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Die neue Welt · 1933-07-14 · Heft 305 (14.7.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 305 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 305 TIROL-KOSSEN ■_MOTtL.PEWSlON MMW Wo sind fefpt Logik und Moral Von Dr. R. Rosenblum (London), Leiter des Büros der revisionistischen Exekutive Herr Jabotinsky hat uns zehn Jahre lang gelehrt, daß es in der Politik keine „Autoritäten", kein „Tabu" gTbe: alles müsse sonnenklar und logisch sein, alles Un logische müsse schonungslos zurückgewiesen werden; alles könne kritisiert werden: Fonds, Namen, Geschichte etc. Und keine Ausnahmen! Gut. Wenn es keine Ausnahmen geben darf, so möchten wir einmal Herrn Jabotinsky um klare Antwort bitten. Jahrelang führte Herr Jabotinsky einen erbitterten Kampf für den Austritt aus der Zionistischen Weltorganisation (Z. O.). Er wollte diese durch Spaltung zugrunde richten. Die Revisionisten — alle Revisionisten — waren immer dagegen. Denn die Idee, die Z. O. in Brüche gehen zu lassen, vermochte keinen Revisionisten zu begeistern. Unsere Absicht war die entgegengesetzte: die Z. Ö. zu erobern, sie zu stärken und mit unserem Geiste zu erfüllen. Herr Jabotinsky, wollte davon nichts hören. Als er sich aber überzeugt hatte, daß die Revi slonisten für den Austritt aus der Z. O. nicht zu haben sind, hat er die Austrittsidee beiseite geschoben und einen anderen Weg beschritten. Der andere Weg heißt: in der Z. O. verbleiben, aber sie durch das Medium des , „revisionistischen Primats" zugrunde zu richten. Denn den revisionistischen Primat offen oder stillschweigend zur Kenntnis zu nehmen, heißt zugeben, daß zionistische Beschlüsse keine Anwendung auf Revisionisten finden dürfen; Und das heißt wiederum, daß die zionistischen Beschlüsse auf die linken Parteien ebenfalls keine Anwendung finden dürfen, denn was den Revsionisten erlaubt ist, kann auch den anderen nicht verboten werden* Und auf die allgemeinen Zionisten ebenfalls. Und auf alle anderen ebenfalls. Das bedeutet aber Anarchie und eine Flucht der Parteien aus der Z. O., denn niemand wird ein Interesse haben, in einer Z. O. weiterzubleiben, deren Beschlüsse niemanden zu etwas verpflichten, deren Fraktionen über dem Kongreß stehen, deren Exekutive zu einer leeren Dekoration wird. Revisionistischer Primat ist die jüdische Ausgabe des polnischen Liberum veto. Polen ist durch das Liberum veto zugrunde gerichtet worden. Die Z. O. würde durch das revisionistische Primat zugrunde gerichtet werden.;-Ich verstehe Herrn Jabotinsky. Er ist konsequent: Nachdem es nicht ging, die Z. O. von außen zu zerklüf ten, will er sie Jetzt von innen „lähmen", wie er sich einst ausgedrückt hatte. Wo ist aber die Logik und die Sonnenklarheit, wenn er die Revisonisten ruft, ihn hiebe! zu unterstützen? Glaubt er denn, daß eine Zerklüftung der Herzischen Organisation von innen für uns annehmbarer ist, als deren Zerklüftung von äußenher? Und ist es moralisch, mit solchen Absichten in die Z. O. zum Kongresse zu gehen? Für den Fall, daß die Z. O; den „revisionistischen Primat" ablehnen sollte, kündigt schon Herr Jabotinsky „Konsequenzen" an: „Wir werden daraufhin beschließen, was wir zu tun haben." Wiederum — Austritt? Wenn ,wir nicht irren, dürfte es bereits der vierte Austritt sein. — Nun eine kleine Reminiszenz: Auch Herr Dr. Weizmann hat seinerzeit die Kongresse mit Demisslons- und Abreisedrohungen fortwährend Uberschüttet. Wie haben wir. Revisionisten das qualifiziert? Ich erinnere mich, nicht aller Qualifikationen, aber eine derselben war: Entwürdigung des Kongresses! ich spreche schon nicht vom „Rasswjet" des Herrn Jabotinsky, dessen Redakteure viel schärfere Ausdrücke gebrauchten. Nun ist die Frage: Warum muß dieselbe Sache „Entwürdigung" heißen, wenn A der Täter ist und;,Mdral" — wenn B,es ist? Denn schließlich wird Danen Herr A sicherlich sagen, daß ihm seine Prinzipien ebenso teuer sind, wie Herrn B die seinigen, und daß infolgedessen Abreisedrohungen den Austrittsdrohungen gleichzustellen wären. Bekanntlich haben wir seinerzeit in der Z. O. gewisse Diktaturgelüste Weizmanns überaus unfreundlich kommentiert. Als wir gesehen haben, daß der diktaturlustige Herr im Laufe von zehn Jahren nicht weniger als vier hervorragende Zionisten aus der Exekutive hinausgekickt hat, waren wir sehr, sehr-böse. Vielleicht am bösesten unter uns war Herr Jabotinsky, der ein ganz schreckliches Bild des diktaturlustigen Herrn entworfen und klar bewiesen hat, wie unfair das sei und wie sehr uns freundschaftliche Kooperation und Demokratie nottun. Das war im Jahre 192 8. Im Jahre 1933 hat Herr Jabotinsky vier hervorragende Revisionisten, Großmann, Soskin, Stricker und Machower, samt und sonders durch einen Federstrich „abgesetzt" und diese schöne Tat in die Rubrik „Logik" eingetragen. Nun kommt die Frage: Warum ist Diktaturgelüste unfair bei A und fair bei B? Und ferner: Wenn Vier Herren in einer Minute auf illegalem Wege ihrer Aeroter enthoben werden dürfen, warum war denn die Aufregung so groß, als seinerzeit vier Herrenim Laufe von zehn Jahren auf legalem Wege abgesetzt wurden? Natürlich, Herr Jabotinsky repräsentiert soundsoviele Stimmen. Im Bewußtsein dieser Tatsache hat er j,dle Waffe des Schwächeren", die Gerechtigkeit, beiseite geschoben. In Kattowits hat er offen erklärt: „Wenn mir die Partei nicht folgt — werden 30.000 Betarlm auf meinen, Befehl die Union zertreten." Das war sein Argument gegenüber der „souveränen, unabhängigen revisionistischen Bewegung". Soldateska! Unter ähnlichem Druck stand seinerzeit eine andere „unabhängige» souveräne" etc.: die Z. O. Wir erinnern uns noch, wie man der Z. Ö. mit der Macht der linken „Hlstadruth" drohte. „Die Hlstadruth wird das, die Hlstadruth wird jenes tun." Bis die Z. O. solohe Exekutiven gewählt hatte, die der Histadruth genehm waren. In den damaligen romantischen Zeiten haben wir uns darüber aufgeregt. Wenn ich nicht irre, hat Herr Jabotinsky die Hlstadruth, diese permanente Drohorganisation, als „rotes Hakenkreuz" benannt. Jetzt eine Frage: Ist rotes Hakenkreuzschlecht und eine revisionistische Imitation desselben gut? Habeft wir .die „ Auserwähltheit der Histadruth" nur deshalb abgelehnt, um an deren Stelle die „auserwählten Betarlm" zu setzen? Ist Gerechtigkeit wirklich „die Waffe des Schwächeren", die man im Erfolgsfall besudeln darf? Haben wir nicht gesehen, wie große Mehrheiten, die auf Lüge gebaut waren, Bankrott erlitten? Als wir Revisionisten noch schwach waren, hat uns Herr Jabotinsky gelehrt» daß es keine „Führer", sondern nur „Gesinnungsgenossen'' geben darf, die wir mit unserem Vertrauen beehren, solange sie unsere An- ' sichten vertreten. Ist das Vertrauen gebroohen, s o müsse der Führer gehen. Folgendes Wörtchen war bei den Revisionisten populär: falls sich der Rabbiner taufen läßt, muß der Rabbiner und nicht seine Gemeinde gehen... Jetzt ist es anders geworden. Ein Natzlv Betar erzählte mir, daß' ihm Herr Jabotinsky sagte: „Ich frage dick nicht ob du meine Meinung teilst, ich frage dich, ob du mich unterstützen willst." Und 30.000 Jungen aus den Reihen des Betar werden aufgefordert, ihr Gewissen zu unterdrücken und auf Befehl zu stimmen. Also, muß sich doch die ganze Gemeinde taufen lassen? ... Ist das die Logik, die Sonnenklarheit, die Moral, die man uns lehrte? Ist es nicht Zeit halt zu machen? AUS DEUTSCHLAND .■' •'•} w ..• ,j.. . ' Boykottweile im Rheinland Aus Berlin: In letzter Zeit hat im Rheinland der Boykott gegen jüdische Geschäfte wieder stärker eingesetzt. In Dortmund, Bochum, Herne und anderen Städten im Ruhrbezirk wird durch die Zeitungen den Angehörigen der NSDAP, der Parteiaus-s Schluß angedroht, wenn sie jüdische Geschäfte betreten, und es werden Handzettel verteilt, um die antijüdische Propaganda zu verstärken. Infolge der Ankündigung von Maßnahmen, die man gegen Zeitungen ergreifen will, die noch I n s e rat e jüdischer F i r m e n aufnehmen, sehen sich die Zeitungen zu öffentlichen Erklärungen veranlaßt, in denen sie sich freiwillig ver-' pflichten, Anzeigen jüdischer Unternehmer nicht mehr' zu veröffentlichen. Damit ist die Boykottbewegung in ein neues Stadium getreten. Es ist ferner allen.Be-j richters tattern nichtnationalsozialistischer Zeitungen Westfalens streng untersagt, die Veranstaltungen der NSDAP, zu besuchen, solange ihre Zeitungen noch jüdische Inserate aufnehmen. Widerspenstige Berichterstatter sollen unter Umständen mit Gewalt aus dem Saale entfernt werden. 6, September big 11. Oktober 1933 In Verbindung mit einer Mittelmeerfahrt über Venedig, Konstantinopel, Athen, Rhodos» Zypern usw. mit dem Lloyd-Dampfer „Vlenna" Rückfahrt über Aegypten mit dem Lloyd-Darmpfer „Helouan" .' Aufenthalt in: Palästina. 15 Tage, Kairo 2 Tage, Konstantinopel 2 Tage, Athen 2 Tage, Rhodos 1 Tag, Venedig 1 Tag, Genua 1 Tag Pauschalpreis von Wien bis Wien: Dampfer III. Klasse Spezial (vereinfachte, II. Kl,), Eisenbahn II. Kl., gut bürgerl. Hotels u. MiCfl Verpflegung, Führung, Trinkgelder usw. II ndWT:< Bei Benützung der II. Schiffski. um S 350.— mehr Für Touristen, welche bloß Palästina besuchen, *ä Sonderfahrt am 11. August 1933 mit dem Lloyd-Dampfer „Adria" in der III. Klasse Spezial statt Gesamtarrangement; Frau Berta Taubes Technische Durchführung; Reisebüro „Marlenbrücke" (Palästinadienst), Wiehl, Rotenturmstraße 26, Tel.R-24-2-86u.R-24-2-87 Auskünfte täglich' / Prospekte gratis aiimiM TOBELBAD Sä« Ideatv- J5ommerfflache, wundervolles Thermal-Strandbad, 2400 m*sr. beton. Bassiii, mitten Im Walde gelegen. (Pension: 4 reichti. Mahlzeiten) inkl. freier Benutzung des Strandbäder von S 8.- bis 10.« (Keine Kurtaxe). Alle Kupbehelffe. — Auskunft und Prospekte durch' die Kurverwaltung. Landwirtschaftliche Ansiedlung deutscher Jaden in Südfrankreich geplant Aus Paria: Die jüdischen Führer in Frankreich sind im Hinblick auf die ständig wachsende Zahl in Frankreich eintreffender jüdischer Auswanderer, aus Deutachland intensiv bemüht, Beschäftigungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge zu finden, deren Lage dadurch von Tag zu Tag bedrohlicher wird, daß die geringen Mittel, die sie aus .Deutschland mitbringen konnten, all* mählich zu Ende gehen. Die den freien Berufen angehörenden Flüchtlinge dürfen auf Grund ausländischer Diplome ihre Praxis nicht ausüben,, die Übrigen können im Hinblick auf die schwierige Lage des Arbeitsmarktes und infolge ihrer Unkenntnis der Landessprache nicht als Angestelite, ja nicht einmal als Handarbeiter Beschäftigung finden. Es besteht nunmehr der Plan, in Südfrankreich eine jüdische landwirtschaftliche Siedlung zu schaffen, In der die Auswanderer aus Deutschland Beschäftigung finden sollen. Von den jungen Flüchtlingen bemühen sich viele, als Landarbeiter i in Frankreich unterzukommen, um so jene Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben, die sie benötigen, um als Chaluzim nach P a 1 ä s t i n a zu gehen. Demonstration gegen die Wiederzulassung jüdischer Rechtsanwälte Aus Königsberg: Wie die „Preußische Zeitung" berichtet, kam es anläßlich des Prozesses gegen den Generallandschaftsdirektor Hippel zu judenfeindliehen Kundgebungen im Königsberger Gerichtsgebäude, Ein Teil der zum Prozeß erschienenen zahlreichen Zuhörer mußte aus Raummangel abgewiesen werden. Der Umstand, daß in den Zuscbauerbänken eine Anzahl jüdisch aussehender Interessenten Platz gefunden hatte, rief den Unwillen der Abgewiesenen hervor. Die Erregung wuchs, als die Betreffenden jüdische Rechtsanwälte in Amtskleidung im Gerichtsgebäude bemerkten. Es wurden judenfeindliche Rufe laut und erst als die jüdischen Rechtsanwälte veranlaßt worden waren, das G ebäude zu verlassen, trat Ruhe ein. Die Zeitung fügt hinzu, daß ähnliche Vorgänge sich auch an anderen Gerichten abgespielt haben, AerztHdie Praxis in China Im Zusammenhang mit unserem „Charbiner Brief1 erhalten wir die nachstehende Zuschrift, deren Verfasser Prof. Reiß, Vizepräsident des Keren Hajessod und Präsident der Shanghai-Loge -B'ne Brith, zu den führenden zionistischen Persönlichkeiten des Fernen Ostens gehört* Der Brief lautet: Karlsbad, 10. Juli 1933, „Während meines Aufenthaltes in Karlsbad lese ich in Ihrem Blatt die Nachricht über Praxismöglichkeiten in China, und so leid es mir tuti Ihre optimistische Information abzuschwächen, so scheint es mir jetzt schon wichtig, die nach China tendierenden Kollegen auf die Schwierigkeiten der Praxis aufmerksam zu raachen. , Die wirtschaftliche Krisis hat auch China nicht verschont; besonders, fühlbar ist die Lage in Shanghai, wo sich die meisten Ausländer befinden. Kurz vor meiner Abr reise (April 1933) wurde unter der Leitung der „Salvatio» Army" ein Büro für arbeitslose Ausländer errichtet. Die unerwartete wirtschaf11 iche Depression ist in allen Zweigen des Geschäftslebens fühlbar und wirkt natürlich auch auf die ärztliche Praxis. — In den letzten Jahren war eine derartige Invasion fremder Aerzte nach Shanghai, daß wir hier leider schon ein ärztliches Proletariat haben. Abgesehen davon, kommen alljährlich die in Europa und Amerika studierenden Kollegen hierher zurück. Außerdem studieren tausende Mediziner in China selbst. . Es soll nicht außeracht gelassen werden, daß auch in China eine gewisse nationale Bewegung im Gang ist und dadurch die Aussichten der ausländischen Aerzte sich vermindern. Ebenso wie in Shanghai sind die Aussichten auch in Peking, Tientsin, Hankau etc. schlecht. Sollte sich trotz alldem jemand aus Ihrem Leserkreis für China entscheiden, so möchte ich — da die meisten Spezialfächer von ausländischen und chinesischen Aerzteh überfüllt sind — folgendes empfehlen:! l. elnen guten Kurs über Tropenkrankheiten; 2. gründliche Kentnis der englischen Sprache; 3. eine Reserve von 2000 amerikanischen Dollars. Mit bestem Dank für die Veröffentlichung Ihr ergebner Dr. Frederic Reiß, Professor der Dermatologie an der National-Universität Shanghai." Dr. Eugen J e 1 i n e k, Advokat in Bratislava, verlobte sieh mit Ily Reisz, Tochter des Abgeordneten Dr. Julius Reisz. (Statt jeder besonderen Anzeige)« Israelitische Kultusgemeinde Wien In dem' neu herausgegebenen Telephonverzeichnia ist die Nummer des Neuen israelitischen Friedhofe» (IV. Tor) unrichtig angeführt; Die richtige Telephon nummer lautet: U-13-2-23,

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