Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 306 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 306 IAIter8be8chwerden — Vorzeitiges Altern — Alle Nervenleiden — Gicht — Rheuma — Blasenleiden - Nierensteine Moderne Hotels und Kurhäuser zu mäBtgen Preistin — Thermalbad In jedem Hause Für Ruhe und Erholung wird gebürgt/ Prospekte durch Kurkommiasion Badgastein oder Karlsbad, MtthlbrunnstraQo 3 BADGA/TEIN Europas stärkste radioaktive Alpentherme, 1083 Meier. 18 Qnellen 47* C Naturwärme. 360 Liter pro Minute itps KURtlOTEaL BRISTOL 1"™*^ mmmmm^mmmmmmmmmmmmmammmmmmmmummmmmmammmmmmmm^mm^mmmmmm M«$lge Priie / Telephon 173 sie nicht einen Aufruf veröffentlicht, in dem es u. a. heißt; „Die .Union österreichischer Juden' ist die Organ! fiation aller Juden, die auf positiv-religiösem und vater ländisch-österreichischem Boden stehen. Wir Juden in Oesterreich haben keinen Grund zur Mutlosigkeit, keinen Anlaß zur Verzweiflung! Das Schicksal der deutschen Juden wird nicht unser Schicksal sein, wenn wir den alten Tradi tionen der österreichischen Judenschaft treu bleiben Wir stehen fest, fester denn je auf dem Boden dieses Staates, dessen Schicksal wir seit Jahrhunderten in Leid und Freud geteilt Und für den wir allezeit gerne Opfer gebracht haben, in dem wir leben und die Zukunft unserer Kinder begründen wollen Oesterreich ist unsere Heimat, es soll auch die Heimat unserer Kinder sein! ... Das Aufbauwerk in Palästina soll zwar mit allen Mitteln gefördert werden, damit dieses Land immer geeigneter werde, Juden, die in ihren Wohnstätten nicht bleiben wollen oder können, eine glückliche Heimstätte zu bieten, die Heimat aber für alle österreichischen Juden, die hier leben und hier leben wollen, ist und bleibt Oesterreich." Glücklich die Einfältigen! Glücklich aber nur bis zur Katastrophe, die sie unvorbereitet, physisch und Beelisch unvorbereitet findet. Aber dann — dann werden sie verlangen, daß eine jüdische Weltsolidarität vor banden sei und sie aus dem Debakel rette, vor dem sie Jahr und Tag Augen und Ohren verschlossen hatten .. Zur deutschen Judenfrage Charakteristische Fressestimmen Erst in der letzten Zeit hat .die Diskussion über die Stellung, der Juden im nationalsozialistischen Deutsch land eine praktisch-wirtschaftlich-technische Methode gezeigt. Die innere Empörung hat aktuellen Erwägungen Platz gemacht und allenthalben bemüht man sich um «die Lösung der Frage: Auf welchem Wege und in welcher Art kann ein unter den gegebenen Verhältnissen denkbares Höchstmaß von Lebensmöglichkelten für die deutsche Judenheit gesichert werden? Unter, dem gewiß eindeutigen Titel „Tachlis" .veröffentlicht das „Isr. Familienblatt" (Hamburg) einen Aufsatz, worin es in bezug auf die obengestellte Frage heißt: . „Die Führung der deutschen Judenheit liegt, wie man weiß, in den Händen der aus den jüdischen Landesverbänden vor einigen Monaten entstandenen „Reichsvertretung", die unsere Interessen nach innen und außen wahrnehmen soll und der der „Zentral- Auss.chuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" als Instanz für. wirtschaftliche Fragen .zur Seite gestellt worden ist ... Wenn unsere Führer' in der Hoffnung, mit klaren und nüchternen Vorschlägen Gehör und vielleicht wachsendes Verständnis an Regierungsstelle zu finden, Vorschläge unterbreiten, so hat im Mittelpunkt dieser Vorschläge ein Aktionsprogramm zu stehen, ein Programm, das die umgewandelten rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des deutschen Staates in eine Verbindung mit dem Ziele zu bringen sucht, einer möglichst großen Zahl deutscher Juden möglichst weitgehende Sicherungen der Existenz in diesem Staat zu verschaffen." Das Blatt führt weiter aus, daß es sich im gegenwärtigen Augenblick nicht um Diskussionen taktischer und grundsätzlicher Standpunkte handeln könne, sondern um praktische Vorschläge, um „Tachlis" — um „Tachlis ha'acharaun" (den „letzten Zweck"), um den tiefsten Sinn jüdischen Lebens, die Sicherung der Weiterexistenz des jüdischen Menschen und der jüdischen Gemeinschaft. Das Organ des Centra 1-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die C.-V. Zeitung, versucht in einer Reihe von Aufsätzen zu zeigen, daß die letzten Wochen deutschen Geschehens das deutsche Judentum illusionsfrei gemacht haben. Es gelangt zur Fesstellung, daß die Verwirklichung des totalen nationalsozialistischen Staates eine grundsätzliche umfassende Regelung des Rechtsverhältnisses von Staat und Judentum verlange; denn das nationalsozialistische Programm: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist ... kein Jude kann Volksgenosse sein, da er nicht deutschen Blutes ist" zwinge zu der Notwendigkeit, „eigene Daseinsformen zu finden". Die Anhänger des Centrai-Vereins befinden sich, wie wir oft genug ausführten, in einer tragischen Situation. Sie haben Emanzipation betrieben und nun, da sie darin gescheitert sind, versuchen sie es mit einer neuen Emanzipation. Die C.-V.-Zeitung schreibt über die seinerzeitige und heutige Emanzipation: „Der Jude hat sich, von der Orthodoxie und viel später von nationaljüdischen Gruppen abgesehen — und dies ist, historisch betrachtet, vielleicht ein Vergehen gegen das innere Gesetz des Judentums gewesen, be- ■timmt aber war es Ausdruck einer ximfagBend loyalen Staatsgesinnung — in diesenimmer breiter und mächtiger flutenden Freiheitsström hineingestürzt und sich von ihm tragen lassen können, weil er keine Sonderinteressen hatte und jüdische Gruppentendenzen ausschloß. Nun aber sind wir als einzige, artmäßig unveränderliche Gruppe vom Hochwasser staatsrechtlicher Entwicklung fortgerissen, an ein unfruchtbar sandiges Ufer geschleudert und müssen darangehen, eine eigene, karge, neue - jüdische Existenz; wenigstens am' Rande deutschen Geschehens aufzubauen ... Emanzipation bedeutet die Heraufführung aus dem Züstände minderen Rechts in den eines vorhandenen höheren Rechts. Für uns ist heute der Anstieg zu einem höheren Recht nicht möglich, weil dieser an eine objektive Voraussetzung, die „Ariereigenschaft", geknüpft ist. Aber eine Emanzipation vom Semiten zum Arier ist unmöglich — und wenn wir unser Judentum und den Willen der Geschichte für unser Judentum richtig deuten, auch nicht erstrebenswert." - Die Bitterkeit des Erlebnisses , hat die Anhänger des Centraivereins über Thesen nachdenken lassen, die der Zionismus schon in Zeiten liberalster Verhältnisse als für die unter Fremden lebenden Juden wichtig ansah. Am Ende seiner Assimilation schreibt die C.-V!-Zeitung weiter: . . „Unsere innere Verknüpfung mit dem deutschen Vaterlande wird Gedanken eines Minderheitenrechts bei uns nicht aufkommen lassen, das ja bekanntlich kein minderes Recht ist. Aber es . ist eine schmerzende Vorstellung, daß unter Umständen kühle Fremdheit Deutschland gegenüber den deutschen Juden mehr an Rechten' verschafft als unerwiderte, aber trotzdem nicht erloschene Liebe ..."' , ■■ Auch von nationalsozialistischer Seite beschäftigt; man sich intensiv mit dem Judenproblem. Die - tatsächliche Aüsschaltung aus dem deutschen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen: Leben; -geht Hand in. Hand, mit theoretischen Erörterungen! - Der Rektor ^deir : Frankfurter? Uöivfersifät,; "Prof,; Ej. JKrieck, '>ehrei$, ^in' seiner Monatsschrift „Volkim4 'Äreru^h'*: v / ' -^Jl > ' 'i „Ausschaltung des Judentums/ aus den« deutschen Herrsc^haftslagen' und seine Zurückweisung auf die Stellung einer nationalen KEinderheitt die eins vom Hundert der in, Deutschland bebenden' Gesamteinwohnerschaft darstellt -..; Die Juden" " haben eine * andere/Art, eine andere Weltanschauung, eine andere Rasse und vor allem eine andere Ehre als Wir: sie sollen ihre eigenen Lebensordnungen und ihre eigene Kultur durchbilden — bei. uns im Rahmen einer nationalen Minderheit. Aber aus unseren Angelegenheiten sollen sie die Finger weglassen." Im zweiten Heft ist ein im allgemeinen keineswegs auf einen judenfreundliqhen Ton gestimmter Artikel erschienen, in dem es indessen zum Schluß heißt: „Wir werden und wir wollen mit den Juden zu einer, Verständigung kommen, aber nicht auf dem im XIX. Jahrhundert versuchten Weg. der. Judenemanzipa-. tion, sondern mit Konstitution der Juden" als Volk im Sinne des Zionismus, bei uns selbst also als einer nationalen Minderheit. Wir sprechen hier von Volk zu Volk und werden auf dieser neuen Grundlage das jüdische Problem zu lösen haben" Hierzu bemerkt die „Jttdisc;he Rundschau": Es ist unseres Wissens das erste Mal, daß von maßgebender nationalsozialistischer Seite ein solcher Satz ausgesprochen wird ... Wir haben wiederholt betont, daß der Teil der deutschen Judenschaft, für den wir zu sprechen haben, an einer konstruktiven Lösung der entstandenen Schwierigkeiten mithelfen will.-Wir betrachten die Beseitigung der jüdischen Nöte vor allem als eine große Aufgabe für die Juden. Die Selbstbesinnung* der Juden ist die Voraussetzung zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung auch mit der r nichtjüdischen Welt ... Wenn es gelänge, die tatsächliche Situation zu klären, dann würde es sicherlich leichter sein, die Atmosphäre zu schaffen, die für eine Verständigung nötig ist, von der Professor Krieck spricht. Auf j ü d i s c h e r Seite bemühen wir uns, die Voraussetzung dafür zu schaffen, indem wir alte Vorurteile wegräumen helfen und die Realität sehen, wie sie ist. Auf deutscher Seite müßte man so weit kommen, auch die jüdische Erneuerungsbewegung richtig zu werten; man darf sie nicht lediglich unter dem Gesichtspunkt betrachten, daß sie dazu dienen soll, den Deutschen die Juden vom Halse zu schaffen .i . Die nichtjüdische Welt wird den richtigen Aspekt dafür nicht finden, wenn sie nicht bereit ist, bei aller Abneigung auch den Juden ihre Ehre und ihr Lebensrecht zuzugestehen." Eine solche Darstellung der jüdischen Situation ist geeignet, wenigstens bei den Intellektuellen Deutschlands ein gewisses Maß von Verständnis für die seelische Krise der deutschen Judenheit hervorzurufen. ' Aus Deutschland 2l3 jüdische Notare äbgesetzt. Aus Berlin: Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht die Namen von 213 jüdischen oder von Juden abstammenden Notaren, die in Berlin aus ihrem Amt entlassen wurden; Die Liste enthält auch die Namen des,; zionistischen Vorstandsmitglieds der Berliner Jüdi- ) sehen Gemeinde Dr. Max Kollenscher und des Direktors des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Ludwig Holländer. Ferner wurden 34 richterliche und staatsanwaltschaftliche Beamte, unter ihnen eine größere Anzahl von Juden, in den Ruhestand versetzt. Ein Universitätsprofessor zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Aus Berlin: Der staatenlose Universitätsprofessor Mark Abramowitsch stand wegen Paßvergehens vor dem Schnellgericht.,Der Angeklagte war mit einem Paßpapier, betroffen worden, desäen Gültigkeit schon im Oktober vorigen Jahres abgelaufen war. Abramowitsch verteidigte sich mit der Behauptung, schon 15 Jahre in Deutschland zu leben und sich noch nie in irgend einer Weise gegen die deutschen Vorschriften vergangen zu haben. Mit Rücksicht auf diese Auslassungen des bisher unbescholtenen Angeklagten wurde die für Paßvergehen außerordentlich „milde" Strafe von z we i „M o n a t e n Gefängnis verhängt. Ein Saarbrückener Gericht bestätigt die Ritualmordlüge — Ein aufsehenerregendes Fehlurteil Aus Paris: Vor dem Saarbrückener Gericht hatte sich ein Buchhändler zu verantworten, der im Schaufenster seines Ladens Bücher 'antisemitischen Inhalts, darunter solche, in denen den Juden der Vorwurf gemacht wird, C h-riste.nb 1 ut zu rit.uellen Zwecken zu ge-, brauchen, ausgelegt hatte. Der Vorsitzende des Gerichtshofes, Messinger, wies die Klage gegen den Buchhändler mit, der Begründung ab, die . Behauptung, Juden verwendeten Christenblut zu rituellen Zwecken, stelle keine Aufreizung dar, da die Behauptung den Tatsachen entspreche. Jüdische Studentenvereinigungen in Baden aufgelöst Aus Karlsruhe;! Wie die Pressestelle beim Staatsministerium. Karlsruhe mitteilt, hat der Kultusm'ini st er folgende Verfügung an die badischen. Hochschulen erlassen: Ich ersuche die an der dortigen Hochschule bestehenden Verbindungen oder Vereinigungen ■jüdischer Studierender auf zulösen, falls sie nicht von sich aus ihre Auflösung durchführen. Ich ersuche •um'Mitteilung innerhalb zehn Tagen, welche Verbindun-; gen auf Grund dieses Erlasses aufgelöst wurden. Bei etwa noch bestehenden kommunistischen und marxistischen .Organisationen-ist' in gleicher Weise..-zu verfahren. ^>. - Gleichschaltung auch inj deutschen Metallgroßhandel Aus Berlin: Wie die „Börsen-Zeitung"; meldet, hat der Vorstand des'Vereins deutscher Metall-- händler im Sinne der vom: Spitzenverband des deutschen. Größhandels, dem Reichsverband des. Deutschen Groß- und Ueberseehandels, herausgegebenen Richtlinien für die Gleichschaltung .der Handelsverbände eine Umgestaltung erfahren. An] Stelle der bisherigen Vorsitzenden sind neun durchwegs arische Herren getreten, von denen vier der NSDAP, angehören. Der neue Vorstand hat seine Geschäfte bereits aufgenommen und zu seiher .Unterstützung einen " Beirät bestellt, der sich aus folgenden. Herren zusammensetzt: Paul Friedmann i. Fa. /Süß & Friedmann G. m. b. H.f Berlin, Carl Goldberg i.'^Fa. N. Levy-Stern A.-G., Berlin, Mendel Hoffmann i. Fa. Erze und Metalle Hirsch A.-G., Berlin, Dr. M. Lissauer i. Fa. M. Lissauer & Cie.,, Köln a. Rhein, Adolf Schoyer. .i, Fa. H. Schoyer, Berlin- Charlottenburg, Ludwig Stern i. Fa. Oscar Baer & Co., Frankfurt a. Main. r . ) . . •*■ .- ., ■ Zum besseren Verständnis sei bemerkt, daß der Metallhandel in Deutschland fast ausschließlich jüdisch ist. Nun werden mit der Herrschaft über den Metallhandel neun arische Nichtswisser und Nichtskenner betraut. Dafür werden fachkundige Juden gezwungen, als Beträte zu fungieren. Zu verfügen .haben diese Beiräte nichts, sondern nur gehorsamst den Herren Ignoranten Ratschläge zu erteilen, darunter auch solche,, wie man sie, die jüdischen Beiräte, umbringen kann. -J ■ , Ausschaltung der jüdischen Aerzte aus der Privatversicherüng ' Aus Berlin: Die bereits vor einiger Zeit angekündigte Ausschaltung nichtarischer Aerzte aus der Behandlung von Mitgliedern privater Krankenversicherungen wurde nunmehr durch eine Vereinbarung zwischen dem Hartmann-Bund, der wirtschaftlichen Spitzenorganisation der Aerzte und dem Verband privater KrankenversicherungsunternehmungenDeutschlands durchgeführt. Es werden nur noch arische Gesellschaf t s ä r z t e eingestellt und das Recht .auf Inanspruchnahme nichtarischer Vertrauensärzte auf die nichtarischen Versicherungsmitglieder beschränkt. [; „Jüdische Rundschau" < bemerkt hierzu, daßi aus dieser Verfügung, die die - jüdischen Aerzte sehr schwer treffe,. da d.er gr ö ß tevT el 1 der Pr i vatp at'ieijten in „Mittelstandsversicherungen" versichert ist, jüdischen Patienten die Pflicht .erwächse, diese Aerzte besonders zu berücksichtigen, da sie sonst wirtschaftlich nicht existieren könnten. '. Der Arierparagraph ,iii der Filmproduktion Aus Berlin: Der Deutsche Bühne nn a'c h w e i s gibt jetzt Richtlinen für alle Filmschaffenden heraus. Danach haben Produktionsleiter, RegiS3eure, Autoren, Komponisten, Aufnahmeleiter, Kameraleute, Architekten, Tonmeister und Cutter sofort ihre Staatsangehörigkeit und arische Abstammung beim Bühnennachweis anzugeben., - Für den Nachweis '■> der arischen Abstammung sind Geburtsurkunden der Eltern beizubringen. Aus diesen Geburtsurkunden muß auch die Religionszugehörigkeit der,\ G r o £ e 11 e r n hervorgehen, ften Produktionsfirmen wlfö empfohlen, schon fetst alit i