Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 311 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 311 DIE NEUE WELT Seite 3 Zu den jüdischen Feier tagen nach Polen 40: Krakau tour-retour S Lemberg tour-retour S 78.- Blllig mit unserem Sonderzug. Abreise: 18. Sept. 1933. Paß und Vlsagebuhren gratis. Billigste Preise. Auskünfte: Heiseoüro Schenker & Co., I. Scttottenring 9. Tel. R-50-510, E. Ferstel, i, Kärn nerrmg 12, Tel. U 40-301. übermenschlichen Anstrengungen, das ganze jüdische Volk zionistisch zu orientieren, die Aufrechterhaltung unserer guten Beziehungen zur Außenwelt und deren systematische, intensive, wenn auch nicht geräuschvolle Ausgestaltung usw., mit einem Worte, unser ganzes, vielseitiges Arbeitsprogramm. Wir haben den schweren Weg gewählt, weil er der einzige ist, der zum Ziele führen muß. Wir wollen die Synthese und das Gleichgewicht. Bei einem Volke, wie bei einem Baume, muß alles gleich wachsen. Es ist nicht gut, wenn ein Ast eines Baumes sich allein zu ragender Höhe entwickelt und nun vereinzelt vom Sturm hin- und hergeschüttelt wird. Sind alle Aeste gleich hoch gewachsen, halten sie dem starken Ansturm Trotz. Wir gehen mit einer Fülle von ernsten und schwierigen Aufgaben in die nächste Zeit hinein. Nicht graue Theorien sollen ausgesprochen, sondern praktische Wegzeichen aufgerichtet werden, Richtlinien für die weitere Arbeit. An Verhandlungsstoff fehlt es dem gegenwärtigen Kongreß sicherlich nicht. Eine Fülle von Themen bietet sich dar und die Debatten werden wohl, zur Vertiefung der Erkenntnis der Probleme beitragen. Doch soll ob dieser politischen und wirtschaftlichen Fragen die Sorge um das geistige Wohl des Volkes nicht verkümmern. Die Erhaltung der hebräischen nationalen Schule ist die große Pflicht des Zionismus. Wir rechnen auch die Förderung unserer nationalen Literatur in Erez Israel zu den unabweisbaren Pflichten einer zionistischen nationalen Organisation, denn in ihr beruht ein großer Teil des Einflusses und der Geltungskraft unseres Ideals. Und nun mein letztes Wort heute an Sie. Ich hoffe und flehe eine gütige Vorsehung an, sie möge den XVIII. Zionistenkongreß so leiten, daß durch ihn die Rettung unseres Volkes gefördert werden und Erez Israel einen Riesenschritt vorwärts machen soll, zur Erfüllung seiner prophetischen Verheißung, ein ruhiges, sicheres, glückliches Heim zu werden für unser achwerbedrängtes Volk, für das es der einzige Trost und die einzige Hoffnung ist, und segenspendend für alle Völker der Erde; und daß der Zionismus das ganze jüdische Volk wie auch die edlen und großmütigen Menschen und Freunde Israels in der ganzen Welt begeistere und vereinige in Eintracht und Liebe für Gerechtigkeit und Gleichheit unter Menschen und Nationen! Hiermit habe ich die Ehre, den XVIII. Zionistenkongreß zu eröffnen. (Stürmischer, sich stets von neuem erhebender Beifall.) Worte für Arlosoroff Nachdem die Beifallsstürme. der Freude und Begeisterung verrauscht waren, ertönte vom Sängerchor die Trauerweise des „Unssane Tokef". Sie erklang zum Gedächnis Arlosoroffs. Berl Katzenelson, der langjährige Führer der palästinensischen Arbeiterschaft, nahm das Wort, um des so frühzeitig dahingerafften politischen Leiters der Zionistischen Palästina-Exekutive, Dr. Chaim Arlosorow zu gedenken. In tief empfundennen Worten entwarf Katzenelson in der altneuen Sprache des Volkes ein lebendiges, ergreifendes Charakterbild Arlosoroffs und seines tragischen Geschickes. Die Eröffnungssitzung wurde um halb 12 Uhr abends unter Absingung der Tikwah geschlossen. Die zweite Sitzung des Kongresses fand Dienstag, den 22. August 1393, um 10 Uhr vormittags statt. Begrüßungen Begrüßungsansprachen hielten Gesandter Doktor Pavlu, bevollmächtigter Minister der Tschechoslowakischen Republik, in Vertretung des Außenministers Doktor Beneä, Mr. Gurney, Charge d'Affaires der britischen Gesandtschaft in Prag; Stadtrat Eustach Mölzer im Namen der Stadt Prag; M. Sulitsch für das Genfer Internationale Arbeitsamt des Völkerbundes; Dr. Bohumil S t e i n als Präsident der Jüdischen Kultusgemeinde Prag; Dr. Angelo Goldstein, Abgeordneter des tschecho- Blowakischen Parlaments. Biodefykys politisches Referat Aus Prag wird gemeldet: Dienstag, den 22, August, begann die erste, Arbeitssitzung des Zionistenkongresses. Es sprach das Mitglied der Exekutive der zionistischen Organisation Professor Brodetzky über die politische Lage im Zionismus. Der Zionismus stehe am Ende einer Entwicklungsperiode, die mit den Augustunruhen von 1929 begann. Durch den MacDonald-Brief an Dr. Weizmann wurde der zionistischen Organisation die Zusicherung gegeben, daß mit der das Palästina-Aufbauwerk hindernden Politik ein Ende gemacht werde. Der neue Oberkommissär für Palästina habe für die Aufbauarbeit vollstes Verständnis aufgebracht, wofür ihm Dank und Anerkennung gebührt. Trotzdem berate der Kongreß im Schatten von Beschlüssen und Projekten der englischen Regierung, die Grund zur Besorgnis geben. Die Besiedlung- Palästinas Der French-Bericht habe für die Palästina- Aufbauarbeit neue Schwierigkeiten gebracht. Die zionistische Organisation habe die Gleichheit von Arabern und Juden bei der landwirtschaftlichen Tätigkeit gefordert mit dem Hinweis darauf, daß eine Bevorzugung einzelner Bevölkerungsteile im Gegensatze zu den Steuerleistungen steht. Wenn auch die englische Regierung Entgegenkommen gezeigt habe, sei es doch notwendig, daß sich die zionistische Organisation gegen die Beschränkung der Boden Übertragung wendet. Auch bezüglich der Einwanderung müsse die Forderung nach einer erhöhten Zuteilung von Zertifikaten gestellt werden, da Palästina Arbeitskräfte brauche. Es sei Pflicht der Mandatarmacht, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu ermutigen. Duron einen Federstrich rwrden hunderttausende Juden aus der Gleichgewichtslage gebracht. In Palästina sei Raum für hunderttausende Juden in den nächsten Jahren und Millionen Juden in den nächsten Generation. Die Prosperität Palästinas sei kein Zauberstück, sondern eine Folge des Glaubens an das jüdische Aufbauwerk. Der Kongreß müsse einen politischen Beschluß fassen und den Nationen der Welt die Wahrheit über die Lage des jüdischen Volkes klarmachen. Dies müsse auch Großbritannien verstehen lernen. Es müsse an den Völkerbund appelliert werden, der das konzentrierte Gewissen der Nationen darstellt. Erst die Erziehung der Juden werde die Judenfrage lösen. Die politische und wirtschaftliche Situation des jüdischen Volkes sei im zwanzigsten Jahrhundert noch viel schlimmer als im neunzehnten. TJnheil treffe die Juden in aller Welt, wofür sich nur Parallelen im mittelalterlichen Spanien und in der Zerstörung Jerusalems finden. Brodetzky appellierte zum Schlüsse an die Kulturmenschen, hilfsbereit den Aufbau Palästinas zu fördern. Schwierigkeiten bei der Bildung des Präsidiums Da bei der Bildung des Präsidiums des 18. Zionistenkongresses Schwierigkeiten aufgetaucht sind, die bisher Manöver der Linken Aus Prag wird un3 vom 22. August berichtet: Die Vorbereitungen zum Kongreß im Aktionskomitee haben, wie erwartet, mit einem Vorstoß der Linken gegen die Jabotinsky-Revisionisten begonnen. Sie verlangten deren Ausschluß aus allen Kommissionen und aus dem Präsidium. (Darüber berichten wir an anderer Stelle. D. Red.) Außerdem versuchten sie, um sich ein moralisches Alibi zu schaffen, die Forderung durchzusetzen, daß eine Gerichtskommission über die Jabotinsky-Revisionisten im Zusammenhang mit der sogenannten Terroristenorganisation in Palästina (die meisten, angeblich einer solchen Gruppe ungehörigen palästinensischen Revisionisten sind bereits enthaftet) gebildet werden solle. Die Großmann- Revisionisten, die man zu einem solchen Manöver mißbrauchen wollte, haben sofort energisch protestiert und sowohl die Allgemeinen Zionisten wie den Mlsrachi bewogen, sich ihrem Protest anzuschließen. Unter diesen Umständen mußten die Unken nachgeben und sich damit bescheiden, daß ihr „Material" von einer Prüfungskommission behandelt werde. Das deutsche Judenschicksal Großen Raum nahm die Behandlung der deutschen Frage ein. Es waren Tendenzen vorhanden, die deutsche Frage zu bagatellisieren und sie im Rahmen der Gesamtprobleme verschwinden zu machen. Wieder war es die Fraktion der demokratischen Revisionisten, die sich gegen eine oberflächliche Behandlung der deutschen Judenfrage erhob und einen entsprechenden Erklärung, die Ing. Robert Stricker zum Verfasser hat, abgab. Auch alle anderen Gruppen werden Deklarationen abgeben. Die Deklaration der demokratischen Revisionisten Die Erklärung der demokratischen Revisionisten stellt zunächst fest, daß die gegenwärtigen Machthaber Deutschlands einen bis zur Vernichtung fuhrenden Kampf gegen das jüdische Volk entfesselt haben. Es ist dies ein Ereignis, dessen Grundtendenzen Theodor Herzl bereits | vor 36 Jahren aufgerollt und denen er in der Errichtung; eines Judenstaates die einzig mögliche Lösung entgegengestellt hat. Nur im Sinne Theodor Herzls ist die Judenfrage i zu lösen. Die Deklaration fordert vom Völkerbund, sein Mitglied Deutschland dazu zu verhalten, daß es die Verfolgung seiner jüdischen Staatsbürger einstelle und das begangene Unrecht gutmache. Sie fordert ferner die Bereitstellung aller moralischen und materiellen Mittel, um die jüdischen Massen Deutschlands ins jüdische Nationalheim, nach Palästina, zu überführen. Von England als dem Verwalter des. jüdischen Nationalheims wird Abkehr von der bisherigen mandatswidrigen Politik und Ein- : leitung eines dem jüdischen Volk und dem Mandat gerechtwerdenden Regimes gefordert. Vom jüdischen Volk : fordern wir, so schließt die Erklärung der demokratischen Revisionisten, stolze Selbstbesinnung, Abbruch aller Beziehungen zu einem Feinde, der ihm unendliche Schmach angetan hat, Konzentrierung aller moralischen und materiellen Kräfte um eine Aufgabe, um die Lösung der Judenfrage Im Sinne Theodor Herzls, um den Aufbau des Judenstaates. Diverse Fragen Durch die unfruchtbaren Attacken der Linken wurden kostbare Sitzungen vertrödelt. Andererseits kam man nicht dazu, wichtige Entschlüsse zu fassen. — Da die Versuche einer Näherung zwischen Jabotinsky-Revisionisten und der Großmann-Gruppe resultatlos verliefen, ist die Trennung nunmehr eine definitive geworden. Nach langen Beratungen wurde das Aktionskomitee-Präsidium, worin nicht die Jabotinsky-Revisionisten, sondern nur Meir Großmann sitzt, als Kongreßpräsidium bestimmt. Als Demonstration gegen den versteckten Ausschluß der Jabotinsky-Revisionisten hat aber Großmann seine Stelle im Kongreßpräsidium nicht angenommen. « Zusammenfassend kann auf Grund der Erfahrung im Aktionskomitee gesagt werden, daß die Linke ihre ganze Kraft auf die Bekämpfung der Jabo- 11nsky-Revis 1 ontsten -verwendet. Bisher allernicht überwunden werden konnten, wurde die für heute abend angesetzte Plenarsitzung auf Mittwoch, den 23. d., verschoben. Wie verlautet, haben sich die Linken entschieden dagegen aufgelehnt, mit Revisionisten im Präsidium zu sitzen. Auch die Frage der künftigen Leitung der Zionisten bildet, wio das gleich Blatt weiter meldet, Schwierigkeiten, Weizmann hält sich bisher von Prag fern. Die Revisionisten drohen, den Kongreß zu sprengen» falls der Mord an Arlosorow in gewissem Zusammenhang zur Sprache käme. * Verbot der Brith-Trunipeldor-Uniform Der Präsident des Zionistenkongresses, Sokolow, verkündete heute abends den Beschluß des Aktionskomitees, wonach das Erscheinen in Uniform im Verhandlungssaalc verboten sei. Das Verbot ist darauf zurückzuführen, daß die Jugendorganisation der Revisionisten- Brith-Trumpeldor In Uniform erschienen ist. Die Meldung, daß Vladimir Jabotinsky zur Eröffnungsitzung in Uniform erschienen sei, ist unrichtig. (Die Trumpeldor-KIcldung entspricht der Uniform, die die jüdische Legion im Weltkrieg trug, und besteht daher schon lange vor Aufkommen der deutschen Hitler-Bewegung. Anm. d. Red.) dings mußte sie schrittweise zurückweichen, da. Ihre moralische Stärke an ihre numerische nicht heranreicht. * Brodctzkys politisches Referat brachte keinerlei Ueberraschung. Seine Idee, an den Völkerbund zu appellieren, wird stark von dem Gefühl gehandikapt, daß man im Schatten der negativen britischen Haltung operiere. Die nächste Arbeitssitzung fand Mittwoch, den 23. August,, statt. Wir werden darüber ausführlich berichten. Weltkonferenz der Allgemeinen an Prag, 20. August. (J. T. A.) Am 19. August wurde die zweite Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten eröffnet. Der Präsident des Weltverbandes Dr. I. Schwarzbart (Krakau) begrüßte die Erschienenen, übergab jedoch nach den ersten Sätzen das Wort dem palästinensischen Delegierten Dr. Benzion M o s s i n s o n, da die große Mehrheit der Konferenzteilnehmer stürmisch verlangte, daß die Eröffnungsansprache hebräisch gehalten werde. Nach den Begrüßungsworten Dr. Mossinsons hielt Dr. Schwarzbart in jiddischer Sprache einen Nachruf auf Dr. Chaim Arlosoroff. Dr. Schwarzbart erstattete den Bericht der Leitung und entwickelte das politische und sozialwirtschaftliche Programm der Allgemeinen Zionisten. Er erklärte u. a., der internationale Charakter der Judenfrage und die unbedingte Notwendigkeit ihrer Lösung durch Konzentration und Organisierung eines möglichst großen Teils des jüdischen Volkes hätten sich heute den Juden und allen Nationen der Welt eindringlicher als jemals im Verlauf der neuzeitlichen Periode der jüdischen Geschichte offenbart. In sozial wir tschaft Ii eher Hinsicht stellte Dr. Schwarzbart den Grundsatz auf, daß der Aufbau Palästinas, unbeirrt von sozialistischen oder kapitalistischen Klassentheorien, im Geiste des sozialen Fortschritts und der sozialen Gerechtigkeit erfolgen soll. Nationalem und privatem Kapital seien in Palästina gleichmäßig konstruktive Aufgaben zuzuweisen. Im gegenseitigen Verhältnis von Arbeit und Kapital müsse der Primat der gesamtnationalen Interessen gelten. Demgemäß treten die Allgemeinen Zionisten für das obligatorische schiedsgerichtliche Verfahren in Arbeitsfragen ein. Im Anschluß an diese Ausführungen behandelte Dr. Schwarzbart technische Probleme der Zertifikate« Vevteilen und der Hachscharah, finanzielle Aufgaben sowie organisatorische Probleme, darunter die Forderung , nach Reorganisierung der erweiterten, Jewish Agency unter Berücksichtigung der bisherigen Leistungen ihres, nichtzionistischen Teils. Nach einem Referat des Delegierten Rottenstreich wurde die Debatte eröffnet. Am zweiten Konferenztage referierten die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Prof. Brodetsky und Emanuel Neuman über die gegenwärtige Situation in der Bewegung und in Palästina, ferner wurden eine Reihe von Referaten gehalten, die die Stellung des Weltverbandes zu den Kongreßfragen behandelten. Es sprachen Dr. Mossinson über die Politik des Allgemeinen Zionismus, Dr. S c h m orak über gegenwärtige wirtschaftliche Aufgaben, Dr. Ruf eisen über die Rolle von Arbeit und Kapital im Palästina-Aufbau, Dr. Moritz Rottenberg über die Finanzen der Organisation, Bogretschoff über das Kulturproblem und Dr. Oskar Grünbaum über Fragen der Organisation und der Zionistischen Exekutive. Trioct hffümit den M* HO Jflllfl Salonsdiiffen tfos Lloyd Triestino Abfahrten <eden Mittwoch um 13 Uhr Kerner: Wöchentliche Expreblinie nach Istanbul; wöchentliche Lüxuselllinie nach Alexan- . drlen; zweimal monatlich Luxuselllinie nach Bombay; monatliche fcxpreßlinie nach Ceylon, Slngapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan WünfieiüoyöIneÄ.Wieni.Häintiißfiiiiyßiei.y^M-ßi \^ze^##<MXii#% r . . - '< '^/^^■^MW^^ Taaaaat