Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1933-08-11 · Heft 309 (11.8.1933) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 309 (11.8.1933)
Date
1933-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2711613-2711899-2711931--3866-2717281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 309 DIE NEUE WELT Seite 5 territoriale Zusammenfassung der Jugendvereine ohne eine bestimmte politische Richtung. Aber dank der Teilnahmslosigkeit der „Allgemeinen" gelang es dem klassenkämpferischen „Haschomer-Hazair", die Jugend zu beherrschen. Aus diesem Jugendverband gingen im Laufe der Jahre viele hervor, die es verstanden haben, sich einflußreiche Positionen in der jugoslawisch-zionistischen Bewegung zu sichern. Kraft dieser „offiziellen" Positionen war es ihnen leicht, auf die zionistisch unaufgeklärte Masse einzuwirken. Die gewonnenen Mitläufer machten sich über ihren Zionismus nicht viele Gedanken und folgten blindlings den offiziellen Führern, ohne eine Vorstellung von dem Programm zu haben, welches an diese Namen gebunden ist. Und da fast alle diese Führer, die aus dem Jugendverband hervorgegangen sind, Anhänger des klassenkämpferischen „Haschomer-Hazair" sind, wurde zu den Kongreßwahlen eine links orientierte Liste unter dem irrer führenden Namen „Arbeitendes Palästina" aufgestellt. Bisher hatten die „Allgemeinen" und die „Linken" Im besten Einvernehmen gearbeitet. Kongreßmandate wurden einfach untereinander aufgeteilt. Heuer kam kein Kompromiß zustande. Warum? Sowohl die „Allgemeinen" als auch die „Linken" wollten je zwei von den vier Mandaten haben. Da treten wir als demokratische Zionisten- Revisionisten als „Gefahr" in Erscheinung. Beide Gruppen rechnen mit der Möglichkeit, daß wir ein Mandat erhalten. Keine wollte eines abgeben. Daher der Streit um zwei Listen. Das Entstehen unserer Gruppe in Jugoslawien war nicht nur eine Reaktion auf die Zustände in der Weltorganisation, sondern auch auf die langjährigen, gegen jeden Judenstaatszionisten gerichteten Provokationen des offiziellen Organs des Landesverbandes, des „Z i d o v". Unter den früher erwähnten Positionen, die die „Linke" mit ihren Leuten besetzt hat, befindet sich auch die Leitung dieses offiziellen Organs. Offizielles Organ, nicht dem Inhalte nach, sondern weil es vom Landesverbände herausgegeben und von allen Zionisten, auch von den Zionisten-Revisionisten, erhalten wird. Dem Inhalte nach ist es nichts anderes als ein für die Interessen der Linken sehr arbeitendes Parteiorgan. Dabei gilt als „heiligste Pflicht" jedes Zionisten, das Blatt zu abonnieren. Dieses Blatt kennt seit Jahren nur einen Feind. Nicht der Assimilationsjude ist es. Der Feind war für den „Zidov" immer die in Jugoslawien damals noch nicht bestehende zionistisch-revisionistische Bewegung. Bei Behandlung jedes Problems, ob zionistisch oder nichtzionistisch, ob Jugoslawien oder das Ausland betreffend, ohne Rücksicht darauf, ob die Revisionisten in irgend einer Beziehung zu dem Problem standen, hat es der „Zidov" immer für gut befunden, auch unter Vernachlässigung des logischen Aufbaues, in seinen Artikeln über die Revisionisten, ihre Führer und ihre Organisationen herzufallen. Positives über die Zionisten-Revisionisten und ihr Programm wurde nie veröffentlicht. Nicht zuletzt die systematische Hetze des „Zidov" hat uns, die während ihrer Studienzeit in Wien zu den Anhängern des Robert Stricker und seiner zionistischen Einstellung gehörten, veranlaßt, aus der Reserve herauszutreten. Es begann die zionistisch-revisionistische Arbeit in Jugoslawien. Es wäre sicher auch bei objektivem Verhalten des „Zidov" später dazu gekommen, doch hätte es noch eine Zeit gedauert. Wir danken deswegen auf diesem Wege der Redaktion des „Zidov" für die Förderung unserer Bewegung und für die Beschleunigung unseres Werdens in Jugoslawien. A. P. (Schlußartikel folgt.) Jugoslawische Regierung und Volk für das Judentum Bedeutsame Erklärungen jugoslawischer Minister Aus Belgrad wird uns vom 9. August berichtet: Der jüdische Publizist Schlomo Jizchaky wurde in Belgrad vom jugoslawischen Außenminister H. Jeftschitsch und vom Innenminister Sch. Lasitsch empfangen. Die beiden Minister gaben wichtige Erklärungen, betreffs jüdischer Probleme, im Namen der Regierung von S. H. S. ab. Außenminister Jeftschitsch, der erst kürzlich die Sympathien des jugoslawischen Volkes und der jugoslawischen Regierung mit den Opfern des Hitler- Regimes zum Ausdruck brachte, gab H. Jizchaky als dem Vertreter des Warschauer „Moment" folgende ergänzende Erklärung: „Da unsere ökonomische Lage nicht so ungünstig ist wie die anderer Länder und weil unsere — der Regierung un<i des Volkes — Sympathien mit den Opfern des neuen deutschen Regimes wirklich aufrichtig sind, sind wir bereit und entschlossen, gesunden, möglichst unparteiischen jüdischen Elementen, die bei uns leben wollen, nicht in den Weg zu Besuchet die JEDEN JUDEN INTERESSIERT PALÄSTINA, wie es wirklich ist Oanzleinen S 9.45, karton. S 6.30. In 4 Wochen 5000 Exemplare verkauft Neuauflage in allen Buchhandlungen oder durch den FIBA-VERLAG, VI., Oumpendorferstraße 10, Telephon B-24-9-78 legen. Ich bin überzeugt, daß unter solch einer jüdischen Massenimmigration das Staatsbudget und unsere nationale Wirtschaft nicht leiden werden." Innenminister Lasitsch, der zunächst seine Sympathien zum serbischen und zum Weltjudentum ausdrückte, ganz im Einklang mit dem serbischen Volk und König, äußerte siph folgendermaßen:. „Schon im ehemaligen Vorkriegs-Serbien war die nationale und religiöse Toleranz ' ebenso wie die , Gleichberechtigung vorhanden. Im übrigen haben die serbischen Juden in allen Kriegen für den Schutz ihrer Geburtsheimat gekämpft und nicht weniger Opfer gebracht wie die Serben. Gemäß dieser Tradition wird auch in Serbien gehandelt, sowohl vom Standpunkt der öffentlichen Gesetzgebung wie der täglichen Praxis." *• Die Erklärungen der beiden jugoslawischen Minister .bezeugen aufs neue die kulturvolle Haltung derr jugoslawischen Regierung und des Volkes gegenüber den Juden, deren menschlicher üria staatsbürgerlicher "Wert rückhaltlos anerkannt wird. Gerade im jetzigen Augen-, blick sind solche Aeußerungen von besonderer Bedeutung. (Die Redaktion.) Die Ausflüdile des fttfiv Young Palästina vor der Mandatskommission — Keine Zollerleichterung für Palästina — Deutsche Einwanderung — Arabischer Menschenschmuggel — Man läßt die Juden nicht nach Transjordanien — Das Parlament In Palästina — Gefährliche Illusionen Aus Genf wird uns geschrieben: Während der letzten Diskussion in der Mandatskommission des Völkerbundes hat ein Mitglied dieser Kommission an den Vertreter der englischen Regierung, Mr. Young, die Frage gerichtet, weshalb Palästina nicht die Begünstigungsklausel vom Jahre 1922 genieße (wie z. B. Togo, Kamerun und Tanganajka), landwirtschaftliche Produkte und Fertigwaren nach England laut dem besonderen bevorzugten Zolltarif (Imperial Preference) einzuführen. Diese Frage stellten auch schon die Jewish, Mitglieder der Mandatskommission und Abgeordnete des englischen Parlaments und stellten fest, daß Palästina schlechter behandelt werde als die genannten Gebiete. Der englische Kolonialminister versuchte es seinerzeit mit der Ausrede, daß die Anwendung der Zollbegünstigung für palästinensische Waren auf juristische Schwierigkeiten stoße. Auf die Frage eines Kommissionsmitgliedes, worin denn diese „juristischen Schwierigkeiten" bestünden.antwortete Young, daß er sich in Details dieses Problems nicht einlassen könne. Hierauf wendete man sich an die englische Regierung selbst. Es wird lange dauern, bis eine Antwort erfolgt. Bei der Diskussion der Einwanderungsmöglichkeiten hat die Mandatskommission die Frage einer deutschen Einwanderung nach Palästina berührt. Herr Young bezog sich auf die vom englischen Außenminister Sir John Simon abgegebenen Erklärungen und auf die Zuteilung von 4500 Zertifikaten. Die Kommission fragte weiter, ob die britische Regierung Vorstellungen bei der deutschen Regierung gemacht habe, um für die jüdischen Auswanderer nach Palästina die Ausfuhrerlaubnis für ihr Besitztum zu erwirken. Herr Young erwiderte, daß diese Frage geprüft worden ist und daß seines Wissens die deutsche Regierung jenen Juden, die eine Einwanderungserlaubnis nach Palästina als „Kapitalisten" (Kategorie A) erhalten haben, die Ausfuhr eines Betrages von ungefähr iooo engUsobe Pfund erlaubt, Daa deutsche. Mitglied der. Mandatskommission Dr. Ruppel bestätigte diese Behauptung, aber diese Frage findet im Bericht der Mandatskommission keine weitere Erörterung. Auch wurde die Frage der offiziellen Ziffer der arabischen Einwanderer — im letzten Jahr nur 212! — behandelt und konstatiert, daß der Zuwachs der arabischen Bevölkerung durch Zuwanderung sehr groß sei. Mr. Young mußte zugeben, daß die illegale arabische Zuwanderung sehr groß sei, da aus Transjordanien kommende Araber tatsächlich keine Pässe oder Dokumente besitzen. Mehrere Mitglieder der Kommission lenkten die Aufmerksamkeit Mr. Youngs auf die Kolonisationsmöglichkeiten Transjordaniens. Young Herrliche Erholungsreisen im Autocar i 14. August: Dalmatlen—Bosnien, 12 Tage . . . . S 350 19. August: Zum Stephans-Fest In ßudapest3Tage S 88 20. August: Rom—Oenua—Malland, 14 Tage . . . S 520 21. Augnst: Oolomiten-Reise, 6 Tage ....... S 190 27. August: Venedig-Südtirol, 8 Tage ...... S 260 29. August: Abbazla 7 Tage...........S 170 In sämtlichen Preisen sind Inbegriffen: Fahrt von Wien nach Wien, volle erstklassige Verpflegung, Nächtigung In ersten Hotels, Belstellung eines Reiseleiters usw. Autobus-Unternehmen und Reisebüro Gustav Zieglmayer, Klosterneuburg Anmeldungen, Auskünfte und Spezlalprogramme im Stadtbüro Wien I, GoldschmledgosMlO / Tel U-21-1-51 erklärte, daß Transjordanien sich nicht auf das Mandat beziehe und eine Aenderung dieses Zustandes nicht in Frage käme. Er mußte weiter, zugehen, daß das Mandat eine jüdische Kolonisation in Transjordanien nicht verbiete, daß aber eine Förderung der jüdischen Kolonisation in Transjordanien nicht angezeigt sei. Auf die Frage des Prof..Rappard, ob der Widerstand gegen den Landverkauf an Juden seine Quelle in Palästina oder, in Trans jordanien habe, gab ^Young trocken zur Antwort, daß er es vorziehe, a 11 g emeine Aufklärungen zu geben und nicht in Einzelheiten zu gehen. Auch die Frage Transjordaniens wird im Bericht der Kommission an den Völkerbund nicht er- ÄlttWfc ' : alzburger FESTSPIELE 28. Juli bis 31. August IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Die Novembertagung wird sich mit den Petitionen des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat), des■ palästinensischen Obersten Rabbinatsrates und der Agudath* Israel beschäftigen. * Hiezu meldet die J. T. A. aus Genf: Auf die Anfrage des Engländers Lord Luggard erklärte Young, die britische Regierung glaube nicht, daß es gegenwärtig möglich sei, die Niederlassung von Juden in Trans jordanien zu erleichtern« Auf eine weitere Frage des portugiesischen Korn* missionsmitgliedes nach den Gründen für diese Haltung erklärte Young, die Niederlassung von Juden in Transjordanien könne aus allgemeinen Gründen der Sicherheit nicht ermutigt werden. Es gäbe dort keine Bewegung zugunsten der Einwanderung anderer Rassen und es seien auch nicht größere zur Kolonisation geeignete Landstrecken vorhanden, wenn auch das Land nicht so dicht bevölkert sei wie Palästina. Nach diesen Erklärungen nahm der Vizepräsident der Kommission, van Rees, das Wort. Er wies darauf hin, daß das Mandat die Einwanderung von Juden nach Transjordanien nicht ausschließe. Van Rees beschäftigte sich mit den in letzter Zeit verbreiteten Nachrichten, aus denen hervorgehe, daß in Transjordanien der Wunsch nach jüdischer Einwanderung und Niederlassung bestehe. Wenn Emir Abdullah für jüdische Einwanderung sei, erklärte van Rees, dann möchte er wissen, warum die britische Regierung dagegen sei. Young erwiderte, die britische Regierung sei unter Berücksichtigung der allgemeinen Stimmung im Lande und der Sicherheitsfrage zu der Ansicht gelangt, daß es nicht zweckmäßig sei, derzeit eine jüdische Kolonisation in Transjordanien zu erleichtern. Lord Luggard richtete an Young die Frage, wie sich die Regierung zu einer mit Unterstützung der Juden durchzuführenden Ansiedlung von Arabern in Transjordanien stelle. Young erwiderte, die Regierung habe gegen ein solches Projekt nichts einzuwenden, doch könne es sich nicht darum handeln, Araber in größerer Zahl nach Transjordanien umzusiedeln, als der Aufnahmefähigkeit des Landes entspreche. Es seien weder größere Bodenreserven noch eine einer Massen* einwanderung günstige Stimmung in Trans jordanien vorhanden. Van Rees machte darauf aufmerksam, daß Transjordanien eigentlich doppelt so groß sei wie Palästina, dabei aber eine Bevölkerung von nur etwa 300.000 Seelen aufweise, während in Palästina beinahe eine Million Menschen wohnen. Er wiederholte seine Frage, ob es klug sei, den Verkauf von Boden in Transjordanien zu verhindern, wenn der Emir selbst den Verkauf wünsche. Young erklärte, es gebe in Transjordanien große Gebiete von Oedland, während kulturfähiger Boden nicht weniger dicht bevölkert sei als in Palästina. Jedenfalls sei der Unterschied nicht groß. Die Regierung sei nicht gegen die Zulassung Im Namen der Republik! Das Strafbezirksgericht Wien I als Pressegericht hat heute in Gegenwart des Privatanklägers Dr. Josef Löwy, «seines Vertreters Dr. Emanuel Holzapfel, in Abwesenheit des Angeklagten Robert Stricker und in Anwesenheit des Verteidigers Dr. Gottfried Weidenfeld über die Anklage, die der Privatankläger gegen Robert Stricker, 53 Jahre alt, verheiratet, Oberbaurat i. P., erhoben hatte, nach durchgeführter Verhandlung zu Recht erkannt: Robert Stricker ist schuldig, er habe durch die von ihm verfaßten, auf den Privatankläger bezüglichen Stellen: a) „Er hat sich — ohne zu reagieren — in der Zeitung seiner eigenen Parteigenossen unkorrekte Manipulation mit Wahlgeldern zum Vorwurf machen lassen", b) „Der jüdischen Oeffentlichkeit ist er als Denunziant bekannt", c) „In einer Eingabe an die Landesregierung hat er — natürlich fälschlich — einen Wilnaer Gemeinderabbiner der Dokumentenfälschung" in der in Wien erschienenen Zeitung „Die neue Welt" vom 29. November 1932, Nr. 272, den Privatankläger durch Mitteilung von erdichteten Tatsachen, namentlich fälschlich unehrenhafter Handlungen, beschuldigt. Er hat hiedurch die Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre nach § 488 St. G. begangen und wird gemäß §§ 493, 266, 261 St. G. zu einer Geldstrafe von hundert Schilling, im Nichteinbringungfalle zu 24 Stunden Arrest und gemäß § 389 St. P. O. zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt. — Gemäß § 43/1 Pr. G. wird der Beschuldigte verpflichtet, dieses Urteil in der ersten oder zweiten Nummer der Zeitung „Die neue Welt", die nach Rechtskraft des Urteiles erscheinen wird, in der im § 23 Pr. G. vorgeschriebenen Weise zu veröffentlichen, widrigens diese Zeitung nicht mehr erscheinen dürfte. Gemäß § 41 Pr. G. wird der Verfall der Nr. 272 der Zeitung „Die neue Welt" vom 29. November 1932 ausgesprochen. Die Anträge auf Veröffentlichung gemäß § 43/2 Pr. G. in den Zeitungen „Jüdische Volkszeitung", „Wahrheit", „Arbeiter-Zeitung", „Neues Wiener Tagblatt" und „Neue Freie Presse" sowie auf Verhängung einer Geldbuße wird abgewiesen. Bezüglich des Satzes „ ... und dessen Beseitigung als .Zugereister' gefordert", wird der Beschuldigte von der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre gemäß § 259/a St. P. O. freigesprochen. Der Privatankläger hat gemäß § 390 St. P. O. den auf diesen Teil der Anklagt entfallenden Teil der Kosten tu traft«,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.