Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 308 (4.8.1933)
- Date
- 1933-08-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr.' 30$ DAS BILLIGE KÄRNTEN. 6billige Tage QA in Klagenfurt / D**mm Vcrpfltiung, Unlarkuntt, Schiff« und Straßanbahntahrfen, Satbad, Bahrtrflekfahrttrmflßlgung. Verfangen ff« Sondarprospakt und b«- zlehan Sie dat Gutsdtelnheft (gültig, vom 15. V. bis 30. IX.) durch dl« St«M«n dal Oetferralchitdtan Varfcehnbfiro Krumpendorf am Wörthersee Sonne und Wässer, Ruhe und Erholung! — Anfragen an die Fremdenverkehrskonimission Krumpendorf rrassonhotel Haus zo zeitgemäßen Preisen. Strandbad. Tennis, Boote, Fischerei, Jazz, Bridge-Cercle Vor- und Nachsaison ab $ 9. -, Hochsaison ab S10. - Sonne / Wasser / Sport / Unterhaltung MARIA-WÖRTH / PENSION HAUPTMANN Schöne, staubfreie Lage am Wörthersee Strandbad, Tennis, Golf, Garage, Pension ab S 10 -. am Wörthersee 90 \\ßx^ie€(£icms!Biihm^) Führendes Hau* * 230 Zimmer ♦ Verlangen Sie biffe Prospekte Pörtschach. Germania* das moderne Hotel direkt am S«e, trandbad, Garage Vollpension Vor- und Nachsaison ab 10.—. 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IKMhTHFO?FF ANNENHEIM iralstallonderKanie!; UhIHUiMI MX bahn) SATTENDORF und ST. ANDRÄ BODENSDORF / OSSIACH SEEilDFElD.k^'43M'tt,-ffiÄV, 'Auskünfte bei den Fremdenverkehrskommlsslonen den im Ausland durch die Labour Party von bestimmten "wirtschaftlichen Interessenten und auch von jüdischer Seite propagierten antideutschen Boykott. Dieser Boykott, erklärte er, sei ein Verbrechen gegen die Menschheit, dehn in seinen Folgen bedeute er eine regelrechte Kriegserklärung an Deutschland, das sich allerdings dadurch nicht einschüchtern lassen werde. Eine solche Politik könne zu den ernstesten Verwicklungen fuhren. Die deutschen Juden protestieren daher auf das schärfste gegen die unverantwortlichen Treibereien ausländischer Juden, die sich als politische Glücksspieler betätigen, jedoch den deutschen Juden in Wahrheit nicht helfen könnten." Sogar in dieser kritischesten Stunde versucht die trennungsorthodoxe A g u d a, d. h. einer ihrer repräsentativen Vertreter, Mißtrauen zu säen und die opfervollen Bemühungen der Weltjudenheit zu diskreditieren. Wir könnten begreifen, wenn Herr Bosenheim aus Angst vor den.deutschen Machthabers schwiege. Aber den Boykott, als ein Verbrechen gegen die Menschheit bezeichnen r-r einem Regime gegenüber, das sich Hur durch tägliche Verbrechen hält, das ist wohl der Gipfelpunkt schamloser Dummheit; ganz abgesehen von der Tatsache, daß. niemand Herrn Bosenheim das' Recht gegeben hat, im Namen der „deutschen Juden" zu sprechen. Was ein christlicher Arbeifer erzählt Der Wiener „Abend" bringt ein Protokoll, das mit einem aus ' Deutschland geflüchteten ober österreichischen Arbeiter aufgenommen wurde. Der Arbeiter schildert das Treiben im Konzentrationslager, in Neustadt an der Haardt, wo er zwei Wochen bis zu seiner Flucht festgehalten wurde. Er .sagt u. a.: Dieses Lager beherbergt gegenwärtig ungefähr 2800 Personen, meist Kommunisten und Sozialdemokraten, ■ aber auch viele Zentrumsleute, Demokraten, selbstverständlich Juden verschiedener' Parteirichtungen und auch i eine Anzahl Geistlicher. Außerdem aber auch etwa 500 unbotmäßig gewordene Nationalsozialisten, die irgend? wie .ihrer Unzufriedenheit mit dem Hitler-Regime Ausdruck gegeben hatten. In der letzten Zeit wurden besonders viele solcher Leute eingeliefert. Unsere Beschäftigung bestand aus Exerzieren, Turnübungen, Reinigungsarbeiten und — Singen. Bei jeder Gelegenheit mußten wir mit den SA.-Leuten das Horst-Wessel-Lied oder andere Nazilieder singen, weigerte sich einer, so wurde er furchtbar geschlagen. Im Gesicht sieht man noch die Spuren der Mißhandlungen. Die Verdickungen an meiner Nase, rühren von Gummi knü.ttelhieben, die schmalen Narben an der Stirn von Stählrutenschlägen her. Am schrecklichsten ist das Schicksal der J uden. Was . diese Leute auszustehen haben, das läßt sich nicht beschreiben. Daß man sie schlägt oder ihnen am Kopf ein Hakenkreuz ausrasiert, das ist noch das geringste. Die SA.-Leute werfen ihnen täglich ihren Strohsack aus der Baracke heraus, entleeren das Stroh, das sie wieder vorschriftsmäßig militärisch einfüllen. müssen, sie'müssen ausreiben, den SA.-Leuten die Schuhe putzen. , Das geringste Zögern ist der Anlaß zu sadistischen Mißhandlungen. Vor allen Mitgefangenen werden sie auf den nackten Körper, auf die Fußsohlen geschlagen. Eine besondere Grausamkeit ist das Schlagen auf die Zehen von oben, bis sie unförmig aufgeschwollen sind. Nur einen Fall besonders gemeiner Grausamkeit will ich Ihnen erzählen. Da ist ein junger jüdischer Archäologe in dem Lager, der verhaftet wurde, als er naoh KJeinasien fahren wollte, um dort Ausgrabungen zu leiten, also ein G elehrter, ein feiner stiller Mensch. Dem haben die Bestien zuerst mit einem Rasiermesser ein Hakenkreuz ins Gesicht geschnitten. Dann haben sie Ihm den ganzen Rücken mit Hakenkreuzen .volltätowiert und auf den Unterarm — alles, mit Tusche — tätowierten sie ihm das „Juda verrecke!" ein. Der arme Kerl ist vollkommen gebrochen und will eich umbringen oder erschlagen werden , , » M1LLSTÄTTER SEE -utobu"B-bI"dljnB-' E,,zn9,tat,°n iSpIttal-MlllfUHefSee Ullil(TATI am CFF T«nnlt-8port/ Pensionspreise: IlHLÜlHl I fllil ill 8- 20 S. Größtes Strandbad SEEBODEN8"'"p,äch.t|Be-stra-nd: bader. Pensionspreise: 7—12 S Strandbad. Pensionspreise: 7—12 S Die Judenhatz in Nürnberg In der letzten Nummer wurde über die am 20. Juli in Nürnberg veranstaltete Treibjagd auf Juden gerichtet. Nachstehend die Schilderung einej3 Tatzeugen.: Am 20. Juli, ' inder sechstön Morgenstünde, drangen SA.TLeüte - in' die Wohhüngen der"; - angesehensten jüdi*ch/en Bürge r^eirt^^ Hausdurchsuchungenjeden Grund die Wohnungsinhaber. ', ./'•'.. ' " . . Die Verhafteten; -zirka 160, -wurden -gesammelt und nach stundenlangem Warten auf1 den Straßen'1 und Plätzen in einzelnen Gruppen Wie Verbrecher 'abgeführt Eine^ Gruppe kahl auf" einen Sportplatz, der zurzeit als ■SA;-Lager eingerichtet ist.j Dort gestaltete-'sich die „B e* grü'ßungw jedes 'einzelnen <wW:W8gtY>v '•■''■'- •''S.Stramtageälfänäen^ Wie heißt du?'' - > < ~ " ' „NN."' :' 1 '"• ' ' '"' " ' . „Du hast nachzusprechen: Ich bin der Jude NN." ' r Dann wurde „Arbeitsdienst" und Exerzieren veranstaltet. '• ' '! Die Verhafteten — unter ihnen Herzleidende, Kriegsbeschädigte mit Be'inprbtheseh,Männer von 00» 70 Jahren und darüber — mußten in der Sonnenglut Backsteine schleppen, Parademarsch, Dauerlauf und ,',Nieder! Auf!" üben, während SA.-Antreiber mit Gummiknütteln und Lederpeitschen dafür sorgten, daß keine Müdigkeit aufkam. In einer. Baracke wurden besonders Auserkorene verprügelt. Man sah die Bedauernswerten, nach der Prozedur herauswanken; sie hatten das Hemd noch nicht wieder über den mit blutigen Striemen bedeckten Oberkörper gezogen. Wer mit den Schlägen nicht ganz einverstanden war, mußte zur Strafe, in der glühenden Hitze noch, einige Schnellaufrunden um die Aschenbahn machen. Ein jüngerer Mann wurde wieder und wieder mit der Faust. ins Gesicht geschlagen. Andere mußten sich auf den Boden legen und mit den Zähnen Gras ausreißen. . Nachdem so die körperliche Ertüchtigung ausreichend gefördert war, ließ man die Erschöpften in Marschkolonne antreten, und nun glngs in strammem. Marsch durch die mittagii.c-h.beLebten Straßen d e r S t a d t. Den Verhafteten war gesagt worden, sie sollten in die Hölle von Dachau gebracht werden: Aber man führte sie nur ins Polizeipräsidium. Hier wurde jeder einzelne durch Beamte der regulären Polizei verhört, wobei auch die erlittenen Mißhandlungen zu Protokoll genommen wurden. Der Ton war hier durchaus höflich. Sofort nach der Vernehmung durfte jeder nach Hause Motz /Abbazm remer Haus ersten Ranges modernster Komfort, 180 Betten, 25 Privatbadezimmer, warme Meerwasserbäder und Kohlensäurebäder im Hause. Internationale Küche, ärztliche Diätküche auf Verlangen. Pensionspreis inkl. Zim- ,mer 88 Lire aufwärts. Zimmer auch ohne Pensionszwang. Ganzjährig geöffnet. Prospekte gratis. Bei Berufung auf „Die Neue Welt44 erhalten Sie ö Prozent Ermäßigung. ■ .. >. gehen; :denh gegen keinen einzigen lag ja auch nur der geringste Verdacht .' einer ungesetzlichen Handlung vor. ' 'Was war geschehen? Die Polizei und die Reichswehr hatten sich offenbar ins Mittel gelegt ünd an höherer Stelle durchgesetzt, daß der Aktion, die anscheinend nür zur Beschäftigung und Belustigung "der SAv diente, ein Ende gemacht wurde; Das Verhör sollte zum 'Schluß nur noch den Anschein der Gesetz m ä ß i gk: e i t wiederherstellen. ., 9. Ab, der Tag entwurzelten Volkes s Von Drl Israel Zwi K a n n e r, Wien. "'" r j \ 'S tn Palästina fingen, viele Städte miteinander,, ein Monopol für einen bestimmten Feiertag zu erlangen. 'Sefad feiert Chanuka, Tel-Awiw Purim,'Haifa Schewuoth, 'Jerusalem hat sich den traurigsten Tag erwählt: Tischäb'Aw. ' ' .An allen Fasttagen erleben wir. mit immer, sich .erneuerndem Schmerz die Etappen.der Zerstörung.unserer Heimat wieder. In allen Unseren Gebeten werden die. Zerstörung des Tempels und die Vertreibung aus dem jLande als vorübergehende Erscheinungen aufgefaßt. Und sind wir auch schon 2000 Jahre aus unserem Lande entfernt, so hat 6s doch noch kein Jahr gegeben, an dem yvir nicht in trotzig-gläubiger Zuversicht gesprochen hätten: „Kommendes Jahr in Jerusalem!" Unser Kalender ist' so eingerichtet, als säßen wir noch auf unserem Boden! Das jüdische Reich wurde zerstört,: die Juden zerstreut; sie sind aber in der Zerstreuung bis heute einig geblieben, haben" sich von" allenanderen Völkern abgesondert, unter unsäglichen- Leiden und Opfern in--Rein-; hei.t erhalten, weil es der jüdische -Volkswille sö wollte. Zu; diesem .Zweek. wurden 'die-. Ritualgesetze ausgearbeitet, eine Unüberwindliche. Wand t?urde mit vollem Bewußtsein zwischen Juden und Nichtiuden errichtet; 'die Gesetzt geburig des Moses; ihre Konsolidierung durch Esra und. Nehemia, idie Mischnah und der Talmud, der Rabbinismus und' der; Chassidlsmus dienten" 'demselben Zweck —>■ die' Einheit des Judentums in der Zerstreuung zu sichern. Am 9. Ab begann die Zeit der jüdischen Verbannung üncL mit ihr entstand das:.Judenproblem: Angefangen von den Tagen der blutigen Straßenkämpfe im brennenden Jerusalem bis zu den Tagen des heiligen Streites um den letzten Rest des Tempels, um die Klagemauer. Auf verschiedene Weise suchte man das Judenproblem . zu lösen;- Politisch durch Pogrome,..; wirtschaftlich, durch. Boykotts, religiös durch Massentäufen. Die Verfolger^ schwächten den Volkskörper, die Abtrünnigen die Volksseele. Titus hät die Juden zerstreut,- Sowjet hat sie ermordet. Regierungen haben mehrfach gewechselt;, aber, was nie gewechselt hat, war ihre Stellung zu den Juden, Selbst in den Ländern, wo .man ihnen gleiche Rechte versprach, fand man Lücken und Hintertürchen, um das' Wenige, was man versprochen hatte, zu umgehen. Eine Erfahrung, die durch die ganze. Geschichte, der jüdischen Verbannung. geht, zeigt - uns, daß . in der Zeit stärkster Not alles treu zu seinem Judentum-steht. Löst sich der Druck, so lösen sichauch die Bande innerhalb der Judenheit. Dieser aufreibenden Alternative hat die jüdische Renaissance ein .Ende gemacht. Sie. ging davon aus, daßdas jüdische Volk weder in guten noch in. schlechten. Zeiten in der Diaspora festen Fuß fassen könne. . Eine merkwürdige Fügung des historischen Gesetzes wollte es, daß im Verlauf von so vielen Jahren kein fremdes Volk. vermochte, Palästina -zu seinem Vateriande zu machen. Weder die Römer noch dit- Byzantiner. Nicht die römische, nicht die griecbiflchft