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Die neue Welt · 1933-08-04 · Heft 308 (4.8.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 308 (4.8.1933)
Date
1933-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 308 DIE NEUE WELT Seite 5 ä . / H Mastu. Liegekuren, Sonnenbäder. Pension %fAllinfllllfi von S 8.—aufw. Wochenpauschale S 50.—. ^■•^■■■■■MH9 prospekte Retourmarke. Telephon-Nr. 1 am Semmering, Kurhotel „Stuhleckerhof" Judendebafte im englischen Unterhaus Palästinensische Staatsbürgerschaft für staatenlose Juden Aus London wird berichtet: Der konservative Abgeordnete Major Locker- Lampson hat eine Gesetzesvorlage eingebracht, durch die die Möglichkeit zur Erwerbung des Staatsbürgerrechtes für außerhalb des britischen Empires lebende Juden erweitert werden könnte. Gedacht ist an die erleichterte Erwerbung der palästinensischen Staatsangehörigkeit für Juden, die in anderen Staaten ihr Bürgerrecht verloren haben. Die Gesetzesvorlage ist formell gestern eingebracht worden und hat das Unterhaus bereits in erster Lesung passiert. Major Locker-Lampson hat bei der Begründung des Gesetzes darauf hingewiesen, daß eine Reihe der bedeutendsten und patriotischesten deutschen Staatsbürger durch die Verhältnisse gezwungen worden seien, ihr Vaterland zu verlassen. Zur Petition Bernheim In der letzten Sitzung des englischen Parlaments hat der liberale Abgeordnete P. Janner die Regierung dahin interpelliert, ob ihr bekannt sei, welche Schritte die deutsche Regierung unternommen habe, um der Völkerbundaktion wegen der deutschen Juden in Oberschlesien (es handelt sich um die Petition Bernheim, Anm. d. Red.) Genüge zu leisten. Der Abgeordnete Janner fragte weiter, ob dem englischen Außenministerium bekannt sei, daß die oberschlesische Presse für die Anwendung terroristischer Methoden gegen die Juden agitiere. Der Unterstaatssekretär, Cpt. Eden, beantwortete die Interpellation, indem er ausführlich die Erklärung der deutschen Delegation beim Völkerbund zitierte, aber zugeben mußte, daß er keine Informationen bezüglich der Schritte der deutschen Regierung besitze; er zweifle nicht, daß der Berichterstatter beim Völkerbund über diese Angelegenheit genau informiert sei. Abgeordneter Janner fragte dann noch, ob der Unterstaatssekretär mit Rücksicht auf den Ernst der Lage die nötigen Informationen sammeln wolle. Cpt. Eden antwortete, er werde sich mit dem Berichterstatter beim Völkerbund in Verbindung setzen und anregen, daß dieser so rasch als möglich die Informationen wegen der Juden in Oberschlesien einhole. Die deutsche Presse ist bös Aus Berlin wird gemeldet: Im Zusammenhang nit der jüngsten Debatte im englischen Unterhaus schlägt die Berliner Presse scharfe Töne gegen England ein. Die Zeitungen sind darüber aufgebracht, daß sich England in die deutschen Angelegenheiten einmische. Im ganzen und großen handelt es sich um die Rede des konservativen Abgeordneten Locker-Lampson, der Angriffe gegen Hitler-Deutschland gerichtet hat, wie sie in solchem Ton noch nie von einer Parlamentstribüne unternommen wurden. Die Uniersudiung in der Mords äffäre Ar?o§oroff Aus Tel-Awiw wird vom 25. Juli gemeldet: Gestern hat Frau Arlosoroff, als man ihr eine Gruppe von 50 jungen Leuten vorführte, einen gewissen Zwi Rosenblatt als denjenigen bezeichnet, der an dem Mord an ihrem Manne teilgenommen, d. h. geschossen habe. ZWi Rosenblatt wurde hierauf gleichzeitig mit der sogenannten Gruppe „Revolutionärer Zionisten" verhaftet. (Ueber diese neue „Entdeckung" der englisch-arabischen Polizei haben wir bereits in der vorigen Nummer berichtet. Die Red.) ' * Der Richter B o d i 11 y hat einen Befehl herausgegeben, wonach die Untersuchungshaft gegen die arretierten Revisionisten auf zwei Wochen verlängert wird. 5 " Aus Jerusalem wird vom 25. Juli gemeldet: Die Präventivhaft über die sogenannten „Revolutionären Zionisten" Schary und Ohreristein wurde auf 14 Tage verlängert. . •■ * Heute wurde Zwi Rosenblatt mit Frau Arlosoroff konfrontiert. Das Resultat dieser Konfrontation ist nicht bekannt. Zwi Rosenblatt hat erklärt, er habe die. ganze kritische Nacht in Kfar Saba verbracht. Es verlautet hier, daß Rosenblatt für sein Alibi Ware Beweise, zu erbringen sich erbötig macht. Geplantes Attentat auf Lord Meldiett Zu.r Verlegung der Czernowitzer Makkabiade Aus London wird gemeldet: Die Exekutive des Makkabi-Weltverbandes hat der J. T. A. mitgeteilt, daß sie von der rumänischen Regierung eine Meldung erhalten habe, worin die Gründe dargelegt werden, weshalb die Bewilligung zur Abhaltung der Czernowitzer Makkabiade zurückgezogen wurde. In der Meldung wird gesagt,; das Resultat gewisser Nachforschungen seitens der rumänischen Polizei habe ergeben, daß eine Ver-; s o H w tt r u n g gegen die Person Lord Melchetts gei' plant gewesen sei. Unter diesen Umständen könne die Neue Beschrankung der jüdischen Einwanderung Die Wiener „Neue Freie Presse" bringt nachstehende telegraphische Meldung ihres Palästina- Korrespondenten : Jerusalem, 2. August. Das Amtsblatt der Regierung veröffentlicht den Entwurf eines neuen Einwanderungsgesetzes, der bereits vor Jahresfrist ausgearbeitet, dessen Veröffentlichung jedoch auf Einspruch der Jewish Agency hinausgeschoben wurde. Der Entwurf enthält neue Erschwerungen für die Einwanderung, besonders für jene Einwanderer, die sich zunächst als Touristen ausgeben und dann im Lande bleiben. * Anmerkung der Red. — Angesichts der Vorgänge in Deutschland ist diese Maßnahme der Palästina-Regierung als besonders schwere Verletzung des jüdischen Rechtes auf Palästina anzusehen. Sie wird in erster Reihe die unter dem unwiderstehlichen Drucke der grausamen Verfolgungen aus Deutschland geflüchteten jüdischen Palästina-Wanderer treffen, die nur mit einem Touristenvisum versehen sind. Die Palästina-Regierung war trotz des elementaren Notstandes der deutschen Judenschaft nur zur Herausgabe einer ganz geringen, in schreiendem Gegensatze zum Bedarfe stehenden Anzald von Aufenthaltszertifikaten zu bewegen. Neue Ein§diränkiin<g jüdi§dien Bodenkaufs Aus Jerusalem: Die „Officiel Gazette", das englische Regierungsblatt, kündigt ein neues „Landarbeiter-Schutzgesetz" an. Das neue Gesetz sieht zahlreiche begrenzende Vorschriften für Bodenkäufe in Palästina vor. Diese Vorschriften machen einen Bodenkauf, der von Bodenpächtern besetzt ist, praktisch unmöglich. Wahrscheinlich steht das neue Gesetz in Beziehung zur letzten Parlamentserklärung bezüglich der Palästina-Anleihe, über die der Kolonialminister Cunliffe-Lister am 14. Juli im englischen Unterhaus gesprochen hat. Bekanntlich hat Kolonialminister Cunliffe-Lister erklärt, daß im Hinblick auf die Lage der arabischen Bodenpächter der Oberkommissär von Palästina ermächtigt worden ist, weitere Gesetze herauszugeben, welche wirksamer als bisher den Landarbeiter in Palästina schützen sollen. Regierung für die Sicherheit Lord Melchetts und anderer Makkabi-Teilnehmer nicht bürgen. Deswegen hat die Exekutive des Makkabi-Weltverbandes die Makkabiade nach Prag verlegt, wo bekanntlich vom 21. bis zum 31. August der 18. Zionistenkongreß stattfindet. AUS DEUTSCHLAND Synagogenschändung in Mannheim Aus Mannheim wird gemeldet: In die Mannheimer Synagoge sind uniformierte SS.-Männer eingedrungen, haben die ganze Inneneinrichtung demoliert, den Thoraschrank aufgebrochen und zahlreiche Thorarollen vernichtet. Viele wertvolle Ritualgegenstände, darunter antike Leuchter, wurden geraubt. „Ich suche meine Brüder" Aus Breslau wird gemeldet: Der Verwaltungsdirektor der Breslauer Judengemeinde Dr. Rechnitz wurde in Schutzhaft genommen und in das Breslauer Konzentrationslager eingeliefert. Mit ihm zusammen wurde der Handelsangestellte Albert Rosenthal verhaftet. Dieser veröffentlichte im „Breslauer jüdischen Gemeindeblatt", dem amtlichen Organ der Gemeinde, einen Aufsatz unter dem Titel „Ich suche meine Brüder", worin von verschollenen Juden die Rede ist. Dr. Rechnitz ist der verantwortliche Redakteur der Zeitung. Ein jüdischer Rechtsanwalt verschleppt Aus Berlin: Hier« hat der Fall des Dr. Erwin Rosenberg, eines bekannten Rechtsanwalts und Mannes der Gesellschaft, große Beunruhigung hervorgerufen. Dr. Rosenberg hat im Weltkrieg an allen deutschen Fronten gekämpft und die Erlaubnis bekommen, weiter bei Gericht zu vertreten. Als er nun zum erstenmal wieder in einem Berliner Gericht erschien, wurde er von einer Gruppe uniformierter Nationalsozialisten aus dem Saal gezerrt. Dr. Rosenberg wurde von seinen Verwandten mit Hilfe der Polizei einen ganzen Tag gesucht, ige Ferienreisen nach Polen 6 oder 30 Taoe. Abreiset 0. August 1933 (abends) Visagebühren gratis. Ermäßigungen in den Sommerfrischen. Auskunft u. Prospekte: Relsebflro Schenker & Co., I.Bez,, Schottenring 9 und E. Ferstet, I, Kärntnerring 12, blieb aber unauffindbar. Am Abend fand man ihn völlig bewußtlos liegen. Er wurde, schwer verletzt, nach Hause gebracht, wo er ärztliche Hilfe fand. Die neue Boykottwelle im Rheinland Aus Köln wird gemeldet: Der Boykott gegen jüdische Geschäfte hat in letzter Zeit im Rheinland wieder stärker eingesetzt. In Dortmund, Bochum, Herne und anderen Städten im Ruhrbezirk wird durch die Zeitungen den Angehörigen der NSDAP, der Parteiausschluß angedroht, wenn siejüdischeGeschäftebetreten, und es werden Handzettel verteilt, um die antijüdische Propaganda zu verstärken. Infolge der Ankündigung von Maßnahmen, die man gegen Zeitungen ergreifen will, die noch Inserate jüdischer Firmen aufnehmen, sehen sich die Zeitungen zu öffentlichen Erklärungen veranlaßt, in denen sie sich freiwillig verpflichteten, Anzeigen jüdischer Unternehmer nicht mehr zu veröffentlichen. Damit ist die Boykottbewegung in ein neues Stadium getreten. Es ist ferner allen Berichterstattern nicht nationalsozialistischer Zeitungen Westfalens streng untersagt, die Veranstaltungen der NSDAP, zu besuchen, solange ihre Zeitungen noch jüdische Inserate aufnehmen; Widerspenstige Berichterstatter sollen unter Umständen mit Gewalt aus dem Saale entfernt werden. Keine Ausländer als jüdische Funktionäre Aus Berlin: Den jüdischen Gemeinden und Synagogen wird in Zukunft nicht erlaubt werden, als Rabbiner oder andere Funktionäre Ausländer zu beschäftigen. Die Erlaubnis hiezu wird in den Ländern der Staatspräsident, in Berlin der Polizeipräsident erteilen. Jüdische Vieh- und Getreidehändler brotlos Aus Berlin: Die Behörden in Pommern haben einen Erlaß herausgegeben, wonach weder Vieh noch Getreide an jüdische Händler verkauft werden darf. Zuwiderhandelnde werden mit der. Ausstoßung aus der Staatsgemeinschaft bestraft. Ausschaltung der Juden aus Handwerk, Handel und Gewerbe Aus Berlin: In einem Bericht der „Chemnitzer Neuesten Nachrichten" über die erste Sitzung der Gewerbekammer Chemnitz heißt es u. a.: „Die Kammer erklärte sich gegen die Ausbildung arischer Lehrlinge durch jüdische Lehrherren, jüdische Angestellte und in jüdischen Betrieben. Die Gewerbekammer tritt ein für Ausschaltung jüdischer Menschen aus Handwerk, Handel und Gewerbe. Eine besondere Regelung auf diesem Gebiete ist noch abzuwarten.'* Herrn Göbbels Vorliebe Aus London: In einem Interview, das er einem Vertreter der „Sunday Referee" gewährte, sagte der Propagandaminister Göbbels: „Ich schätze eine gewöhnliche anständige Prostituierte höher als eine verheirateteJüdin, denn sie ist wenigstens eine christliche Landestochter. Was aber ist eine Jüdin?" Nur Arier können Prüfungen ablegen Aus Berlin: Justizminister Kerl hat eine Aenderung der Ausbildungsordnung vorgenommen. Zu Mitgliedern des juristischen Prüfungsamtes werden Universitätslehrer der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Richter, Staats- und Rechtsanwälte sowie andere unmittelbare oder mittelbare Staatsbeamte, die aur Grund eines Rechtsstudiums und der vorgeschriebenen Prüfungen die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst erlangt haben, berufen. Dem Zulassungsgesuch zur juristischen Prüfung hat der Prüfling außer Reifezeugnis, Ausweis der Univeraitätsbehörden, Lebenslauf und verschiedenen Zeugnissen auch eine Erklärung über seine arische Abstammung beizufügen. An der Entscheidung über die Prüfung ist dem Zeugnis des Leiters des Gemeinschaftslagers der Referendare mitentscheidender Wert beizumessen. In die Gemeinschaftslager dürfen aueft keine Juden aufgenommen werden. Altersgrenze für jüdische Rechtsanwälte ■ Aus Berlin: Laut gewissen Nachrichten beabsichtigt die Hitler-Regierung ein Gesetz zu erlassen, wonach Rechtsanwälte ihre Praxis bloß bis zu einem bestimmten Alter ausüben dürfen. Auf diese Weise sollen auch die jüdischen Vorkriegsadvokaten, die formell ihren Beruf ausüben dürfen, jede Existenzmöglichkeit verlieren* Esperantotagung in Hitler-Deutschland Aus Köln wird berichtet: Am 29. Juli wurde hier der 25. internationale Esperantokongreß eröffnet. Zu dieser Tagung waren Delegierte aus 25 Ländern angemeldet. (Ueberaus verwunderlich ist es, daß Esperantisten ihr Einverständnis zur Abhaltung ihres Kongresses in Hitler-Deutschland gegeben haben. Esperanto ist bekanntlich die Schöpfung des Bialystoker Juden Ludwig Samenhot Anm, d. Re*£

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