Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 306 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Nr. 306 DDE NEUE WELT Seite 5 Billige Ferien- und Urlaubsreisen nach ganz Polen für 31 und 10 Tage. Abreise 8. August (abends). Alle Visa gratis. Ermäßigungen in den Sommerfrischen. Auskünfte: Reisebüro Schenker n. Co.,!,Scnottenr!ng 9 ^R-80-510, Bfiro E. Ferstel, I, K&rntnerrtag U, U-40-I04 Produktionsvorhaben beim Bühnennachweis zu melden und sich durch die Tonfilmabteilung bezüglich der Be setzung beraten zu lassen, da alle Filmschaffenden, die die erforderlichen Nachweise nicht erbracht haben, vbn der Vermittlung ausgeschlossen werden. Einsteins Motorboot beschlagnahmt. Aus Berlin: Das an einer Bootswerft in Caputh bei Potsdam ankernde große Rennmotorboot Professor Einsteins wurde beschlagnahmt und für das Reich sichergestellt. Das Boot repräsentiert einen Wert Von 25.000 Mark. Die Beschlagnahme erfolgte in der Annähme, daß Einstein beabsichtige, das Boot ins Ausland zu bringen. Die neue deutsche evangelische Kirche und der Arierpunkt Aus Berlin: Anläßlich der Veröffentlichung der GrundzUge der Verfassung der neuen Deutschen Evangelischen Kirche veröffentlicht die Tagespresse einen Kommentar, der. sich unter anderem auch mit der Stellung der Kirchenverfassung zum Arierprinzip befaßt. In diesem Zusammenhang wird ausgeführt: „Da die neue Deutsche Evangelische Kirche, keine Staatskirche ist, enthält die Kirchenverfassung keinen Arier-Paragraphen. Der Arier-Paragraph betrifft v ö 1 k is c h e Notwendigkeiten. Die Verfassung der neuen Kirche dagegen ist vom Evangelium her durch evangelische Notwendigkeiten bestimmt. Das schließt nicht die Abwehr artfremder Einflüsse besonders innerhalb der kirchlichen Führung aus. Aber diese Abwehr betrifft den theologischen Führernachweis, jedoch nicht die Gliedschaft der Gemeinde Christi. Sakramentsgemeinschaft, gemeinsame Teilnahme am Gottesdienst sind in einer christlichen Kirche selbstverständlich. Die Frage der Artgemäßheit der kirchlichen Führung wird nicht durch die Verfassung bestimmt, sondern durch die Regelung . des theologischen Nachwuchses." * Dieses .famose Dokument besagt, daß die evangelische Kirche auf jüdische Täuflinge und ihr Geld nicht verzichten will, daß sie aber schon dafür sorgen wird, daß diese artfremden Auswürflinge nur zu zahlen und nichts zu reden haben. Jüdische Markthändler in Schutzhaft 'Aus Erfurt: Zum Erfurter Jahrmarkt, der gegenwärtig stattfindet, kämen, wie in früheren Jahren, viele, darunter auch ausländische Juden mit ihren" Waren. Da von weiten Kreisen nachdrücklich ge? fordert wurde, 'daß die jüdischen Händler aus dem Jahrmarktsbild der Stadt v. e r s c h w i n d e n, sah sich die Polizei gezwungen, ini Läufe des'Donnerstag vormittags Maßnahmen zu ergreifen, um einerseits den „berechtig i en": Wünschen der Erfurter .Einwohnerschaft entgegenzukommen und andererseits den persönlichen Schutz der jüdischen Händler auf dem Jahrmarkt zu gewährleisten. ...... Von der Polizei, die durch Hilfspolizei verstärkt war; wurden etwa 30 jüdische Händler in Schutzhaft genommen und dem Polizeipräsidium zugeführt. Es wurde ihnen erklärt, daß die Polizei für eine befristete Zeit ihnen vollen Schutz gewährt, daß ihnen ini Übrigen aber empfohlen wird, durch ihr Auftreten auf dem Markt die Erfurter. EinwQhnerschaft. nicht weiter zu provozieren, da dann die Polizei jede Verantwortung ablehnen müsse. Der Zutritt zum Gleiwitzer Schwimmbad ist Juden - verwehrt Aus Breslau: In Gleiwitz (Oberschlesien) wird, jüdischen Personen der Zutritt zum städtischen Freischwimmbad im Wilhelmspärk nicht gestattet; eine Auf" Schrift entsprechenden Inhalts ist in der Nähe des Eingangs ' über der Kasse angebrächt. — Der Gleiwitzer Naturheilverein hingegen bringt in einem in seinem Richtersdorfer. Freibad befindlichen Plakat zum Ausdruck, djj,ß laut Bundesbeschluß jüdische Mitglieder nach wie vor die Anstalt benützen können. : 1 Eine Versammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung aufgelöst . ) ,] Aus Berlin : Eine von 30 Personen besuchte Ver-; Sammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung in einer Privatwohnung in der Cuxhavenerstraße wurde polizeilich aufgelöst. Der Versammlungsleiter, sein Stellvertreter und der Redner wurden der politischen Polizei zugeführt. von S 235.— aufwärts ab Wien, inklusive aller Transitvisa, P-Zug, Hotel, Kabinenbett, Ein- und Ausbootungsgebuhren veranstaltet nur die „PAG", Wien, III., Landstraßer Gürtel 9. Ein« kleine Gruppe „PAG^-PaWstiria-Reisender'- wird auQertourlich am 30. Juli a, c. von Wien abgeben. 9. Gruppenreise ab Wien am 27. August 1938, dann alle vier Wochen. Die Rückfahrt kann wöchentlich innerhalb von 90 Tagen als Euuelyelse angetreten werden. Rascheste und billigste Verbindung mit Palästina. Nur vier Tage Fahrt ab Wien! Beste Referenzen. Visabeschaffupg für in Oesterreich wohnhafte Personen! Zuverlässige Beratung in allen Palästina- und Relaefragen! Einzelreisen nach Palästina vierzehntägig. Verlangen Sie schriftlich Reiseprospekt mit allen wichtigen Palästina-Informationen. (60 Groschen in Marken beilegen). 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ALLE NÄHEREN AUSKÜNFTE erteilen sämtliche Reisebüros und das LANDESVERKEHRSAMT In SALZBURG Die Juden und die enolisdie Orientpotitik Von Prof. Nahum S1 u s c h z (Jerusalem) Im Augenblick, wo das transjordanische Problem in seiner ganzen Realität und Härte in die Welt hinausgestellt wurde, können' wir einen Ueberblick über das bekommen, was in den verschiedenen militärischen und wirtschaftlichen - Unternehmungen der englischen Vertreter im Nahen Orient vorgeht. In den Jahren der Herrschaft Herbert Samuels in Palästina haben die offiziellen Kreise geglaubt, daß die Araber fähig seien, sich zu organisieren, und ein Stutzpunkt für die englische Kolonial politik werden könnten. Und man hat das große fruchtbare Tal von Beth Schan (Beisan) den beduinischen Nachbarn des Jordantales geschenkt, mit der Hoffnung, daß sie sich dort verwurzeln und eine Art Schutzwall bilden würden für die Wege, die Uber den Jordan zum Meer und nach Haifa führen; Hiebe! zog man bekanntlich die wichtige Bolle, die dio jüdischen Siedler im E m e k auf diesem Gebiet hätten spielen können, nicht in Betracht. Zur selben Zeit hat man das herrschaftslose Transjordanien mit seinen ständigen inneren Kämpfen und Reibungen vo.n P alästina abgetrennt und es zu einem besonderen Staat gemacht, in der Hoffnung, daß es dem Emir Abdallah gelingen werde, die kriegerische einheimische Bevölkerung zu organisieren, welche dann in der Lage sein sollte, die Handelswege und die strategischen Luden zu sichern und insbesondere die Oellinien llk^i; *omi*P"Ül •.Stoffe" durch die Wüste bis zum Meeresufer. Herbert Samuel ließ sich leider von seinen Agenten in Beisan irreführen, die ihn mit einem Aufstand des kleinen Häufleins Beduinen erschreckten, und von. den Jüngern des berüchtigten Oberst Lawrence, die in Transjordanien herrschten. Herbert Samuel wurde mit falschen Berichten bombardiert, die er für bare MUifce annahm. Hier ein Beispiel für viele: Der offizielle Bericht des Jahres 1921 schätzt» die Zahl der Einwohner Transjordaniens auf 350,000, eine Zahl, die doppelt so groß ist wie die Wirklichkeit. Erst nachdem Trans Jordanien selbständig gemacht worden war, begann man, sich der richtigen Zahl zu nähern. Schön der offizielle Rapport von 1921 erklärt, daß sich in der ganzen Gegend ungefähr 2 0 0.000 Einwohner befinden. Und 1925, als Maön mit dem Reich1 des Emir vereinigt wurde, hat man offiziell rund 250.000 Seelen gezählt. Diese Zahl ist angestiegen bis in das Jahr 1928, wo unter dem Druck von Dürre und Hunger' viele arabische Einwohner sich von ausländischen Propagandisten beeinflussen ließen (was jetzt von englis o her Seite, nämlich vom englischen Forscher Louis Prestty, bestätigt wird) und auf den Befehl vom Größmufti warteten, um Westpalästina zu überfallen und den jüdischen Jisehuv zu berauben. Bekanntlich war der Beduine immer zu Räuberei geneigt. Damals wurde angegeben, daß Tränsjordanien über 500.000 Einwohner zähle, weil man. eine große Einwohnerzahl benötigte, um den Kolonialminister Lord Passfield zu beeinflussen, der ohne«Statistik in bezug auf das transjordanische Regime nichts unternommen hätte — obwohl bekannt war und ist, daß tausende Beduinen zwischen dem Meer und dem Gebirge nomadisieren. Gerade zu der Zeit, da die Labour-Partei in England regierte, haben die Petroleum-Magnaten, welche vor allen Dingen ihre Oel-Linien geschützt wissen wollten, sieh einreden lassen, daß die arabischen Rädelsführer stark genug seien, die Sicherheit In Trans jordanien zu gewährleisten, ohne jüdische Mithilfe und sogar gegen die jüdische Entwicklung, die man leichten Herzens um der schönen- Augen der arabischen Intriganten willen abtöten wollte. Aber der jüdische Jisehuv hat die Katastrophe heldenhaft Uberstanden, und . die jüdische Welt hat durch ihren einstimmigen Protest (außer einigen Ghettoseelen in Berlin und dem Skopus und den k o m m u n l s 11 s c h e n H a n dlangern) bewiesen, daß Palästina für sie eine Lebensfrage ist Inzwischen wurde die Labour-Regierung gestürzt, und die höheren Kreise Londons sahen ein, daß es sich nicht lohne, mit den Juden in einer Zeit zu brechen, wo alle erkannten, daß die Juden ein ausgezeichnet organisiertes Kulturzentrum in Palästina besitzen, während die Perspektive einer arabischen organisierten Einheit bloß 'One Phantasie ist. Man schickte nach Palästina einen General als Oberkommissär, mit bestimmten Instruktionen, Ordnung im Land einzuführen, so wie in Feldmarschall Plumers Zeiten. Der General erwies sich als braver kulturliebender und wachsamer Mann, so daß sich der Westen Palästinas beruhigte und das Häufchen Agitatoren kein anderes Mittel zum Kämpfen hat, als da und dort eine zufällige Bombe zu werfen, meistens leider in den isolierten jüdischen Siedlungen, manchmal auch in arabischen Gegenden, sogar in Jerusalem selbst. Nachdem die panarabische Politik von Lawrences Jüngern Schiffbruch gelitten hatte, besaßen die englischen Beamten keinen Grund mehr, den Wert und die Zahl . der transjordanischen Araber zu übertreiben. Der Bericht von 1981 gibt zu, daß die früheren Zahlen stark Ubertrieben waren. Darin wird die Zahl der Geburten und Todesfälle der letzten sechs Jahre angegeben. Derselbe Sachverständige, Prestly, stellt laut den offiziellen Meldungen der;letzten sechs Jahre die Berechnung auf, daß im Land alljährlich ruridl 0.0 0 0 Kinder geboren werden, durchschnittlich 52 auf je 1000 Einwohner; daß sich diese Zahl seit 1920 nicht vermehrt hat; und schließlich, daß Transjordanien nicht mehr als 200.000 Seelen zählt. Die Aufstellung der Todesfälle führt zum gleichen Resultat. Andererseits trägt Transjordanien der Regierung nichts ein. Im Gegenteil. Der westliche Teil von Palästina, wo die Juden 40 Prozent der Regierungseinnahmen leisten, verbraucht für seine autonome Ostprovinz 120.000 Pfund, nicht .gerechnet die Subvention, die der Emir von englischer Seit e bekömmt. Die Regierung hat eingesehen, daß diese finanziellen Opfer sehr wenig Nutzen bringen. Jetzt, wo der* Bau der Petroleumlinien so rasche Fortschritte macht, daß Frankreich Unterhandlungen führt und den syrischen Machthabern Konzessionen bietet, damit sie die Petroleumwege über die Wüste bis zum Hafen von Tripoli schützen, erhebt sich auch in Palästina die Frage der Sicherheit der Wege von Transjordanien. Das Land hat nicht genug fähige Menschen, die eine moderne Regierung etablieren könnten. Die ausgehungerten arabischen Nomaden der Wüste, angefangen von Ibn Saud mit seinen Waahabiten, versuchen bei jeder Gelegenheit, die offenen und fast leeren Täler und Plateaus des Landes zu überschreiten. Alle beginnen einzusehen, daß nur jüdische, kompakte und geschützte Kolonisationspunkte dem Land sozialen Fortschritt bringen können. Und eben hier liegt, das Geheimnis der letzten Meldungen bezüglich der Möglichkeit einer jüdischen Besiedlung Transjordaniens. Ich weiß nicht, wieweit das Geschrei der arabischen Hetzer und Rädelsführer den natürlichen Gang der Ereignisse zu stören vermag. Aber ich bin sicher, daß der Tag nicht fern ist, an dem sogar die Franzosen und Syrier die 'Juden zuhilfe rufen werden, damit sie das kulturelle Leben im Beschan- und Hermongebiet organisieren. Aber die Wendung in der englischen imperialen Politik hat nicht nur ökonomische Ursachen. Auch rein strategisch-militärische Erwägungen können sie bewegen, die Juden zuhilfe zu rufen. England hat das Mandat über Mesopotamien aufgegeben, d. h. soweit die Sicherheit des Petroleum weges gewährleistet ist. Jetzt, nachdem Zldki Paschas Regierung in Aegypten die großen Bewässerungen in den Südprovinzen durchgeführt hat, mit Hilfe der Engländer, aber derart, daß sieh die Schlüssel zu den Nilgewässern in deren Händen befinden, führt die englische Regierung Unterhandlungen -betreffs der Herausnahme ihrer Truppen aus Kairo und der anderen Städte und ihrer Installierung in jenen vier Städten, die. am Suezkanal und am Roten Meer liegen. Sobald die neue englische Politik darin besteht, daß England nicht mehr die Lasten der Einmischung in die internen Angelegenhelten der orientalischen Reiche trägt» handelt es sich darum, den . langen Weg vom Suezkanal Uber das Meer bis zum Sudan und Südarabien gesichert zu halten. Dieser strategische Weg führt direkt von Jerusalem Uber Ghasä zum Kanal, ohne die innen liegenden Gegenden Aegyptens zu berühren. Palästina, insbesondere die Häfen von Haifa und Ghasa, wird so der Ausgangspunkt der engllsohen Wasser- und Luftverbindungen mit dem Sudan und Kenya werden. Zu diesem Zweck will man jetzt die Grenzstation von Kantara aufgeben und sie zum Hafen am Suezkanal verlegen, außerhalb des ägyptischen Binnenterritoriums, dort wo sich die englischen militärischen Garnisonen auf lange Zeit festsetzen werden. Auch das ist nicht alles. Ein zweiter Weg führt von Haifa über den Emek Jesreel und Beth Schan nach Transjordanien und von dort bis A k a b a am östlichen Rand des Roten Meeres. Dieser Weg wird genau so wie der einstige Weg von Ezion Gewer in der Richtung Ophlr bis nach Arabien und Indien und nicht nur als Verkaufs« liiüe für Petroleum an die arabischen Zentren bis nach