Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 306 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIB NEUE WSXT Kr. 806 TIROL-KOSSEN HOT1L.PINSION KAPIUI Indien dienen, sondern auch als englischer Verbindungsweg für eine Reihe von militärischen und aviatisohen Stationen, welche durch den raschesten und kürzesten Weg als zu den Ufern des Indischen Ozeans und bis Indien, Australien und dem ganzen fernen Orient fuhren. Diese neue Politik, welche Burch zahlreiche Petroleumkönige, darunter zahlreiche Juden, besonders durch die Shell-Company und die Royal Dutob, mit viel Geld gestutzt wird, kann als der wahre Grund aller Sensationen betrachtet werden, die in der letzten Zeit aus dem Near East, dem Nahen Osten, kommen. Wenn man hört, daß der ägyptische Exkhedlve, der viel Shares der Suezkanal-Kompanie und der Petroleum- Gesellschaften besitzt, plötzlich seine Nase in die Angelegenheiten von Cjs- und Tränsjordanien steckt; wenn man lesen wird, daß die Ica (Jew Colortisatfon Association), welche ebenfalls solche Anteile besitzt, ihre leitenden Direktoren nach Palästina geschickt hat und wieder tätig sein will; wenn es sich zeigt, daß sogar die Pica, deren Vermögen aus Royal Dutch-Aktien besteht, nach seinerzeitiger Liquidierung von zwei Dritteln ihrer Tätigkeit ihre alten Kolonien wieder aufleben lassen und neüe errichten will; wenn man schließlich hört, daß der Emir Abdallah und seine Effendis plötzlich •ludenfreunde geworden und zur ITeberzeugung gelangt sind, daß man ohne jüdische Initiative dort nichts durchführen kann, so muß man aus all diesen neuen Konstellationen folgenden logischen Schluß ziehen: Das jüdische Element, das. in Palästina kämpft und schafft, hat sich in den letzten Jahren als der einzige disziplinierte und produktive Kulturfaktor im Nähen Orient erwiesen und sogar der mehr als halbchristliche und gutfundierte Libanon kann sich mit ihm nicht vergleichen. Die Zeit, wo man geglaubt hat, man werde den llidischen Jischuw mit einer großen verräterischen Intrige vom Erdboden wegwischen, pt vorüber. Große Möglichkeiten eröffnen sich für kapitalistische und kulturelle Unternehmungen im Nahen Orient. Aber sie können nur durch die Befestigung und Ausbreitung jener Kräfte durchgeführt werden, die im zionistischen Aufbauprojramm liegen. Ein exotisches Projekt Judenkolonisation in Australien? Aus Melbourne (Australien) meldet die J. T. A.: Einer Ankündigung dös australischen Landesterteidigungsministers Sir George Pearce zufolge wird die australische Bundesregierung demnächst umfangreiche Pläne für den kolonisatorischen Ausbau-von Nordaustrallen fertigstellen. Minister Pearce erklärte in diesem Zusammenhang, daß die Regierung für den Gedanken der Errichtung einer großen Jüdischen '.' Sie d 1 u n g in diesem Gebiet außerordentliches Intern esse zeige. Der Beschluß der Bundesregierung, eine großzügige , Kolonisation in Nördaustralien durchzuführen, soll angeblich seinen Grund darin haben,; daß die Regierung damit die Verwirklichung eines vor einiger Zeit gemachten Vorschlages, Nördaustralien zu , Kolonisationszwecken an Japan abzutreten (in Australien selbst leben etwa J50.000 Japaner), v e rh ü t e n <wi 11. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist ein hoher Regierungsbeamter vor. einigen Wochen energisch dafür eingetreten, daß in Nordaustralien eine Jüdische Kolonie zur Ansiedlung von Flüchtlingen aus Deutschland errichtet werde. Diesbezüglich teilte Landesverteidigungsminister Sir George Pearce Pressevertretern mit, die Pläne der Regierung seien so umfassend, daß kein Grund vorliege, warum nicht alle an der Kolonisation interessierten Kreise aus der Durchführung dieser Pläne Nutzenziehen sollten. In den jüdischen Kreisen Australiens zeigt man für diese Kolonisationspläne wenig Begeisterung. Es wird darauf hingewiesen, daß Nördaustralien sehr entlegen sei und daß seine klimatischen Verhältnisse eine bedeutende Schwierigkeit für die Kolonisation durch Europäer darstellen. Ueber Landesverhältnisse, Größe und Bevölkerung des Nordterritoriums (Nordaustralien und Mittelaustralien) enthält das Statesmen's Yearbook folgende Angaben: Das im Osten an Queen's Land, im Westen an Westaustralien und im Süden an das „Niemandsland" Südaustraliens grenzende Gebiet umfaßt 528.000 Quadratmeilen. Der südlichste Teil des Territoriums ist im allgemeinen sandig mit geringem Regenfall, könnte aber mit Hilfe von artesischen Brunnen bewässert werden. Das Klima ist tropisch, zeigt aber innerhalb des Territoriums beträchtliche Variationen. In der etwa 1040 Meilen langen Küstenregien ist das Klima ziemlich gleichmäßig, zeigt dagegen im südlichen Teil de« Landes ausgesprochen kontinentalen Typus mit starkem Temperaturunterschied zwischen der heißen und kalten Jahreszeit. Es gibt mehrere große Flüsse und einige gute Häfen, deren bedeutendster Port Darwin ist. Der größte Teil des Landesinneren besteht aus einem von der Küßte allmählich bis zu 1700 Fuß ansteigenden Hochplateau. Dort gibt es ausgedehnte Weideflächen von. ausgezeichneter Beschaffenheit. 1928 betrug die Bevölkerung bloß 8 714 Seelen. Diese Zahl ist seit Uber 50 Jahren fast unverändert, 1881 wurden 3461 Personen gezählt. Die Zahl der Europäer ist von 670 im Jahre 1881 auf 2045 im Jahre 1928 gestiegen, die Zahl der Nichteurppäer ia't von 2781 im Jahre 1881 auf 1060 im Jahre 1828 gesunken. Die Zahl der Chinesen betrug 1928 772, Nicht erfaßt von , dieser Bevölkerungsstatistik werden die Eingeborenen, deren Zahl auf etwa 20.600 geschätzt wird* Die Bodenbeschaffenheit zeigt große Unterschiede, doch können die meisten für tropische und subtropische Gebiete geeigneten Produkte erfolgreich gezogen werden. Vorläufig ist die Landwirtschaft unbedeutend. Der natürliche Graswuchs ist fast überall sehr reich und. liefert Futtermittel für Rinder, Pferde, Schafe und anderes Nutzvieh. Das Gebiet ist auch reich an Mineralschätzen, deren Ausbeutung jedooh noch sehr wenig entwickelt ist, Gold und Zinnerze zeigen ziemlich starkes Vorkommen. 781 Exemplare der „Protokolle der Weisen von J5Ion« in Basel konfisziert Aus Basel : - Auf Grund des durch den Strafgerichtspräsidenten von Basel-Stadt ausgesprochenen Ver* botes der „Protokolle der Weisen von ZlonM wurde im Lokal der Gaseier Ortsgruppe der antisemitj« sehen „N ntionaien Front" eine Haussuchung durch-* geführt, bei der 761 Exemplare der „Protokolle", besohlagr nahmt wurden. Das Urteil des Baseler Strafgerichtes erfolgte auf. Verlangen des Präsidenten der Baseler Jüdischen Gemeinde und des Schweizerischen israelitischen, Gemeindebundes und des Vorsitzenden des Schweizerischen Zionistenverbandes. Die Kläger hatten nachgewiesen, daß die sogenannten „Protokolle" eine Fälschung sind und eine sohwere Beleidigung der jüdischen Bürger dastellen. Auch gegen die Baseler Führer der „Nationalen Front", Zande r und Rü segger, sowie gegen den antisemitischen „Hammer"-Verlag in München, in dem. das Bnjjb erschienen ist, sind gerichtliche Sohritte eingeleitet worden- Die jlidischen Zeitungen der Schweiz verzeichnen die polizeiliche Beschlagnahme mit Genugtuung und geben der Erwartung Ausdruck, daß die „Protokolle" nunmehr auch In der übrigen Schweiz verboten und beschlagnahmt werden würden. ^MMMMMM»M»»MMMM.......♦».......M«IMMKM»| SIEGM. KORNMEHL QROSSPLEISCHHAUERII Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel A-i7-3-9Q u. A-I6-9-5A Lieferant für Heilanstalten Abteilungen ffQr itys-Fl^lscft unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Atitozustollung kostenlos IX., Berggasse 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. 97 Vom Ausland geschürte antisemitische Hetze in ■ <X \ Marokko , , Aup.Ta ng e r : ,Im Hinblick auf die in letzter Zeit mit einer gewissen _ Regelmäßigkeit wiederkehrenden Ueberfälle von Arabern a u f. u d e n* in Marokko, die allgemein als die Folge einer vom Ausland her mit großen MiiteIn geführten Hetzpropaganda aufgefaßt werden, bat die JUdische Oezheinde von Tanger eine Erklärung veröffentlicht, .in der es u. a. heißt: Fremde Elemente .bemühen sich, Konflikte zwischen Mohammedanern und Juden zu provozieren. Die Jüdische Gemeinde fordert die jüdische Bevölkerung auf, derartige Provokationen, die nur darauf berechnet sind, die zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung herrschenden guten Beziehungen zu trüben, unbeachtet zu lassen. Den guten Willen der Herren von der Judengemeinde in Tanger in allen Ehren. Aber , leicht wird die Erfüllung ihres Ratschlages, die Provokationen „unbeachtet" zu. lassen, nicht sein. Wenn ein Araber einem Juden den Schädel bearbeitet, wird es dem Juden wirklich nicht leicht fallen, dieses Ereignis „unbeachtet" zu lasseh. Wie soll man zum Beispiel unbeachtet lassen, was nach dem Erlaß der Judengemeinde Tanger jetzt gemeldet wird: Aus Casablanca: In Alcazar^uivier bei Tanger ist es zu ernsten judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen, bei denen z a h 1 r e i c h e J u d e n verwundet wurden. Den unmittelbaren Anlaß zu den Ausschreitungen bildete eine spanisch-Jüdische Theateraufführung, bei der drastische Szenen aus der Zeit der arabischen Herrschaft in Spanien dargestellt wurden. Da die arabische Polizei mit den Exzedenten sympathisierte, wurde europäische Polizei und Gendarmerie au den Schauplatz der Unruhen gebracht, woraufhin nach kurzer Zeit die Ordnung wiederhergestellt war. Später griffen die Unruhen jedoch nach Plenta Nueva über. Bei den Zusammenstößen in dieser Stadt wurden etwa zw a nzig Juden verwundet. Das Wort „Jude" im englischen Tierschlachtungsgesetz . Aus London: Der Wortlaut des. Tierschlachtungsgesetzes, in dem für die r i t u e 11 e Schichtung eine Ausnahme vom Betäubungszwang vorgesehen ist, wurde im letzten Augenblick abgeändert. Mehrere Abgeordnete wiesen darauf hin, daß im Gesetzentwurf zum ersten Maie im engjischen Recht der Begriff „Jude" im Zusammen» bang mit den Ausnahmsoestimmungen hinsichtlich des Betäubungszwanges ohne nähere Definition gebraucht sei. Es entspann sieh eine Diskussion darüber; wie der Begriff „Jude" autzufassen sei, ob ihm auch die getauften Juden untergeordnet werden sollen, oder oh ein zum Judentum übergetretener Christ als Jude anzusehen sei. Man kam schließlich überein, daß mit Rücksicht auf den Unterschied der Begriffe jüdische Rasse und Jüdische TOBELBAD GRAZ UUale Somm erfrische, wundervolles Thermai-strandbad, 2400 m* gr. beteg. Bassin, mitten im Walde gelegen. (Pensions 4 reicht). Mahlzeiten) in«, freier Benützung des Strandbades von S 8,- bis IQ.- (Keine KurtariT #11« Klirbehelf«, - Auskunft und Prospekte durch die Kurverwaltung Religion, der in der Bezeichnung „Jude" schlechthin niqht zum Ausdruck komme, der Wortlaut des GesetBeat* Wurfes dabin abgeändert werden solle, daß an die Stell« des Wortes „Jude" der Ausdruck neine sich zum jüdische» Glauben bekennende Person" gesetzt wird, Die jüdischen Einwanderer in Frankreich werden lästig Aus Paris wird gemeldet: Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge aus Deutsehland nimmt x Ja Frankreich rasch zu. Die Anwesenheit einer so großen Anzahl von Flüchtlingen bringt mitunter gewisse Schwierigkeiten mit sich. So .wurde zum Beispiel in Aerztekreisender Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Gewährung von Praxiserlaubnis an jüdische Aerzte aus Deutschland die Interessen der französischen Aerzteschaft beeinträchtigen könnte. Der Verband der Hörer der Medizin bat eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, „der Verband fordere ungeachtet se inet vollen Sympathie mit den von den deutschen Universitäten ausgeschlossenen jüdischen Medizinstudenten» daß die Zulassung ausländischer Mediziner zur Ausübung ihres Berufes in Frankreich allen gesetzlich vorgesehene» Bestimmungen unterworfen Weibe". Die Stadtgemeinde Metz hat im Hinblick auf die zahlreichen Einstellungen jüdischerHandelsangfis t e 111 e r aus Deutschland in verschiedenen Betrieben der Stadt beschlossen, daß nur 5 Prpzent der Angestellten in Metz Ausländer sein dürfen» * , Man kann den Franzosen wegen ihrer Haltung in der deutschen Judenfrage keine, Vorwürfe machen. Sie haben sieb menschlich benommen und den Flüchtlingen die Grenzen geöffnet. Jetzt aber kommen die „Bedenken"« Es ist das furchtbare Judenschicksal: Wo der Jude hin» kömmt, trägt er den Antisemitismus mit sich. Wo der Jude Gast ist, auch anfangs freundlicher begrüßter Gast, wird er* bald lästig und erregt Bedenken. Wieder leuchtet aus den Ereignissen das Wort Theodor Herzls entgegen,, daß die Judenfrage nicht anders zu lösen ist, ajs den Juden zum HerrnimeigenenHausezuma,eh§n. Thorarollen aus Deutschland In Spanien Aus Madrid: In der Madrider Synagoge fand in: besonders feierlicher Weise die Einbringung ypn Thorarollen statt, die von itidißcben JPiiißht- 1 Ingen aus Deutschland nach Spanien Uberführt worden sind. Dem aus diesem Anlaß veranstalteten Dankgottesdienst wohnte eine außerordentlich große Zahl vm Andächtigen, die die Synagoge bis auf den letzten Platz füllten, bei. Der feierliche Akt der Uebergabe der Tbfrarollen wurde vielfach als symbolische Erinnerung an die Vertreibung der Juden aus Spanien Im Jahre 1492 angesehen. Die Zeremonie wurde gewissermaßen als Rückkehr der damals in die Verbannung gegangenen Thorarolleni aufgefaßt. Aus der revisionistischen Weif Die Kongreßwahl in Palästina Aus Jerusalern wird. gemeldet: In Palästina wurden zwei revisionistische! Listen aufgestellt Eine führt den Namen „Jaboünsky- Liste" und die zweite geht unter der Leitung des revl« sionistischen Sonderverbands, d. i. der legalen EJxe*« k u t i v e. Die legale Liste enthält die Namen der revisionisti« sehen Exekutivemitglieder und daneben auch den Namen' des großen hebräischen Dichters Jakob Kahan. Weitere Kandidaten sind H. Jewserow, der Begründer der, palästinensischen Messe, Arie Babkow, einer der Vor« kämpf er der jüdischen Legion, L. Schöner, ein f Uhren,« der Industrieller, Zwi Bonfeld und eine Reihe von Per-i sönlichkeiten, die in Palästina als Gründer bedeutende« Unternehmungen bekannt sind. Die Restsümmeii der Jaboünsky-Llste gehen verloren Aus London wird gemeldet: Die Londoner Exekutive hat das Ansuchen de? Jabotinsky-Gruppe um Bewilligung einer Welt wähl« I i s t e abgelehnt. Die Exekutive steht auf dem Stand« punkt, daß ploß der Sonderverband lind dias legale; Exekutivkomitee der schekelzahlenden Zioniaten das Recht auf eine Weltwahlliste habe. Bekanntlich hat des letzte Kongreß bloß 6 Weltwahllisten bestätigt, daher, sind die Reststimmen der neuen Jabotinsky« Liste verloren. Eine große Zahl der Anhänger Jabotinskys hat er« klärt, daß sie für die Liste Nr. 4 (Liste der legalen revisionistischen Exekutive) stimmen werde, um zu ver« * meiden, daß revisionistische Stimmen verlorengehen. 700 neue Brith-Hakansdm-Mitglieder Ans Kowno (Litauen); wird berichtet: Am .13. Juli fand hier eine Tagung des Betar statt, zu welcher Delegierte, aus allen Teilen de« Landes er«