Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 309 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag, den 11« August 1933 Nr* 30* V«b*b. Zeitung vom Verleger vertend« Journal exp€di6 par i'lditenni 186 | Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVUE iährig Schweizer Francs 4.50 vierteljährig Planes IM, vierte HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion b. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7 eL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag 25HMiIL*DoIlar*Plan — ein gefährliches Trugbild Die Presse der ganzen Welt, auch die nichtjüdische, brachte in den letzten Tagen Nachrichten und Berichte darüber, daß auf dem kommenden Zionistenkongreß die Aufbringung, von 555 Millionen Dollar zum Zwecke einer großzügigen Kolonisierung jüdischer Massen in Palästina, vor allem der verfolgten deutschen Juden, beschlossen und in die Wege geleitet werden wird. Acht Millionen Dollar seien bereits sichergestellt. Die Entstehungsgeschichte dieser Nachricht, welche auch von zionistischen Blättern kritiklos übernommen und groß aufgemacht wurde, ist folgende: Der frühere Präsident der Zionistischen Organisation, Professor Weizmann, der als Gast des vor kurzem abgehaltenen Parteitages der amerikanischen Zionisten in Amerika weilte, erklärte dort vor den Delegierten, er hätte einen Plan - in Angriff genommen, in vier Jahren zirka 250.000 Juden in Palästina zu kolonisieren. Die Mittel, welche dieser Plan erfordert, seien durch eine jüdische ■Anleihe aufzubringen. Unter dem Eindruck des Weizmannschen Referats, beschloß der Parteitag, dem Prager Weltkongreß den Antrag auf Auflegung einer zionistischen 35-MilUonen-DoUär-Anleihe vorzulegen. Unter _ \ Sonderzug ziiiin 18. ZBonistenkongreß bequem, billig, im Pullman-Wagen reserv. Plätze Führungen usw. Auskünfte: Internationales Reisebüro Schenker & Co., Wien I, Schottenring 9, Telephon: R-50-510, Reisebüro E. Ferste!, Wien I, Kärntnerring 12, Telephon: U-40-301 " großer Begeisterung wurde erklärt, daß sich die amerikanischen Zionisten verpflichten, ihrerseits 8 Millionen Dollar unter den Juden Amerikas aufzubringen. * Dieser mit viel Begeisterung und wenig Gefühl für Verantwortung in alle Welt geworfene Plan entbehrt nicht nur jeder sachlichen Grundlage. Er ist gefährlich, doppelt gefährlich, weil er unmittelbar vor dem Zionistenkongreß entworfen wurde und die Absicht besteht, ihn In den Mittelpunkt der Kongreßverhandlungen zu stellen. Wer soll die 25 Millionen Dollar aufbringen? Das von der Weltwirtschaftskrise überall erfaßte, verarmte jüdische Volk? Wer die abwärts gerichtete Entwicklung der jüdischen Sammlungen und vor allem der zionistischen Fonds kennt, wird die Sinnlosigkeit dieses Beginnens abzuschätzen wissen. Er wird auch den Wert der großen Geste des zionistischen Amerika richtig einschätzen, den Wert der mit so großer Begeisterung übernommenen Verpflichtung für sage und schreibe acht Millionen Dollar. Der Zustand der Zionistischen Organisation in Amerika ist an sich nicht erfreulich. Trotz des ungeheuren Interesses für Palästina, den Zionismus und den Zionistenkongreß in aller Welt ist die Zahl der amerikanischen Delegierten auf diesem Kongreß gegenüber der Zahl auf dem letzten Kongreß auf die Hälfte gesunken. Die zionistischen Fonds in Amerika haben in dem letzten Jahre nur einen Bruchteil dessen aufgebracht, was veranschlagt und früher tatsächlich geleistet wurde. Woher sollen da acht Millionen kommen? Wie es außerhalb Amerikas um die wirtschaftliche Lage der Juden bestellt ist, ist genügend bekannt. Jene Juden, die noch über gewisse Kapitalien und Kapltalsreste verfügen, sind bereit, mit diesem Gelde für sich individuell In Palästina zu arbeiten. Auf diesem Gebiete sind der zionistischen Arbelt große Möglichkeiten geboten. Aber der jüdische Markt für eine 25-MUliönen-Dollar-Anleihe ist nicht da. ■ > So ist es um die geldlichen Chancen des Planes bestellt. Er muß aber auch von einer anderen Seite aus geprüft werden. Professor Weizmann spricht davon, in den nächsten vier Jahren 50.000 bis 60.000 Juden nach Palästina zu versetzen, Professor Welzmann sprioht so, als stünden die Tore Palästinas sperrangelweit offen l Tatsächlich herrscht heute in Palästina eine Beglerung, Welche darum bemüht ist, den jüdischen Zuzug ins Land mit allen Mitteln zu behindern durch Verordnungen, welche die Einwanderung an immer härtere Bedingungen knüpfen. Und nicht nur die Einwanderung wird behindert, auch Erwerbung großer Bodenflächen für jüdische Kolonisation. In den Erlässen der Palästina-Regierung tritt immer deutlicher die Absicht zutage, den Uebergang von weiteren großen Bodenflächen in jüdischen Besitz unmöglich zu machen. Die jüngst herausgegebene Verordnung für den Schutz arabischer Pächter redet da eine deutliche Sprache. Wie kann man unter solchen politischen Bedingungen — von den materiellen nicht zu sprechen — davon reden, jüdische Massen ins Land zu bringen und festzusetzen? Auf einen solchen Beschluß des Zionistenkongresses wird die derzeitige Palästina-Regierung prompt antworten: mit Verschärfung der die jüdische Einwanderung und Kolonisation beschränkenden Gesetze und Verordnungen. So sehen die materiellen und politischen Möglichkeiten des großen, vielbejubelten Weizmann-Planes und der 25-Millionen-Dollar-Anleihe aus. * Der Zionistenkongreß muß eine Antwort auf die Frage der Not der Juden in aller Welt und besonders eine Antwort auf die deutsche Judenfrage geben. Er muß die Möglichkeit einer raschen Massensiedlung in Palästina, finden. Da es notwendig ist, daß er vor allem das Hindernis aus dem Wege räumt, das sich vor den nach Palästina drängenden jüdischen Massen auftürmt;: das ahiizionistische Regime in Palästina, die antizionistische Politik der heutigen englischen Regierung und der Palästina-Regierung. Vor aller Welt und mit elementarer Kraft muß der Kongreß die Beseitigung eines Systems fordern, das auf den Bruch der Balfour-Deklaration, des Mandats und aller dem jüdischen Volke gegebenen Versprechen eingestellt ist. Mit aller Wucht muß sich der Zionistenkongreß dagegen wehren, daß das von Hitler begonnene Vernichtungswerk am jüdischen Volke durch die heutige englische Regierungspolitik in Palästina in der Weise vollendet wird, daß sie der bedrohten Judenschaft den einzigen, den letzten Weg zur Rettung, den Weg nach Palästina, sperrt. Dann muß der Kongreß von der Welt, nicht nur von der jüdiaschen Welt, materielle Hilfe fordern. Das jüdische Volk ist heute zu arm, die großen Mittel aufzubringen, welche, eine planmäßige, rasche jüdische Massensiedlung braucht. Er muß die Völkerbundanleihe für das jüdische Palästina fordern. Der Völkerbund hat vielen anderen Nationen konstruktive Hilfe in Form von Anleihen angedeihen lassen. Er darf der jüdischen Nation, deren seelische und materielle Notlage unvergleichlich ist, diese Hilfe nicht verweigern. Und er wird sie ihr nicht verweigern, wenn die zionistische Politik in dieser Richtung konzentriert wird. Um die Erfüllung dieser beiden großen Aufgaben müssen alle Kräfte des Kongresses vereinigt werden. Wer das einsieht, wird auch die Gefahr erkennen, welche er- COM PASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3t Tel. B-42-5-38 Offizielles Reisebüro des XVIII. Zionistenkongresses, Prag Zu ROSCH - HASGHANAH nach PALÄSTINA Im An8chiußan den 18. Zionistenkongreß Reise I: 7. September 1933 mit dem Riesen - Ozean - Luxusdampfer „Roma" »40.000 Tonnen) Reise II: 12. September 1933 mit dem Eildampfer „Martha Washington" BADERREISEN ÜBERFLÜSSIG DIE KURANSTALT DIANABAD WIEN DIE GRÖSSTE ALLER PHYSIKALISCHEN HEILANSTALTEN DER WELT BIETET VOLLWERTIGEN ERSATZ FÜR ALLE KUREN IN BADEORTEN ERFOLGREICHSTE BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS,GICHT,ISCHIAS, FRAUENLEIDEN, DARMLEIDEN ÄRZTLICHE SCHÖNHEITSPFLEGE ETC. HÖCHSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE wächst, wenn man durch unseriöse, aus der Ohnmacht und Ratlosigkeit entstandene Illusionen den Kongreß ablenkt. Eine solche gefährliche Illusion ist der auf dem Parteitag der amerikanischen Zionisten ausgeheckte Plan der 25-MilUonen-Dollar-Anleihe. »Wer den. großen Lärm um sie geschlagen hat, hat der zionistischen Sache einen schlechten Dienst erwiesen. r. sfc Stimmen der englischen Presse zum Plan der Ansiedlung von 250.000 Juden in Palästina. London; 6. August. (J. T. Ä.) Der Beschluß der amerikanischen Delegation zum 18. Zionistenkongreß, einen Antrag auf Sammlung eines Fonds von 25 Millionen Dollar zur Ansiedlung von 250.000 Juden, hauptsächlich solchen aus Deutschland, in Palästina dem bevorstehenden Zionistenkongreß vorzulegen, hat in der englischen Oeffentlichkeit viel Aufmerksamkeit, die sich auch in der Stellungnahme großer Londoner Tageszeitungen zeigt, erregt. Der oppositionelle „Daily Herald" schreibt, das jüdische Volk ergreife praktische Maßnahmen, um das tragische Problem seiner Brüder in Deutschland zu lösen. Der Plan, 250.000 Juden innerhalb der nächsten vier Jahre in Palästina anzusiedeln, zeuge vpn Mut. Die unerträgliche Lage der jüdischen Minderheit in Deutschland mache ihre Evakuierung unvermeidlich. Pflicht der britischen Regierung als der vom Völkerbund mit der Errichtung des Jüdischen Nationalheims beauftragten Mandatarmacht sei es, bei der Verwirklichung jedes gesunden Projekts, das auf die Niederlassung so vieler Juden in Palästina, als das Land nur absorbieren könne, abziele, mitzuwirken. Die Regierung solle daher die Erwerbung von Boden in Palästina zwecks erfolgreicher und rascher Durchführung des Siedlungsplanes in jeder Weise erleichtern. Im Gegensatz zu „Daily Herald" lehnt der regierungstreue „Evening Standard" das Projekt als phantastisch ab. Das Heilige Land, schreibt das Blatt, könne eine so große Einwanderung unmöglich aufnehmen. Die erst kürzlich beschlossene 2-Millionen- Pfund-Anleihe sei zum großen Teil zur Wiederansiediung von Arabern, die durch jüdische Einwanderung^ verdrängt wurden, bestimmt. Ein anderer Vorschlag gehe auf Ausdehnung der jüdischen Siedlung auf Transjordanien hinaus.' Die Zionisten führten zur Unterstützung ihrer Forderung ■ an, daß gewisse arabische Schelks infolge wirtschaftlicher Notlage geneigt seien, ihren Boden zu verkaufen. Die britische Ansicht, behauptet das Blatt, gehe dahin, daß Trans Jordanien ein rein arabisches Land sein solle. .Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Mordaffäre Atlosoroff Aus Jerusalem wird uns berichtet: Es sind nunmehr sieben Wochen seit der Verhaftung Stavskys, der von der Polizei und der Witwe Dr. Arlosoroffs des Mordes an Dr. Arlosoroff verdächtigt wird, verstrichen, ohne üaß es zu einer Anklage gekommen ist. Die Untersuchung zieht immer weitere Kreise, da die Polizei behauptet, einer vom extremen Flügel der zioniattoefe*