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Die neue Welt · 1933-08-18 · Heft 310 (18.8.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 310 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 310 Judische Mädchen vor der Berufswahl Dr. Krüger-Helm Wien II, Malzgasse 7 Telephon A-48-0-77 Zweijährige Fachschule für Weißnähen und Kleldetmachen ml* Oeffeiitlichkeitsrecht Einjährige Haushaltungsschule und zweimonatige hauswirtschaft- IJcne Vorbereitungskurse für Palästina j streng rituell Viele sonstige Ausbildungsmögllchkelten I Prlvat-Volks- und Hauptschule mit OeffentHchkeilsrecht Prospekt auf Wunsch / Internat / Mittelstandspreise Berufsberatung täglich von 10 bis 12 Uhr AUS DEUTSCHLAND Massen eine Konsternation hervorrief und eine Verdunke lung des klaren Instinkts 2ur Folge hatte. In erster Reihe der revisionistischen Geschehnisse der letzten Monate ist der bereits „berühmte" Putsch zu nennen . . . Der Jude, der Tag für Tag in den Zeitungen von den Polgen der Diktatur in Deutschland liest, der die Opfer der Erdrosselung der Demokratie tagtäglich sieht und zutiefst überzeugt ist, daß das jüdische Volk eben dieser Umstände wegen soviel zu leiden hat und die größte Katastrophe durchlebt, dieser einfache, nicht viel philosophierende Jude mußte instinktiv einen Ekel spüren, als er dieselbe Methode in seinem eigenen Lager sah, und schüttelte dann unwillkürlich das Kind mit dem Bade aus. Diesen psychologischen Widerwillen der Volksmassen haben unsere „Linken" auch richtig verstanden und mittels verschiedener Hirngespinste auszunützen gewußt, so daß das Ergebnis nicht ausbleiben konnte. In richtiger psychologischer Einschätzung der tatsächlichen Verhältnisse hat Herr Meir Großmann die Verschiebung des Kongresses verlangt. Er dachte zweifellos an die Notwendigkeit, die Gemüter der jüdischen Massen zu beruhigen und sie zu klarer Einschätzung der Lage befähigt zu machen. Leider ist das nicht gelungen — und die Wahlen waren die momentane Reaktion auf den Angriff gegen den Volkslebensnerv. Eine zweite, auch nicht gering einzuschätzende Ursache des revisionistischen Mißerfolges bei den jetzigen Kongreßwahlen ist die seit jeher uneinheitliche Agitationstaktik der Revisionisten. Während der eine die Notwendigkeit des Judenstaatszionismus und der Judenstaatspolitik mit triftigen, einleuchtenden und ruhigen Beweisenbelegte, rief der andere mit nervöser Stimme, daß der Zionismus mit dem Schießenlernen beginne. Und diese nervös-donnernde Stimme hörte man gerade in den größten jüdischen Zentren. Da mußte sich wiederum der einfache Mann in der jüdischen Gasse die Frage vorlegen: Kann das richtig sein? Hat man mich doch Jahrzehnte hindurch — sogar unter Herzl und Nordau — gelehrt, daß der Zionismus die Metamorphose der jüdischen Seele und Hirns bedeute, daß er das Weiterschmieden der prophetischen Kette bedeute?! . . . Wohl könnte der jüdische Volksmensch verstehen, daß der organisierte, geschulte jüdische Selbstschutz eine unumgängliche Notwendigkeit der jüdischen Kolonisation — wie übrigens jeder Kolonisation — ist, daß jeder Zionist sich wenigstens den Wehrsportgedanken platonisch einverleiben müsse, nicht aber, daß er das Abc des Zionismus bilde. Und eben diese Schwäche unserer Agitationsmethode haben unsere „Pazifisten" reichlich ausgenützt und "dem jüdischen Wähler unaufhörlich von der „revisionistischen Soldateska", vom „Widerspruch zu den Propheten" eingepfropft. Unser Verschulden auf diesem Gebiet brachte dann die karge Ernte. Eine angenehme, einträgliche „Zuwag" bildete für unsere „Linken" und deren Helfer die Stawski- A f f ä r e. Losungen, wie „Gebt eure Stimme nicht den Mördern!", „Der Revisionismus verpestet die Seelen eurer Kinder!", „Wendet euch von den Arlosoroff-Mördern mit Ekel ab!" waren an der Tagesordnung und löteten die einzelnen Ringe der Unzufriedenheit in eine ansehnliche Kette, die nachher Zeugnis davon ablegen sollte, „daß das -Volk dem -sozialistischen Zionismus huldige". '■ 'Wahlerfolg isteine vorübergehende Sache. Stabil ist die objektive, programmatische Wahrheit. Und diese Wahrheit muß in die Herzen unseres Volkes, wie es bisher stufenweise vor sich ging, eindringen. Wir müssen von den letzten Wahltaktiken viel lernen. Vor allem müssen wir uns darüber klar werden, daß die revisionistische Ideologie nur dann das ganze zionistisch gestimmte Volk gewinnen wird, wenn sie auf den Grundsätzen der hundertprozentigen Demokratie aufgebaut ist. Jede Vergewaltigung des Volkswillens stößt die Massen vom Revisionismus ab, obwohl er der einzig richtige Wegweiser im Palästinaaufbau ist. . {oMAöetäp mit tymmioana \em gftr,t,trt,w%+ww*~ i FxrbJgrtg. IjLTaborsh^ 14*0 Auch arische Abstammung der Ehefrau Aus Berlin: Der preußische Innenminister hat in einem Runderlaß die Gemeinden auf die neuen gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen, wonach vor der Entscheidung Uber die Bestätigung von Gemeindebeamten außer der arischen Abstammung des Ge wählten auch die der Ehefrau festzustellen ist. Es muß also auch für die Ehefrau der NachweIs arischer Herkunft erbracht Werden. * Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht: Wer als Reichsbeamter berufen werden Söll, hat nachzuweisen, daß er und sein Ehegatte arischer Abstammung sind. Jeder Reichsbeamte, der eine Ehe eingehen will, hat nachzuweisen, daß die. Person, mit der er die Ehe eingehen will, arischer Abstammung ist. Der Nachweis ist durch Vorlegung von Urkunden (Geburts Urkunde, Heiratsurkunde der Eitern) zu erbringen. Arische Modeschau Aus Berlin: Der Reichsverband der Putz> macher-Zwangsinnung teilt in seinem Organ „Damenputz" mit, daß von der Organisation auch alle jüdischen Firmen im Reichsgebiet erfaßt und eingegliedert werden sollen. Indessen können Vorstandsämter usw. nur Mitgliedern der NSDAP, öder ihrer Nebenorgani« satiönen übertragen werden. In einer weiteren Aftkündi gung wird mitgeteilt, daß der „Arische Ausschuß" gemeinsam mit der Damenschneider-Innung am 31. August auf der Rennbahn in Karlshorst eine Modenschau veranstaltet. An der Vorführung, so heißt es, können Sich nur arische Mitglieder der Innung beteiligen. Die jüdischen Studentenverbindungen in Hamburg aufgelöst Aus Hamburg: Aus dem Korporation- und Vereinsregister der Hamburgischen Universität sind gemäß Verfügung der Landesunterrichtsbehörde die folgenden jüdischen Verbindungen und Vereinigungen gestrichen worden: Burschenbund M a r k o m a n n a i. B. C, Verbindung jüdischer Studenten „Kadimah", Vereinigung jüdischer Akademiker im B. J. A. und der Deutsch-jüdische Studentenbund an der Hamburgiächen Universität. Nordseebäder gegen jüdische Gäste Aus Berlin: Wie das VDZ.'Btirö mitteilt, hat die Badeverwaltung des Nordseebades Norderneyitti Saal des Kurhauses ein Schild mit folgender Inschrift anbringen lassen: „Die deutsche Frau tanzt mit keinem Juden!" — Einer weiteren VDZ.-Meldung zufolge hat eine Münchener Schwester im Nördseebad J ü i s t eine Sandburg mit einem aus Sand geformten Hoheitszeichen errichtet. Vpn unbekannten Tätern sei dieses Hoheitszeichen nachts zerkratzt worden. Unter der Bevölkerung sei darüber eine ungeheure Empörung entstanden. Auch die Kurgäste hätten die Entfernung der jüdischen Kurgäste von der Insel gefordert. Da die Täter nur in jüdischen Kreisen zu suchen seien, habe der Bürgermeister angeordnet, daß sämtliche der jüdischen Rasse angehörenden Kurgäste die Insel sofort zu verlassen hätten. Daraufhin hätten sieben Juden und Jüdinnen, bezw. mit Juden Verheiratete JüiSt verlassen müssen. . „Abgesonderte und abgelegene" Plätze für jüdische Markthändler Aus Berlin: Einem Beschluß des Magistrats von F ü r s t e n w a 1 d e an der Spree zufolge werden jüdischen Händlern während des dort am 23. August stattfindenden Jahrmarktes Plätze an einer abgesonderten und bgelegenen Stelle angewiesen werden. Arierparagraph auch bei den Taubstummen Aus; Berlin: Auf Anordnung der Reichsfachschaftsieiter für die deutschen Gehörlosen sind alle gehörlosen jüdischen Mitglieder aus den Vereinen u szuschließ en. Es handelt sich zum Teil um Mitglieder, die viele Jahrzehnte ihrem Verein angehört, leitende Vorstandsposten innegehabt und sich Verdienste um den Verein erworben hatten. In Berlin beispielsweise wurden aus dem Allgemeinen Unterstützungsverein 33 jüdische Gehörlose ausgeschlossen, darunter eine Anzahl verdienter Vorstandsmitglieder. Eine ganze Anzahl der Ausgeschlossenen, die über 20 Jahre Mitglieder waren, darunter eine alte gehörlose Frau, die schon 5 7 Jahre, seit 1876, Mitglied ist, werden durch diese Maßnahme besonders hart betroffen, da sie in vorgerücktem Alter ihrer durch Beitragszahlung erworbenen Rechte auf laufende Monatsunterstützung verlustig gegangen sind. Der seit 37 Jahren in Berlin bestehende Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland fordert die ausgeschlossenen Gehörlosen und hochgradig Schwerhörigen jüdischen Glaubensbekenntnisses auf, sich ihm anzuschließen. — Nähere Auskünfte und Anmeldungen beim Vorsitzenden Erwin Kaiser, Berlin-NO 55, Drunselweg 1. Die Herren Kollegen... Aus Kassel: Rechtsanwalt Dr. Oswald Freisler, Gauobmann des Nationalsozialistischen Deutschen Juriatenbundes und Bruder des Staatssekretärs, wendet sich in der „Hessischen Volkswacht" dagegen, daß arische Prozeßpartelen sich jüdischer Prozeßvertreter bedienen. Er bezeichnet dies als ein Verhalten, das mit den Grundsätzen und Richtlinien der völkischen Wiederaufbauarbelt unvereinbar sei. Der Nationalsozialistische Deutsche JuriBtenbund werde derartige Vorkommnisse fortlaufend veröffentlichen. Diejenigen prozeßführenden Parteien, die den Sinn der nationalen Erhebung heute noch nicht verstanden hätten, würden ÖMMl &ässmUt daß Bis ta R^lx^geie^eiOifiltffiQ besser durch wahren sollten. arische Prö2eßVertreter Juden in Gesellschaft nichtjüdischer Mädchen werden zwangsgestellt Aus Kassel: Die „Hessische Volkswacht" teilt mit, däß in zahlreichen Fällen nichtjüdische Mädchen mit Juden in Ausflugslokalen, Wochenendpensionen üftd Hotels getroffen worden seien, worauf eine Zwangsstellung der betreffenden Personen durch SA. und SS. erfolgte. Das Blatt veröffentlicht Namen und Anschrift der betreffenden Personen Und kündigt die fortlaufende Veröffentlichung solcher Fälle an. Mit einem Schild um den Hals Aus Berlin: „Der Deutsche" veröffentlicht in Nr. 185 unter dem Titel „Ich habe meinen Lehrling schwer mißhandelt!" folgende Nachricht: Ein jüdischer Bäcker in Weener in Ostfriesland, der seinen Lehrling mißhandelt hatte, wurde gezwungen, ein Schild um dett Hals zu nehmen mit der Inschrift: „Ich habe meinen Lehrling, einen deutschen Volksgenossen, schwer mißhandelt!'* Sö würde er von SA. durch die Stadt geführt. Drei Monate Gefängnis wegen unberechtigten Abzeichentragens Aus Berlin: Das Berliner Sondergericht verurteilte den 19jährigen jüdischen Schneider Kurt Ihring zu drei Monaten Gefängnis, weil er Sieb; am 21. Juni in einem Caf6 am Alexanderplatz das Abzeichen der NSDAP, ansteckte, obwohl man seine jüdische Herkunft, wie der „Völkische Beobachter" schreibt, schon von weitem erkannte. Vor dem Gericht verantwortete sich der Beschuldigte damit, daß er das Abzeichen nur aus Angst vor einem Unbekannten, der ihm gedroht habe, er werde ihn tötschlagen, wenn er sich weigere, es anzustecken, getragen habe. Der Boykott — verstärkt und vertieft Aus Schönlanke: Das „Schönlanker Tageblatt", Amtsblatt für den Netzekreis, berichtet: Vöm Standortältesten des Streifendientes wurde für Schönlanke eine Kontrolle angesetzt, die mit einigen SA.-, bzw. SS.-Männern durchgeführt wird. Sie sollte feststellen, ob jüdische Geschäfte nationalsozialistische Artikel in ihren Schaufenstern ausgestellt haben. Weiter sollte die Kontrolle dazu dienen, alle diejenigen Personen, insbesondere Parteigenossen, festzustellen und namhaft zu machen, die jetzt noch in jüdi sehen Geschäften gekauft haben. Der Streifdienst wird an allen Markttagen durchgeführt. Von Vier Personen,- die sich nicht ausweisen konnten, wurden Abzeichen eingezogen. Außerdem wurde wegen unerlaubten Tragens das Hakenkreuzabzeichen entzogen. Vier Fahrradwimpel wurden beschlagnahmt an Rädern, die sich an Fahrradständern vor jüdischen Geschäften befanden. Außerdem wurden dann alle diejenigen Personen festgestellt und namhaft gemacht, die in jüdischen Geschäften gekauft haben. Unter diesen befanden sich 6 Arbeitslose, 2 Beamtenfrauen und gegen 200 Landwirte. Die letzte Zahl ist allein für das Kaufhaus Levy festgestellt worden. Von jetzt ab dürfen alle diejenigen Landwirte, die ihre Fuhrwerke bei einem jüdischen Geschäftsmann untergebracht haben, erst dann ihre landwirtschaftlichen Produkte feilbieten, Wenn diese schon von allen anderen Landwirten verkauft sind. Im Hotel kramp soll für die nächste Sitzung der Parteimitglieder eine Tafel angebracht werden, auf der alle diejenigen namhaft gemacht sind, die in jüdischen Geschäften gekauft haben, Neugründung jüdischer Volksschulen in Deutschland Aus Berlin: Am 9. August ist der Unterausschuß des bei der Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands gebildeten Erziehungsausschusses zusammengetreten, der die Aufgabe hat, die Neugründung jüdischerSchulenin die Wege zu leiten. Der Ausschuß hat alle Möglichkeiten den Neugründung von jüdischen Volksschulen eingehend durchbesprochen. Es soll in denjenigen Gemeinden, die genügend Kinder für eigene jüdjsche Volksschulen haben, auf diel Errichtung jüdischer Volksschulen, da aber, wo bereite! solche bestehen, nötigenfalls auf die weitere Ausgestaltung dieser Volksschulen hingewirkt werden. Hinsichtlich der, Ausgestaltung dieser Volksschulen soll neben der allge» .meinen und der jüdischen Bildung möglichst weitgehend auch Berufskunde im Sinne der Vorbereitung einer beruflichen Umschichung getrieben werden,. Es ist beschlossen worden, schnellstens an alle Gemeinden, in' denen die Neuerrichtung oder die Erweiterung ihrer jüdischen Volksschulen nach der Zahl der Kinder in Betrachts kommt, mit konkreten Vorschlägen heranzutreten. Gegenstand eingehender Beratungen war auch die, Frage zentraler Schulen, etwa in Internatsform, für die Kinder der kleineren Gemeinden in den einzelnen Ländern und Provinzen. Hier soll zunächst ein* mal eine genaue Ausarbeitung über ein derartiges Projekt besonders auch hinsichtlich der finanziellen Gestaltung, vorgelegt werden. Badeverbot für Juden in Straubing Aus Straubing: Hach dem Verbot, das andere Städte für Juden in ihren geschlossenen Bädern erlassen haben, hat jetzt der Stadtrat Straubing einstimmig beschlossen, den Juden auch das Baden in der Dona,* im. Bsisißh. dsa Sta^beidrXej su. naU „y.

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