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Die neue Welt · 1933-08-04 · Heft 308 (4.8.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 308 (4.8.1933)
Date
1933-08-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 308 DIE NEUE WELT Seite T Hwvmytm Wir bringen jeden Samstag während der Sensationswochen für starke Herren Hemden bis Halswelte Nr. SO Unterhosen bis Bauchweite ISO cm Anzüge bis Größe Nr. 60 zu Sensations-Einfuhrungspreisen : Herren-Kragen, steif, moderne Fasson, blt Hall- EQ waita 50 <m, per Stück................S ♦«« StrapaZ-Knie»HOSe, französische Binde, bis 4 QO Bauchweite 150 cm..................S 1«>öO Poröses Crepe-Polo-Hemd mit Ausschlago en kragen, Modefarben Halbürmel, bis Halsweite 50 cm . 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Wir wünschen eine Vereinigung aller Parteien mit Ausnahme der Revisionisten zu einer Koalitionsexekutive." * Unter dem Titel „Womit wird Palästina zum Zionistenkongreß kommen?" schreibt der Warschauer „Hajnt" u. a.: „Ist es möglich, in der Zionistischen Organisation eine Gruppe zu dulden, die die Disziplin der Bewegung und des Kongresses nicht anerkennt und auf dem Standpunkt des „Primats" einer anderen Disziplin steht?... Man kann voraussehen, daß entweder im Aktionskomitee oder auf dem Kongreß die Frage wegen Ausschlusses der Jabotinsky-Revisionisten aus der Zionistischen Organisation gestellt werden wird. Der linke Flügel wird mit dieser Frage augenscheinlich als einem der ersten Punkte herausrücken, mit denen der Kongreß sich beschäftigen wird. Was das Schicksal dieses Vorschlages sein wird, läßt sich schwer voraussehen. Es handelt sich darum, welche Stellung in dieser Frage die anderen zionistischen Gruppen, die Allgemeinen Zionisten und der Misrachi, einnehmen werden. Charakteristisch und symptomatisch in diesem Fall ist die Stellung der Allgemeinen Zionisten Palästinas, die bisher sehr oft Hand in Hand mit den Revisionisten gegen die Arbeiter-Linke gegangen sind. Auf der Konferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas ist festgestellt worden, daß die zukünftige oberste Leitung der Zionistischen Weltorganisation durch eine Koalition aller Parteien geschaffen werden soll, mit Ausnahme derer, die nicht den Primat der Disziplin 1er Zionistischen Organisation anerkennen; d. h. mit Ausschluß der Jabotinsky-Gruppe. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Allgemeinen Zionisten Palästinas für den Ausschluß der Jabotinsky-Gruppe aus der Organisation sein werden, aber es beweist, daß Jabotinsky in der Zionistischen Organisation stark isoliert dasteht." Jüdische Künstler aus Deutschland. Auf vielfachen Wunsch veranstalten die jüdischen Künstler aus Deutschland vor ihrer Abreise noch einen letzten, dritten Abend im I. Kaffeehaus im Prater. Dann gehen die Künstler auf eine ausgedehnte Tournee. Während des Zionistenkongresses treten sie in einer Akademie in Prag auf. Eintrittskarten für den Abend im I. Kaffeehaus am 8. August sind in der Bücherstube, II., Taborstraße 20a, zum Preise von 1 Schilling zu haben. Jalästina Auskünfte, Vermittlung, Verwaltung, Häuserbau, Pflanzungen, Hypotheken, Industrieunternehmungen, Beteiligungen etc. durch FidelItas Investment & Trust Comp. Limited Tel-Avlv P. O. B. 160, Jehuda Halavy Str. 45 Der Wert von Mandaten Von Meir G r o ß m a n Der Autor bezieht sich hier auf die Wahlen zum Zionistenkongreß, welche — insbesondere in Polen — in eine Hetze um die Mordaffäre Arlosoroff ausarteten. Nicht das zionistische Programm, sondern die Frage, ob der verhaftete Revisionist Stawsky der Mörder sei, gab die Wahlparole dieses unwürdigen Kampfes ab. Man erinnert sich wohl an die stereotype Phrase des traditionellen Schlußredners auf dem Zionistenkongreß: „Es war ein schwerer, aber ein guter Kongreß." Das von den vergangenen Kongreßwahlen zu sagen, ist leider unmöglich. Es waren schwere Wahlen, überdies auch noch schlechte. Man wird noch lange den üblen Beigeschmack dieser Wahlen spüren. Besonders wird man noch lange des Spiels mit den Nerven der Wähler gedenken. „Befreit Stawsky durch euren Stimmzettel" — schreibt ein geistreicher Publizist. „Gebt nicht eine Stimme den Zerstörern und Vernichtern, den Verführern, Verschwörern und Mördern, rücket ab von ihnen mit Ekel und Verachtung" schreibt ein zweiter. „Bezahlt die Schuld!" fordert ein dritter und bringt eine lange Ehrenurkunde über die Verdienste für das Judentum, appelliert an die Freundschaft, Loyalität und erzählt zuckrige Erinnerungen von einst. „Kinder, proklamiert einen Hungerstreik, wenn eure Eltern sich nicht entschließen wollen, für unsere Liste zu stimmen", verlangt eine vierte Gruppe. Und die Terminologie, die man benützt hat! Wahrlich, es lohnt sich, ein spezielles Lexikon im Interesse der späteren Geschlechter anzulegen. Oder vielleicht gar für das Kongreßgericht selbst, welches sich doch mit den Kongreßwahlen zu beschäftigen haben wird. * Gott sei Dank, daß die Wahlen vorüber sind! Die jungen Leute werden nach Hause zurückkehren in die Obhut der Eltern, die Bläser und Trommler werden sich wieder in ihre Löcher verkriechen, aber wir, wir werden mit einem Kongreß dableiben, welcher unter „außerordentlichen Umständen" gewählt wurde. Man wird natürlich dies als den Ausdruck der Volksmeinung hinstellen. Man wird auf die Volksmassen hinweisen, die sich von „Streikbrechern" und „Mördern" abgewendet haben. Andere wieder werden sich des Erfolges des beliebten Volksführers rühmen, der, sobald er nur den Mund auftut, seinen Zuhörern Tränen entlockt. Ich muß gestehen: es ist unangenehm zu erkennen, daß sich im eigenen Wirkungskreise nicht alle Erwartungen erfüllt haben. Gewiß. Aber tief im Herzen flackert ein Lichtchen aufrichtiger Befriedigung: Dein Mund hat nicht politischen Unrat hervorgebracht. Deine Aufrufe waren frei von Verdächtigungen und Fälschungen! Du und Deine Freunde haben nicht die Tel-Awiwer Mordtragödie in die Waagschale geworfen. Sagt nicht, daß das bloß Worte der Beruhigung und des Trostes für die Mitkämpfer sind. Wir sind ein zu kleines und zu armes Volk, als daß wir uns den Luxus des Zynismus leisten könnten. Denn Wahlen und Wahlagitation bilden einen Teil der politischen Erziehung der Massen. Und wenn sie in demagogische Wettkämpfe und Schachern mit Gefühlen verwandelt werden, dann sind sie einfach eine Gefahr für die Tugend des Volkes. Wahlen kommen und Wahlen gehen vorüber. Deshalb ist es gut, das Gefühl zu haben, daß man unter allen Umständen und in allen Zeiten sich und der Tradition der besseren Epochen treu geblieben ist. * Lächerlich zu leugnen, daß bis zu einem gewissen Maß die Resultate der Wahlen die Stimmungen im Volke wiedergeben. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Zahl der Mandate, die jede Partei bei den Kongreßwahlen bekommt, für die Stärke ihrer Wirkung auf die Massen maßgebend. Mit einer größeren Fraktion kann man einen entsprechenden Einfluß auf den Kongreß haben. Aber man soll den Wert von Mandaten und Zahlen nicht übertreiben. Besonders bei uns nicht, in einer freiwilligen Organisation, deren ganzes Wesen vor allem auf Einvernehmen und gutem Willen beruht. In Kleinigkeiten ist die mechanische Mehrheit entscheidend. Große Dinge werden durch ziffernmäßige Mehrheit nicht restlos erledigt. Hat man doch bisher bei uns noch kein Mittel gefunden, um jemand in eine freiwillige Volksorganisation zu zwingen, stets muß auf jeder Seite der eigene Wille vorhanden sein, zu folgen oder mitzuarbeiten. Die mechanischen Abstimmungen sind schon das letzte, allerletzte Mittel. Die Qualität von Persönlichkeiten und Fraktionen spielt auf unseren Kongressen — wie auch anderswo — eine große Rolle. Man betrachtet nicht nur die Zahl der Delegierten, «sondern auch die' Menschen selbst, ihre guten und schlechten. Seiten, den Nutzen, den sie der Bewegung bringen können. Solange die zionistische Organisation eine freiwillige Vereinigung ist und über keine Zwangsmittel verfügt, solange ihre Mittel die moralischen und finanziellen — von der öffentlichen Meinung abhängig sind, sind persönliche Qualitäten der Menschen von entscheidender Bedeutung. ♦ Hoffen wir, daß der 18. Kongreß -~ der ganze Kongreß — auf einem höheren Niveau stehen wird als Besuchet die aliburger FESTSPIELE 28. Juli bis 31. August I die, welche die Wahlen durchgeführt haben. Vielleicht wird es den Führern gelingen, sich von der Hypnose der letzten Monate zu befreien. Erfahrene Menschen wissen wohl, wie schnell ein Wahlerfolg sich in eine Niederlage verwandeln kann. Es geschah schon in der Geschichte, daß man Moskau erobert, die Stadt unter Fanfarenklängen besetzt hat, um dann später abzuziehen, weil der Feind ganz einfach den Kampfplatz verlassen hat* Moskau im Stich gelassen — und auf und davon. Ich gönne den Siegern die Befriedigung. Sie ist menschlich. Aber sie mögen zum Kongreß nicht mit der falschen Idee kommen, daß sie jetzt mit dem Feind werden „abrechnen" und ihn vergewaltigen können. Es waren schwere Wahlen. Besser wäre gewesen, man hätte jetzt nicht gewählt. Besser für alle. Aber man wird auch über die letzten paar Wochen hinwegkommen. Und jetzt zur Arbeit. Lassen wir die Formeln hinter uns, die uns trennen, und gehen wir zur Tat über, die uns alle vereinigt. Brief au§ Palästina Englische Budget-Ueberschüsse — Antideutscher Warenboykott — Das jüdische Hilfskomitee — Arabische Hitler-Phantasien Großen Eindruck haben die Tatsachen und Ziffern gemacht, die in der neuen revisionistischen Zeitung „Hamatara" (Organ der demokratischen Revisionisten) betreffs der Beteiligung der jüdischen Bevölkerung am Palästina-Budget veröffentlicht wurden. Bisnun hat der Jischuw instinktiv gefühlt, daß er zurückgesetzt werde, daß die Palästina- Regierung die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung überhaupt nicht ins Kalkül ziehe. Zahlreiche Erklärungen der Regierung sollten zwar das Gegenteil beweisen, aber jetzt stehen Ziffern vor uns, die für sich selbst sprechen und keinerlei optimistische Deutung zulassen. Die Zurücksetzung der jüdischen Ansprüche tritt klar zutage und erscheint umso krasser, als die Palästina-Regierung die einzige der Welt ist, die alljährlich einen kolossalen Budget« Ueberschuß erzielt. Die Summen werden „erspart", weil wir Juden niemals energisch genug das uns Zukommende gefordert haben. Im Jahre 1932, als der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung Palästinas 19,6 Prozent betrug, waren 66 Prozent des im Lande zirkulierenden Gesamtkapitals jüdisch; von diesem jüdischen Kapital 50 Prozent in der Industrie, rund 25 Prozent in der Agrikultur, der Rest in Bauunternehmungen. Von den Regierungseinnahmen lieferten die Juden 40 Prozent; hievon 50 Prozent bei Post und Telegraph, 37 Prozent bei der Eisenbahn, 43 Prozent beim Warenimport. Hingegen hatte der Jischuw beispielsweise im hebräischen Schulwesen bloß eine 12,5prozentige Regierungsbeihilfe; an Regierungsarbeiten sind die Juden mit 5 Prozent, bei der Eisenbahn mit 15 Prozent, in der Beamtenschaft mit 22,5 Prozent, in der Polizei mit 13,5 Prozent beteiligt. Für religiöse Zwecke bekommen die Juden nichts, die Muselmanen über 20.000 Pfund; im Gesundheitswesen finden wir dasselbe Bild. Diese Ziffern sind ein tatsächlicher Beweis für die Lage. Sie widerlegen auch die von der erweiterten Jewish Agency wiederholten Beteuerungen, daß der neue Oberkommissär Sir Wauchope ein glänzender Beamter sei und viel Verständnis für die jüdische Sache habe. Scheinbar ist für die p h i 1 a n t h r opische Wirtschaft der zionistischen Leitung auch diese beleidigende Beteiligung der Palästina-Administration eine dankenswerte Leistung ... * Selbstverständlich hat das jüdische Palästina dem deutschen Hakenkreuzterror keine schwächlichere Antwort gegeben als die anderen Länder. Der Jischuw hat verstanden, einen lückenlosen Boykott gegen deutsche Waren durchzuführen. Ueberau sieht man die Aufschriften und Handzettel mit dem Text: „Kauft keine deutschen Waren" (Eneni kone sechora germanit) oder die Streifen in den Geschäftsfenstern mit der Ankündigung: „Wir verzichten auf Vertreter deutscher Firmen" u. ä. Jedes Schiff bringt zahlreiche deutsche Juden und diese erzählen uns von den „Wohltaten des dritten Reichs" ... Daß die Hakenkreuzfahnen am deutschen Konsulat in Jerusalem und Haifa am hellichten Tag von unbekannten Leuten heruntergerissen wurden und daß matt die Einfahrt zum deutschen Konsulat in Jerusalem i&

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