Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 307 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 307 DIE NEUE WELT Seite 3 Entwicklung Palästinas in Gefahr Zum Fremh'Beridif Palästina befindet sich in einem Stadium landwirtschaftlichen und Industriellen Aufschwunges, der durch jüdische Arbelt und jüdisches Privatkapital weitere Fortschritte macht. Jede Unterbindung dieser Entwicklung durch kurzsichtige administrative oder gesetzgeberische Maßnahmen wäre mit unsagbarem Schaden für das Land verbunden. Mehrmals schon versuchte die englische Palästina- Regierung, den Aufschwung zu unterbinden, hauptsächlich durch die falsche Deutung der Aufnahmsfähigkeit und Bodenbegrenztheit des Landes. Eine Reihe von Untersuchungskommissionen hat sich in ihren Berichten bemüht, das jüdische Aufbauwerk zu stören, und zwar die Kommission von Walter Shaw, von Sir John Hope-Simpson und schließlich vom Landentwicklungsdirektor French. Im Mittelpunkt dieser Berichte stand die bereits bis zum letzten Rest widerlegte These von den „landlosen Arabern", die man, nachdem sie von den Juden verdrängt worden seien, neu ansiedeln müsse. Besonders der berüchtigte Kolonialminister Lord Paßf ield war es, der in seinem Weißbuch eine antijüdische Palästina-Politik inaugurierte, die durch Verhandlungen mit dem damaligen Ministerpräsidenten MacDonald im Jahre 1931 in ein loyaleres Fahrwasser gelenkt und durch eine Regierungsanleihe auf eine neue Basis gestellt werden sollte. Louis French wurde damals zwecks Aufstellung eines Landentwicklungsplanes nach Palästina geschickt. Im März 1933 erstattete er seinen Bericht. Dieser setzte die Politik Lord Paßflelds fort. Infolge des Einspruches der Zionisten und infolge des Einlenkens des High Commissioners wurde der Bericht zurückgehalten. Man glaubte, die vom French-Bericht drohende Gefahr sei für immer beseitigt, er werde niemals durchgeführt werden. Jetzt taucht er wieder auf. Das englische Unterhaus hat sich in seiner Sitzung vom 1£. Juli mit ihm beschäftigt, er wird in seinem ganzen Umfang offiziell veröffentlicht, und jetzt bleibt bloß die Frage, welche Politik die englische Regierung in bezug auf die Entwioklungsmöglichkeiten und Notwendigkeiten Palästinas einschlagen wird. Das Dokuent enthält die Maßnahmen, die seinerzeit schon Lord Paßfleld in seinem Weißbuch mit hemmungsloser Brutalität vorgeschlagen hat, Maßnahmen, die nur den einen Zweck haben, den SinndesPalästlna-Mandats, die Errichtung des jüdischen Nationalheims, zu zerstören. Denn die Grundlage der Frenchschen Empfehlungen bildet wieder der Hinweis auf die „dislozierten" Araber und die Notwendigkeit, sie anzusiedeln. Der French-Bericht stellt also vermeintliche arabische Erfordernisse in den Vordergrund. Vom jüdischen Nationalheim ist Im Bericht weit und breit keine Rede. Soweit es sich um. Juden handelt, finden sie nur nebensächliche Erwägung. Was French empfiehlt. Nach French zielt die Politik der englischen Regierung auf eine dichtere Besiedlung Palästinas ab. Diese bedeutet höher entwickelte Landwirtschaft, d. h. Uebergang zu rentablerem Obstbau und gemischter Wirtschaft. Zunächst muß nachgewiesen werden, daß Oitrusfdichte in Gebieten wie Beisan und Huleh mit demselben Erfolg gezogen werden können wie in den Küstengegenden. Bezüglich der Ansiedlung' der sogenannten „1 andlosen Araber" erklärt French, daß die Kontrolle über die ihnen zugeteilten Ländereien in den Händen der Alle Vorzüge eines Hotels, Alle Bequemlichkeit einer Pension finden Sie in der Hotel-Pension Wen I, KärnjnerstraBe 33. Central englischen Regierung bleiben müsse. Das bedeutet, daß French kein Vertrauen zu den von ihm verhätschelten Arabern hat, die ohne staatliche Kontrolle das ihnen zugewiesene Land wieder — verkaufen könnten. Er schlägt als für dichte Siedlung geeignet die Gebiete Huleh, Beisan, Berscheba und Jordantal vor, die zunächst enteignet und neu aufgeteilt werden müßten. Freier Bodenkauf und -verkauf würde das Problem der landlosen Araber — wie erwähnt — nochmals erstehen lassen. Und nun enthüllt French die ganze Tücke seiner „Empfehlungen" an die britische Regierung. Man müßte meinen, daß Jrjerr French irgend einmal von einem unveräußerlichen, niemals unterbrochenen Anspruch der Juden auf Palästina gehört habe, daß er den Grundsatz der Mandatarmacht kenne, wonach die Juden nicht kraft einer Gnade, sondern kraft Rechtens in Palästina seien. French schlägt nämlich für die Ansiedlung von Staatspächtern (es gibt also plötzlich Staatsboden!) zweierlei Methoden vor, je nachdem es sich um „dislozierte" Araber oder um Juden handelt. Jene müßten als „Söhne des Bodens" auf dem Lande „ihrer Heimat" angesiedelt werden (Govern- . ment will replace hlra, as a son of the soll, on the land of his country) und Haus, Wirtschaft und Inventar erhalten, während es bei jüdischen Ein Wanderern genüge, ihnen zu angemes.nenen Bedingungen das Niederlassungsrecht zu verkaufen. Die Siedler mit Wohngelegenheiten und Wirtschaftsmitteln zu versorgen, solle wie bisher den jüdischen Organisationen überlassen bleiben. Der einzige Unterschied, meint French, sei der, daß die Regierung vom Araber nach entsprechender Zeit „sicherlich" alle ihre Auslagen rückerstattet bekommen wird, während sie vom jüdischen Siedler nur den Preis des entwickelten Bodens erhalten wird; den von ihnen vorgestreckten Teil der Ansiedlungskosten müßten die jüdischen Körperschaften eintreiben. Gegen Verkäufe überschüssigen Bodens arabischer Großgrundbesitzer an Juden, Verkäufe, die, wie er zugibt, in manchen arabischen Kreisen nicht ungern gesehen werden, wendet sich French mit der Begründung, daß solche mit der Gefahr der Erstarkung der Großbetriebe auf Kosten der kleinen Besitzer, die vollständig und dauernd von ihrem Boden verdrängt werden würden, verbunden seien. Nach dieser unsinnigen, jedem ökonomischen Gesetz hohnsprechenden Behauptung wendet sich French der Frage zu, wie geschlossene Siedlung von Juden entsprechend der Politik der englischen Regierung (gemeint ist der MacDonald-Brief vom Februar 1932) erleichtert . werden könnte und nennt Gebiete, die hief Ur geeignet sind. Er versucht in seiner weiteren Darlegung die Pflanzer von O r a n g e n k u 11 u r e n skeptisclt zu machen und ist Uber die Tatsache verstimmt, daß die jüdischen Organisationen noch Bodenreserven besitzen. Weiters beschäftigt sich der Bericht mit dem Plan einer jüdischen Agrar- und S ied- 1 u n g s b a n k, wie die Jewish Agency ihn vorschlägt, und macht verschiedene Einwendungen. In diesen Einwendungen kommt er zu dem höchst einseitigen Schluß, daß die palästinensische Landwirtschaft die hohen Zinsen nicht werde bezahlen können, wobei er, um der englischen Regierung die Hilfeleistung für eine solche Bank als risikoverbunden hinstellen zu können, einen Hieb gegen den Jüdischen Nationalfonds führt, indem er erklärt: „Da der Boden, auf dem die Kolonien der Jewish Agency errichtet sind, dem Jüdischen Nationalfonds gehört und unter der Bedingung in Pacht gegeben wurde, daß er niemals von Nichtjuden besetzt werden darf, könnte die Bank niemals auf den Boden oder sonstiges unbewegliches Eigentum des Darlehensempfängers eine Hypothek geben, sondern nur den Pachtzins belasten und müßte im Exekutionsfall einen anderen Juden finden, der bereit wäre, alle Verpflichtungen aus Pacht und Anleiherückzahlung an Jewish Agency und Bank zu übernehmen." Auch hier wieder versucht French Mißtrauen gegen die Methoden der jüdischen Wirtschaft bei der englischen Regierung zu erwecken. Keine Hilfeleistung durch eine Siedlungsbank, keine Bodenzuteilung, ein Manöver mit einem Zinsendienst, den das Land, um das er so sehr besorgt ist, nicht leisten könnte, Bedachtnahme darauf, daß die Palästina-Regierung nur ja viel aus dem jüdischen Land herauspressen kann — das ist das Resultat der Empfehlungen des britischen Landentwicklungsdirektors. „Der einzige Zweck, für den die Regierung berechtigterweise langfristige Kredite für jüdische Landwirtschaft zur Verfügung stellen könnte, sind solche Wirtschaftsverbesserungen, durch die eine Ertragssteigerung bewirkt werden kann", schließt French seinen Bericht über den Landentwicklungsplan, den die Palästina- Regierung als der Weisheit letzten Schluß in die Welt hinausposaunte. Die Einwände der Agency. Die Jewish Agency (Zionistische Exekutive) hat unmittelbar nach dem Bekanntwerden des French-Berichtes ihre Einwände zur Veröffentlichung gebracht. Im wesentlichen beruhte die Antwort der Agency darauf, daß sie den von allen bisherigen Experten angenommenen Standpunkt von einem naturgegebenen jüdisch-arabischen Gegensatz systematisch widerlegt. Aus der Widerlegung der Agency ist eben zu ersehen, daß die Denkrichtung aller Experten mangels Kenntnis der lokalen Verhältnisse und infolge ihrer antijüdischen Einstellung sich bisher nicht geändert hat. Zunächst wird bewiesen, daß die im French-Bericht niedergelegte Politik sich im Widerspruch befindet zu dem MaoDonald-Br'ief, der von der Förderung der Errichtung eines Nationalheims für die Juden spricht. French geht von Befürchtungen und nicht von Tatsachen aus. Seine Berichte (wie aus unserer heutigen Veröffentlichung zu ersehen) wollen der jüdischen Initiative Fesseln anlegen, indem'sie nur von der Förderung der Araber sprechen, aber auch hier positive Methoden vermissen lassen. Die Prämisse der Empfehlungen Frenchs ist die Dr. Mautners Sanatorien Waldtanatorium Perchtoldtdorl bal Wien Schönste Lage im Wienerwald, direkte Amobiisverblndung von Wien I. Altvatersanatorium Frelwaldau-Grätenberg, C.S.R. Prachtvollste Höhenanlage, in beiden Sanatorien alle Kurbehelfe für innere, Nerven- und Stoffwechselkrankheiten, Erholungsbedürftige etc. Modernster Komfort. Zeitgemäß reduzierte Preise von der angeblichen Verdrängung arabischer Bauern infolge Ueberganges ihrer Böden in jüdische Hände. Dieses Problem ist nicht nur ein wirtschaftliches. Derlei Unterschiebungen können schwere politische Gefahren heraufbeschwören. Es geht nicht an, daß die zionistische Bewegung indirekt beschuldigt wird, sie wolle die Schicksalsgestaltung des jüdischen Volkes auf Kosten der Wohlfahrt der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas versuchen. Solch eine Verdächtigung muß entschiedenst zurückgewiesen werden. Die zionistische Bewegung hat die Aufgabe, den Millionen verarmter, ins Elend gestoßener Juden eine legitime Heimstätte zu schaffen. Im Vergleich zum Massenelend sind die zionistischen Körperschaften weder reich noch mächtig, sondern auf Sammelgroschen angewiesen. French ist an die jüdische Seite des Problems nicht unter dem Gesichtspunkt des Mandats herangetreten, das der Mandatarmacht die positive Verpflichtung auferlegt, die Errichtung des jüdischen Nationalhelms — ein Ausdruck, der im Vokabular Frenchs nicht vorkommt — zu sichern. Statt im Lichte objektiver Tatsachen einzusehen, daß in der Aufgabe des Mandats, die Errichtung des jüdischen Nationalhelms aktiv zu fördern, bei gleichzeitiger Förderung der Wohlfahrt aller Einwohner Palästinas, nichts Widerspruchvolles oder Unvereinbares liegt, scheint French weiterhin von der Annahme eines Antagonismus zwischen den beiden Teilen des Mandats auszugehen. Dieser von Grund aus falsche Gedanke muß notwendig zu unfruchtbaren Argumenten führen. Auch die Vorschläge hinsichtlich weiterer Erleichterung jüdischer Siedlung sind ebenso nebelhaft wie praktisch wertlos, da sie gerade den wesentlichsten Punkt, das ist „die geschlossene Ansiedlung der Juden auf dem Lande" vernachlässigen. Da der French-Bericht ein System von Hemmungen und Einschränkungen jüdischlandwirtschaftlichen Fortschrittes darstellt, steht er im Widerspruch zu der deklarierten Politik der englischen Regierung und auch im Widerspruch zu den Erfordernissen der Situation. Zum Schluß erklärt die Exekutive der Jewish Agency, daß sie bereit ist, der Regierung Vorschläge für einen auf den im Mandat niedergelegten Grundsätzen beruhenden Plan zu unterbreiten und über ihn mit der Regierung zu verhandeln. Dieser Antwort der Agency ist ein Memorandum beigelegt, das die erwähnten Argumente genauest ausführt und die Basis für eine weitere Kooperation bilden soll. * Bereits im März 19S3 hat die Jewish Agency diese Einwände gegen den French-Bericht erhoben. Wie nunmehr festzustellen ist, hat weder die Palästina-Regierung noch das britische Kolonialamt die Kritik der Jewish Agency berücksichtigt, vielmehr ohne jedes Einvernehmen mit der zionistischen Leitung— zu welchem England gemäß den Mandatsbestimmungen verpflichtet Ist — den French-PIan veröffentlicht und zur Grundlage seiner weiteren Palästina-Politik gemacht. wir 6. September bis 11, Oktober 1933 In Verbindung mit einer Mittelmeer« rundrahrt mit dem Lloyd-Dampfer „Vlenna" Rückfahrt über Aegypten mit dem Lloyd-Dampfer „Helouan" Aufenthalt in: Palästina 15 Tage / Kairo 2 Tage / Konstantinopel S Tags / Athen 2 Tage / Rhodos 1 Tag / Venedig 1 Tag Genua 1 Tag Pauschalpreis von Wien bis Wien: Dampfer III. Klasse Spezial (vereinfachte II. Kl.), Elsenbahn II.Kl., gut bürgen. Hotels u. C illtt Verpflegung, Führung, Trinkgelder usw. « IiJU," Bei Benützung der II. Schiffski. um S 350.— mehr Für Touristen, welche bloß Palastina besuchen, finefnee' Sondert M M12. August 1933 mit dem Lloyd-Dampfer „Adrla" in der III. Klasse Spezial statt Gesamtarrangement: Frau Berta Taubes Technische Durchführung: Reisebüro „Marienbrücke" (Palästinadienst), Wienl, Rotenturmstraße 26, Tel,R-24-2-86u.R-24-2-87 Auskünfte täglich / Prospekte gratis MiniiiiiiiiiHiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw ¥