Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 310 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DOS NEUE WELT *fr &<> MARIENBAD Hotel | Marienbader Mühle« § Bestempfohlenes Haus mit allem Komfort 1 Marienbad Hotel Leipzig Direkt neben der Kurpromenade, günstigste Lage. Fließendes warmes und kaltes Wasser in allen Zimmern. Zeitgemäße Preise. MAX STINGL, Besitzer Kurhaus »Flora« Telephon Nr. 2607 / Besitzer M. Zeleny Haus I. Ranges nächst dem Kreuzbrunnen und den Bädern, modernster Komfort, Bäder, Appartements mit Bad, Salons, Pension, kurgemäße Küche $4 Kurhaus „Rheingold Obere KreuzbnmnenatraBe \ Zentralste Läge } modernster Komfort / Zeitgemäße, Preise / Telephon Nr. 2B96 Tel. 2238 II I mm "ww.. Schöne, sonnige Lage WImmmk Waidquellzeile nächst der waidquefle „SOUVENIR mm Sehr gut eingerichtete ■ ■ .Zimmer Mäßige Preise I HOTEL MIRAMONTE Telephon 2155 Idyllische Lage. Direkt am Walde. ZeftgemäBe Preise. Auf Wunsch Pensions- Ueber Einkommen und Pauschal-Aufenthalt. Inhaber: M.L«wy Beliebfer Frühstücks- und Jausenplatz. Arbeiter je 1 Delegierten. In Palästina entsenden je 1171 -Wähler einen Delegierten, während in dein anderen'Ländern auf je 30 0 0 Wähler ein Delegierter entfällt. Von "den palästinensischen Schekelzahlern haben 58.564 (00 Prozent) ihre Stimme abgegeben, davon 40.584 für die Arbeiter-Liste. Die Wahlkommission stellt in ihrem Berieht fest, daß die Wahlen in vollkommener Ordnung vor sich gegangen sind. 1000 neue Zertifikate Ein Vorschnß auf die Herbst-Quote Seitdem in Palästina eine intensive Bautätigkeit eingesetzt hat und mit der Anlage ganz neuer Orangenplantagen begonnen wurde, fehlt es allerorten an Arbeitshänden. Anfangs August fand eine Sitzung der Arbeitszentrale der Histadruth statt, auf welcher Berichte über die Lage der einzelnen Kolonien und Städte bezüglich des Arbeitsmarkts abgegeben Wurden. Hiebe! wurde festgestellt, daß im Zusammenhang mit der jüngsten Einwanderung neue Arbeitsgebiete erschlossen wurden, daß aber die nötigen Arbeiter fehlen. Das gewaltige Anwachsen der Orangenzucht und die Entwicklung der Baubewegung haben eine Anzahl von: Arbeitshändeh erforderlich gemacht, die im Lande selbst nicht aufzutreiben sind. Es wurde errechnet, daß im Verlauf der Monate August bis Dezember 20.000 Dunam neue Orangenpflanzungen angelegt werden. Im November beginnt überdies die Orangenernte. Wenn nicht genügend jüdische Arbeiter herangezogen werden können — sowohl für die Kolonien als auch für die Städte — besteht die Gefahr, daß man arabische Arbeiter wird aufnehmen müssen, ganz abgesehen davon, daß gewisse dringende Bauarbeiten nicht zur Durchführung gelangen könnten. Nur e i n Mittel gibt es, diese Gefabren zu bannen: Vergrößerung der jüdischen Arbeitereinwanderung. Die provisorischen Berechnungen, die im Zusammenhang mit der Zertifikaten-Schedule für das kömmende Halbjahr (Oktober 1933 bis April 1934) gemacht wurden, haben ergeben, daß mindestens 20.000 Zertifikate erforderlich sind. Aber das wäre noch immer nicht ausreichend. Das jüdische Wirtschaftsleben in Palästina benötigt immer dringender eine noch größere Anzahl jüdischer Arbeiter und Fachleute, und zwar unverzüglich, soll, nicht das Tempo der Entwicklung leiden. Die zionistische Exekutive hat von der Palästina-Regierung einen Vorschuß von 3800 Zertifikaten auf die bevorstehende Halbjahrsquote verlangt. Wie jetzt bekannt wird, hat die Palästina-Regierung die sofortige Ausgabe von 1000 Zertifikaten bewilligt. Von diesen werden 275 für Angehörige in Palästina ansässiger Juden reserviert, der Rest von 725 ist für Arbeiter im Alter von 18 bis 35 Jahren bestimmt. Wie man sieht, haben wir es mit einem Ergebnis zu tun, das in keinem Verhältnis zu den faktischen Bedürfnissen steht. Stürmische Debatten Unmittelbar vor dem Zionistenkongresse haben zwei zionistische Konferenzen getagt. Die Konferenz der Wizo (Weltorganisation zionistischer Frauen) in Prag und die Konferenz des Mlsrachi, der Weltorganisation thoratreuer Zionisten in Krakau. Auf den beiden Konferenzen mit so grundverschiedener Zusammensetzung kam es um der gleichen Sache willen zu Stürmen in der Debatte, und zwar bei der Besprechung des Verhältnisses der Organisationen zur mar^tlaehenv Linken im Zionismus, zur Paole Zion, zu ihrer palästinensischen Gewerkschaft Histadruth und ihrer Jugendorganisation Hechaluz. * . Die Wizo, von Allgemeinen Zionisten gegründet und von ihnen erhalten, ist ihrer Tendenz und Arbeit nach ganz in das Fahrwasser der klassenkämpferischen Linken geraten. Alle leitenden Beamtinnen der Wizo-Institutionen sind Poale-ZiOhistinnen, die Fürsorgetätigkeit der Wizo kommt vornehmlich der Poale Zion zugute und die weibliche Jugend, .die nach Palästina will, wird dem Hechaluz anvertraut. Gegen diesen Zustand nahm die Vertreterin der polnischen Wizo, Frau Dr. Lewite, Stellung' und forderte selbständige politische Arbeit und selbständige, von Klassenkampf tendenzen freie Heranbildung der 50% Fahrpreisermäßigung nach Prag mm zlonlitankonaraQ and rar Pragar Hau« I Saisoabegi^^ & (N RICMAR« OSWALD.« Ein Lied geht um die Welt mit Charlotte Ander, V. de Köwa, Fritz Kampers Musik;: Hans May;; Im Kiba-Verleih MV.'- Telephon A-33-5-50 ' > . /. '..! .'• ••'<•• ••.'••• V ...•H",-?-" i-, . Jugend. Auch Vertreterinnen der Jung?Wizo-Bewegung •S"'S',-v-Vy'j/:- «ro*!iZr^.ws w~rjLV:i'-°....•...■ü . °v.- r.- vertraten diese Forderung und protestierten insbesondere dagegen, daß weiterhin die Jugend dem Hechaluz ausgeliefert werde, ' ihnen trat ' die Arbeiterführerin und ieiteride Beamtin der Wizo, Frau Ada F i s c h m a n n entr gegen,'welche sichi.zur Behauptung aufschwang, daß die Interessen der Frauen nur durch den Hechaluz und die MeeteattewelM a S f.- in alten Reisebüros und beim Bevollmächtigten der Prager Messe Ihg* Cail Rauch, Wien 1, Dorotheergasse 6, erhältlich links organisierten1 Arbeiterinnen unterstutzt und wirksam vertreten werden können. Nachdem sich auch Frauen der Wizo-Leitung in ähnlichem Sinne aussprachen, blies) alles so ziemlich beim alten. ■ * Auf der Weltkonferenz der mlsrachistischen Arbeiter- und Jugendbewegung kam es zu einer stürmischen Debatte über die Frage der Erneuerung des gewerkschaftlichen Abkommens, das bisher zwischen dem Hapoe 1 Hamisrachi und der sozialdemokratischen Histadruth bestand. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage besprochen, welche Haltung die misrachistische Arbeiterpartei in dem Streit zwischen der Histadruth und der revisionistischen Arbeiterorganisation „Irgun" einnehmen soll. Eine Anzahl von Delegierten trat für den Anschluß der mlsrachistischen Arbeiter an die revisionistische Gewerkschaft ein, andere befürworteten die weitere Kooperation mit der Histadruth. Nach eingehender Erörterung der betreffenden Probleme wurde beschlossen, das Abkommen mit der Allgemeinen Arbeiterorganisation zu erneuern. Auf der im Anschlüsse abgehaltenen allgemeinen Misrachi-Weltkonferenz kam es gleichfalls zu stürmischen Szenen. Einmal bei Beratung eines Antrages von Rabbi E m i e 1 und Genossen, betreffend die Umwandlung der Misrachi-Organisation in eine von der Zionistischen Weltorganisation unabhängige Partei, dann bei Besprechung der Resultate der vorausgegangenen misrachistischen Arbeiter- und Jugendkonferenz. Es wurden Bew denken laut, dahingehend, daß die Arbeiterjugend den mlsrachistischen Grundsätzen entfremdet und der marxistischen Tendenz preisgegeben werde. Der Generalsekretär des Mlsrachi, Rabbi Fischmann, führte in seinem Rechenschaftsberichte Klage über den Mangel an Disziplin in der Organisation, besonders bei der Mlsrachi-Jugend. Er for-, derte, daß zwischen der^ M^ Zionistischen Linken ein scharfer Trennungsstrich gezogen werde. ... .. Maat- ,u.. Liegekuren, Sonnenbader. Pension von S 8.— aufw. Wochenpauschale S 50.—, Prospekte Retourmarke. Telephon-Nri l am Pemmering, Kurhotel „Stuhleckerhof" Steinhaus Abzug Golem, empor ihr Makkabim! Zur Makkabia in Prag Wenn im Lauf des zionistischen Werdens knapp vor jedem Kongreß die Proportionen der einzelnen Parteien, sichtbar und Gegenstand der Betrachtung wurden, so hat in den letzten Jahren auch der neue Typus des jüdischen Menschen zur Betrachtung herausgefordert. Im Gewimmel, von Zahlen und Nämen,, von Pojlden, und Gründungen, von innen- und außenpolitischen Meinungen hat sich der Wunsch „ manir festiert, den jungen jüdischen Men'schen zu 'sehen, der m der Galuth und in Erez Israel das Instrument des. Renaissancewillens ist. Man sprach von Sport und meinte die Formung, eben dieses jungen, zu physischer Wehr bereiten Menschen. Was Vision war, geht, irdischen" ächritts durch die Straßen ... Durch die Straßen Prags, durch die Straßen des Golems. , ■• ' •' Nichts liege solcher Betrachtung ferner als Sentimentalität!. In der Stadt, dessen Gemäuer — Dichter, Philosophen und Träumer wollen es wissen — noch den Geruch rabbinistischen Mittelalters beherbergen, wo Grabsteine zu modrigem Gedenken verpflichten, "die Kabbala am hellichten Tag ihre verwitterten Augen aufschlägt und in den Runzein der Altneuschul Tränentropfen verdunsten, schreiten Nachkommen des Höhen Rabbi Low mit blauweißen' Wimpeln zu einem Stadion. Der Golem brach zusammen, als ihm der Mähäral den „Schern" aus dem Mund nahm. Der Name Gottes, der Odem des Lebens wurde ihm genommen und er zerfiel. Setzen wir die Antithese fort: Der Name Gottes strafft die Muskeln der Kinder Israels und gibt ihnen den Willen zum Kampf. Nicht mehr ghettohafte Anpassung, Schlauheit, bedingungslose Eingliederung, sondern Bedürfnis nach harter Schule und noch härterem Kampf, Freiheit der Bewegung und. Frohsinn, in Muskulatur geprägt. Abzug Golem, empor ihr Makkabim! Diese Welt ist die Welt des jüdischen Bürgers — Bürgers nicht in sozialem, sondern in volklich rassischem Sinn! Der jüdische Bürger — das ist der Typ, der sieh für das Schicksal' der jüdischen Zukunft verantwortlich fühlt in bescheidenem Selbststolz ... - Ein Jude Sportler? Wer hätte nicht gelächelt oder skeptisch mit den Achseln gezuckt, wenn man ihm damals, als der Gedanke des politischen Zionismus seinen schweren Gang antrat, die Vision der Arbeit von Muskel, Herz und Lunge gezeichnet hätte! Was damals ein vielgescholtener Traum war, ist heute Selbstverständlichkeit — Selbstverständlichkeit im leuchtenden Rahmen des siegreichen Zionismus. Nun wird auch der Spruch vom jungen Juden, der den Judenjungen überwand, zum Baustein der jüdischen Geschichte. Erez Israel hat uns 63 Sportler geschickt. Jüdische Jünglinge und Mädchen werden, befreit von den letzten Rudimenten unaussprechlicher Verzweiflung, begrüßt von tausenden jüdischen Volksherzen, noch einmal den Golem besiegen. Die Schwermut des Juden, die von der Ähnung eines zweitausendjahrelangen Leidweges herrührt, den wir hinter uns haben, hat aus uns Sänger, Dichter, Philosophen, Naturforscher gemacht. Im Rausch der Makkabiaden wird diese Schwermut verfliegen. Heiterkeit und Gleichgewicht der Seele, das ist es, was wir nach Schmerz und Quäl und Selbstverzweiflung suchten. Die Makkabim in Prag sollen unserem Leben diese Heiterkeit und dieses Gleichgewicht geben. Aber ich will es nochmals sagen: Das junge Sportgeschlecht, das dem Sinn der nationalen Erhebung huldigt, ist weit davon entfernt, das Ideale dieser Erhebung als etwas Beigeordnetes anzusehen oder sich etwa als Besonderheit innerhalb des jüdischen Volkes zu fühlen. Das junge Geschlecht muß man in seinem Glaubens stärken, weil es — mag diese Behauptung wie'eine abgebrauchte PhraBe berühren — unsere Zukunft ist. Wir wollen nicht, daß es sich als ein unter b e s o n d eren" Lebens- und Wirkensbedingungen lebendes Element fühle; als ein Element, dem man für seinen Dienst gesondert Dank wissen ' müsse. Der Makkabi-Gedanke verlangt den Glaube« an das Ganse, an die Einheit, an die tfiotorischa.