Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 310 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 310 TOBELBAD S&z Ideale Sommerfrische, wundervolles Thermal-Strafldbad, 2400 m* er. beton- Bassin, mitten im Walde gelegen. (Pension: 4 reicht*. Mahlzeiten) lnkl> freier Benützung des Strandbades von S 8.- bis 10.— (Keine Kurtaxe)» All« Kurbehelf e. - Auskunft und Prospekte durch die Kurverwaltung. Palästina begnadigt, aus dem Kerker geholt und zum geistlichen Oberhaupt der Mohammedaner Palästinas ernannt. Dieser konnte dann, mit entsprechender Autorität Ausgestattet, weitere Pogrome veranstalten. Erst vor einigen Wochen hat sich Sir Samuel in England schützend Vor Hitler-Deutschland gestellt, indem er den antideutschen Boykott bekämpfte. Als echt empfunden ... Aus Basel wird uns geschrieben: Der in der »Nationalen Front" konzentrierte Schweizer Antisemitismus hat bis jetzt ziffernmäßig keine großen Erfolge aufzuweisen. Aber es wäre verfehlt, die Bewegung acu unterschätzen. Man soll nicht daran vergessen, daß die Schweiz das letzte europäische Land war, welches den Juden im 19. Jahrhundert die Gleichberechtigung Und freies Aufenthaltsrecht gewährte. Wie skrupellos die Antisemiten hier argumentieren, bezeugt folgende Episode. Die Schweizer Presse hat in letzter Zeit mehrere Artikel gebracht, in welcher das antisemitische Machwerk „Die Weisen von Zion" als Fälschung hin gestellt wurde. Darauf reagierte einer der Führer der „Nationalen Front" Dr. Robert T o b b e r in einer großen Versammlung wie folgt: „Es gibt eine Judenfrage! Ob echt oder gefälscht, die „Protokolle der .Weisen von Zion' werden als echt empfunden..." Zur Mordaffäre Arlosoroff Wer lugt? Aus Bukarest: Die antisemitische klerikale Zeitung „Calendarul" hatte vor kurzem eine später auch von ausländischen Zeitungen übernommene Meldung veröffentlicht, derzufolge Ministerpräsident Vaida einer Abordnung rumänischer Studenten gegenüber erklärt haben soll, die Regierung und möglicherweise auch das Parlament würden sich die Forderung der antisemitischen Studentenschaft "nach Einführung eines gegen die Juden gerichteten Numerus clausus an den rumänischen Hochschulen zu eigen machen. ■' Diese Pressenachrichten werden nunmehr von der rumänischen Regierung dementiert. Der Ministerrat habe sich zwar im allgemeinen mit den dringenden Problemen der tleberf ü 11 uhg der Hochschulen befaßt und die Regierung sei entschlossen, Rumänien vor einend geistigen Proletariat zu bewahren, doch wolle sie niemandem den Unterricht an den'rumänischen Hochschulen verwehren, und falls es zu einer Beschränkung der AnzahL der Studierenden kommen sollte, werde hierbei wahrscheinlich eine Auslese der Begabten stattfinden. Es handle sich dabei nicht um eine Einführung des Numerus clausus für Juden im landläufigen Sinne des Wortes. . '' '; Aber der „Calendärür4 läßt nicht locker. Eine weitere Meldung aus Bukarest lautet: Der antisemitische „Calendarul" hält trotz Regierungsdementi seine Behauptung, Ministerpräsident Vaida habe den Studentenorganisationen die Einführung des Numerus clausus für Juden in den Schulen und Hochschulen und des Numerus nullus für Juden im Heer und Gerichts w'esen versprochen, aufrecht und erklärt sich bereit, die Beweise hiefür vor jedem Gericht zu erbringen. Wie bereits gemeldet, wurde die Fortsetzung der Verhöre der Beschuldigten für den 9. August angesetzt. Zunächst wurde Frau Sima Arlosoroff einvernommen. Die J. T. A. berichtet hierüber: Verdacht gegen Rosenblatt und Minz Im ersten Teil ihrer Aussage schilderte sie eingehend, wie Dr. Arlosoroff die Tage nach seiner Rückkehr aus dem Ausland im Kreis seiner Angehörigen verbrachte. Am Abend des kritischen 16. Juni hatte Dr. Arlosoroff mit seiner Gattin nach dem Abendbrot um 9.30 Uhr die Pension Käthe Dan in Tel-Awiw, in der sie abgestiegen waren, verlassen. Als sich die beiden bereits in einiger Entfernung von der Stadt befanden, bat Frau Arlosoroff ihren Mann, umzukehren. Er lehnte dies jedoch ab, indem er seiner Frau versicherte, es bestehe kein Grund zu irgend welcher Beunruhigung. Frau Arlosoroff hatte schon vorher zwei Männer bemerkt, die ihnen folgten, seitdem sie den Platz vor der Fabrik Lefcowitch passiert hatten. Die Männer waren einige Male an ihnen vorbeigegangen und dann wieder zurückgeblieben, so daß Frau Arlosoroff ihr Aussehen genau feststellen konnte. Sie sei, erklärte Frau Arlosoroff weiter, mit ihrem Mann bis zum Jarkonviertel gekommen und dann umgekehrt. Hiebe! seien ihnen die beiden Männer abermals begegnet. Frau Arlosoroff zeichnete eine Skizze der Stellung aller vier Personen am Strande im Augenblick der Tat und Ubergab diese Skizze dem Gericht. Sie könne sich nicht erinnern, erklärte sie, ob einer oder zwei Schüsse abgegeben worden seien. Während die Mörder gegen einen Hügel flüchteten, habe sie gerufen: „Hilfe, Juden haben auf ihn geschossen!" woraufhin Dr. Arlosoroff zweimal: „Nein, Sima, keine Juden!" sagte. Ihre erste Aussage habe sie, vor dem Leiter der Kriminalpolizei, Hauptmann Rice, um 3 Uhr früh, vier Stunden nach dem Mord, gemacht. Sie gab Hauptmann Moses Rath's, Sfnt Amenu" Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit .deutscher, polnischer, ungarischer, romanischer oder englischer Unterrichts- <" spräche / Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schritt \, aiichi^fan^.^b:^^;,:^ - Der PrjeiS'dieses; gut;^g^i8^tetent Seiten starken * Lehrbuches beträgt nur. RM 2.—, der englischen Ausgabe RM 4.— / Buchhändler, Schulen, Organisationen . u. Lehrer erhalten «inen hohen Rabatt / Zu beziehen bei: MMs^^^Wit^ Krise in der Leitung der Zionistischen Organisation Rumäniens Aus Bukarest: Dr. A. Mibashan, der nach dem RUcktritt des auf der letzten Konferenz der Zionistischen Organisation Altrumäniens zum Präsidenten gewähl- . ten Deputierten Mlschu Weißmann die Leitung der Organisation übernommen hatte, ist nunmehr ebenfalls zurückgetreten. Es wurde eine provisorische Leitung eingesetzt, der Advokat Misrachi (Radikaler) als Vorsitzender sowie Dr. Mosberg, (Liga für das arbeitende Palästina) und P. Hardt (Revisionist) angehören. Die Allgemeinen Zionisten haben vorläufig keinen Vertreter in die provisorische Leitung entsandt. Keine Kolonisierung deutscher Juden in Jugoslawien Aus, Belgrad; Hinblick auf im Ausland verbreitete Gerüchte, daß bei der geplanten jüdischen Innenkolonisation in Jugoslawien auch deutsche Juden angesiedelt werden sollen, veröffentlicht die Jüdische Gemeinde Belgrad ein Kommunique^ in dem festgestellt wird, daß diese Siedlungsaktion in keinem Zusammenhang mit der Hilfsarbeit für deutsche Juden steht. Sie sei vielmehr ausschließlich dazu bestimmt, jugoslawischen Juden, die durch die Wirtschaftskrise betroffen wurden, Hilfe zu leisten. 80 jüdische Familien sollen sofort bei Bitol j in Südserbien angesiedelt werden. Das Joint Distribution Committee und andere Organisationen hätten materielle Hilfe zur Durchführung idipses Kolonisationsplans zugesagt. * Die Londoner jugoslawische Gesandt* sohaft dementiert die Nachrichten über einen angeblichen Plan, deutsche Juden in Jugoslawien landwirtschaftlich anzusiedeln. Rice eine eingehende Beschreibung der Täter, die sie im hellen Sternenlicht genau gesehen hatte. Später habe sie die Mörder nach ihren Gesichtszügen, ihrem Körperbau und ihrer Gangart identifiziert. Als die bei der Vorführung Frau Arlosoroff gegenübergestellten Personen aufgefordert wurden, zu sprechen, damit Frau Arlosoroff die Täter an ihrer Stimme erkenne, hatte sie den Eindruck, daß Stavsky seine Stimme zu verstellen versuche. Bezüglich Rosenblatts erklärte Frau Arlosoroff, sie habe ihn mit noch größerer Bestimmtheit erkannt, als sie ihn einige Tage nach der Identifizierungsvorführung im Büro von Hauptmann Rice in Jerusalem unrasiert, wie er es auch am Mordabend gewesen sei, wiedergesehen habe. Zu einem dramatischen Auftritt kam es, als Staats« anwalt Shitrit einen Anzug Rosenblatts vorwies, bei dessen Anblick Frau Arlosoroff erklärte, es sei derselbe, den der Mörder getragen habe, als er den Schuß abfeuerte,. Schon einige Tage vorher hatte Frau Arlosoroff auf der Polizei diesen Anzug unter einer Anaahl anderer, ihr vorgelegter Anzüge erkannt. Von M i n z behauptete Frau Arlosoroff, sie glaube, gesehen zu haben, daß er aus der Stadt herbeigelaufen kam, als sie nach dem Mord zur Pension eilte, um die Polizei und die Rettungsstelle, zu verständigen. fragen Stavskys und Rosenblatts Nunmehr richteten Stavsky und Rosenblatt eine Reihe von Fragen an Frau Arlosoroff. Auf Gruad dieser Befragung wurde festgestellt, daß Frau Arlosoroff zu Rosenblatt, als sie ihn im Büro von Hauptmann Rice sah, gesagt hat: „Sagen Sie die ganze Wahrheit. Da Sic so jung sind, werde ich mein Möglichstes tun, um die Folgen für Sie leicht zu machen, und mich zu diesem Zweck direkt an die höchsten Instanzen wenden." Als sie ihn bei der Identifizierungsvorführung erkannte, fragte sie ihn: „Können Sie noch immer die Ruhe bewahren nach all dem, was geschehen ist?" Vor Abschluß des Verhörs fragte Rosenblatt noch Frau Arlosoroff, was sie damit gemeint habe, als sie im Büro von Hauptmann Rice sagte: „Gestehen Sie, denn es liegen ernste Beweise gegen Sie vor!" „Damit meinte ich", antwortete Frau Arlosoroff, „daß ich Sie erkannt hatte und daß dies ausreiche, um die Anklage gegen Sie zu erheben." Hier wurde die Vernehmung abgebrochen und ihro Fortsetzung auf den nächsten Tag angesetzt. Identifizierung und Spurenprobe .im nächsten Tag wurden die leitenden Beamtet) der Polizeitruppe für Jaffa und Tel-Awiw, Major 8tafford und Major Faraday, hauptsächlich Uber die Identifizierungsvorführungen, an denen Stavsky und Rosenblatt teilnahmen, einvernommen. Major Stafford bestätigte die Aussage Frau Arlosoroffs, daß die Nacht, in der der Morde begangen wurde, vollkommen sternenhell war, so daß es sehr leicht möglich war, Personen zu unterscheiden und zu erkennen. Er selbst habe sich davon überzeugt, als er eine Stunde, nachdem er an der Mordstelle unmittelbar nach der Tat eingetroffen war, einen auf einem Kamel reitenden Araber, der mit anderen Kameltreibern den Strand entlang kam, deutlich erkennen konnte. Der Zeuge erklärte, er habe alle Araber, die den Strand passierten, angehalten und sie gefragt, ob sie jemandem auf dem Strand begegnet wären, was alle verneinten. Major Stafford sagte weiter aus, Frau Arlosoroff sei in Ohnmacht gefallen, als sie Rosenblatt bei der Identifizierungsvorführung erkannte. Nachher habe sie erklärt: „Ich empfand den größten Schock meines Lebens, als ich ihn erblickte." Rosenblatt sei nach den Erklärungen Frau Arlosoroffs bei der Vorführung bleich gewesen und habe ein jüngeres Aussehen gehabt, als der Mörder, wie ihn Frau Arlosoroff In Erinnerung hatte. Deshalb habe sie verlangt, ihn später nochmals unrasiert zu sehen. Roseribiätts Anzugsjacke habe sie unter zehn anderen Jacken nach Größe, allgemeinem Aussehen und den roten Streifen des Stoffm erkannt. Major Faraday berichtete über die am Strande von Tel-Awiw vorgenommenen Untersuchungen der Fußspuren. Die Spurenproben wurden an einem der Mordjstelle ähnlichen Platz am Strande vorgenommen. Einer der polizeilichen Spurensucher, Abu Rooz, habe die Gehspuren Stavskys mit den Spuren an der Mordstelle nicht identifizieren können, er erklärte aber später, Stavskys Lauf spuren glichen den längeren Spuren, die er am Tatort gesehen habe. Der zweite Spurensucher, Abu Regaik, habe erklärt, er habe Stavskys Spuren beide Male als den längeren der beiden an der Mordstelle gefundenen Spuren entsprechend feststellen können. Nach dem Spurenversuch habe Stavsky erklärt: „Natürlich sind das meine Spuren. Ich verlange einen Rechtsanwalt." Nunmehr stellte Stavsky einige Fragen an die Zeugen. Die beiden Polizeioffiziere gaben auf seine Fragen zu,, daß die Spurensucher ihn ani Abend vor der Spurenprobe im Hof des Polizeigefängnisses beobachtet hätten. Einer der Spurensucher habe seine. Fußabdrücke betrachtet, woraufhin die Spurensucher sofort aus dem Hof entfernt wurden. Weiters erklärte Major Faraday auf eine Frage Stavskys, dieser sei zum Platz, wo die Spurenprobe vorgenommen wurde, mit H a n ds c'K e 1 i e n gefesselt, „gebracht worden. . Doch seien, ihm (Ilese . Während des PröbegebÄns abgenommen worden^ Mit Rosenblatt sei keine Spürenprobe vorgenommen worden, da die Spurensucher erklärten, sie könnten sechs Wochen alte Spuren nicht prüfen. Vom dritten Beschuldigten, Jehuda Minz, war wenig die Rede. Bloß Major Stafford machte einige Zeugen namhaft, die außer Frau Arlosoroff Minz als den. Mann erkannt haben wollen, der in der Mordnacht den Strand entlang lief.. Am 11. August wurden der Polizei-Spurensucher Abu Rooz und der Gefängnisarzt Dr. Shebeita vernommen. Abu Rooz bestätigte die bei früheren Vernehmungen gemachten Aussagen des zweiten Spurensuchers Abu Regaik und anderer Zeugen, betreffend die Ergebnisse der Identifizierungsvorführungen. Schon bei der Gehprobe habe er einen*. Mann verdächtigt, jedoch nichts gesagt, da er seiner Sache nicht sicher gewesen sei. Er habe den Polizeioffizier aufgefordert, eine Laufprobe vorzunehmen, und dann die Spuren Stavskys mit Bestimmtheit als identisch mit denjenigen an der Mordstelle erklärt. Der Zeuge verbreitete sich sodann über Einzelheiten, betreffend das Schuhwerk, das die beiden Mörder, nach den Spuren zu folgern, getragen haben müssen. Er gab zu, Stavsky ani Vorabend der Erkennungsprüfung auf dem Hof des Polizeigefängnisses gesehen zu haben, erklärte jedoch, er habe bei dieser Gelegenheit keinerlei Fußspuren festgestellt; Stavsky und die übrigen; Gefangenen seien auf hartem Boden gegangen, in dem keinerlei Fußspuren zurückblieben. Auch habe er damals noch gar nicht, gewußt, daß Stavsky der Tat verdächtigt wäre. Dr. Shebeita, der Gefängnisarzt, der Stavsky am 8. Juli auf Verlangen der Polizei untersuchte, sagte aus, er habe an Stavskys rechter Hand Abschürfungen festgestellt. Die Polizei nimmt an, daß Stavsky sich, diese Abschürfungen an einem Stacheldrahtzaun in der Nähe der Mordstelle, durch den er auf der. Flucht schlüpfen mußte, zugezogen hat. Vertagung der Vernehmungen Nach der Vernehmung von Stavsky, Rosenblatt und Minz wurden, wie oben ausgeführt/die, Fußspur-Experten Die Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs und die Vereinigung der zionistisch-revisionistischen Jugend gratu 1iert ihrem Mitglied und Chawer Herrn Markus Grün auf das herzlichste anläßlich seiner Vermählung mit Fräulein Lotte Riegel