Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 308 (4.8.1933)
- Date
- 1933-08-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 0 DIE NEUE WELT Nr. 308 TOBEIBAD ideale Sommerfrische, wundervolles Thermal-Strandbad, 240Om>gr. beton- Bassin, mitten im Walde gelegen. (Pension: 4 reichh. Mahlzeiten) inkl- *••r Senüizu£S 1" Stiandbades von S 8.- bis 10.- (Keine Kurtaxe)- Alle Rurbehelfe. — Auskunft und Prospekte durch die Kurverwaltung. BEI GRAZ Die Konferenz der demo* krari§dBen Revisionisten Polens AusWarsebau wird der „Neuen Welt" berichtet: Am 23. Juli fand hier unter Teilnahme von 100 Delegierten aus 62 Städten die Konferenz der demokratischen Revisionisten Polens statt. Dr. Kahn (Warschau) eröffnete die Tagung und erstattete auch das erste Referat über die Lage im Revisionismus. Er erklärte, daß die Spaltung in der revisionistischen Organisation eine vollzogene Tatsache sei. Die programmatischen und taktischen Gegensätze seien unüberbrückbar. Wir lehnen, sagte der Redner, jeden Versuch, die Zionistische Weltorganisation zu brechen, ab. Wir lehnen den Personenkultus, wie er im Betar gezüchtet wird, ab. Wir sind freie Menschen und kennen keinen blinden Gehorsam. Wir wollen mit Menschen, die andere für sich denken lassen, nichts zu tun haben. Wir wollen eine starke Zionistische Organisation und betrachten das Abkommen von Calais als gelöst. Wir betrachten die Art, wie die unschuldige Jugend im Betar zum Personenkult verführt wird, als antimoralisch und antijüdisch. M. Großman schilderte in erschöpfender Form die Entstehung des Zwiespaltes in der revisionistischen Union. Jabotinsky hat immer und immer wieder jede ruhige Arbeit unmöglich gemacht, um den Austritt aus der Zionistischen Weltorganisation zu erzwingen. In der rüdesten Form haben die von Jabotinsky geförderten „Maximalisten" in Paris und Erez Israel die legale Leitung kompromittiert und verächtlich gemacht. Er schloß mit der Feststellung, daß für die demokratischen Revisionisten ein Zusammengehen mit „Putschisten" nicht möglich sei. Sodann wurden Referate über Organisation, Jugendbewegung, Frauenorganisation erstattet. In der Debatte, welche sich hauptsächlich auf die Lage im Revisionismus bezog, trat, volle Uebereinstimmung mit dem Referenten zutage. Sodann wurden Resolutionen angenommen, welche den künftigen Ausbau der Organisation der demokratischen Revisionisten betrafen und die Ablehnung jeder Primatsforderung und des Abkommens von Calais zum Ausdruck brachten. In die Zentralleitung wurden gewählt: Dr. Dralitsch, Dr. Markus, Dr. Leiserwitsch, Dr. Lipmann, Dr. Feldschuh, Dr. Zinemann, Dr. Mirjam Kahn, Dr. Jos, Advokat Gutkowsky (Suwalk), Sandner (Lodz), Lewandsky und Gelbblau. Ferner ein Parteirat, aus 33 Mitgliedern bestehend, unter dem Vorsitze von Dr, Jakob Kahn. Au§lro & Palä§linero§i§chei' Die bisher vom Wirtschaftsdienst veranstalteten öder überwachten und geförderten Studien- und Gesellschaftsreisen waren ein voller Erfolg und trugen wesentlich dazu bei, den Touristen- und Fremdenverkehr in Palästina bedeutend zu heben. Nicht minder bot die fachmännische Äuskunf tserteilung allen Reiseteilnehmern, deren Interesse sich auf das Studium der wirtschaftlichen Möglichkeiten konzentrierte, reichhaltigste Gelegenheit, dies zu besorgen. Das überaus große Interesse, das von allen Kreisen den im Herbste stattfindenden Gesellschafts- und Studienreisen zugewendet wird, veranlaßt den „Austro* Palästinensischen Wirtschafts-Dienst", einen BERATUNGS- UND AUSKUNFTSDIENST FÜR PALÄSTINAREISENDE einzurichten. Hier werden jedermann die für ihn vorteilhaftesten und zweckmäßigsten Reisebedingungen bekanntgegeben. Auch steht den von dieser Stelle beratenen Reisenden das palästinensische Büro des „Austro-Palästinensischen Wirtschafts-Dienstes" in Tel- Awlw zur Verfügung. Auskünfte: Im Sekretariat des „Austro-Palästinensischen Wirtschafts-Dienstes" (Handelsmuseum, Wien, IX., Berggasse 16) in den normalen Bürostunden: Montag und Donnerstag von 4 bis 6 Uhr nachmittags, außerdem: Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr vormittags. * Wirtschaftskalender Für erstklassiges Delikatessengeschäft verbunden mit Gaststätte sucht versierter Wiener Fachmann kapitalistischen Teilhaber mit zirka 100.000 Schilling. Auskünfte durch Austro-Palästinensischen Wirtschafts-Dienst. . * Die Speditlonsabteilung des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes Im Rahmen des Wirtschaftsdienstes wurde eine Abteilung errichtet, die an Interessenten alle gewünschten Auskünfte in Speditionsfragen kostenlos erteilt. Es wurde zu diesem Zwecke mit einer der größten Speditionsfirmen ein Vertrag abgeschlossen, der es ermöglicht, nicht nur hinsichtlich der Frachtsätze, sondern Insbesondere hinslobtilch schnellster und sicherster Verfrachtung von Gütern aus allen Städten des In- und Auslandes den Interessenten an die Hand zu gehen. Auskünfte während der Sprechstunden jeden Montag und Donnerstag zwischen 4 und 6 Uhr im Sekretariat, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum). Schriftlichen Anfragen ist Rückporto te^UJäcjilH'ßi'U» Zum Präger Zionistenkongreß Aktuelle Pressestfmmen Gegen die Verkleinerer des Zionismus In der Prager „Selbstwehr" schreibt der bekannte tschechoslowakische ZionistenfUhrer Dr. Emil Marg u 1 i e s, der in Opposition zu den allgemeinen und linken Zionisten seines Landes steht, über die zentrale Aufgabe des Kongresses, über die deutsche Judenfrage: „Zionismus wurde für Theodor Herzl ein erschütterndes Erlebnis, als das französische Volk durch die Straßen von Paris zog und ,Juda verrecke!' rief. Daß es sich gebildeter ausdrückte, ändert nichts an - Sinn und Tendenz der Tatsache. Herzl erkannte den Zusammenbruch der Assimilation. Dasselbe erleben heute viele hunderttausende Juden, die in der Assimilation die Lösung gesehen hatten, erleben es in furchtbarer Erschütterung. Auch sie erleben den Zionismus, sie entdecken ihn. Aber der Zionismus ist da, ist in Menschen vertreten, die sich so nennen. Und die wahre Erkenntnis der zionistischen Idee erschweren. Es gibt unter uns Generationen von Menschen, denen der Zionismus Gewohnheit geworden ist, kein Erlebnis mehr, und die ihn auch heute nicht wieder neu erleben. Es gibt Gruppen, welche ihr Programm verflachen und darin zwar von der Verfolgung der deutschen Arbeiter und der deutschen Juden als etwas Z usammengehöriges sprechen, aber kein Wort von der Krisis des jüdischen Volkes und seiner Schicksalstunde. Es gibt Gruppen, denen die heutige Zeit geeignet scheint zu fanatischen Karnevalsputschen und die, von diesem wichtigen Ereignis hypnotisiert, Märchen über die Lage des Landes in 20 Jahren zujubeln und weder die Gegenwart noch das jüdische Volk sehen. Und das, was die Mitte ist, ist zum Kongreß mit einem Programm gegangen, in dem das Wort „Schicksal des deutschen Judentums" überhaupt nicht vorkommt. Diese abgeklärte, durch die Ereignisse des Lebens unberührte, philosophisch ergebene Geistesverfassung, ist das noch Zionismus? Ist das noch jene Gesinnung, mit welcher man den hunderttausenden Juden, die bisher an die Lösung der Assimilation geglaubt hatten, und die den furchtbarsten Sturz aus diesem Traum getan haben, einen Weg weisen, eine Gesinnung von Mut und Hoffnung geben will? Ist das Schicksal des deutschen Juden das Schicksal von 550.000 Menschen, die zufällig Juden sind? Nur ein philanthropisches Flüchtlingsproblem? Oder höchstens ein Gegenstand für die leichtfertig in eine Versammlung hineingeworfenen Kolonisationsprojekte? Nicht ein Schicksal? Nicht das Schicksal des jüdischen Volkes? Seit Jahren kämpfen wir dagegen, daß man den Zionismus verkleinert:, Verkleinert durch die systematische Bagatellisierung des Galuthproblems und seiner Ideenwelt! Verkleinert durch den Verzicht auf den eigentlichen Kern der zionistischen Idee: Aus einer Minderheit, die. überall in der Welt Minderheit ist, eine Mehrheit zu werden, in einem eigenen jüdischen Lände, Mehrheit an Zahl, Mehrheit im Bewußtsein. Verkleinert durch den Verzicht auf die: völkerrechtlich gegebenen Rechte, durch eine Politik des Schweigens, des Sichbeug.ens. Sie gehen wieder durch die jüdischen Gassen, die kleinmütigen Menschen, die Nlchtzioriisten und Zionisten, die uns immer wieder den Rat geben, still zu seih und zu schweigen und nicht die Aufmerksamkeit der Welt auf uns zu lenken und nicht zu kämpfen, die sich lustig machen über diejenigen, welche die Massen zum Kampfe anfeuern. Neben ihnen auch Zionisten: die Norman Bentwich und Leonard Stein; sie, die nächsten Mitarbeiter von Weizmann! Der Kampf der Petition Bemheim war ein Kampf des jüdischen Volkes, geführt von dem Volk, in seinem Namen, geführt in aller Oeffentlichkeit, geführt vor der öffentlichen Meinung der Welt. Der Kampf eines gleichberechtigten Volkes, das sich dieses seines Anspruches bewußt ist und entschlossen ist, ihn zu verteidigen. Ist dieser Kampf verloren worden? Hat sich dieser Weg als falsch erwiesen? Er ist ein Erfolg geworden. Er muß fortgesetzt werden; fortgesetzt von der zionistischen Organisation, von dem Zionistenkongreß, d. h.: die deutsche Katastrophe, die Judennot, das Problem des Galuth in den Ländern und mit seinem Kampfe auf den internationalen Tribünen gehört in den Mittelpunkt eines Kongresses, der sich seiner Aufgaben bewußt ist. Und von dort aus muß der Kongreß, in der Erkenntnis, daß das deutsche Problem zu einem Emigrationsproblem geworden ist, auf demselben Weg, der hier beschritten wurde, der Welt, die heute weiß, was das jüdische Problem Ist, welche Unruhe es in die Welt getragen hat, klar machen, daß die bisherigen Methoden der Erfüllung der Versprechungen des Mandates eine Nichterfüllung darstellt. Daß die heutige Katastrophe die Aufgaben des Palästina- Mandates in einem ganz anderen Lichte und in ganz anderen Dimensionen erscheinen läßt und daß sie ganz andere Anstrengungen und Mittel erfordere. Von uns, aber auch von denen, welche für die Ausführung verantwortlich sind. Weil das Problem der deutschen Juden nicht nur ein jüdisches Problem ist, sondern wie wir bei den Beratungen im Rat des Völkerbundes anläßlich der Petition Bernheim erklärten und ausgesprochen haben, ein Problem der zivilisierten Menschheit, ein Problem Europas, ein Problem des Friedens Europas und der europäischen Wirtschaft. Die Petition Bernheim war nur ein Anfang. Eine kleine erste Station. Sie sollte uns Mut geben. Das Bewußtsein unseres Rechtes. Erkennen lassen, daß es einen Weg gibt. Aber die große Aufgabe steht uns noch bevor« Der zionistischen Organisation als der legitimen Vertreterin des jüdischen Volkes. Das ist die Aufgabe des VIII. Zionistenkongresses, wie ich sie sehe. Ueber die im French-Bericht vorgesehene Landentwicklungsanleihe, die zunächst den sogenannten „landlos gewordenen" arabischen Pächtern zugute kommen soll, haben wir, eingehend berichtet. Wir haben unserer Verwunderung Ausdruck gegeben, daß der French- Bericht und die Einwände der Jewish Agency jetzt plötzlich veröffentlicht worden sind, und festgestellt, daß der Kongreß sich mit dieser „Ueberraschung" werde beschäftigen müssen. Die „Frankfurter Zeitung" erhält von ihrem Jerusalemer Korrespondenten einen diesbezüg* liehen Bericht, der folgendermaßen schließt: „Es hat in Palästina vielfach wundergenommen, daß die Regierung diesen schon vor über einem Jahr erstatteten Bericht jetzt veröffentlicht, nachdem Mr. French schon vor längerer Zeit demissionierte und manangenommen hat, daß sein Bericht nicht veröffentlicht werde. Noch mehr hat es erstaunt, daß die Regierung diesen Bericht ohne jeden Kommentar und ohne einführende Bemerkungen des Hohen Kommissärs, dessen Politik die jüdische Kolonisation förderte, und ohne die ausführliche Erwiderung der Jewish Agency veröffentlicht hat. Die Jewish Agency hat ihre Erwiderung auf die Behauptungen, Vorschläge und Schlußfolgerungen Mr. Frenchs selbständig veröffentlicht. Die zionistische Presse steht dem Bericht Mr. Frenchs und auch vielen Einzelheiten der Anleihe scharf ablehnend gegenüber, während die arabische Presse sich viel günstiger äußert." Wir erfahren hier zum erstenmal, daß die arabische Presse, die sich bisher für Non-cooperation ausgesprochen hat, in Sachen des French-Berichts ihren oppositionellen Standpunkt aufgegeben hat. Sie hat eben erkannt, daß er, in die Praxis umgesetzt, mit ihrer Politik — der .Unterbindung des jüdischen Aufbaus <-» konform geht. * Während die englische Regierung seit Jahren erklärt, daß sie den englischen Bürgern die Last einer Zinsen-Anleihe für Palästina nicht zumuten könne, scheint sie diesen Grundsatz dort, wo es um ihre imperialen Interessen im Vordem Orient geht, sehr gerne aufzugeben* Hierüber liegt eine Meldung vom 25. Juli aus London vor, die lautet: „Nach einer Meldung des „Sunday Expreß" ist während der Anwesenheit des Königs Faisal vom I r a k ein Vertrag über den Bau der Haifa-Bagdad- Bahn abgeschlossen worden. Der Bau der durch Palästina wie durch den Irak führenden Strecke wird durch die englische Regierung mittels einer garantierten Anleihe finanziert werden. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf 8 Millionen Pfund," * Durch den Ausgang der Kongreßwahlen ist die; Frage, in wessen Händen künftighin die Leitung den zionistischen Organisatio-n liegen wird, neuerdings aufgetaucht. In einem Interview mit der J. T. A. erklärte: Vladimir Jabotinsky: „Ich glaube nicht, daß es; Sokolow sein kann, , dem eine der wichtigsten Eigen* Schäften, die für diese Funktion notwendig ist, fehlt| nämlich die Loyalität gegenüber seinen Wählern." -■ Ueber die Kongreßwahlen selbst äußerte er sieht „Sollte die Weizmann-Gruppe die Mehrheit erlangen, dann würde das de facto bedeuten, daß die restlichen Fraktionen für die nächsten zwei Jahre das Interesse an den Vorgängen in der zionistischen Organisation verlieren müssen. In diesem Falle werden auch die Fonds, darunter leiden." Ben Gurion, der Führer der Linken, präzisierte seine Stellungnahme folgendermaßen: „Die Ergebnisse, in den wichtigsten Ländern (Polen, Palästina und Amerika), zeigen, daß wir die stärkste Grugne auf deift