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Die neue Welt · 1933-08-18 · Heft 310 (18.8.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 310 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 310 DIE NEUE WELT Seite 5 j 39 FRIGULUS" BILLIGSTER U. VERLÄSS¬ LICHSTER HAUSHALTUNGSKÜHLSCHRANK A(UII, Elektrizitäts-, OHNE Gas- oder Wasseranschluß Betriebskosten täglich nur 7 Groschen. OESTERREICHISCHES ERZEUGNIS. Verkaufsu. Ausstellungsräume: Wien I, Bäckerstraße 4 Telephon R-25-1-68. einvernommen. Man erhielt den Eindruck, daß das Unter suchungsgericht in der Zusammentragung von Indizien nicht weitergekommen sei. Das weitere Verhör wurde auf den 24. August .verlegt. Die Verfolgung palästinensischer Revisionisten Anklage wegen Aufruhrs Am 8. August kam es in Jaffa zur Verhandlung gegen vierzehn der Revisionisten, die am 23. Juli unter der Beschuldigung, einer geheimen revolutionären Organisation (Zionim Machaphanin Brith Jonim) anzugehören, verhaftet worden waren. Die erste Vernehmung der verhafteten Revisionisten, unter denen sich auch der Revisionistenführer AbaAchiMeir und der Redakteur des revisionistischen Wochenblattes „Chasit Haan", Dr. Har- Eyen, sowie der inzwischen im Zusammenhang mit dem Arlosoroff-Mord angeklagte Zwi Rosenblatt befanden, erfolgte am 25. Juli durch den Oberrichter von Tel-Awiw Bodilly. Auf Antrag der Polizei verhängte der Richter über die Beschuldigten eine Untersuchungshaft bis zum 8. August, um „der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit aur Vorbereitung der Anklage" zu geben. Bei der am 8. August durchgeführten neuerlichen Verhandlung kündigte Staatsanwalt Shitrit die Freilassung sechs Verhafteter wegen Mangels an Beweisen an. Dagegen wurde gegen vierzehn Beschuldigte, darunter Dr. Har-Even und Aba Achi Meir Horowitz, und die einige Tage nach der ersten Verhaftung freigelassenen, unmittelbar vor der Verhandlung jedoch wieder verhafteten Beschuldigten Jewin und Dr. Lichter die Anklage wegen Vergehens gegen die anläßlich der Unruhen dös Jahres 1929 erlassene Au f r u h r v e r o r d n u n g, deren Verletzung mit drei Jahren Gefängnis bestraft wird, erhoben. Das palästinensische Aufruhrgesetz richtet sich gegen die Zugehörigkeit zu ungesetzlichen Vereinigungen, gegen Verschwörung zum Sturz der Palästina-Regierung, zur Aenderung der palästinensischen Verfassung auf ger "waltsamem Wege, gegen die Erzeugung von Feindschaft zwischen einzelnen Klassen oder Teilen der Bevölkerung und gegen den Besitz aufrührerischer Schriften. Staatsanwalt Shitrit forderte den Richter auf, die Untersuchungshaft der Beschuldigten um weitere vierzehn Tage zu verlängern, worauf der Richter die verlangte Haftverlängerung verfügte. , Der Verteidiger beantragte Freilassung der Gefangenen gegen Kaution. Der Staatsanwalt widersprach diesem Antrag. Der Richter entschied, daß Haftentlassungsanträge für jeden einzelnen Häftling zulässig: seien und daß bei Zustimmung der Polizei zur Haftentlassung diese in jedem einzelnen Falle gegen Erlag einer Kaution von 50 Pfund erfolgen könne. — Die Haftentlassung ist bereits erfolgt. Haussuchung bei Dr. Har-Even ergebnislos verlaufen ■ Am Montag, den 7. August, wurde in der Wohnung des Hauptschriftleiters der revisionistischen Wochenzeitung „Chasit Haam", Dr. Har-Even, eine dreistündige Haussuchung durchgeführt, bei der nichts Belastendes gefunden wurde. Am selben Tage wurden Dr. Har-Even, Äba Achi Meir und Dr. Lichter bei der Polizei einem eingehenden Verhör unterzogen. Erklärung des revisionistischen Sekretariats in Polen' Vöni revisionistischen Sekretariat für Polen wird der J. T. mitgeteilt, daß die Informationen, die zur Razzia unter den palästinensischen Revisionisten und zur Verhaftung einer großen Anzahl von Parteimitgliedern führten, derpalästinensischen Polizei von einer gewissen Rebekka Feigin, die in Bessarabien dem Bethar (Brith Trumpeldor) angehört hatte, gegeben worden waren. Der bessarabische Bethar hat dem revisionistischen Sekretariat mitgeteilt, daß 'Rebekka Feigin seinerzeit Privatsekretärin des Innenministers der Averescu-Regierung, Octavian Goga, der. damals als Antisemit ga'lt, gewesen . sei. Sie habe, bevor sie Mitglied desBrith Trumpeldor wurde, der zionistisch-sozialistischen Arbeiterjugendorganisation „G-o r d o n i aM angehört. Wegen ihrer u n z u v e r 1 ä s- S Ig eit Haftung habe es der bessarabische Bethar abr gelehnt, ihr bei der Auswanderung nach Palästina behilflich zu seih. '. Erst durch Verheiratung mit einem bereits in'-Palästina ansässigen Poale Zionisten sei es ihr gelungen, nach Palästina zu kommen. In Palästina selbst sei sie zweimal wegen ordnungswidrigen. Verhaltens aus dem Bethar ausgeschlossen worden. Dem Vater Abraham Stavskys wird die Einreise nach Palästina verweigert , Äus. Warschau; Wie die Tageszeitung „Moment*' mitteilt, hat der englische Konsul in Warschau dem Vater des in Palästina im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs . verhafteten Abraham Staysky die Erteilung eines Palästina-Visums verwe igert. Stavskys Vater, der ein MittelstandseinwanderungsZertifikat besitzt, hat sein Geschäft in. Brest-Litowsk liquidiert und ist. mit seinem Reisegepäck in Warschau eingetroffen. Der „Moment'* behauptet, daß. ausschließlich der Umstand, daß der Bewerber der . Vater Abraham Stavskys ist, für die Verweigerung des Visums maßgebend war. Was isf //shoking? // „Shoking" ist ein in der englischen Gesellschaft sehr beliebter Ausdruck. Er bezeichnet den Grad dessen, was sich ein Engländer als Repräsentant der angelsächsischen Rasse nicht mehr erlauben darf, bzw. was über diesen Grad hinausgeht. Gibt es auch in der Weltpolitik etwas, was man mit dem Begriff „shoking" bezeichnen kann? Darüber gibt uns zwar eine Meldung aus Budapest keine Auskunft, aber sie fordert uns auf, selbst die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Die Budapester Meldung lautet: Aus Budapest: Der Oberstadthauptmann von Budapest, Dr. Tibor v. Ferenczy, badete in Begleitung zweier englischer Freunde im Bruckbad. Zu gleicher Zeit erschien ein kohlschwarzer Araber, Abi Suleiman, im Bad, worauf die englischen Herren indigniert das Bad verließen. Oberstadthauptmann Ferenczy hat nun an die Badeleitung ein Schreiben gerichtet, worin er mit Rücksicht auf den Fremdenverkehr ein Badeverbot für Farbige fordert. Im Sinne der ungarischen Gesetze ist aber ein derartiges Verbot unzulässig, Die Badeleitung ist nunmehr bemüht, jeden Farbigen, der das Bad benützen will, durch freundliches Zureden von dieser Absicht abzubringen. In der Budapester Badeanstalt haben die Engländer sehr empfindliche Nerven. Schon der bl oße Anblick eines Arabers ist für sie unerträglich, gar nicht zu reden davon, daß sie sich mit dem Angehörigen einer, „dunklen, unkultivierten Rasse" niemals an einen Tisch setzen würden. So ist's in Ungarn. In Pa 1 ä s t i n a ist's allerdings anders. Dort laden die Herren Engländer die kohlschwarzen Araber zum Tee, spielen mit ihnen Tennis und sind um ihr Wohlergehen, ihre Kultur, um ihre Rasse sehr besorgt. Dort gibt es für sie keine größere Aufgabe, als die kohlschwarzen Araber Asiens gegen die lichthäutigen Juden Europas zu „schützen". Also, was ist eigentlich „shoking"? Ein schändliches und ■'• ' . -V v'i ^■■■ ■■ ■ ■ beschämendes Dokument Die Stufen, auf denen Prof. Weizmann nun wieder zum Präsidentenstuhl aufsteigen soll, sind mit einer Menge uneingelöster Versprechungen, oppositioneller Drohungen und erwarteter Inkonsequenzen bedeckt. Die Stimmen, die ihn aufwärtstrugen, sind verstummt, als er versagte, um nach kurzer Pause wieder hörbar zu: werden. Aber Prof. Weizmann selbst, sorglos im Selbstbewußtsein, könnte ruhig warten, bis seine Trabanten, nachdem sie Opposition gemacht oder markiert hatten, wieder zu Dienern wurden, die in der Sucht nach Macht ihre schönsten Vorsätze vergaßen. Als Weizmann im Unglauben an das jüdische . Volk und an die zionistische Attraktionskraft das Bündnis mit den Nichtzionisten vorbereitete, das schließlich unter dem Begriff „Erweiterte Jewish Agency" in die Geschichte der Zionistischen Weltorganisation einging, wären es nicht allein die R e v i s i o n i s t e n, die vor dem Debakel warnten. Auch Weizmanns getreue Linke stieß S. O^ S.-Rufe aus. Der Arbeiterführer Berl K a t z e.n e 1sobh bekämpfte das Agency-Projekt in vehementester Weise. Unter dem Titel „Ein schändliches und beschämendes Dokument" schrieb er im Jahre 1928 im palästinensischen Arbeiterorgan „Dawar", nachdem er zuerst die Aufgaben dieser neuen Agency umriß und die Unmöglichkeit ihrer Durchführung aus ihrer undemokratischen Konstruktion heraus auseinandersetzte, u. a, folgendes: „Das Beschämende an diesem schändlichen Dokument, das die Seelen mit tiefem Schmerz erfüllt und das Dokument zu einem zionistischen Verbrechen macht, ist die Unterstützung durch den Präsidenten der Organisation, durch Chaim Welzin a n n. Nicht darin liegt seine Schuld, daß sein Glaube, die erweiterte Agency würde Großes vollbringen, Lügen gestraft wurde, daß die Sache sich in Kleinigkeiten und Nichtigkelten auflöst. Nicht darin besteht seine Schuld, daß die gesuchten Kompagnons großzügig sind in ihren eigenen Angelegenheiten und kleinlich werden, sobald es sich um Palästina handelt. Seine Schuld besteht darin, daß er sich diesem kleinmütigen Willen unterworfen hat, diesen schändlichen Verpflichtungen, diesen schiefen Anschauungen über den Aufbau Palästinas. Soeben hat noch die zionistische Welt von ÜIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUHUIIII^ Von der Stammfirma nach Paris berufen, 5 i: nehme ich auf diesem Wege von allen Freunden, E iE Bekannten und ehemaligen Angestellten herzlichen SS "" Abschied. >; s BeHsch Padawer E nuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiuiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiR INDISCHE ELTERN tm Kauft Sdwlbüdier für eure Kinder nur in der JüdlichTi Buchhandlung Hermann Tudiner ECKE Taborstr. 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen Sp«t«nfrtl« Zusendung überallhin Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-1-20 Weizmann klare Worte gehört über diejenigen, die die Bedeutung der nationalen Fonds herabsetzen wollen . . An das kurze Gedächtnis unseres Präsidenten ist die zionistische Bewegung bereits gewöhnt. Aber hier handelt es sich nicht um die Erinnerung, an gehaltene Reden und nicht einmal um Verpflichtungen und klare Resolutionen der Kongresse. Sind denn die Ablehnung jeder Vormundschaft in der Kolonisationsarbelt und das Prinzip des nationalen Bodenbesitzes nicht grundlegende moralische Prinzipien der zionistischen Bewegung? Hat der Präsident der Zionistischen Organisation die Macht, die Prinzipien der Bewegung zerstören zu lassen, die die Voraussetzung für die Einheit sind? . . . Wer das Schwert erhebt gegen die Grundlagen der Arbeit im Zionismus, gegen die Freiheit des Siedlers in der Wahl seiner Lebensformen, gegen das Prinzip des nationalen Bodenbesitzes, der erhebt das Schwert gegen die Einheit der zionistischen Bewegung. Und diese Absicht wird nie verwirklicht werden!" Die Herren Linken taten also damals sehr empört und drohten. Inzwischen ist das Debakel der erweiterten Agency noch deutlicher geworden. Das hat aber die Histadruth und die Poale-Zionisten nicht gehindert,, für Weizmanns neue Präsidentenschaft die Werbetrommel zu rühren. Was wird jetzt aus der erweiterten Jewish Agency werden und aus dem „schändlichen und beschämenden Dokument", das Weizmann und die amerikanischen Millionäre im Jahre 1929 unterfertigt haben? Während des Wahlkampfes zum 18. Zionistenkongreß haben die Linken betont, daß sie dafür sorgen werden, die Mißgeburt der durch Nichtzionisten „erweiterten" Jewish Agency verschwinden zu lassen. Sie haben im Wahlkampfe gesiegt und sind damit in die Lage versetzt, ihr Versprechen zu erfüllen. Werden sie festbleiben oder werden sie, ihrem alt-neuen Präsidentschaftskandidaten Weizmann zuliebe, der trotz aller Mißerfolge an dem unnatürlichen und unfruchtbaren Bündnisse mit den Nichtzionisten festhält, wieder umfallen, wie in den Jahren 1928 und 19291 Die Ursachen des Mißerfolges Von Rabbiner Dr. A. Eisenstein (Teschen), Das Endresultat der Wahlkampagne zum Achtzehnten Zkmistenkongreß ist zwar in seinen Einzelheiten noch immer nicht bekannt, es unterliegt aber keinem Zweifel mehr, daß die „Linke n" die stärkste Gruppe auf dem Kongreß, d. h. die relative und vielleicht auch die absolute Mehrheit des Kongresses — mit Zuhilfenahme der verschiedenen „allgemeinen" Trabanten und Mitläufer — bilden werden. Der kommende Kongreß wird demzufolge unter ihrem Diktat stehen und keine einzige mehr oder minder wichtige Angelegenheit ohne ihren Willen und ihre Zustimmung beschließen können. Nach dieser Feststellung der nackten Tatsache regt sich bei jedem denkenden Menschen die Frage: Wie ist das gerade heutzutage möglich?. Leben wir denn isoliert von der restlichen Menschheit? Bildet denn nicht unser. Volksleben einen integrierenden Ausschnitt des europäischen kulturpolitischen Lebens? Sehen und hören wir doch, daß in ganz Eropa die klassenkämpferische Ideologie Schiffbruch erlitten hat, daß sogar die sozialistischen „Festungen" eine Revision ihrer bisherigen klassenkämpferischen Methoden teils durchgeführt haben, teils durchzuführen gedenken — und ganz unzweideutig von der Nützlichkeit eines Volkssozialismus sprechen. Mehr noch: Erlebten wir doch, daß die Sozialdemokraten fast aller Länder, denen wir soviel Energie opferten, uns — die Schwachen und Unterdrückten — auf die feigste Weise verlassen haben. So hat z. B. die deutsche Sozialdemokratie es systematisch unterlassen, noch als sie am Ruder war oder an sich die Möglichkeit hatte, sich für uns mit einer energischen Tat oder wenigstens mit einem guten Wort gegen die antisemitische Welle einzusetzen. So erklärte gerade der langjährige Sozialist MacDonald gelegentlich einer Interpellation betreffs der jüdischen Tragödie in der Hitler-Hölle, daß er wichtigere Angelegenheiten auf der Tagesordnung habe, und so alarmierte gerade die französische „linke" Presse die dortige öffentliche Meinung wegen der drohenden jüdischen „Ueber» schwemmung" aus Deutschland. Und trotz allem sind es gerade wir, deren ethische Tradition .' wie auch soziale Volksstruktur in krassem, unerbittlichem Widerspruch zu den theoretischen Voraussetzungen des Klassensozialismus stehen —, die an dieser bereits anachronistischen Ideologie festhalten und ihr zum Siege verhelfen. Wie kommt das? Wie ist es möglich, daß die jüdischen Massen, die doch einen von der Geschichte bezeugten überaus gesunden Instinkt haben, den revisionistischen Losungen, die aus den Tiefen ihrer Seele und tatsächlichen sozialpolitischen Wirklichkeit strömen, in ihrer — wenigstens — überwiegenden Mehrheit nicht folgten?. Warum hat der von der zionistischen Weltanschauung ins Leben gerufene, natürliche Nationalstolz hier versagt?i Die Antwort auf diese Fragen läßt sich aus der. Geschichte der revisionistischen Bewegung, hauptsächlich der letzten Zeit, ermitteln, die in den Reiben der juaifl&eft

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