Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 307 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711929--3846-2717259- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 307 DIE NEUE WELT Seite 7 Für die Reinheit des Revisionismus Von Arie Babkow (TeI*Awi'w) In diesen Tagen, da sich die Wolken der Lüge gegen den Revisionismus nocfa nicht verzogen haben, da die Luft noch nicht gereinigt ist; zu einer Zeit, da „das rote geschmacklose Haus am Ufer des Meeres in Tel- Awiw" noch weiter versucht, durch Verleumdungen alle Dummen einzufangen, ist es sehr schwer, die interne Diskussion über den Revisionismus fortzusetzen. Es ist schwer, aber wir müssen es doch tun. Das Gefühl der Teilnahme für die Arbeiterorganisation anläßlich des tragischen Todes eines ihrer Führer kann unseren Blick von den falschen Wegen, die die Histadruth geht, nicht ablenken. Auch das Gefühl der Sympathie für die Männer des „Chasith-Haam", die jetzt Objekt der Verleumdung seitens der Linken geworden sind, kann uns nicht davon abhalten, ihnen das zu sagen, was gesagt werden muß. Ihre Rolle bleibt dieselbe. Sie tragen die ganze Schuld an der Krise in der revisionistischen Bewegung. Nicht etwa, weil sie, Gott behüte, in irgend einem Zusammenhang mit dem Mord stehen. In dieser Hinsicht sind sie vollständig rein und unschuldig, ganz unabhängig davon, ob Stawsky schuldig ist oder nicht. Ihre Schuld besteht darin, daß sie die revisionistische Bewegung mit ihrer Phraseologie im „Chasith-Haam" diskreditierten. Die Ausdrücke, die sie gegenüber ihren Gegnern und „Freunden" gebrauchten, haben uns keine Freunde gebracht. Als ich eines Tages das Kompliment hörte, daß irgend ein Artikel von mir genau so gut im „Chasith-Haam" gedruckt werden könnte, da eilte ich sofort nach Hause, las den Artikel nochmals und beruhigte mich erst dann, als ich fand, daß mein Stil noch nicht für den „Chasith- Haam" passe. Ich war Revisionist, als es noch keine Partei gab. Ich bin stolz darauf, daß ich noch im Jahre 1916/17 für die Idee der jüdischen Legion kämpfte, gegen den Willen der Partei. Ich kämpfte zusammen mit Großman und dem verstorbenen Schriftsteller An-ski (Autor des „Dybuk"), der durch den Legionismus zum Zionismus kam. Ich bin stolz auf meine Mitarbeit mit Trumpeldor, dessen Name unsterblich geworden ist. Als die allrussische Konferenz im Jahre 1917 abgelehnt hat, ein Glückwunschtelegramm an Jabotinsky zu senden, da gehörte ich zu jenen, welche das Telegramm über die Köpfe des Präsidiums abgesandt haben. Und ich frage mich: Wenn der Stil des „Chasith- Haam" und seine Taktik auf mich so erschreckend wirken, Wie viele mußten vom Revisionismus fernbleiben, die nicht so geschult sind wie ich? Man möge nicht mit der plumpen Behauptung kommen: „Nicht alles, was sie machen, ist schlecht". Ich könnte darauf erwidern: „Nicht alles, was die Histadruth macht, ist schlecht". Ihre Sünde besteht auch darin, daß sie den Namen Jabotinsky mißbrauchten. Wie oft sprachen sie und beriefen sich auf ihn, ohne dazu berechtigt zu sein. Auch nach dem Artikel Jabotinskys über die „Diktatur" setzten sie ihre Reden fort. Schon nach der Spaltung war Jabotinsky gezwungen, ihre Schreibweise als „Dummheit" zu bezeichnen. Versuchten die Führer in Palästina aus diesem Wink des „Führers" die Konsequenzen zu ziehen? Nein! Sie verschwiegen alles. Die Spaltung innerhalb der Partei datiert seit Kattowitz. Die Spaltung in Palästina jedoch begann schon vor drei Jahren; seit der ersten Konferenz im Makkabi-Haus, wo die Herren Dr. Weisl und der Neophyt Dr. Jewin die Konferenz als den ersten Zionistenkongreß in Palästina bezeichneten. Bei den Wahlen zum 17. Zionistenkongreß gab es in Palästina keine einheitliche Liste mehr. Die Kandidatenliste war nur ein technischer Block von „zwei Listen, zwei Systemen". Noch bei der Wiener Konferenz sah man, daß die Zahl der Herren, die die Politik der „Palästinenser** mitgemacht haben, sehr gering war. Wo liegt ihre Kraft? In persönlichen Intrigen, in Zwistigkeiten, in Zuträgereien. Wir in Palästina hatten mit den Leuten schon seit den vorletzten Wahlen nichts zu tun, als einer von ihnen in einem frechen Artikel den Austritt aus der Organisation propagierte und auf die „Ehre" der Zugehörigkeit zum Zionistischen Aktionskomitee verzichten „wollte". Wir wollten zwar eine Form der Betätigung in Palästina suchen, aber hiezu fehlte die organisatorische Form, die im Einklang mit den Statuten der Weltunion gestanden wäre. Da kam „Calais". Das Uebereinkommen von Calais entsprach zwar nicht unserem Willen, aber wir dachten, der „Sonderverband" bliebe die Pension, Au Stria* Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCH) JägermayeratraBe 18 Telephon Nr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentl. Schulen besuchende Kinder. Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. MftBige Prelle I Sphäre unserer Tätigkeit. Nun kam Kattowltz mit dem Sieg der Intrige. Jabotinsky hat jetzt den größten Fehler seines Lebens begangen. Ich sage ihm nichts Böses nach. Aber ich wäre ein schlechter Schüler Jabotinskys, hätte ich nicht die Konsequenzen aus seinen Lehren gezogen. Und diese Lehre heißt: Ein Mensch, der irrt, muß seinen Irrtum zugeben oder — die Strafe bleibt nicht aus. Was war für uns Herzl? Er war nicht nur „Führer". Er war in seiner Art ein „Messias". Als er jedoch einen falschen Weg gehen wollte, da kämpften wir gegen ihn und siegten. Jabotinsky irrte, als er begann, die Organisation Herzls leichtfertig zu behandeln. Gerade weltblickende Männer sehen oft nicht das Naheliegendste. Auch er scheint hier zur Einsicht gekommen zu sein und geht jetzt zum Kongreß. Aber er zog nicht -die richtigen Konsequenzen. Anstatt sich an die Spitze derer zu stellen, die an die Organisation glauben, schickte er diese Männer weg, und geht zum Kongreß an der Spitze von Holzfiguren, die keine eigene Meinung haben. Er lehrte uns ferner Demokratie Im öffentlichen Leben und jetzt verließ er diesen Weg. Er lehrte uns zu sagen j a und nein. Und jetzt kennt sich niemand aus. Zuerst hieß es „Primat". Dann ließ er die Primatfrage fallen. Jetzt heißt es wieder Primat. Jeder Revisionist, der klar zu sehen vermag, muß die Konsequenzen ziehen. Wer Jabotinsky retten will, muß ihm die Wahrheit sagen. Je mehr Revisionisten jetzt gegen die Liste stimmen werden, an deren Spitze Jabotinsky steht, desto rascher wird die Klärung und der Friede kommen. Denn hinter Jabotinsky kandidieren überall die Leute, die das Unglück für die Bewegung brachten. Wer den Frieden will, wer gegen die Intrige ist, wer für einen geradlinigen Jabotinsky ist, der wählt die Liste der revisionistischen Exekutive. Wer die Liste der Exekutive wählt, befreit Jabotinsky von der Clique, die ihn heute umgibt. Hakenkreuz in Ungarn Aus Budapest: In der letzten Sitzung der kleinen Generalversammlung des Pester Komitats machte das Ratsmitglied Dr. Fabian den Obergespan darauf aufmerksam, daß die Monorer Synagoge mit Hakenkreuzen bemalt worden sei, was im Sinne des ungarischen Strafgesetzbuches eine strafbare Handlung darstelle. Obergespan Preszly erklärte, die in dieser Sache eingeleitete Untersuchung habe ergeben, daß die Tat von ortsfremden Agitatoren der unter der Leitung Zoltan Böszörmenyis stehenden Hakenkreuzlerpartei begangen wurde. Bedauerlicherweise seien auch in Györ sämtliche Häuser von unbekannten Tätern mit Hakenkreuzen bemalt worden, obwohl dort nicht, wie In Monor, eine Wahlpropaganda durchgeführt wurde. Juden und Farbige gleichgestellt und redif lo§ Vor uns liegt ein offizielles Dokument, welches in kalter, sachlicher Art den ganzen Jammer des Schicksals der deutschen Juden enthüllt. Es handelt sich um eine Eingabe an ein deutsches Gericht. Der jüdische Warenhauskonzern Rudolf Karstadt A, G. hat alle seine jüdischen Angestellten, viele Hunderte sind es, fristlos entlassen. Einer der Entlassenen, Theodor Althof, hat die Firma geklagt. Die Antwort der beklagten jüdischen Firma, von einem erstklassigen Juristen abgefaßt, rollt den ganzen Komplex des Judenproblems in Deutschland auf. Sie macht ein Ende der Lüge, daß man einen, wenn auch noch so kleinen Teil der deutschen Judenschaft schonen will. Sie macht ein Ende der Lüge, daß Kriegsdienst, Bodenständigkeit etc. die Juden auch nur teilweise schützen. Die Antwort an das Gericht stellt fest, daß die wirtschaftliche Existenz aller Juden restlos zu vernichten, Sinn der deutschen Revolution ist und bleiben wird. Die Klagebeantwortung lautet: 1. Der Kläger ist Angehöriger der jüdischen Rasse. Er mußte wegen dieser Rassezugehörigkeit, nicht wegen seiner Konfession bei der Beklagten ausscheiden. Die Bestimmungen der Reichsverfassung, Artikel 135 ff., und Betriebsrätegesetz § 84, Abs. 1, Ziffer 1, haben also für den vorliegenden Fall keine Bedeutung. Es Ist eine nicht zu bestreit«nde Tatsache, daß die Angehörigen der jüdischen Basse heute im Deutschen Reiche nicht mehr vollwertige und gleichberechtigte Staatsbürger sind, was sie ehedem — jedenfalls im Wirtschaftsleben und vor dem Gesetz — waren. Dieser Wandel hat sich erst in jüngster Zeit in Verfolg der nationalen Revolution vollzogen und damit erst nach dem Zeitpunkt, in welchem der Vertrag, auf den der Kläger seine Ansprüche stützt, geschlossen wurde. 2. Daß die Angehörigen der jüdischen Rasse heute nicht mehr vollwertige Staatsbürger,sind und daß sie als wesensfremde Eindringlinge in den deutschen Volkskörper betrachtet werden, deren aufgebaute Machtposition restlos gebrochen und beseitigt werdenmuß, hat sich in den Wochen seit der nationalen Erhebung in immer stärkerem Maß als allgemeine Volksauffassung durchgesetzt. Diese Auffassung hat noch nicht die geringste Absohwäohung erlitten; Im Gegenteil ist Uberall eine weitere Verstärkeng dieser Auffassung festzustellen, und sie iat zu einer so unlllllllillllllllillllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Besuchet die alzburger FESTSPIELE 28. Juli bis 31. August umstößlichen Ueberzeugung geworden, daß auch der Gesetzgeber dieser Volksauffassung in steigendem; Maße Rechnung getragen hat und noch trägt. So ist die Ausschaltung des Judentums in zahlreichen Gesetzen festgelegt worden. In Zukunft ist den Juden die Beamtenlaufbahn vollständig versagt; sie werden nicht mehr zur Anwaltschaft und zur Patentanwaltschaft zugelassen; die jüdischen Aerzte werden nicht mehr zu den Krankenkassen zugelassen; an den Universitäten werden die jüdischen Dozenten entfernt und die Dozentenlaufbahn ist ihnen für die Zukunft verschlossen, im Besuch der Schulen und Hochschulen sind ihnen die größten Beschränkungen auferlegt. Aus allen Berufsorganisationen sind die Juden restlos oder jeden« falls fast restlos entfernt worden. Jetzt ist kürzlich sogar durch das Preußische Anerben-Gesetz bestimmt worden, daß ein Jude nicht Besitzer eines Erbhofes sein kann. Im § 2, Abs. 2, dieses Gesetzes sind die Juden in dieser Hinsicht sogar ausdrücklich den Angehörigen der farbigen Rassen gleichgestellt worden, während anderseits den Angehörigen aller anderen Rassen die Fähigkeit, Erbhofbesitzer zu sein, zuerkannt worden ist. 3. Auch im Privatleben und privaten Geschäftsleben geht die Stellungnahme der Allgemeinheit gegen das Judentum weiter und es wird in immer stärkerem Maße der Unterschied zwischen den Angehörigen der jüdischen Rasse und der sonstigen Staatsbürger betont. Die Tätigkeit der wenigen, aus besonderen Gründen noch im Dienste der Beklagten verbliebenen jüdischen Angestellten hat dauernd zu Unzuträglichkeiten und geschäftlichen Schwierigkeiten geführt. Tagtäglich sind beim Vorstand briefliche Beschwerden eingegangen und mündliche Vorstellungen der Betriebsorganisation erfolgt, in denen immer wieder die restlose Entfernung aller jüdischen Angestellten als unbedingte Voraussetzung für eine gedeihliche Arbeit im Betrieb gefordert wurde. , Es sei im übrigen betont, daß sich derartige Unzuträglichkeiten infolge Weiterbeschäftigung von jüdischen Angestellten und dauernd Unruheherde nicht nur im Betriebe, sondern auch bei anderen großen Firmen ergeben haben. Daß bei solch schwieriger Lage der beklagten Firma auch alle Erschütterungen im Betriebe selbst vermieden werden müssen und daß die Beklagte es sich nicht leisten kann, in Gestalt der jüdischen Angestellten dauernd Unruheherde im Betriebe zu haben, bedarf keiner weiteren Erörterung. Niemand, aber auch nicht die Polizei, kann den Kläger oder die Beklagte letzten Endes vor derartigen, aus der Belegschaft der Betriebe herauskommenden Aktionen, die zum Zusammenbruch der Firma führen müssen, schützen, wenn Kläger und Beklagte sich in derartigen Fragen zum Urteil und zu den Auffassungen der Allgemeinheit in Widerspruch setzen. An der Tatsache, daß durch die eingetretenen Ereignisse die Vertragsgrundlage vollkommeninFortfall gekommen ist, ist nicht vorbeizukommen: der FREITAG Tag des Kindes BordQraivBatist-Klelderf diverse schöne Dessins, Gr.45 S —.59 Tupf-Batiit-Klcidsrl entzückende Machart, Größe 45 S —.79 Crtpa-de-Laine-Klsidarl, alle Farben, färb. Vorstoß, Größe 45................. . . . S I-39 Fasdias Hahnantrltt.Dirndl Piquä-Garnitur, Größe 45 S I-59 Harzigas Hahnentrltt-Ktalderl mit großei Masche, _ ~ Größe 45....................t>' I-69 Natt« Wcudisaldan-Imprima-Klalderl Cape-Fasson, Gröüa 45............... . . . . & 1-89 EnUQdtsndai Etamln-Klalderl mit schönem Blumen- _„„ muster, Größe 45................S l98 Polo-Blusen für Knaben und Mädchen...... S —.98 Hafarlhoia, strapazfähig, Größe III.........S — .98 Jä9«il«ln«n.Janh«r, Größe III............S 198 Hubeitus.Mantarl, guter Hubertus-Loden, 4 Färben _ m lagernd, Größe 45................S 7" Boxcalt-SchnQrtdiuh«, Größe 22 bis 24 S 3.90, Größe _ 19 bis 21.................. . . S 2>Ö0 i/i Z o S Z vi