würden Ihr keinerlei Material zur Verfügung stellen und ihre Entscheidung nicht anerkennen, weil das Aktionskomitee die Kompetenzen der Kommission einseitig auf die Untersuchung der von der Arbeiterpartei gegen die Revisionisten erhobenen Anschuldigungen beschränkt habe. Gegen den Antrag der Arbeiterpartei hatten sich auch Dr. Stephen Wise und Dr. Sammy Gronemann auf Grund außenpolitisch-zionistischer und juridischer Bedenken ausgesprochen. Die Hetze der Linken. Schon lange Zeit vor dem Kongreß wären in der zionistischen Presse Stimmen aufgetaucht, wonach es-Aufgabe des A. C. sei, einen friedlichen Verlauf des Kongresses zu sichern. Die Arbeiterpartei, durch ihre Erfolge bei den Kongreß wählen ermutigt, glaubte eine Gewähr für den friedlichen Verlauf des Kongresses darin zu erblicken, daß die Revisioniaten .aus dem Kong.reßpräs 1 dium aus.geschlössen würden. Die Allgemeinen Zionisten konnten sich mit dieser, im Widerspruch zu den parlamentärischen Gepflogenheiten stehenden Forderung nicht befreunden, wählten vielmehr eine Kommission, die mit den einzelnen Fraktionen .. Verhandlungen über die Frage der Besetzung des Kongreßpräsidiums .führen soll. M. M. Uss.ischkin stellte den Antrag, das Kongreßpräsidiüm nicht parteimäßig, sondern aus repräsentativen Persönlichkeiten •- zusammenzusetzen. Dieser Antrag blieb dn de* Minderheit,'. Di& Verr treter der Lfnken beharrten auf der Sitzung am 18. Aug. auf ihrem Steckenpferd,: mit' den Revisionisten.: nicht in einöm Präsidium'zusammensitzen zu wollen: Prof. Chaim Weizmann wohnte der Tagung, obwohl er Mitglied des A. C. ist, nicht bei. Am Tage , der Eröffnung des Kongresses war noch unbekannt, ob Professor Weizmann an den Kongreßsitzungen teilnehmen .werde. ■ . •; Die letzte Sitzung des Aktionskomitees wurde vom Präsidenten Nahum Sokolow geleitet. Von der Krakauer Mi§radii«Konfereiiz Nach revisionistischem Muster In den am 10. und 11. August abgehaltenen Sitzungen der Krakauer Misrachi-Weltkonferenz wurden in mehreren Referaten Und einer eingehenden Diskussion die Fragen der Einberufung eines allgemeinen Kongresses der religiösen .Tudenheit für den Aufbau Palästinas auf traditioneller Grundlage und* einer etwaigen Erweiterung der organisatorischen Basis des Misrachi Uber den Rahmen der Zionistischen Organisation hinaus erörtert. Rabbi Fishman, machte den Vorschlag, einen religiösen Weltkongreß nach Jerusalem emzuberufen, während Rabbi Amiel und andere Redner dafür eintraten, in den Misrachi auch außerhalb der Zionistischen Organisation stehende Gruppen aufzunehmen. Die. von einigen Rednern angedeutete Möglichkeit, daß der Misrachi in eine von der Zionistischen- Organisation unabhängige Partei umgewandelt werden könnte, lehnte der Führer 4er MIsrachi-Bewegung Rabbi Meir, Berlin, entschieden ab. Umbildung der Jewish Agency Die Beratungen der Misrachi-Weltkonferenz wurden in der Nacht vom Sonntag, den 13. August, zu Montag, den 14. August, zu Ende geführt. Um 8 Uhr morgens wurde die Weltkonferenz In gehobener Stimmung geschlossen. Die Konferenz faßte eine. Reihe wichtiger Beschlüsse, betreffend die innere Organisation des Misrachi, sein Verhältnis zur Zionistischen Weltorganisation und zur Jewish Agency, und legte Richtlinien für die Haltung der misrachistischen Fraktion auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß fest. Unter anderem tritt Misrachi für die Bildung einer zionistischen Koalitionsleitung auf breiter Basis unter Einschluß aller Gruppen, die den Primat der Zionistischen Organisation bejahen, und für eine Umbildung der Jewish Agency ein. Die neue Leitung Die Wahl der neuen Leitung des Misrachi ergab folgendes Resultat: Rabbi Meir Berlin, Rabbi Fishman, Rabbi Gold, H. Farbstein, Sirkes, Schechtermann, Genachowskl (Palästina). In den Waad Haroschi wurden 71 Personen, und zwar 26 Vertreter des Misrachi und 25 Repräsentanten der Thora« we'Awodah-Bewegung, gewählt. TSCHECHOSLOWAKISCHE EXPORTINPUSTBIE j SMwaien Raadierreipiisiien »IMiäge aus Kunsthorn und Kunstharz SPILBA Drechslerwarenfabrik S. Pick Prager Messe, Stand 4177 Libän, Ö. S. R. Die knitterfeste Krawatte, Marke „Phoenix", müssen auch Sie kaufen! Um 8 5.50 überall erhältlich. E3 Die Beschlüsse der WIZO-Weltkonferenz . Nach Wahl einer neuen, 33 Mitglieder umfassenden Exekutive, von denen 12 ihren Wohnsitz in London, 11 in Palästina und 10 auf dem europäischen Kontinent haben, wurde die 7. Weltkonferenz der WIZO geschlossen. Als Präsidentin des Weltverbandes wird im ersten Jahre der neuen Konferenzperiode Frau Vera Weizmann, im zweiten Jahre Frau Sieff fungieren. " Nach eingehender Aussprache über die Referate, wobei b^merkenSwertqrweise alle männlichen Gäste der Konferenz, unter ihnen prominente zionistische Führer, höflich, aber entschieden aufgefordert wurden, den Beraturigssaal' zu verlassen, wurde eine große Zahl'von Beschlüssen gefaßt, die Alijah, Jugendbewegung, Keren-Kajemeth-Arbeit,- .Organisation und Propaganda, Vertretung in .den repräsentativen: Körperschaften der Zionistischen . Organisation und der Jewish Agency und allgemeine Frauenfragen betreffen. ML ML Ussischfcm 70 Jahre Am-24. August, also mitten im Prager Zionisten-;kongreß, wird -Men&chem Mendel. U s s I s c h. k i n 70 Jahre;al^f';',Wl^ier;aucl^ abseits dersogenannten zionistischen^ |:TagespoIitl(£c.,'!s$?h't,.'„"so" besitzt er doch in der jüdischen fWelt eine Popularität, wie selten ein zionistischer Führer. |Der- Mann, der seit drei Jahrzehnten den Jüdische» iNationalforids leitet, der Mann, dem die „Erlösung; 'des Bodens" anvertraut ist, hat sich als Kämpfer [ebenso wie als Verteidiger bewährt. Die Stärke seines Willens, die Rücksichtslosigkeit seiner Energie sind Eigenschaften, die ihm die großen Erfolge brachten. Hierin ist er unerbittlich. Die großen Leistungen des Keren Kajemeth. für den Aufbau des Judenstaates sind ohne Ussischkin undenkbar. „Herr Präsident! Sie haben die Lage in Palästina als befriedigend bezeichnet. Sie wissen genau so wie wir und wie jedes Kind in Palästina, daß die Lage schlecht ist und daß wir nicht in Sicherheit leben", rief Ussischkin dem .Prof. Weizmann am Züricher Kongreß 1929 knapp vor den tragischen Augusttagen zu. Ussischkins Warnung war berechtigt. Ussischkins. Streben ging stets aufs Ganze. Alle Jüdenstäatlei*" wünschen dem 70jährigen Jüngling noch viele-Jahre reicher Schaffenskraft im Dienst des jüdischen Palästina. 896 Delegierte auf dem Zionistenkongreß Das Kongreßgericht hat 396 Delegierte als zur Teilnahme am XVIII. Zionistenkongreß berechtigt anerkannt. Davon sind 318 gewählte Delegierte, 8 Mitglieder der Exekutive und 70 Mitglieder des Aktio-nskomitees, von denen jedoch nur diejenigen stimmberechtigt sind, die gleichzeitig ein Mandat zum Kongreß erhalten haben. Demgemäß beträgt die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder des Kongresses 332. Auf dem im Jahre 1931 abgehaltenen XVII. Kongreß gab es 254 gewählte Delegierte. Die Hebräische Weltkonferenz eröffnet Die Hebräische Weltkonferenz wurde in Prag mit einer eindrucksvollen Ansprache des Dichters Jakob Kahn eröffnet. Hauptaufgabe der Konferenz wird es sein, Ort und Zeit des ersten Hebräischen Weltkongresses zu bestimmen. Moses RathVSfntAmenu" Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selb*tunierricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache / Einsige Methode zur vollständigen Erlernung der hebi äischen Spiache in Wort und Schritt auch ohne Lehrer Der Preis dieses, gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur RM 2.—, der englischen Ausgabe RM 4.— / Buchhändler, Schulen, Organisationen u. Lehrer erhalten einen hohen Rabatt / Zu beziehen bei: M. Rath, Verlag