Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 310 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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186 Titl. UnivetsitatsbibHotliek Wien, 1. Preis 35 Groschen » fJ«» A ^t — om „Journal expedie par r€äiteni?% R E V U E jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag ruhiger Kongreß in stürmischer Zeit Der Verlauf des in der nächsten Woche beginnenden XVIII. Zionistenkongresses in Prag wird ein ruhiger sein. Dafür bürgt seine Zusammensetzung. Die Vielheit maßgebender Gruppen, welche sonst stürmisches Leben in die Verhandlungen brachte, fehlt diesmal. Es wird nicht verhandelt, es wird diktiert werden, in Form von Abstimmungen, deren Resultate heute schon feststehen. Denn eine einzige Prakt i on, die . sozialdemokratisch organisierte zionistische Arbeiterpartei Poale Zion, besitzt fast fünfzig Prozent aller Mandate, mit ihren unbedingten .Mitgängern eine TOprozentige Majorität. Die ehemals .starke, den Kongreß beherrschende Fraktion der „Allgemeinen" Zionisten verschiedener Schattierung ist arg zusammengeschrumpft, von 75 Prozent im Jahre 1921 auf kaum 23 Prozent, und überdies zur Hälfte von Elementen durchsetzt, die zu den vorerwähnten unbedingten Mitgängern der Poale Zion gehören. Die M i s r a c h i-F r a k' t i o n, welche sonst nicht nur ihren religiösen Standpunkt energisch vertrat, sondern auch in politischen Fragen im Sinne des .oppositionellen Großzionismus eingriff, ist zahlenmäßig und durch innere Konflikte arg geschwächt. Die R e y i s i o n i s t e n, welche den vorigen Kongreß moralisch beherrscht hatten und" damals vor dem |indsiege standen, sind durch eine schwere Spaltungs- V: billißst mit unserem. Sonderzug. Abreise : 18. Sept. 1933- Rückreise: 25. September oder 17. Oktober. Visa gratis Reservierte Plätze.-"''- '"\ Krakau four-retour S 50.— Lemberg tour-retour S 80.— Auskünfte und Anmeldungen: jtelsebüro E. Fersteh I,. KärnmerrlnRl2. Tel. U-40-301; Reisebüro Schenker & Co. I, Schottenring 9, Tel. R-50-510 krise zurückgeworfen worden. Wohl haben die Jabotinsky-Revisionisten gegenüber den demokratischen Revisionisten, welche zahlenmäßig unbedeutend klein sind, im Wahlkampfe gesiegt. Aber auch ihre Zahl ist zu klein geworden, als daß sie entscheidend eingreifen könnten, und überdies sind sie isoliert. Die kleine Gruppe der Radikale» ist politisch in ihrer Gänze der herrschenden Poale Zion zuzuzählen. Unter solchen Umständen ist man! wohl berechtigt, zu sagen, daß der Kongreß kein stürmischer sein und auf ihm nicht bewegt verhandelt, sondern ruhig diktiert werden wird. t Aber diese Ruhe ist keine gesegnete. Sie steht in allzu krassem Gegensatz zu den Stürmen, die heute draußen um das jüdische Volk und um den Zionismus toben. Ks ist nicht die Ruhe gesammelter Kraft, es ist die Ruhe der Resignation, des Verzichtes. Der Kongreß steht vor der ungeheuren Frage der deutschen Judennot; vor der Frage der durch die Weltwirtschaf tskrise und den um sich greifenden A n t i s e m i t i s m u s ins Unermeßliche gesteigerten W e 11 j u d e n n o t, vor der Frage der e n g 1 i s c h e n P a 1 a s t i n a -Politik, welche CONPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spifialgasse 3, Tel. B-42-5-38 Einzige offizielle Kongreßreise nach PALÄSTINA 7. September bis 3. Oktober 1933 Sonderfahrt, des Riesen - Ozean - Luxusdampfers „R o m a" (51.000 Tonnen) Unterwegs Aufenthalt in .Rom, Neapel, Athen, eventuell Kairo Auskünfte und Anmeldungen im Kongreßbüro und im Pal&8tina-Amt in Prag antizionischer ist denn je und im Augenblick höchster Not und Gefahr) die TorePalästinas sperrt und das jüdische Aufbauwerk sabotiert; vor der Frage der Organisierung des heute regellosen ökonomischen Aufbaues des jüdischen Nationalheimes; vor der Frage großer innerjüdischer Konf lik-te in Palästina, welche das jüdische Leben zerreißen und nach der Ermordung des Führers der Poale Zion, Dr. Arlosoröff, katastrophale Formen angenommen haben. Wird die auf dem Kongreß allmächtige, festgefügte Majorität die Antwort auf diese Fragen geben können und geben wollen? Die Antwort auf die ersten Fragen kann nur ein elementarer Aufschrei, ein unwiderstehlicher Appell an die ganze Kultur weit, an den Völkerbund sein, dem jüdischen Volk zu helfen gegen mörderische Verfolgung einerseits und gegen die Tücke einer antizionisiischen englischen Palästina- Regierung andererseits, welche das ihr übertragene Mandat gegen die Juden mißbraucht, den Sinn der Bälfour-Deklaration zerstört. Die Majorität aber steht ganz im Bann der von Weizmann, dem wieder kommenden Präsidenten, inaugurierten Politik des Verzichtes, des Zurückweichens, der unbedingten Ergebenheit gegenüber jeder englischen Regierung, sei sie auch noch so aritizionistisch, der Politik, für welche kein Weltgewissen und kein Völkerbund existiert, sondern nur die Gnade oder Ungnade einer englischen Bürokratie. Renschen, die" politisch so orientiert sind, werden die große politische Antwort nicht finden. Es ist auch nicht zu erwarten, daß diese Majorität die Frage der Organisierung des ökonomischen Aufbaues Palästinas, und die Frage des gesellschaftlichen Friedens in Palästina befriedigend beantworten wird. Sie ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch auf Vernachlässigung und Behinderung aller Elemente festgelegt, die sich nicht in den Rahmen ihres sozialdemokratischen Klassen- und Wirtschaftsprogrammes einfügen, vor allem des Mittelstandes, also jenes Standes, mit welchem der ökonomische Aufbau des jüdischen Nationalheimes heute steht und fällt. Auch mit Hinblick auf die Herstellung des gesellschaftlichen Friedens in Palästina ist von dieser Majorität kaum etwas zu erwarten. Ist sie doch die Hauptträgerih intoleranter Pärteiherrschaft in Palästina. Wer nicht zu ihr gehört, dem wird der Eintritt ins Land schier unmöglich gemacht, der darf nicht' arbeiten, der wird als Schädling und Reaktionär verfemt. So hat sie die Mordaffäre Arlosoröff dazu benützt, um ganze Gruppen von jüdischen Menschen inner- und außerhalb Palästinas zu ächten, politisch und gesellschaftlich für vogelfrei zu erklären. Ihre Führer betonen in Wort und Schrift, daß eine der wichtigsten Aufgaben des.Kongresses der Ausschluß der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation sein wird. Kann von dieser Seite der innere Friede kommen? So stellt sich das Bild des kommenden, einseitig festgelegten Kongresses als ein Bild der Ruhe, leider aber einer traurigen und unfruchtbaren Ruhe dar. Die zionistische Wählerschaft hat nicht gut daran getan, alle Macht in die Hände einer Gruppe zu legen, der wohl ein gewichtiges Wort in zionistischen Dingen zukommt, die aber nicht berufen ist, den Zionismus zu beherrschen. Dieser Kongreß wird keine Lösung bringen. Es wird nach ihm harte Arbeit geben, den Zionismus — der allein die Lösung bringen kann — den heute verschütteten nationalen Herzl-Zionismus, den Judenstaats-Zionismus wieder aufzurichten. Robert Stricker. Zusammensetzung des Kongresses Vorläufiges Gesamtergebnis der Wahlen zum 18. Zionistenkongreß Aus London: Auf Grund der bisher eingegangenen Meldungen stellt sich das Gesamtergebnis der Wahlen zum 18. Zionistenkongreß vorläufig folgendermaßen dar: Von den etwa 300 Mandaten, die für den bevorstehenden j Kongreß vergeben werden, hat die Arbeiterj 1.50 Weekend im Dianabad Samstag oder Sonntag den ganzen Nachmittag Im Well en« Schwimmbad mit Frellul(«Sonnenbad Vorzügliches Dachgarten-Restaurani Fo m 1119 n b a d in baidan Schwimmhallen und in einer Abteilung des Sonnenbadet Schwimm» und Sonnenbäder auch Montag offen! <^\Vi! ,J >X?w'f- *'A? '• ■-. ■ K gruppc 137 errungen. Außerdem wurden. 55; ü;h- Allgemeinen Zionisten haben einschließlich der 11 Delegierten, die auf die Grünbaum-Liste (Zentral« komitee der Zionistischen Organisation' Polens) gewählt wurden. 7 (S M a n d a t o. erhalten. Außerhalb Polens haben die radikalen Zionisten je 1 Mandat in Palästina und in der Tschechoslowakei bekommen. Die Ja h o* ti usky-Revis i o nisten erhielten 48, die Qt o ßman-Re vi s i.o nisten i, der Misrachi 32 Mandate. Geringe Aenderungen dieses Resultats sind Ijoch anläßlich der Ueberprüfung der Mandate durch den Xegitimationsausschuß des Kongresses möglich. Eine wesent« liehe Aenderung der Zusammensetzung' des Kongresses kann jedoch hiedürch nicht herbeigeführt werden. 15 Man-! date werden noch, auf Grund der Reststimmen vergeben werden. " « ------- Die hier angegebene Verteilung wird insofern ein» Aenderung erfahren, als von den 11 in Polen auf Grund der „allgemeinen Liste" gewählten Delegierten 8 zu den „Radikalen" zu . zählen sind. Die Fraktion der „Allgemeinen" wird also nur 68 Delegierte zählen, die der „Radikalen" 10, ohne Berücksichtigung der Reststimmenmandate. . . , '/ Die Palästina-Delegation. Aus Jerusalem: Die Zentralwahlkommission für die Kongreßwahlen in Palästina veröffentlicht das endgültige Wahlresultat. Palästina wird zum 18. Zionistenkongreß 5O Delegierte entsenden, die sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien verteilen: Arbeiterpartei 34, Jabotinsky-Revisionisten 5, Allgemeine Zionisten 4, Hapoel Hamisr a c h i 3, Misrachi, Yemeniten, Radikale und yemenitische mit den vorzögl. Salonsdiiffiro des Lloyd Triestino Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Wöchentliche Expreßlinie nach Istanbul» wöchentliche Luxaseillinie nach Alexandrien; ..... zweimal monatlich Luxuseilllnie nach Bombay; monatliche Expreßllnie nach Ceylon, Vinffon/it*ii CnoMMtinli - * wftaaKuuu&Vf uuuuguai | pä;ä Scbwa™ Auskünfte: Lloyd Triestino,Wien I,Härntnerring6.Te!.Uv47-5-60 Alle im redaktionellen Teil befindlichen eotä«h> liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnit