Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 305 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 305 DIE NEUE WELT Seite 5 Dauerregelung für die Juden in Deutschland beabsichtigen, lösen die Judenfrage nicht, denn sie lösen die Juden nicht von Deutschland. Und darauf kommt es an! Die Juden, wenn sie auf ewig bei ihren .Wirtsvölkern schmarotzen können, bleiben ein ständiger Brandherd, an dem das offene, zerstörende Feuer des Bolschewismus leicht immer wieder entzündet werden kann, abgesehen davon, daß die politische Unsicherheit, die Volkszerrissenheit und die Gefahr fUr den rassischen Bestand dauernd wachgehalten werden. Schwören wir solchen Gedanken, ob sie nun aus Denkunfähigkeit oder aus böser Absicht geboren werden, ab, ein für alle Mal. Zusammenfassend, staatlich geregelt werden kann und darf nur der planmäßige Ausmarsch, die Abwanderung." Die NS.-Monatshefte sind die wissenschaftliche Zeitschrift der NSDAP., deren Herausgeber ist Adolf Hitler, Hauptschriftleiter Rosenberg. Die Ausführungen von Gercke dürften wohl von Hitler autorisiert kein und haben jedenfalls parteioffizielle, programmatisch Bedeutung. Das Dritte Reich hat sich damit entschieden, das Beispiel des Spaniens des 15. Jahrhunderts zu befolgen, ja, das Spanien von Ferdinand und Isabella zu Ubertreffen, da man auch alle „Judenstämmlinge" vertreiben will. =| 1000 Meter Seehöh« H= Internationaler S Höhenkurort SEMMERING Zwei stunden von Wien und Graz M ordver §udi Von Arle Babkow (Tel-Awiw), Zu der Hetze im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs nimmt Dr. Babkow eine ebenso energische und mannhafte wie eindeutige Stellung ein. Er kann der Sympathie aller national-jüdisch Denkenden gewiß sein. Vor wenigen Tagen sollte in Tel-Awiw eine Kundgebung zugunsten der Juden Rußlands stattfinden. Diese Kundgebung wurde abgesagt. Der angegebene Grund lautete: „Wegen der Unglücksfälle im Lande." Also: Unglücksfälle! In Wirklichkeit ist außer dem Mord an einem der Führer des palästinensischen Jischuw noch ein Mordversuch unternommen worden. Ein Mordversuch gegen eine ganze Partei im Volke Israel. Die am Mordversuch Beteiligten sind zweifellos Juden. Fraglich ist nur, ob dieser Mordversuch mit Vorbedacht oder ohne Vorbedacht vor sich ging. Vom Tage, an dem es bekannt wurde, daß der Beschuldigte an der Ermordung Dr. Arlosoroffs ein Revisionist sei, hat die Hetze begonnen. Vom Moment an, da Dr. Abba Achi-Meir wegen der Beleidigung der Polizei verhaftet Wurde, begann die mächtigste Partei im Lande das Gerücht zu verbreiten, es sei ihr ,,aus erster Quelle" bekannt, daß der Mörder ein Revisionist sei. Mit Blitzesschnelle verbreiteten sich Gerüchte im ganzen Land, wie z. B., daß besondere Aufzeichnungen gefunden worden seien, wonach der Mord aufgeklärt sei. Ich werde niemals den berüchtigten Dienstag, den 20. Juni, vergessen, an dem jede Viertelstunde neue „Beweise" auftauchten. „Beweise" in Form von „Verhaftungen", die niemals stattgefunden haben. Der Aufruf, den die Arbeiterpartei veröffentlichte und in dem sie zur „Ruhe und Disziplin" ermahnte, vermehrte nur noch das Feuer. Der Aufruf ersuchte die Mitglieder der Histadruth, sich i.Taten" zu enthalten, „mögen die Mörder wer immer sein". Der einzig richtige und notwendige Satz, daß gegen den Verhafteten ja nur der Verdacht des Mordes vorliegt und daß es doch nur die Tat eines Einzelnen sein konnte, fehlte. Daß die Tat nicht einer ganzen Partei zur Last gelegt werden könne, dieser Umstand fehlte. Und weil er fehlte, war die Stimmung noch erbitterter geworden. Es sah so aus, als würden „sie" die Wahrheit schon wissen und als würden „verantwortliche" Führer ihre Anhänger vor unüberlegten Schritten warnen. Man muß die Wahrheit aussprechen. Die Verbreiter dieser Gerüchte fanden guten Nährboden in einem sehr leichtempfänglichen Jischuw. Ich sah einen Juden, der über die neue Zerstörung Israels bitter weinte. Aber vielen Waren die Gerüchte sehr angenehm. Viele sind von einem jmaussprechliqhen Haß, gegen ihre Brüder.erfüllt und das Ganze paßt ihnen sehr gut in den Kram. Vielen war schon alles „bewiesen". Und in diesen schweren Tagen bedauerte ich über lalle Maßen die Spaltung, die in unserer Mitte herrscht. Ich bedauerte, daß fundamentale Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Taktik uns voneinander trennten. Ekel empfand ich, als mir manche sagten: „Warum verteidigt ihr .diese'? Der Verdacht fällt ja nicht auf euch, „Woher wißt ihr, daß .diese Menschen' solch einer Tat nicht fähig sind?" Diese Worte erinnerten mich an die salbungsvollen Reden der gutmeinenden Nichtjuden, welche sagen: „Woher wißt ihr, daß es keine Gruppe von Juden gibt, die Christenblut für Pessach verwendet?" „Warum könnt ihr nicht neutral bleiben?" Nein, wir können nicht. Aber eines steht fest: Genau so wie der tragische Tod des Führers der Histadruth uns keinesfalls davon abbringen kann und wird, das irrige und schlechte System seiner Partei weiter zu bekämpfen, genau so kann die Flut der Verleumdungen gegen den Chasith Haam und •eine Männer uns nicht davon abbringen, das System dieser Leute und ihre Taktik zu bekämpfen. Das mitfühlende Herz ist ein Kapitel für sich. Das flenkende Hirn wird weiter denken. Wer ist an diesen Gerüchtemachereien schuld?, Ganijfihrioer Betrieb / Mäßige Preise / Seltenster Sommmeraufenthatt / Strand* und Hallenbäder SODBAHNHOTEL HALLENSTRANDBBD GOLF/ TENNIS REITEN Hotel PenSIOn WALLNER / Bürgerliche* Fam.henf.au, Hotel-Pension STEFANIE ^Zfü^^r j Telephon 82, Inhaber Dir. C. Gunst. Pension ab S 10.—. Täglich 5-Uhr-Tee, ab Ü| 9 Uhr abends Konz-rt (Treffpunkt der jüdischen Oesellschaitj. Gute jüdische Küche Auskunft: Wien R-13-0 21 S ä Gate-Pension „Daheim" Wenn wir uns die Frage stellen, wer daran. Interesse hat, einen Monat vor dem Kongreß die Revisionisten und ihre Bewegung zu verunglimpfen, dann wird es leicht sein, diese Gruppe zu finden. Aber das allein genügt nicht, um die Verantwortung einer ganzen Bewegung aufzuerlegen. Es existieren jedoch Tatsachen, die dieses Bestreben der Histadruth eindeutig dokumentieren: 1. Vor einer Woche war der Plan aufgetaucht, Vertreter aller Parteien im Zusammenhang mit der nach dem Mord geschaffenen Stimmung einzuberufen. Diese Versammlung fand jedoch nicht statt. Statt dessen wurde eine Versammlung der Vertreter der Koalitionsparteien einberufen. Es wurden also die Revisionisten ausgeschaltet. Stellen wir nun die Frage: Ist das Unglück des Mordes nur ein Unglück für die Koalition? Oder steckt darin die Absicht, die Revisionisten vom Jischuw auszuschließen? Der Jischuw und die Parteien werden Rede und Antwort stehen müssen. 2. Der Kolönialminister erklärte im britischen Parlament, daß der Beschuldigte ein Alibi anbietet. Der „H a j n t" in Polen und der „D a w a r" in Palästina hetzen gegen das Alibi. 3. Im „Dawar" vom 25. Juni lesen wir, die Zeitung werde es nicht zulassen, „daß die Angelegenheit vertuscht werde" und daß „die Parteigenossen des Beschuldigten sonderbare Gerüchte verbreiten, die anders lauten als in den ersten Tagen seiner Verhaftung. Zuerst hieß es, er ECKSTEINE FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaifeehaus / Täglich 5-Uhr-Tee CCMMEOIIIA Telephon 11,Hochstraße43 JEPII*IEKIrl\J neben Hotel Panhan« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.-r aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 Mastu. Liegekuren, Sonnenbäder. Pension von S 8.— aufw. Wochenpauschale S 5U.<-. Prospekte Retour marke. Teiephon-Nr. 1 Steinhaus am Semmenng/ Kuvholel ,/Stplileckerhof' sei ein Provokateur. Jetzt sagen sie, er erbringe sein Alibi, Glaubt nicht diesen Gerüchten!" Wir alle wünschen, daß der Mörder entdeckt werde. Die Tatsache, daß der Beschuldigte noch nicht befreit wurde, beweist, daß sein Alibi nicht lückenlos ist. Aber eine ganze Partei des Mordes zu beschuldigen, ist ein Verbrechen, das sich auf alle Fälle rächen wird. Ich fürchte die Reaktion solcher Methoden. Und diese Reaktion kann sehr unangenehm werden für die, die diese Hetze für sich ausnützen wollen. Ich rate allen, mit der Hetze aufzuhören. Mein Rat gilt nicht nur der Histadruth! Bei Kaffee und Kuchen ♦ ♦ ♦ Iii Deutschland weht Pogromluft Vor einigen Tagen erschien in der Redaktion unseres Blattes ein Leser und gewährte uns Einblick in das Schreiben eines christlichen Industriellen aus Deutschland an einen Angehörigen in Wien. Der Schreiber drückt die Meinung aus, daß es in Deutschland bald zu einer Krise des nationalsozialistischen Systems kommen muß. Unverkennbar ist die Absicht der Machthaber, dann den ersten Stoß gegen die Juden abzulenken. Die Gemüter werden systematisch für einen Pogrom auf Juden vorbereitet. Die Maßlosigkeit der Hetzreden und Hetzschriften gegen Juden ist enorm geworden. Ein Wink von oben genügt heute, um den Pogrom in Gangzusetzen. Uebertreibt der christliche Beobachter? — Vor uns liegt ein Exemplar des „Dortmunder Generalanzeiger" vom 26. Juni 1933 mit einem Bericht über eine Frauen Versammlung des Dortmunder K INOPROGRAMME DIESER WOCHE SCHWEDEN - KINO WÄJ Vom 14. Juli bis 20. Juli Ur- und Alleinauffuhrung »Das Mädel von Havanna** Eine Rumba-Opeiette mit Lupe Velez und Lawrence Tlbett Wochentags: 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Kreises, Der „Generalanzeiger" hat die größte Auflage aller deutschen Tageszeitungen, eine Millionenauflage. In dem Berichte heißt es: „Unter der Leitung der Frau Oberbürgermeister Meister veranstaltete die NS.-Frauenschaft eine große Kundgebung. Im Mittelpunkt stand ein sehr interessanter Vortrag der Frau Ullmann-Bochum über die Judenfrage. Sie führte u. a. aus: „Es gibt leider immer noch deutsche Frauen, die beim Juden kauf en. Wir werden von jetzt ab jede Parteigenossin, die noch ihre Einkäufe in jüdischen Geschäften macht, unnachslchtlioh aus der Bewegung entfernen. Es gibt auch sogenannte Deutsche mit jüdischem Händlerinstinkt, die „weißen" Juden; auch diesen gilt unser Kampf. Aber der eigentliche Jude ist unser Erbf e i n d. In sittlicher, moralischer, geschäftlicher Beziehung ist der Jude unser Unglück. Man braucht nicht den Talmud studiert zu haben, um das zu wissen« Die Juden beanspruchen die Alleinherrschaft. Die Judenfrage ist wahrlich nicht neu, Schon im Mittelalter setzte der Kampf gegen sie ein. Damals flohen sie nach Spanien, das sie zu 'ihrem Eldorado machten. Hier blühte vor allem der jüdische Sklavenhandel, bei dem sie sich ungemein bereicherten. Leider standen auch viele Fürsten und Kaiser unter jüdischem Einfluß, vor allem Karl der Große. Damals errichtete man Rabbiner schulen. Hier wurde ihnen beigebracht, wie man die Herrschaft über die Christenbekam. Wenn man heute das Wort „Ghetto" ausspricht, < dann erwartet man, daß der Deutsche in tiefstes Mitglied ausbricht. Aber wir dürfen uns nicht yen falschem Mitleid leiten lassen, Wir müssen immer wieder an die Gemeingefährlichkeit der Juden denken. Auch unseren letzten Kaiser hatten die Juden vollkommen in ihre Hand bekommen. Um zum Kaiser zu gelangen, mußte man sich erst an einen Juden wenden, der eine Audienz beim Kaiser verschaffen konnte. Der Kaiser, das steht historisch fest, unternahm nichts mehr, ohne vorher seine jüdischen Freunde Ballin und Rathenau zu fragen!! Und dieser Rathenau war es, der nach dem Kriege zu schreiben wagte, daß, wenn Deutschland den Sieg errungen'hätte, ganz Deutschland zu einer Kaserne geworden wäre. Leider ist auch unser Adelsgeschlecht mit jüdischem Blut verseucht. Auch Stresemann hatte eine Volljüdin zur Frau. Doch Gott sei Dank ist Deutschland jetzt aufgewacht. Seitdem Hitler am Ruder ist,- ist es mit der Herrschaft der Juden vorbei! Der Weltkrieg.mußte begonnen werden, well ein Jude den österreichischen Thronfolger ermordete. Als Bela Khun, der berüchtigte Jude, in Ungarn herrschte, bildete er eine Regierungskommission, in der von 28 Mitgliedern 28 Juden waren. Es ist egal, welches Gebiet man nimmt, ob Literatur, Wissenschaft, überall herrscht der Jude. Bei der Ausmerzung der Büchereien in Bochum hatten wir entsetzliche Arbeit. Was für ein ungeheurer Schmutz befand sich dort! Man hat unsere Kinder jahrelang systematisch vergiftet. Wenn von morgen ab keine deutsche Frau mehr beim Juden kaufte, dann würden wir in ganz kürzer Zeit diese „W a n'z e n" los sein. Wir müssen vor allem unsere Kinder vor den Juden warnen. Denn der Jude versteht es ausgezeichnet, die Kinder durch Geschenke usw. zu beeinflussen. Wenn einmal ein deutsches Mädel von einem Juden mißbraucht ist, dann wird sie nie mehr deutsehe Kinder bekommen,' Das Judenblut setzt sich immer wieder durch. Die deutschen Frauen sind berufen,, überall aufklärend zu.wirken. Ich empfehle daher Ihrem Studium das „Handbuch der Judenfrage". Adolf Hitler war der erste Staatsmann, der es gewagt hat, trotz des wahnsinnigen Hasses das Rassenproblem zur Entscheidung zu bringen. Er hat die Juden aus allen öffentlichen Aemtern entfernt. Wir wollen zwar die Juden nicht aufhängen — d. h. ich persönlich ja wohl —, aber wir wollen den Einfluß dieser Schädlinge ausrotten. Denken Sie daran, wenn statt Hitler ein Mann wie der Jude Adler an die Macht gelangt wäre. Dann lebte heute keiner unserer führenden Männer mehr. Der Jude ist an und für sich wahnsinnig gr au s a m.« Die Rednerin streifte dann kurz das unmenschliche Schachten, das nun Gott sei Dank vorbei sei. Zum Schluß ermahnte die Rednerin: Es gibt heute für die deutsche Frau nur eines: Fort mit den Juden! . Die Kapelle der NSBO. Flottmann erfreute mit deutschen Weisen die Versammelten, die bei Kaffee und K u o h e n noch längere Zeit zusammenblieben." Uebertreibt der christliche Warner aus Deutschland? Dieser Bericht, voller Lüge und Blutdurst, prangt groß aufgemacht im größten Blatte Deutschlands. So sprechen und schüren die Frauen bei „deutschen Weisen, Kaffee und Kuchen" . . . Wie geht es dann unter den Männern zu, bei Bier und Schnapst Pogromluft webt in Deutschland. Die Welt soll et wissen!