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Die neue Welt · 1933-08-11 · Heft 309 (11.8.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 309 (11.8.1933)
Date
1933-08-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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r Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 309 Das billige Kärnten Pension und Strandbad Leopold! Direkt am See / Pensionspreis: S 7.— bis 8 12 — Größtes eigenes Strandbad Veldens / Strandcafö und wundervoller Naturpark in staubfreiet Lage am See / Pensionspreis: Mai. Juni, Sept.: S 9.- bis S 12.- / Tull-Au^ust: S 13.- bis S 17.- Besltsert ANTON BULFON / Tetsphon 14 und 40 Pension Amthoff, Millstatt >Ä&,, fliefiend.es warmes u. kaltes Wasser l Ruhigste.Lege am Waldrande. Besitzer: FML. d.R. Artur Pr2ybor8kl Pension 7 bis 12S revisionistischen Organisation gebildeten Terrorguppe auf die Spur gekommen zu sein. In Verfolg dieser Spur wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die Aufregung, welche der Mordfall unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas hervorgerufen hatte und die zur Zeit der Wahlen zum Zionistenkongreß aufs höchste gestiegen war, hat einer ruhigeren Auffassung Platz gemacht, wenn auch gewisse Kreise ständig bemüht sind, aus dem Morde politisches Kapital zu schlagen. Immerhin ist festzustellen, daß die polizeilichen Maßnahmen in der Angelegenheit nicht mit allzu viel Vertrauen verfolgt werden. Ist doch festzustellen, daß im Verlaufe des letzten Jahres in dem kleinen Lande acht Mordfälle vorgekommen sind, ohne daß diese Fälle ihre Aufklärung gefunden hätten. Ueber die letzte Phase der. Untersuchung wurde von Jaffa, wohin die Verhafteten gebrächt wurden, folgender Bericht ausgegeben: Anläßlich der Wiederaufnahme der Vernehmungen im Untersuchungsverfahreh gegen Abraham Stavsky kündigte der Staatsanwalt zur allgemeinen Ueberraschung an, daß er das Verfahren auch auf Rosenblatt und Minz ausdehne, die er ebenso wie Stavsky und andere noch Unbekannte der Verschwörung zur Ermordung Dr. Arlosoroffs beschuldigte. Stavsky, Rosenblatt' und Minz wurden gemeinsam ▼or Gericht gebracht. Es wurden bloß zwei Zeugen, nämlich der Leiter des Ermittlungsamtes der Kriminalpolizei,. Hauptmann Rice, und der Kassier der Einwanderungsabteilung, Isaak Josef C h ä 1 u z, einvernommen. Hierauf wurden die Verhandlungen auf den 9. August vertagt, Hauptmann Rice legte in einer dreistündigen Aussage die Einzelheiten des .Falles auf;Grund der .von der Witwe des .Ermordeten.und anderen Personen ge-, machten Angaben dar. Am Sonntag nach dem Mord, erklärte er, wurden der Witwe zehn Photographien vorgelegt. Sie bezeichnete die Photographie Stavskys als diejenige des Mannes, der dem größeren der beiden Attentäter gleiche. Auf Grund dieser Aussage, aber auch auf Grund anderer Indizien wurde Stavsky am Montag verhaftet. .Anläßlich einer am Montag -abend vorgenommenen Identifizierungsvorführung wurde Stavsky von Frau Arlosoroff unter .sechzehn anderen Personen erkannt. Als sie näher an ihn herantrat, fiel sie in Ohnmacht. Einige Minuten später schritt sie wieder die Reihe entlang und bezeichnete abermals Stavsky. Hierauf verlangte sie, daß die Leute vorbeigehen, was geschah. Nunmehr bezeichnete sie vier von ihnen als dem größeren der beiden-Attentäter ähnlich. Sodann verlangte Frau Arlosoroff, daß jeder der von ihr bezeichneten Männer die Worte „Kama ha' Schaah?" (Wie spät ist es?) spreche, die von den Mördern gehraucht worden waren, als sie sich an Dr. Arlosoroff wandten. Nachdem Stavsky die Worte gesprochen hatte, erklärte Frau Arlosoroff, er versuche, mit verstellter Stimme, aus der Kehle, zu sprechen. Hauptmann Rice erklärte weiter, er habe am Sonnabend .mit zwei Polizeibeamten an der Mordstelle einen Lokalaugenschein vorgenommen, Experimente angestellt und die Ueberzeugung gewonnen, daß Frau Arlosoroff die Täter im Widerschein der, Lichter von Jaffa und im Sternenlicht erkennen und somit eine Beschreibung von Ihnen geben konnte. Bezüglich Rosenblatts erklärte er, er habe seine Verhaftung auf Grund einer geheimen Information angeordnet. In diesem Beschuldigten habe Frau Arlosoroff in der am 29/Juli vorgenommenen Identifizierungsvorführung den zweiten Komplicen erkannt. Am folgenden Tage wünschte sie, Rosenblatt unrasiert zu sehen. Hierauf erklärte sie Hauptmann Rice, sie.-sei Uberzeugt, Rosenblatt a-m Strande gesehen zu haben, als Dr. Arlosoroff ermordet wurde. Auf Fragen, die an ihn gestellt worden waren, erklärte Hauptmann Rice, er habe Erkundigungen über Stavsky seit Sonnabend abend eingezogen. Er habe nicht gehört, was Frau Arlosoroff gesagt habe, als sie bei der Identifizierungsvorführung Stavsky als einen der Täter gezeichnete. Der Zeuge Isaak Josef Chaluz erklärte, er habe mit Stavsky, der bei ihm erschienen war, um die , Rückerstattuäg eingezahlter Gebühren zu fordern, da er kein Rückreisevisum erhalten hatte, am Freitag nachmittag gesprochen. Er habe ihn auch um % Uhr nachmittags im kooperativen Arbeiterspeisehaus gesehen. Auf Grund der von der Regierung veröffentlichen Beschreibung habe er iofort Verdacht geschöpft, daß Stavsky der größere der beiden als Täter, beschriebenen Personen sei, sowohl auf Grund seines Aeußeren im allgemeinen als auch wegen seiner besonderen Art, zugehen. Auch sein Kollege, der Paßbeamte Tabori, habe denselben Verdacht gehabt, daraufhin habe der Zeuge seine Vermutung sofort Hauptmann Rice mitgeteilt. Neues vom palästinensischen „Revisiottfstenriimmel" Aus Jerusalem meldet die J. T. A. vom 8. August: Wie man hier erfährt, sollen sechs der verhafteten Revisionisten, die unter dem Verdacht Standen, einer illegalen Organisation anzugehören, heute freigelassen werden. Es sind dies Zur, Zimanowitsch, Ben Blieser, Schneidermann, Gigelmann und Schrany. Die restlichen Verhafteten werden morgen vom Richter in Jaffa verhört werden. 50% Fahrpreisermäßigung nach Prag zum Zionistenkongreß und zur Prager Messe NttiuuswalN a S 9;— in allen Reisebüros und beim Bevollmächtigten der Prager Messe Ing. Cail Rauch» Wien I, Dorotheergasse 6, erhältlich RUNDSCHAU Vorne Christ/ hinten Nazi Solange die Hakenkreuzler ihre Rassenideologie nur auf die Juden erstreckten und in dem Ruf „Juda, verrecke!" ihre theoretische Befriedigung fanden; solange sie sich mit der Reinigung des deutschen Volkstums von den „semitischen Parasiten" begnügten, erregten sie keinen Anstoß in den klerikalen Kreisen — in bezug auf eben diese „Aufhordung". Jetzt aber, da sich das rassenbiologische Temperament der deutschen Nationalsozialisten sich auch äußerhalb des Bereichs der Judenfrage betätigen will, bekommen die Hakenkreuz-Rassenforscher eine Rüge. Die christlichsoziale „Reichspost" als Vertreterin vatikanischer Interessen hält es für ihre Pflicht, über den h a t i b n ä 1 so z f a 1 i s t i s c h e ri R a s s e n m y t hu s nicht zur Tagesordnung überzugehen, weil er materialistisch sei und daher in ein praktisches — Heidentum aus* münden müsse. Der Begriff von der Vorherrschaft einer Rasse sei im Sinne des Christentums absurd, alle Men- Hterz- und Frauenheilbad TATZMANNSDORF r 9 « I a n d) , '■ Mineral-, Moor- und natürliche KohlenaJSure-Sprudelbäder. Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Auskünfte. und Prospekte; Kflrdirektion öder KurkommUsion, BadTatzrnannsdorf. Burgenland, und Iii allen Fremdenverkehrbüros, soivle bei der Oesterr. Anzeigen-Ges>, A.O., WJen,I,.Braridstfitte.8. Z^l rituelle Restaurants, därunter eines orthodox. sehen könnten durch Annahme der. Lehre Christi zu den Stufen höchster Sittlichkeit emporsteigen: „Die Emanzipation von der Vorstellung einer r a s s e b e dTn'g t e ü Wr\t h ie r a r c h i e d 6 r M e nschen ist das Zeichen 'chri'stliclheh Denkens." (Wehe dir, Arierparagraph!) ' 1 Soschreibt die „Reichspöst"'am 3; August vorn, auf der Seite,!. Scheinbar aber rechnet sie nicht damit, daß die Leser unter der Wucht ihrer antirassischen Argumente doch nicht je'den Sinh für die i<r;di sehe Betrachtung der Dinge /verloren haben.' Öerih1 sbSipj;'''wuirde';'sie_ auf der Seite 7 nicht unter dem schlagkräftigen, unter dem Zwang der Presseverordnung nur mittelgroßen Schlagzeile „Wien braucht christliche Aerzte" gerade jenen Arierparagraphen heranziehen, den sie auf Seite 1 so christlich demütig perhorresziert hat. Die „Reichspost" tut so, als gäbe, es in Dingen der ärztlichen jüdischen oder nichtjüdischen Behandlung so etwas wie eine öffentliche Meinung, die sich bisher verborgen gehalten habe. Sie schreibt nämlich: „Die Wiener öffentliche Meinung sollte doch einmal laut und energisch um arische.Aerzte für die Spitäler und Krankenkassen rufen. In der Privatpraxis und in den privaten Sanatorien kann sich der Patient seinen Arzt -nach Wunsch aussuchen. In den öffentlichen Anstalten besteht diese Freiheit der Wahl nicht. Um so notwendiger ist es, daß die Aerzteschaft in den Spitälern und Krankenkassen mit einiger Rücksicht auf die Struktur der Bevölkerung ausgewählt wird, von deren Steuergeldern und Beiträgen diese Einrichtungen erhalten werden." Die Wiener öffentliche Meinung sollte doch einmal laut und energisch . . . Wie gerne hätte das die „Reichspost"! Aber die Wiener öffentliche Meinung geht dahin, daß man erstens sich das Spital und den Arzt aussucht, der einem benagt, und daß zweitens die Einrichtungen nicht minder von den jüdischen Steuergeldern und Beiträgen erhalten werden. Es ist kein Zeichen -christlichen Denkens, liehe „Reichspost", auf der Seite 1 den Rassestandpunkt abzulehnen und auf der Seite 7 ihn laut und energisch zu fordern. Arnold Sdionbergs Rückkehr ES ist nicht bekannt, ob der berühmte Komponist Arnold Schönberg, der vor Jahren die jüdische Gemeinschaft verließ und die Taufe nahm, es aus Entrüstung über die Verfolgung der Christen getan hat. Tatsache hingegen ist, daß er — so gibt er selbst bekannt -r aus Entrüstung über die Verfolgung der deutschen Juden zum Judentum zurückgekehrt sei. Im trivialen Sprachgebrauch nennt man das „aus Bestenun". Wir wollen Herrn Schönberg tiefere Motive zubilligen, als sie in seiner Erklärung zum Ausdruck kommen. Wir wollen zu seiner Ehre annehmen, daß Reue über ihn gekommen ist und-, ihn den Weg zurück hat gehen lassen. Es gibt viele reuige Sünder unter denen, die sich heute bei den Aemtern der Kultus- Gemeinden anstellen, und wir wollen nur wünschen, dal» ein inneres Drängen zu der Gemeinschaft, die sie einst verließen, diese zum Judentum neu erwachten Seelen geführt hat. Jetzt heißt es aber nicht bloß bekennen, sondern auch betätigen. Der Schritt, den Arnold Schönberg, der berühmte Komponist, getan hat — vor aller Oeffentlichkeit und in demonstrativer Weise, wird vielleicht allen denen zu denken geben, die im Alltag mehr oder minder edler , Geschäfte die jüdische Schicksalsgemeinschaft als etwas Nebuloses, [Unwichtiges, ja Belastendes empfunden haben. . "' Nicht aus Entrüstung über das den Juden Deutschlands zuteil gewordene Schicksal, sondern aus dem positiven Bewußtsein eines starken, ewig sich erneuernden Judentums heraus mögen all die „Abtrünnigen" zurückkehren! Nur dann sind sie willkommen, nur dann können sie der jüdischen Solidarität teilhaftig werden. An die, geehrten Herren Israeliten aller Länderl Die Leitung der Leipziger Messe scheint mit großer Besorgnis der Zukunft etitgegenzübllcken. Das Gespenst des Boykotts schwebt ihr vor Augen. Anders Ist wohl nachstehende Kundmachung nicht zu erklären. Aus L e i p z i g wird gemeldet: Das Leipzig e r Messeamt gibt für die Besucher der bevorstehenden Leipziger Herbstmesse folgendes bekannt: „Die Leipziger Messe ist seit Jahrhunderten sowohl im Hinblick auf die Einkäufer als auch auf die Aussteller eine internationale Veranstaltung. Es ist selbst-, verständlich, daß diese Internationalität der Leipziger ' Messe auch In Zukunft keine Störung erfährt. Die Leipziger'Messe ist und bleibt ein Instrument des Warenverkehrs, dessen Bedeutung nicht auf den deutschen Binnenmarkt beschränkt bleibt, sondern international ist. Alle Gerüchte, daß bestimmte Staaten und Völkergruppen, zum Beispiel nicht arische Kaufleute, von der Beschickung und dem Besuch der Leipziger-Messe ausgeschlossen werden sollten, entbehren jeder Grundlage. Auch .den in Deutschland ansässigen jüdischen Kaufleuten wird bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit auf der Leipziger Messe kein Hindernis in den Weg gelegt. Die Gerüchte, die von einem Teil der ausländischen Presse unter der Ueberschrift „Juden von der Leipziger Messe ausgeschaltet" böswillig verbreitet werden, ' sollen sich auf die Tätsache stützen, daß für eine Sonderveranstaltung im Rahmen der diesjährigen Herbstmesse die erste „braune" große Messe durchgeführt wird. Hier handelt es sich um eine Schau rein deutscher Waren, die von deutschen Fabrikanten des gewerblichen Mittelstandes hergestellt werden. Schon seit vielen Jahren zeigen andere Länder in geschlossenen Sammelausstellungen die Erzeugnisse, ihrer nationalen Produktion auf der Leipziger Messe. Die Tatsache, daß jetzt auch die deutschen Fabrikanten eine Sonderschau rein deutscher Waren auf der Leipziger Messe zeigen, gibt keinerlei Anlaß zu der Vermutung, daß Angehörige irgend welcher Völker und Bassen von der Leipziger Messe ausgeschlossen werden sollen." Es ist den Leipziger Herren aufs Wort zu glauben, daß ihnen auch jüdisches Geld und jüdische Kundschaften aus dem Ausland willkommen sind. Haben doch schon Hotel Breh reiner /Abb azm Haus ersten Ranges modernster Komfort, 180 Betten, 25 Privatbadezimmer, warme Meerwasserbäder und Kohlensäurebäder im Hause. Internationale Küche, ärztliche piätküche auf Verlangen. Pensionspreis inkl. Zimmer 83 Lire aufwärts. Zimmer auch ohne Pensionszwang. Ganzjährig geöffnet. Prospekte gratis. Bei Berufung auf „Die Neue Welt" erhalten Sie 5 Prozent Ermäßigung. _

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