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Die neue Welt · 1933-08-18 · Heft 310 (18.8.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 310 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 310 DIE NEUE WELT Seite 7 üu$ Ju*to§Iawien Nach den Kongreßwahlen Der Verfasser des Berichtes ist ein Führer der neu entstandenen revisionistischdemokratischen Organisation in Jugoslawien. Die Aufstellung unserer Kandidatenliste zu den Wahlen zum XVIII. Zionistenkongreß war unsere erste Arbeit, denn wir hatten erst einige Monate vor den Wahlen zu arbeiten begonnen. Uns waren nur wenige in Jugoslawien bekannt, die Interesse für den Revisionismus an den Tag legten. Noch weniger überzeugte Zionisten- Revisionisten. Die Aufstellung der Liste erfolgte hauptsächlich und grundsätzlich zu dem Zwecke, uns die Gewißheit zu schaffen, ob in Jugoslawien ein Arbeitsfeld für unsere zionistisch-revisionistische Bewegung da ist und es sich lohnt, mit organisatorischer Arbeit einzusetzen. Der Wahlkampf wurde unsererseits unter Zugrundelegung dieses Zweckes geführt. Wir kämpften nicht in der Weise, wie in anderen Ländern bei Kongreßwahlen gekämpft wird, nur wie im „Allgemeinen" und wie die „Linken" in Jugoslawien zu kämpfen beliebten. Unsere Tätigkeit hat sich fast ausschließlich darauf beschränkt, die jugoslawisch-zionistischen Juden mit unserem Programm bekannt zu machen. Wir haben die zwei anderen Listen nicht verunglimpft, so daß uns sogar die „Linken" das Zeugnis ausstellen müssen, daß wir mit ihnen weitaus korrekter und schonender umgegangen seien, als ihre bisherigen Verbündeten, die „Allgemeinen". Zu großem Dank sind wir unserem Führer Oberbaurat Stricker verpflichtet, der weder Strapazen noch Kosten gescheut und eine Vortragsreise durch Jugoslawien Unternommen hat. Er sprach in Zagreb, Osijek, Novi Sad und Beograd in vollendeter Art vor gefüllten Sälen. Sein Erfolg kann auch dadurch nicht geschmälert werden, daß der „2idov", das offizielle zionistische Organ, den Bericht über seine Vorträge nur aus der „Neuen Welt" übernahm, Unter der in kroatischer Uebersetzung mit der sonderbaren Aufschrift „Fremder Humor". Zu den Wahlresultaten. Die Verteilung der Mandate Und auch die Zahl der für die einzelnen Listen abgegebenen Stimmen scheint unter Berücksichtigung unseres Zieles weniger von Bedeutung. Wesentlich ist, daß wir außer in den fünf Orten: Zagreb, Osijek, Nova Sad, Zemun und Stari Becej, wo wir schon früher festen Fuß gefaßt hatten, aus 22 anderen Orten Stimmen erhielten. In mehreren haben wir die absolute M a j or i t ä t, in zwei Orten sogar 100 Prozent der abgegebenen Stimmen erlangt. Der Beweis ist erbracht, daß große Möglichkeiten für unsere Arbeit in Jugoslawien bestehen. Da dies der Zweck unserer Listenaufstellung war, haben wir einen großen Erfolg aufzuweisen. Er ist um so größer, wenn man die Kräfte, die Mittel und Möglichkeiten, die einerseits uns zur Verfügung standen, anderseits unseren erbgesessenen Gegnern, berücksichtigt. Wir haben ein Maximum an Arbeit geleistet. Bei der nächsten Gelegenheit werden wir nicht mehr bescheiden sein, sondern auch einen ziffermäßigen Erfolg anstreben, den wir meiner Ueberzeugung nach erreichen werden. Die Wahlen haben, vom Uberparteilichen Standpunkte aus gesehen, ein großes Positivum gebracht: die jüdische Allgemeinheit in Jugoslawien hat endlich Interesse für die zionistische Bewegung bewiesen, dank unseres Eine jüdische Gründung — gleichgeschaltet Aus Berlin: In der letzten Nummer der „Juristischen Wochenschrift" gibt die neue Schriftleitung ihre Richtlinien bekannt. Darnach kann die Wochenschrift als Zeitschrift des deutschen Anwaltsvereins nur Beiträge von Personen veröffentlichen, die Arier sind. Bücher, deren Verfasser Nicht-Arier oder die in nichtarischen Verlagsunternehmungen erschienen sind, werden im Schrifttum nicht besprochen. Anzeigen über solche Bücher werden auch nicht in den Anzeigenteil aufgenommen. Die juristische Wochenschrift hatte sich in den letzten Jahrzehnten unter der Leitung ihres jüdischen Gründers und Herausgebers Justizrat Dr. Magnus in Berlin zu dem anerkannt i führenden Organ der deutschen Juristen entwickelt. t)Ie Ausschließung jüdischer Mitarbeiter, Autoren und Verleger bedeutet eine schwere Beeinträchtigung der jüdischen Juristenwelt. Wa3 es noch gibt! Einige reichsdeutsche Zeitungen bringen folgende Meldung: Die Führung des „Deutschen Vortrupp, Gefolgschaft deutscher Juden" teilt mit: Am 5. und 6. August fand in Frankfurt a. M. das zweite Reichstreffen des „Deutschen Vortrupp, Gefolgschaft deutscher Juden" statt. Das Rundgespräch war getragen von dem Bewußtsein, daß über das Schicksal der deutschen Juden für absehbare Zeit entschieden worden ist, daß aber keine Gesetzgebung und kein äußerer Druck uns in unserer Deutschheit und unserem Treueverhältnis zur Nation* erschüttern kann. Was uns als nichtarischen Deutschen Wirklichkeit unseres Daseins ist, wird uns als deutschen Juden zum religiösen Gebot, daß wir einstehen müssen für jüdischen Untertangehorsam vor jeder deutschen Reichsregierung und damit gegen das unwahre Assimilantentum jüdischer Selbstentäußerung ebenso wie gegen den Versuch der Z i o n i s t e n, die erdumspannende Wahrheit des Gottesvolkes Israel (Klall) in ein weltlich-nationales Volkstum umzufälschen. Konservativ gesinnt, als Deutsche und als Juden, stehen wir um Deutschlands willen gegen die Triebkräfte der Verweltlichung und für,die Tradition und Erneuerung der objektiven Mächte, die auf deutschem und abendländischem Boden Geschichte gestaltet haben. Zur Klärung und öffentlichen Bekundung des Zukunftswillens junger jüdischer Deutscher geben wir für unsere Gruppen eine Zeitschrift heraus, die bei der Kanzlei des „Deutschen Vortrupp", Frankfurt am Main, Braubachstraße 7, III, bestellt werden kann. +«*+\ s * % Führend in Petit-Point-Taschen Petit-Point-Neuheiten und Tapisserien für Innendekorationen \ t * 'ä « * Sic. S^tmt^^n^ ibscßx^h^M i^j^tMMfM^M^U^! cieS" ^^■^^^i^^'- j*joijj:s nur f/os 1JOLLES I Studi Erzeuger Wien VII, Andreasgasse 6 Eingreifens. Die Zahl der Schekalim wird in den nächsten Jahren beträchtlich steigen. Aber das Wesentlichste tst, i daß der hiesige zionistische Jude endlich über den Zionisj mus, über seinen Zionismus nachzudenken beginnt. Diese Wahlen bedeuten daher einen Wendepunkt im jugoslawischen Zionismus. Schon durch den Umstand, daß wir Oberbaurat Stricker als Listenführer kandidieren, ist unsere Stellungj nähme zur Spaltung in den zionistisch-revisionistischen Reihen deklariert. Die unbedingte Treue zur zionistischen Weltorganisation/ der feste Wille, im Rahmen derselben zu bleiben und mit voller Kraft für die Verwirklichung des Herzl-Zionismus, für den Judenstaats-Zionismus zu arbeiten^ Folgerichtig, wollen wir auch n Jugoslawien handeln. Wir hoffen, daß wir zusammen mit den anderen Gruppen am Ausbau und an der Stärkung der Landesorganisation unter Anwendung aller Kräfte mittätig sein werden. Es müssen aber zwei Voraussetzungen erfüllt werden: 1. Seitens des Landesverbandes müssen uns dieselben Rechte eingeräumt werden, wie den anderen Gruppen. Verlangt man doch von uns die Erfüllung derselben Pflichten. 2. Das offizielle Organ „zidov" muß seine Schreibweise ändern und werden, was es sein soll: das offizielle Organ der L an d e s o r g a ni s a t i o n und nicht das Parteiblatt der Linken. Die Gehässigkeit gegenüber den Zionisten-Revisionisten muß aufhören. In diesem Blatt soll jeder Zionist das Recht auf Meinungsäußerung haben. Unsere Berichte, Artikel usw. müssen ebenso berücksichtigt werden, wie die der Linken. Wir wollen keinen Kampf mit dem „iidov" führen, weil das für beide Seiten nur unnötige Kraftvergeudung bedeuten würde, betonen aber, daß wir, falls sich seine Schreibweise und Methoden nicht ändern sollten, Mittel und Wege finden werden, ihm gebührend zu begegnen. Wir wünschen in Jugoslawien zionistische Arbeit in ruhiger Atmosphäre, nicht durch Haß und Intoleranz vergiftet. Der natürliche, notwendige Kampf der Gruppen kann und soll ruhig verlaufen. Er darf nicht die Grenzen der programmatischen Auseinandersetzung überschreiten. Wir haben bisher an diesem Grundsatze festgehalten. Die anderen müssen uns auf diesem Wege folgen. A. P. In Bulgarien ist die Autonomie der jüdischen Schulen gefährdet Aus Sofia: Der Oberste Unterrichtsrat Bulgariens hat gegen den Protest der Vertreter der Minderheitsschulen einen Gesetzentwurf zur Vorlage an das bulgarische Parlament ausgearbeitet, demzufolge diese Schulen ihre Autonomie hinsichtlich der Bestellung von Lehrern und der Festsetzung des Schulbudgets verlieren. Der Vertreter der jüdischen Minderheit im Obersten Unterrichtsrat, Samuel Na von, hat gegen diesen Schritt energisch, aber erfolglos, Einspruch erhoben. Nach dem bestehenden Gesetz haben die jüdischen Schulkomitees das Recht, alle Lehrer an den jüdischen Schulen zu ernennen, sowohl jene, die jüdische und allgemeine Fächer in hebräischer Sprache, als auch diejenigen, die allgemeine Fächer in bulgarischer Sprache unterrichten (bulgarische Unterrichtssprache ist vorgeschrieben für den Unterricht in bulgarischer Sprache, bulgarischer Geschichte und bulgarischer Geographie). Die Bezahlung der Lehrer erfolgt durch die jüdischen Schulkomitees. Nach dem neuen Gesetz dürfen nur bulgarische Bürger zu Lehrern ernannt werden. Die Ernennung soll durch den Unterrichtsminister erfolgen, obwohl die Lehrer auch weiterhin von den jüdischen Schulen selbst bezahlt werden sollen. » In jüdischen Kreisen befürchtet man, daß es nicht möglich sein werde, genügend qualifizierte hebräische Lehrer für die Schulen zu finden, wenn die Anstellung ausländischer Lehrkräfte nicht mehr gestattet sein sollte. Auch die Bestimmung des Gesetzentwurfes, daß die Budgets der Schulen dem Distrikts-Chef zur Bewilligung vorgelegt werden müssen, findet im Hinblick darauf, daß die Schulen vom Staat nicht entsprechend subventioniert werden, Widerspruch. Das Urteil im Prozeß wegen Ermordung des Studenten Grotkowski Aus Lemberg: Das Lemberger Strafgericht hat den wegen Totschlages an dem nationaldemokratischen Studenten Grotkowski angeklagten Moses Katz der unvorbedachten Tötung schuldig befunden und zu vi er Jahren Gefängnis verurteilt. Die Mitangeklagten von Moses Katz, Israel Tune und Nehemia Schmer, wurden mangels an Beweisen freigesprochen. Die Verhandlung gegen Katz, Tune und Schmer war nach der am 19. Juli erfolgten Vertagung am 8. August wieder aufgenommen und am 9. August abgeschlossen worden. Der Totschlag an Grotkowski erfolgte im November v. J. anläßlich eines Streites zwischen einer Gruppe junger Leute und nationaldemokratischer Studenten in einem berüchtigten Lemberger Nachtlokal. Der Vorfall wurde von der antisemitischen Presse zu einer Judenhetze ausgebeutet, die zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen in ganz Polen führte. Der Prozeß ergab, daß keinerlei politische oder konfessionelle Motive für die Tat maßgebend waren, daß es sich vielmehr um einen gewöhnlichen Wirtshausstreit handelte. Nach Verkündung des Urteils gegen Moses Katz kam es in den Straßen von Lemberg mehrfach zu Ueberfällen antisemitischer Exzedenten auf jüdische Passanten. Drei Angreifer wurden von der Polizei verhaftet. Auf dem Wege zur Polizeiwache versuchten sie, ihrer Eskorte in das polnische Studentenheim zu entfliehen. Die Verhafteten, die Nichtstudenten sind, wurden von den Polizeibeamten rechtzeitig, eingeholt. Zur Verhütung weiterer Ausschreitungen durchziehen Polizeipatrouillen die Lemberger Straßen. Schwarzbard in Amerika Aus New York: Samuel Schwarzbard, der im Jahre 1926 in Paris den ehemaligen ukrainischen General Petljura, dessen Truppen in den Jahren 1919 und 1920 die Massenpogrome in der Ukraine verübt haben, ermordete und von den französischen Gerichten freigesprochen wurde, ist mit einer Gruppe ehemaliger französischer Kriegsteilnehmer in New York eingetroffen. Schwarzbard, der zu Kriegsausbruch in Frankreich lebte, war als Freiwilliger in die französische Armee eingetreten und wurde während des Feldzuges mehrfach ausgezeichnet. Er wird sich etwa 3 Wochen in den Vereinigten Staaten aufhalten. Besuchet die ahburger FESTSPIELE 28. Juli bis 31. August lllllllMM

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