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Die neue Welt · 1933-07-14 · Heft 305 (14.7.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 305 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 305 DIE NEUE WELT Seite T 1 Notizen £ord Melchett fordert Investitionssystem in Palästina Zu Ehren von Counclllor Davis, der dem Jüdischen Ifationalfondfl im Auftrag der Federation of Synagogues 10.000 Pfund als Anlage übergab, fand in London ein Empfang statt, auf dem Lord Melchett ,der Hauptredner des Abends, die Notwendigkeit betonte, in Palästina von der Aera der Philanthropie zu der der Investitionen überzugehen, wenn eine großzügige Entwicklung des Landes Platz greifen solle. Bisher, erklärte Lord Melchett, ist Palästina mit den Pfennigen der Armen aufgebaut worden. Die bisher erzielten Erfolge sind diesen Pfennigen zu danken. Aber wir dürfen nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Ernster als jemals sind heute die Verpflichtungen aller wahren Zionisten. Palästina, ein rasch wachsender Wirtschaftskörper, bietet Probleme von zunehmender Kompliziertheit und erfordert Führer von außerordentlichen Fähigkeiten und erstklassigem Kaliber, wenn das dort Übernommene Werk nicht scheitern soll. Zum Schluß erklärte er, er würde es für falsch halten, wenn Juden sich aus Furcht vor Antisemitismus davon abhalten ließen, sich miteinander zu beraten, und in getrennten Lagern blieben. Was er in Europa gesehen habe, hätte ihn davon überzeugt, daß es Pflicht jedes Juden sei, mit aller Kraft an dem großen Werk des Aufbaues Erez Israels mitzuarbeiten. Jüdische Filmdarsteller und Filmautoren nach Hollywood New York, 8. Juli. (J. T. A.) Der bekannte Filmunternehmer der Metro Goldwyn Mayer Corporation und Unternehmer für die United Artists Corporation Samuel Goldwyn hat sich an die Spitze einer Bewegung gestellt, die sofortige Beschäftigungsinöglichkeiten In Hollywood für jüdische Filmkünstler, Direktoren -irnd Filmautoren schaffen will, die Deutschland infolge der antijüdischen Maßnahmen verlassen mußten. Samuel Goldwyn erklärt, er sei auf Grund einer Besprechung mit führenden amerikanischen Filmunternehmern überzeugt, daß jüdische Künstler aus Deutschland in Hollywood mit offenen Armen aufgenommen werden "würden. * Wir sind nicht überzeugt. Die „Bodenständigen" werden bald und kräftig protestieren. Das Ganze scheint ein bißchen billige Reklame für Mister Goldwyn zu sein sonst nichts. Fahnenübergabe an ostjüdische Kriegsfreiwillige in Paris Aus Paris: Im Rathaus des XI. Pariser Stadtbezirkes fand die feierliche Uebergabe einer Fahne an die ostjüdischen Kriegsfreiw ilügen des Weltkrieges statt. Der Feier wohnten der Vizepräsident der französischen Kammer Henri Pate", der Abgeordnete Luden Basse t, ein Vertreter des Generals Gouraud, der Bürgermeister und etwa dreitausend ehemalige Frontkämpfer bei. Sämtliche Kriegervereinigungen des Stadtbezirkes hatten Abordnungen mit ihren Fahnen entsandt. Ferner waren Vertreter der belgischen, rumänischen und italienischen Frontkämpfer sowie der Kriegsfreiwilligen aus dem Kriege 1870/71 erschienen. Einstein hat mit dem Komitee zur Untersuchung des Reichstagsbrandes nichts zu tun Aus Antwerpen: Im Zusammenhang mit den Nachrichten, denen zufolge Professor Einstein an der Spitze eines Komitees stehen soll, das die Frage des Reichstagsbrandes in Berlin untersuchen will, tibergab Professor Einstein dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur folgende Erklärung: In mehreren Zeitungen habe ich meinen Namen als den des Präsidenten eines Komitees angegeben gefunden, das im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Prozeß gegen die der Brandstiftung im deutschen Reichstag Beschuldigten eine Untersuchung dieser Angelegenheit durchführen will. Diese Berichte, aus denen ich zum erstenmal von dem Bestehen eines solchen Komitees erfuhr, haben mich außerordentlich überrascht. Obwohl ich im allgemeinen mich um die mich betreffenden falschen Zeitungsberichte nicht kümmere, halte ich es in diesem Falle für wichtig, einen formellen Protest dagegen zu erheben, daß mein N.ame mit dieser Sache i,n Verbindung gebracht wurde. } Im Zusammenhang mit der Kritik, die Dr. Chaim ..Weizmann vor kurzem in einer in New York gehaltenen Rede an der ablehnenden Haltung Professor Einsteins bezüglich der an ihn ergangenen Berufung an die Universität Jerusalem geübt hat, übergibt Professor Einstein der Jüdischen Telegraphen-Agentur folgende Erklärung: Dr. Weizmann weiß sehr wohl, daß er durch seine Erklärung die öffentliche Meinung irregeführt hat. Er kennt die Gründe meiner Weigerung nur zu gut und hat sie in unseren privaten Unterhaltungen wiederholt als berechtigt anerkannt. Er weiß auch, unter welchen Bedingungen ich bereit wäre, an der Hebräischen Universität Jerusalems tätig zu sein. „Protokolle von Zion" in Basel verboten. Auf Begehren des Schweizerischen Israelitischen, Gemeindebundes und des Schweizerischen Zionistenverbandes hat der S^rafgerichtspräsident von Basel-Stadt die Beschlagnahme der sogenannten „Protokolle von Zion", bezw. „Die zionistischen Protokolle" verfügt und ihre Weiterverbreitung verboten. Statt antisemitischer Versammlung, Protestkundgebung gegen den Antisemitismus in Luzern. Die „N ationale Front" hatte in Luzern eine öffentliche Versammlung einberufen, zu der 1600 Personen, jedoch in er* •drückender Ueberzahl Gegner der antisemitischen Propaganda, erschienen waren. Der vorgesehene Versammlungsleiter wurde abgesetzt und an seiner Stelle ein liberaler Vorsitzender gewählt. Als Oberstdivisionär Sondex- «Iger, dec Eührer der „Nationalen Front", das Wort er- BADGA/TEIN Europas stärkste radioaktive Alpentherme, 1083 Meter. 18 Qnellen, 47° C Naturwarme. 360 Liter pro Minute Altersbeschwerden — Vorzeitiges Altern — Alte Nervenleiden — Gicht — Rheuma — Blasenleiden — Nierensteine Moderne Hotels und Kurhäuser zu mäßigen Preisen — Thermalbad In jedem Hause Für Ruhe und Erholung wird gebürgt! Prospekte durch Kurkommlstion Badgasttfn oder Karlsbad, MUhlbrunnafraüe 3 1 IVf TD U/t1*1?T DD1 CTAf mmm Zentrale, «onnlg-ruhfje Latfe 1ttf!D IV vJIl<nV/ 1 JuJU DI%19 I VFJL^D Thermalbäder/ Fließendes Wasser BMHMBMM^HgH^BM^aaflMBHaiM Mlftitfe Prelle / Telephon 173 greifen wollte, erhob sich ein ungeheurer Tumült. Versuche anderer Redner, gegen die Juden ausfällig zu werden, lösten stürmische Proteste aus. Das Schlußwort hielt der liberale Oberst Meyer, der erklärte, man wolle in Luzern weder Frontennoch Judenhetze. Die Versammlung faßte eine entsprechende Resolution. Forderungen der hebräischen Weltbewegung an den 18. Zionistenkongreß. Die Aufgaben der hebräischen Weltbewegung (Brith Iwrith Olamith) und die Forderungen, die namens der hebräischen Bewegung an den IS. Zionistenkongreß gestellt werden sollen, bildeten den Gegenstand einer Pressekonferenz, in der der Präsident der Histadurth Iwrith, Dr. David Rothblum, und der Leiter der Weltunion der Hebräer Dr. Z. Sohar, referierten. Dr. Rothblum setzte auseinander, daß die Organisierung aller Hebräisch sprechenden Voraussetzung für die erfolgreiche Hebräischsprechenden Voraussetzung für die erfolgreich« tralisierung sämtlicher hebräischen Kultur- und Erzie* hungsinstitute erfolgen. Dr. Z. Sohar erklärte, vom 18. Zionistenkongreß werde von den Vertretern der hebräischen Bewegung gefordert werden: 1. Daß die offizielle Sprache des Zionistenkongresses Hebräisch sei, 2. daß auf dem 18. Zionistenkongreß ein spezielles Referat über hebräische Kultur und hebräisches Erziehungswese* in der Galuth gehalten wird, 3. daß der 18. Zionistenkongreß die Errichtung eines besonderen Departements in der Leitung der Jewish Agency für. hebräische Kultur und hebräisches Erziehungswesen beschließe, 4. daß der 18. Zionistenkongreß die Schaffung eines Tarbuth-Fonds (Keren Katarbuth) neben den zwei schon bestehenden Fonds beschließe, 5. Hebräisierung aller offiziellen zionistischen Büros in Erez Israel und in der Galuth. AUS PALÄSTINA Aktion zur Abschaffung der Zuschlagszölle auf Palästina-Orangen Eine Abordnung des jüdischen Kolonistenverbandes wurde vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope empfangen. Die Abordnung teilte dem High Commissioner mit, daß die Herren Rokach und Alman sich demnächst nach London begeben würden, um die Verhandlungen betreffend Abschaffung des Zuschlagszolles auf Palästina-Orangen in England fortzusetzen. Ferner brachte die Abordnung die Frage der in einigen Ländern bestehenden Einfuhrschwierigkeiten für Palästina-Orangen zur Sprache. Es wurde darauf hingewiesen, daß eine Reihe von Ländern, wie die Tschechoslowakei, Rumänien, Bulgarien und ändere, die Einfuhr von Palästina-Orangen, nur im Kompensationswege zulassen, obwohl diese Lander unabhängig davon emen stärken Exporthandel nach Palästina aufweisen. Irak, Palästina, Transjordanien und Syrien ein Wirtschaftsgebiet? Aus Jerusalem: Politische Kreise in Irak sowie der König Feisal selbst unterstützen den Plan des Zusammenschlusses von Irak, Palästina, Transjordanien und Syrien zu einer wirtschaftlichen Einheit. Ist das nicht ein Vorstoß in der Richtung zur politischen Einheit? '"■ Neue große Parkanlagen in Tel-Awiw . Auf dem Ausstellungsplatz in Tel-Awiw in der,Nähe des Jarkon-Flusses wird ein großer Park angelegt. Die Anlage wird bis an die neu zu erbauenden Badeanstalten am Meere reichen. 20 Millionen Pfund in Bauten investiert Nach einer von der ökonomischen Zeitschrift „Mischar we Taassial" aufgestellten Statistik wurden in denletzten 10 Jahren in Palästina 20 Millionen Pfund (zirka.700 Millionen Schilling) in Bauten: investiert» Eine zweite Seidenfabrik in Ramath-Gan Vor wenigen Wochen wurde mit. dem, Bau einer neuen Seidenfabrik in Ramäth-Gan begonnen. Der Gründer der Fabrik ist ein amerikanischer Jude namens Sachs. Holzfußböden in Palästina, Bekanntlich werden mit Rücksicht auf das Klima die Fußböden in Palästina in Stein ausgeführt. Nun, hat die Möbelfabrik L ö w e n s t e i n in Tel-Awiw ein Patent erworben und geht daran, Fußböden in Holz (Parketten) O c u I a r i um Wion lf Kürntnersir. 39, Eingang Annagasse 1 Untersuchung der Augen u. Verordnung passender Augengliiier kostenlos unter Leitung de« Angenarrtes Herrn Dr. Pobbrtki (Tel. R-27-0-43) Ununterbrochen von 8 Uhr lüoroent bli 8 Uhr abende geöffnet / Brillen von 8eh!|llnfl Vaufwärts kez auszuführen. Die Bretter werden aus dem Holze einer besonderen Art von Eukalyptusbäumen geschnitten. Die nenen Parkettböden sind wärmedicht und sind für das palästinensische Klima geeignet, Holland nimmt an der orientalischen Messe in Tel- Awiw teil Wie aus 4$m Haag berichtet wird, hat die holländische Regierung beschlossen, ah der nächsten Messe deu Nahen Oriente! in Tel*Awiw teilzunehmen. Zu diesem Zwecke, hat die Regierung eine Konferenz der Vertreter der Landwirtschaft und Industrie , einberufen. . Errichtung einer meeresblojogischen Station in " Palästina ■ < ■ Aus Jerusalem: Die Jerusalemer Presse Areröffentlieht einen von Dr5 Walter Steinita ausgearbeiteten Plan zur Errichtung einer biologischen Station mit Aquarium, die dem Studium der Tierwelt des Mittelmeeres gewidmet sein soll. An dem geplanten Institut sollen auch Kurse stattfinden. Gleichzeitig soll es eine Lehr- und Forschungsstätte für die Wissenschaftler und Studenten der Hebräischen Universität sein. Die Hebräische Universität und die Gemeinde von Tel-Awiw stehen dem Projekt Dr. Steiriitz' sympathisch gegenüber. Das diesjährige Budget von Tel-Awiw Aus Jerusalem: Der Stadtrat von Tel-Awiw hat das Budget der Stadtverwaltung für 1933/34, das Ausgaben in der Höhe von 17 5.000 Pfund gegenüber einer voraussichtlichen Einnahme von 150.000 Pfund vorsieht, angenommen. Die Stadtverwaltung erwartet, daß das Defizit von 25.000 Pfund durch Regierungszuschuß gedeckt werden wird. Die hauptsächlichen Aüsgabenposteh betreffen: Unterrichtswesen 32;000 Pfund, Straßenbau und-Kanalisation 30.000 Pfund; Gesundheitswesen 18.000 Pfund, Verwaltung 12.862 Pfund, Änleihen- Zinsendienst uri'd -Rückzahlung 27.128 Pfund. Aufschwung der Palestine Electric Corporation —* ' Ertrag 1933 88.000 Pfund, 8 Prozent Dividende Aus London:^Auf der in London stattgefundenen Generalversammlung; der Palestine Electric Corporation wurde beschlossen, für das Jahr 1932 eine Dividende yon 8 Prozent zur Ausschüttung zu bringen und junge Aktien im Verhältnis von 1 :10 auszugeben. Aus dem Bericht der Geschäftsleitung ging hervor, daß der Rohertrag ün abgelaufenen Jahre, einschließlich eines* Vortrages aus dem vergangenen Jahr von pal. Pfund 4328, pal. Pfund. 87.831 betrug* Das im Juni 1932 eröffnete Jordan*Kraftwerk hat zufriedenstellend gearbeitet. Ungeachtet der bedeutenden Ermäßigung des Strompreises vom Jänner 1932 an sind, die Bruttoeinnahmen von pal> Pfund 139.673 im. Jahre 1931 auf pal. Pfund 145.512 im Jahre 1932 gestiegen; Die Zahl der Stromabnehmer ist um, 3084 auf 15,113 gestiegen. Die Hochspannungsleitungen wurden um 65 Kilometer verlängert,, so daß das Hochspannungsleitungsnetz jetzt 2 94 Kilometer, umfaßt. Die Nprmalstromleitungen sind um 59 Kilometer auf 294 Kilometer verlängert worden. Das. gesamte Leitungsnetz umfaßt nun- .mehr 762 Kilometer* Für. das, Jordan-Kraftwerk wurde eine dritte Wechselstrom turbine besteilt, deren- Aufstellung im September d. J., erfolgen soll. Die Gesamtkapazität der der Corporation gehörenden Kraftstationen wird sodann 32.925 Pferdekräfte betragen. \' Ein Stellennachweis für jüdische Aerzte aus dem c , Ausland in Tel-Awiw ,' Aus Tel» A.wi w:. Auf ,der vorkurzem / in Tel- Awiw, abgehaltenen Jahresversammlung des jüdischen Aerzte Verbandes Palästinas wurde eine Resolution angenommen, in., der gegen jeden Versuch, die •Zulassung jüdischer Aerzte aus Deutschland nach Palästina einzuschränken, Einspruch . erhoben wird. Das Zentralkomitee des Verbandes wurde beauftragt, ein Informations-* und Stejlenriachweisbüro für aus dem Ausland kommende jüdische Aerzte einzurichten. . Der Tel-Awiwer Arzt Dr; A. Metmah hat einen interessanten Vorschlag, wie eine möglichst große Zahl jüdischer Aerzte aus Deutschland in Palästina Unterkommen finden könntegemacht.' Dr. Metmän schlägt vor, daß jede jüdische Siedlung, die mindestens 25 Familien umfaßt, ein Grundstück zur Ansiedlung eines jüdischen Arztes aus Deutschland zur '■ Verfügung stellen solle. Die so angesiedelten Aerzte sollen gegen ein kleines festes Gehalt und Naturalversorguhg durch die auf ihrem Grundstück gezogenen Produkte die ärztliche Betreuung der betreffenden Siedlung und ihrer Umgebung übet* nehmen,

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