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Die neue Welt · 1933-08-11 · Heft 309 (11.8.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 309 (11.8.1933)
Date
1933-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 309 DIE NEUE WELT Seite 3 Zu den jüdischen Feier* tagen nach Polen billigst mit unserem Sonderzug. Abreise: 18. Sept. 1933 Rückreise: 25. September oder 17. Oktober. Visa gratis Reservierte Plätze. Krakau toup*retoup . S 80.- Lemberg tour>retour. S 80.- Auskünfte und Anmeldungen: Reisebüro E. Ferstet, I, Kärninerr1ngl2 Tel. U-40-301, Reisebüro Schenker & Co. I, Schottenring 9, Tel. R-50-510 ganz verstiegene Judenfeinde oft bewiesen, daß ihre Nasen wohl nicht den Geruch der jüdischen Rasse, sehr wohl aber den Geruch jüdischen Geldes vertragen. Ihr Bemühen, die „Braune Messe", diesen grandiosen Versuch der „Gleichschaltung", als harmlos darzustellen, ist auch verständlich. Aber die Nachrichten, daß die Juden von Märkten in Deutschland — trotz gegenteiliger Versicherungen — verjagt wurden, schwächen diesen Versuch bedenklich ab. Die Leipziger Herren scheinen auch eines nicht zu wissen: Jeder Jude im Ausland preist heute das gütige Geschick, das ihn außerhalb Deutschlands leben läßt, und der Gedanke, nach Deutschland zu sollen, schnürt ihm die Kehle zu. Daran dürfte die freundliche Einladung der Leipziger an die Herren Israeliten aller Länder wenig ändern. Deutsche Loyalität Vor einigen Wochen tagte in Wien der internationale Ausschuß für die Vorbereitung der im Jahre 1936 stattfindenden Olympiade. Ein Jahr vorher war bestimmt worden, daß die Olympiade 1936 in Berlin stattfinden wird. Unter Hinweis auf die geänderten Verhältnisse tauchte die Frage der Verlegung der Olympiade von Deutschland weg auf. Daraufhin begann der deutsche Delegierte zu bitten und zu betteln und gab namens Hitler- Deutschlands die Erklärung ab, daß man alle Teilnehmer, auch die jüdischen, in Deutschland mit dem größten Respekt behandeln werde. Nun nimmt die führende Berliner Tageszeitung „Tag" die Verlegung der „Makkabiade" von Czernowitz nach Prag zum Anlaß für folgende Auslassungen: „Sie wollten eine .Makkabiade' abhalten, die Juden von Czernowitz. Was dem Arier seine Olympiade, das sollte dem Juden das Sportfest in Rumänien sein. Es lagen bereits Nennungen aus den verschiedensten Ländern vor, auch aus Palästina. Ueber die Art der Wettkämpfe verlautete nichts Genaueres, immerhin sollten Preise ausgeschrieben werden für Wettbewerbe im Anfertigen von Greuelmärchen, Handel mit alten Kleidern und Währungsattacken. Nun hat man die .Makkabiade' abgesagt. Grund: die Polizei fühlte sich der Aufgabe nicht gewachsen, jedem einzelnen dieser Helden einen persönlichen Schutz zu stellen. Passiere etwas, so meinte die gewitzigte Sicherheitsbehörde, so werde auch Rumänien unter Greueltrommelfeuer genommen, und das wäre furchtbar. So müssen die Juden auf ihr völkisches Fest verzichten, das gerade durch die Betonung des Rassegedankens eine Lehre für manches Volk geworden wäre." So sieht die „respektvolle Behandlung" aus, welche jenen jüdischen Sportsleuten zugedacht ist, die es sich einfallen lassen werden, bei der Olympiade in Berlin mitzuwirken. Dabei gehört der vormals „liberale" „Tag" nicht zu den engsten Hetzblättern. Es war ein Fehler, daß nicht die gesamte jüdische Sportswelt vor aller Welt die Verlegung der Olympiade von Deutschland weg gefordert hat, mit der Begründung, daß kein jüdischer Sportler, der Ehre im Leibe hat, an einer Sportveranstaltung in Hitler-Deutschland teilzunehmen gedenkt. Das ist leider nicht geschehen. Es muß nachgeholt werden. Eine Beschwerde Wir haben das auf Ausschaltung der jüdischen Acrzte gerichtete Vorgehen des österreichischen Ministeriums für soziale Verwaltung berichtet. Die Leitung der Jüdischen Volksparfcei Oesterreichs teilt jetzt mit, daß sie der österreichischen Bundesregierung nachfolgende Beschwerde übermittelt hat: Wien, den 7. August 19S3. — An die hohe Bundesregierung, z. H. des Herrn Bundeskanzler Dr. E. D o 11 f u ß, Wien, I., Bundeskanzleramt. Die gefertigte Leitung der Jüdischen Volkspartei Oesterreichs erlaubt sich hiemit der hohen Bundesregierung zur Kenntnis zu bringen, daß durch das In jünster Zeit geübte Vorgehen bei Ernennung von Assistenten, Sekundarärzten und Aspiranten an den staatlichen Krankenanstalten die in der Verfassung festgelegte Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger Oesterreichs verletzt wird. Bei den vor kurzem erfolgten Ernennungen von Sekundarärzten an den staatlichen Krankenanstalten, namentlich am Allgemeinen Krankenhaus, Wiedener Krankenhaus und Wilhelminenspital, wurden alle laut Dienstordnung anspruchsberechtigten jüdischen Bewerber übergangen. Diese Maßnahme bedeutet nicht nur eine Verletzung des Rechtes der betroffenen jungen jüdischen Aerzte, sondern die Vernichtung ihrer Existenz, da die Ausübung des ärztlichen Berufes in seinen Wichtigsten Formen an absolvierte praktische Betätigung im Spitalsdienst gebunden ist. Da3 Vorgehen des mit den Ernennungen betrauten Bundesministeriums für soziale Verwaltung ist um so bedenklicher, als sein tendenziöser Charakter von Politikern und Zeitungsorganen, welche der Regierung nahestehen, ausdrücklich hervorgehoben wurde, und zwar mit Hinweis darauf, daß die Zahl der jüdischen Aerzte in den erwähnten Spitälern und die Zahl der Juden im Aerztestande im allgemeinen eine übergroße und Fernhaltung geboten sei. Unter Festhaltung an dem in der Verfassung niedergelegten Rechte jedes Staatsbürgers, also auch des jüdischen, auf freie Wahl des Berufes und Bewerbung um öffentliche Stellen unter gleichen Bedingungen, wie alle anderen Staatsbürger, sei festgestellt: Die große Zahl von jüdischen Aspiranten an den genannten Krankenanstalten findet eine Erklärung darin, daß den jungen jüdischen Aerzten der Eintritt in fast alle anderen Krankenanstalten schon seit langem unmöglich gemacht wird. Die große Zahl von jüdischen Aerzten im allgemeinen ist darauf zurückzuführen, daß ungeheuer große Berufsgebiete, wie der Bundesdienst und der Dienst in den Bundesbetrleben, der Gemeindedienst, der Dienst in kommunalen Betrieben usw. jüdischen Bewerbern verschlossen sind. Das fuhrt notgedrungen zu einem starken Zustrom zu gewissen, bisher noch zugänglich gewesenen Berufen, wie zum ärztlichen. Die ungleichmäßige Verteilung der Juden auf die verschiedenen Berufe ist kein LESET UND VERBREITET DIE NEUE WEIT"! #/' von der österreichischen Judenschaft gewollter, sondern ein ihr aufgezwungener Zustand, und sie würde es gewiß begrüßen, wenn durch gerechte Maßnahmen ein Weg aus dieser, sie selbst mehr als jeden anderen bedrückenden Lage geschaffen würde. Aber' sie muß mit allem Nachdrücke dagegen Stellung nehmen, daß die Folgen eines ihr zugefügten Unrechtes durch vermehrtes Unrecht beseitigt werden soll. Sie kann es nicht hinnehmen, daß ihrer von großen Beruf Sgebieten bereits ausgeschliwsenen Jugend durch*-Absperrung der noch freien Gebiete jede Existenzmöglichkeit genommen wird.' Die jüdischen Bürger Oesterreichs, welche jederzeit ehrlich bemüht sind, ihre staatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen, haben vollen Anspruch auf Achtung ihrer staatsbürgerlichen Rechte. In diesem Sinne bittet die gefertigte Leitung der Jüdischen Volkspartei Oesterreichs die hohe Bundesregierung um gerechte Erledigung der vorgebrachten Beschwerde. Mit vorzüglicher Hochachtung für die Leitung der Jüdischen Volkspartei Oesterreichs. Der Obmann Oberbaurat Robert Stricker. Pogwomagitation in BetHn Ars Berlin: Ganz uegestört wird seit dem .1. August eine antisemitische Flugblatt-Propaganda geführt, in der man die Bevölkerung offen zu Pogromen auffordert. Ganz Berlin ist mit hunderttausenden Broschüren und Aufrufen besät, welche in allen Gassen verteilt werden, besonders auf dem Potsdamer Platz und in dessen Umgebung. Die ausländischen Beobachter interessierten sich überaus für die Pogromliteratur, die das Hakenkreuz, das offizielle Regierungsembleme, trägt. Größte Aufmerksamkeit findet eine Broschüre unter dem Titel „Der Jude — die internationale Pest", worin die Deutschen aufgefordert werden, die Juden niederzumetzeln, um sie ein für allemal loszuwerden, indem versichert wird, daß der Völkerbund ein Produkt jüdischer Machinationen sei und worin den Juden das Recht, sich menschliche Wesen zu nennen, abgesprochen wird. Bezeichnend ist folgende Stelle aus der Broschüre: „Es gibt zwei Arten Antisemitismus: Eine höhere Art, welche bloß die jüdische Macht durch Gesetze begrenzt, und eine niedrigere, die die Juden abzuschlachten heißt. Die letzte Art ist vielleicht eine schauerliche, ihre Resultate sind aber unendlich wirksamer — sie macht durch Vernichtung der Juden der Judenfrage ein Ende. Der Pogrom kommt immer von den Massen, aber unter dem Befehl von oben — von Gott aelbst." Semmering ECKSTEINS FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich 5*Uhr-Tee CElbf ftJCOliJft Telephon 11, Hochstraße 43 »EPlPlEKIVlVi neben Hotel Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unler Telephon U-27-6-2-1 Mnslu. Liegekuren, Sonnenbäder. Pension von S 8.— aufw. Wochenpauachale S 50.—. Prospekte Retourmarke. Telephon-Nr. 1 Steinhaus am Semmering/ Kurhotel //Stuhleckerhol" ♦ ♦ ♦ Und sie redeten und redeten In London tagte in der Vorwoche die Weltkonferenz jüdischer Studenten. Sehr gelehrte Herren hielten große Reden, wie das bei solchen Anlässen üblich ist, zu Nutz und Frommen der Zeitungsindustrie. Die Eröffnungsansprache hielt der Philosoph der Viktoria-Universität in Manchester, Professor Samuel Alexander. Er führte u. a. aus: „Die gegenwärtige Lage zwingt uns, eine Antwort auf die Frage zu suchen, was der Weltverband jüdischer Studenten angesichts des Unheils, das so unverdient die Juden Deutschlands und ganz besonders die Klasse, zu der wir als Studenten gehören, betroffen hat, am zweckmäßigsten unternehmen könnte . . . Ich habe oft die jüdischen Studenten aufgefordert, sich nicht von der übrigen Studentenschaft abzusondern, ein Rat, der zwar gesund, aber wohl nicht leicht zu befolgen war ... Es ist gut, daß in der augenblicklichen Krise eine große Zahl von Flüchtlingen nach Palästina übergeleitet werden kann." Dann sprach Sir Philip H a r t o g, der seiner Uewunderung für den Mut Ausdruck gab, den er bei den in England eingetroffenen Flüchtlingen aus akademischen Berufen feststellen konnte. Er forderte die Versammluug auf, daran zu glauben, daß sich im Herzen der deutschen Nation eine Wandlung vollziehen werde. Man solle sich freihalten von Bitterkeit gegenüber den Deutschen. Er sei nicht Zionist, aber Vorsitzender des Verbandes der Freunde der Hebräischen Universität. Professor L. B. N a m i e r erklärte, es sei für die Juden, denen gerade infolge ihres' starken Anteils an den freien Berufen die Gefahr drohe, ein Volk von Luft- . menschen zu werden, notwendig, festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Die Juden hätten sich stets hauptsächlich um den Intellekt gekümmert. Den jüdischen Studenten aus Deutschland sage er, daß sie weit besser daran tun würden, den Körper Israels in Palästina aufzubauen, als Titusbogen in Deutschland. Professor Selig Brodetzky trat für eine Abkehr von den Intelligenzberufen ein. Er erklärte, die jetzige Krise zeige deutlich die anormale Lage der Juden in akademischen und freien Berufen. Das Berufsstudium habe im modernen Leben im Kampf gegen die Würde der Arbeit gestanden. So seien die Juden von den grundlegenden Beschäftigungen, die das Leben einer Nation ausmachen, ferngehalten worden. Eines Tages werde die Frage aktuell werden, ob es möglich sei, eine zehnfach größere Intelligenzschicht, als den normalen Verhältnissen entspräche, zu tragen. In Palästina habe man eine Umwertung der Werte erlebt, eine höhere Einschätzung der Arbeit des Pioniers; dort könne man Philosopliie-Studenten sehen, die hinter dem Pflug herschreiteh. Dann sprach der ehrwürdige Reverend Perlzweig, der der Befürchtung Ausdruck gab, die BefoluJUiMitiPai 6. September bis 11. Oktober 1933 In Verbindung mit einer MIttelmeerrundrahrft mit dem Lloyd-Dampfer „Vienna" Rückfahrt über Aegypten mit dem Lloyd-Dampfer „Helouan" Aufenthalt in: Palästina 15 Tage / Kairo 2 Tage / Konstantinopel 2 Tage / Athen 2 Tage / Rhodos 1 Tag / Venedig 1 Tag Genua 1 Tag Rosch-Haschanali in Jerusalem Pauschalpreis von Wien bis Wien: Dampfer III. Klasse Spezial (vereinfachte II. Kl.), Eisenbahn II. Kl., gut bürgerl. Hotels u. MÄCn Verpflegung, Führung, Trinkgelder usw. 0 H3U," Bei Benützung der II. 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