Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1933-07-21 · Heft 306 (21.7.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 306 (21.7.1933)
Date
1933-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711899-2711928--3829-2717241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 306 DIE NEUE WELT Seite 3 *4- Dr. Hautners Sanatorien Waldsanatorium Perchtoldsdori bei Wien Schönste Lage Im Wienerwald, direkte Auiobtisverbindung von Wien I. Altvatersanatorium Frelwa!dau«Gräfenberg, CS. R. Prachtvollste Höhenanlage, in beiden Sanatorien alle Kurbehelfe für innere, Nerven- und Stoffwechselkrankheiten, Erholungsbedürftige etc. Modernster Komiort. Zeitgemäß reduzierte Preise Lord Meldietts liebertritt zum Judentum Aus London wird geschrieben: Samstag, den 15. Juli, gab es im nördlichen Teil Londons bei geschlossenen Türen einen besonders feierlichen Gottesdienst, bei welchem Lord Melchett, bisher Mitglied der anglikanischen Kirche, zum Judentum Übergetreten ist. Lord Melchett, der Präsident des englischen Chemie-Trusts und großer Wirtschaftsführer, hat sich jahrelang für jüdische Dinge interessiert und hat unter dem Eindruck der Judenverfolgungen in Deutschland nun auch seine seelische Haltung geändert. Lord Melchett stammt von einem jüdischen Vater (Minister Sir Alfred Mond) und einer christlichen Mutter, die, da der Vater völlig assimiliert war, die Erstehung der Kinder innehatte. Erst in den Nachkriegsjahren begann Alfred Mond sich mit jüdischen Problemen zu beschäftigen und. wurde ein eifriger und führender Zionist. Vor acht Jahren war er mit seinen Kindern in Palästina, wo das jüdische Aufbauwerk tiefen Eindruck auf ihn Kurort Baden S bei Wien Oesterreichs grosses Heilbad gegen Gicht, Eheuma, Ischias anatorium Gutenbrurm BadcwbWiea Erstklassige physikalisch - diätetische Heilanstalt / Herzalle Diätkuren / Badekuren / Schwelelbäder im Hause / und Nierenstation Großer Zandersaal machte. Lord Melchetts Schwester, Lady Early, wurde ebenfalls für das jüdische Aufbauwerk gewonnen und trat in zahlreichen Versammlungen für das zionistische Ziel ein. Nach dem Tode Sir Alfred Monds trat sein Sohn, der gegenwärtige Lord Melchett (Präsident des Makkabi- Weltverbandes) für das Werk des Vaters ein, indem er die Palästina-Unternehmungen des Vaters weiterführte. Im Laufe der letzten Jahre ist der junge Lord Melchett in der jüdischen Oeffentlichkeit populär geworden. In den Hauptstädten Europas, die er kürzlich besuchte, war er Gegenstand besonderer Ehrungen. Sein offizieller Uebertritt zum Judentum ist nur der natürliche Abschluß einer innerlich längst schon reif gewesenen Ueberzeugung. UNDSCHAU Ein |üdi§dier Botschafter in Sowjetrußland? In einer Krise sondergleichen fanden sich die Vertreter aller großen Staaten zu einer Weltwirtschaftskonferenz in London zusammen. Man horchte auf. Fragen von grundlegender Bedeutung für die ökonomisch gefährdeten Völker sollten beraten und beantwortet werden. Selbstverständlich waren auch die Milli onen Juden, die mit der Weltwirtschaft mehr oder weniger verknüpft sind, an einem harmonischen Ausklang, an einem positiven Resultat dieser Konferenz interessiert — wenn sie auch als Wortführer nicht auftreten. Millionen Juden waren in das von den nichtjüdischen Führern bereitete Geschick dieser Konferenz eingebettet. Auch Amerika gab seine Stimme ab. Der Präsident der Vereinigten Staaten Roosevelt sandte seine Botschaften nach London, kritisierte das Verhalten der einzelnen Staaten, erteilte Ratschläge und RUgen. Ob seine Stellungnahme die Situation verbesserte oder nicht, ob sie zweckmäßig war oder nicht, darüber werden spätere Tage entscheiden. Jedenfalls wußte die Weltpresse zu melden: Hinter Roosevelt, hinter den Kulissen stehen als Ratgeber und Initiatoren — Juden. Man nannte insbesondere den New Yorker Bankier B a r u c h. Juden als Berater des amerikanischen Präsidenten — eiskalt lief die Freude ob solcher Nachricht den Anhängern der „jüdisch-liberalen" Weltanschauung über den Rücken. Es schmeichelte den liberal-assimilatorischen Juden und wahrscheinlich den ins Licht der Oeffentlichkeit gestellten Beratern nicht minder. Die Aufgabe, die Genugtuung Uber dieses Ereignis auf: das notwendige Maß zu reduzieren, ist eine heikle Sache. Man könnte leicht mißverstanden werden. Haben doch beispielsweise seinerzeit die Deutschen behauptet, Amerika wäre nur durch den unerhörten Einfluß der Juden in den Krieg gegen Deutschland eingetreten! Haben doch später die Engländer und Franzosen behauptet,. Amerika wäre nur durch den unerhörten Einfluß der Juden, der Deutschen, im Verlauf der Reparationszahlungen finanziell zu Hilfe gekommen! < Verstehen wir also die Deutung unserer Teilnahme an den Prozeduren der Weltwirtschaft! Wieder wird auf jüdischem Rücken Stimmung für eine „edle Handlung" gemacht. Die diesbezügliche J. T. A.-Nachricht vom 10. Juli lautet: Der Gesandete der Vereinigten Staaten in Stockholm Laurence A. Steinhardt, ein bekannter New Yorker jüdischer Rechtsanwalt, der im April d. J. von Präsident Roosevelt auf seinen gegenwärtigen Posten berufen wurde, ist beauftragt worden, die Interessen der Vereinigten Staaten berührenden politischen Vorgänge in Sowjetrußland zu verfolgen. Es verlautet, daß Steinhardt dazu ausersehen sei, der erste amerikanische Botschafter in Sowjetrußland zu werden, sobald dieses von den Vereinigten Staaten anerkannt sein wird. Nichts wäre leichter als diese Meldung nach ihrem tatsächlichen Wert zu interpretieren. Aber wie bisher werden zweifellos auch diesmal allerlei Kombinationen daran geknüpft werden. Es ist nicht seit gestern, daß den Juden, mögen sie auch in TJnternehmerfunktionen stehen, Neigung zum Bolschewismus oder Kokettieren mit ihm angedichtet wird. In Vreiterem Zuge wird es nicht schwer fallen, an die Ernennung eines Juden zum Botschafter in Sowjetrußland die extremsten Vermutungen zu knüpfen. Gewiß könnte man sagen: Die Amerikaner, von keinem rassischen oder religiösen Vorurteil belastet, wählen ihre Vertreter nach Alle Vorzüge eines Hotels, Alle Bequemlichkeit einer Pension finden Sie in der Hotel-Pension Wien I, Kärntnerstraße 33. Central deren Brauchbarkeit! Aber von solch objektiver Betrachtung in bezug auf die Juden sind die Meisten noch weit entfernt. Darum klatschen wir auch nicht „Bravo". AJlzuleieht schlägt momentane Anerkennung in gefährliche Komplikationen um. Bei allem Respekt vor dem guten Willen des Präsidenten Roosevelt und bei aller Würdigung des gegebenen Talents vom präsumptiven Botschafter Steinhardts können wir nicht allzuviel Begeisterung über diesen Fall aufbringen. Man frohlocke nicht über die Absicht Amerikas, einen Juden zum Botschafter in Sowjetrußland zu machen. Wir werden um — das ist zu befürchten — auch hier Wieder einer Welle von Mißgunst, Verdächtigungen und Verleumdungen au erwehren nahen. Herbert Samuels neueste Schändlichkeit Die Nachricht von der Verschiebung der jüdischen Weltwirtschaftskonferenz, die den Weltboykott gegen deutsche Waren organisieren sollte, hat überall wie ein Donnerschlag gewirkt. Die Zusatzbemerkung, die Konferenz werde „später" stattfinden, klang nicht sehr überzeugend. Wir haben schon in unserer lezten Nummer auf gewisse Kräfte hingewiesen, die hinter den Kulissen die Solidarität der Weltjudenheit zu unterminieren, das Ansehen und die Ehre des jüdischen Volkes zu schädigen versuchen. Das, was bisher Vermutung war, wird nun bestätigt. Die „Frankfurter Zeitung" wendet sich scharf gegen die Vertreter der „liberalen" Juden Englands, Laski und Montefiore, well diese angeblich nicht offen die Haltung Lord Melchetts und der anderen jüdisch-englischen WirtschaftsfUhrer, welche für den antideutschen BoykoU wirken, verurteilt hatten. Atfer zugleich mit dieser Meldung erfahren wir aus London noch eine zweite, viel wichtigere und bedeutsamere Tatsache, die wir ebenfalls bereits in unserer vorigen Nummer gestreift haben. Diese Meldung besagt: Ende März ist zwischen Sir Herbert Samuel und dem' deutschen Botschafter eine Abmachung getroffen worden, wonach Herbert Samuel und die ihm nahestehenden Kreise sich für ein Abwürgen des spontan in England ausgebrochenen Warenboykotts gegen Deutschland einzusetzen haben. Diese Abmachung sollte auch veröffentlicht werden. Im letzten Augenblick aber ließ der deutsche Botschafter die Veröffentlichung nicht zu, „da sie dem Prestige Deutschlands schaden könnte." Die Veröffentlichung ist also aus Rücksicht auf das Hitler-Deutschland unterblieben! Hier bieten sich wieder neue, Perspektiven in bezug auf den Charakter Sir Herbert 'Samuels. Das Wirken dieses Mannes ist eine geschlossene Kette von Schändlichkeiten gegenüber dem jüdischen Volk. Wir erinnern uns an seine Tätigkeit als erster Oberkommissär Palästinas, wo er den verbrecherischen Großmufti wieder in Amt und Würden einsetzte, wo er zur Abtrennung Transjordaniens beitrug, wo er die jüdisch-zionistischen Interessen und Aspirationen in der unerhörtesten Weise schädigte. * Herbert Samuel steht seit eh und je an der Front Welzmanns. Er ist auch selbstverständlich ein wohlwollender Partner der erweiterten Jewish Agency. Wann wird das jüdische Volk, wann wird die Zionistische Organisation hier gründlich aufräumen? Raslere dien besser! Nimm einzige schwedische Weltmarke Angst vor dem Zionismus Mit dem Amtsantritt Hitlers wurde die Situation der Juden in Deutschland klar. Vielhundertjähriges territoriales Beisammenleben, Berufung auf Schicksals- und Kulturgemeinschaft, Betonung erworbener Rechto und erfüllter Pflichten — all das war wirkungslos. Das Judenprogramm war das erste, das die Hakenkreuzregierung durchzuführen entschlossen war. Und mit einem Male änderte sich die Stimmung tausender deutscher Juden und auch der anderen, die sich bisher Im Wolkenkuckucksheim liberal-assimilatorischer Neigungen befunden hatten: Die zionistische These brach sich Bahn; es begann eine Dämmerung auch bei der linksrevolutionär eingestellten Jugend. Den Kaffeehausbolschewiken jüdischer und nichtjüdischer Abkunft, den Berufsemigranten, den Produzenten der Emigrantenliteratur wurde bang: sie kamen in die Gefahr, Anhängerschaft zu verlieren. Der Zionismus erwies sich als störende, die angefaulten Weltverbrüderungsdogmen zertrümmernde Kraft — und da begannen die Herren „Judäo- Marxisten" eine antizionistische Kampagne. Aber wie sehr sie sich irrten, wie falsch ihre Prognosen waren, bezeugt eine redaktionelle Notiz» die am 2. März 1933 in der „Wiener Weltbuhne" (einem Unksradikalen Organ) unter dem Titel „Israelitische Kultusgemeinde" erschienen war. Cafe Central / SÄftiÄ i endezvous der b'port-, Theaferwelt, aller Fremden ♦♦♦»♦♦♦»♦»♦»♦♦»♦♦♦»»♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦»»»»» Zur Erklärung diene die Tatsache, daß der Linzer Bischof in einem Hirtenbrief einen sogenannten ethischen Antisemitismus predigte und viele österreichische Juden erschreckte. Man stand vor einem verkleideten Hakenkreuz-Antisemitismus und dachte Uber Abwehr nach. Zu dieser Stimmung bemerkte also die „Wiener Weltbühne": „Den Juden, die vor dem Antisemitismus österreichischer Hirtenbriefe emigrieren wollen, wäre dringend Deutschland als Asyl zu empfehlen. Seit dem 30. Jänner, seit der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur ist von amtlicher deutscher Seite kein Wort mehr gegen die Juden gefallen. Man wäre erstaunt, hätte man's nicht schon vorher gewußt: die antisemitische Note ist &n Reklametrick, eine zweifellos vorhandene Massenstimmung für den Machtaufstieg auszunützen. Ist es erst einmal so weit, dann wird die Macht in der allein wichtigen Richtung gebraucht — gegen links. Die Reden der Minister Hitler, Goering und Frick beschäftigen sich ausschließlich mit dem Marxismus. In Deutschland geht es gegen die Freiheit, gegen die Arbeiterbewegung, gegen den Sozialismus. Hie und da wird den Herren der Antisemitismus vielleicht doch ein wenig hochsteigen; dann wird ein kleiner Ghettojude in Berlin oder Breslau die Uebermacht der deutschen Nation zu fühlen bekommen. Aber ansonsten ist, wie gesagt, gutsituierten Juden, die sich in kein geistiges Gedränge einlassen, also zwischen Wilhelm HL und Hitler schwanken, das erwachte Deutschland als sicheres Asyl vor dem Wiener Antisemitismus zu empfehlen." Diese Progrnose ist, wie man sieht, genau so zutreffend '^wie alle anderen von marxistischer Seite in bezug auf die Judenfrage aufgestellten. Der Zionismus paßt halt nicht den ausgetretenen und getauften Herren von der zweiten Internationale, deren reichsdeutsche Kollegen für Hitlers Konzentrationslagergesetz am 17. Mai gestimmt haben. Das Sdiidcsal der deutschen Juden Man muß Widerwillen und Scham vorerst überwinden, wenn man an die „Union österreichischer Juden'*, anstreifen will. „Es gibt nichts Unappetitlicheres als eure Unionsjuden", sagte mir schon in der Blütezeit der Assimilation ein arischer Freund. Ich widersprach ihm nicht ... Vom Schicksal der deutschen Juden zu erzählen, erübrigt sich wohl. Alle Welt weiß, daß sie trotzglühendem Patriotismus und jahrhundertelanger Aufopferung für die deutschen Belange als minderwertige Rasse aus allen Aemtern und Stellen, aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben hinausgeworfen werden. Ein Schicksal, dessen Möglichkeit vom Zionismus stets ins Auge gefaßt wurde. Aber unsere Unionsjuden (es gibt nichts Unäppetilicheres, sagte mir ein arischer .Freund) wissen nichts davon. Sie sind unverbesserlich. Denn sonst hätten lllillllllllllllllllllllllllilllillllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH Ollöl 6, September bis 11. Oktober 1933 In Verbindung mit einer Mittelmeer« rundrahrt mit dem Lloyd-Dampfer „Vienna" Rückfahrt über Aegypten mit dem Lloyd-Dampfer „Helouan" Aufenthalt In: Palästina 15 Tage / Kairo 2 Tage / Konstantinopel 2. Tage / Athen 2 Tage / Rhodos 1 Tag / Venedig 1 Tag Genua 1 Tag Pauschalpreis von Wien bis Wien : Dampfer III. Klasse Spezial (vereinfachte II. KI.), Eisenbahn II. Kl., gut bürgerl. Hotels u. MÄCf) Verpflegung, Führung, Trinkgelder usw. il l^JU." Bei Benützung der II. Schlffsk). um S 350.- mehr Für Touristen, welche bloß Palästina besuchen, ndet eine "ndet Sonderfahrt am 11. August 1933 mit dem Lloyd-Dampfer „Acfria" in der III. Klasse Spezial statt Gesamtarrangement: Frau Berta Taubes Technische Durchführung; Reisebüro „Marienbriicke" (Palästinadiensf), Wien I, Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86 u. R-24-2-87 Auskünfte täglich / Prospekte gratis JjPMIlUIIIIIIIIIIIW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.