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Die neue Welt · 1933-07-14 · Heft 305 (14.7.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 305 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Gölte 4 DIE NEUE WELT Nr. 305 WlttlllllllllllllllllllllllHillllllllllllllllllllin ■•suchftt die Salzburger FESTSPIELE 20. Juli bis 31. August taien zu sichern und so unsere Bewegung einer Gesun* dung zuzuführen. Mit einer verfrühten, noch nicht erwiesenen und fruchtlosen Berichterstattung werden dem Judentum Wunden geschlagen, die es weder verschuldet noch verdient und die ihm in dieser schweren Zeit unberechenbaren Schaden nach innen und außen verursachen können. Für den Jüdischen Völksverein In Komotau: Otto Lichtner, Obmann. Dr. Adolf Scharf, Schriftführer. Politischer Mordfall In Bessarabien Aus Bukarest vom 6. Juli: In einem Walde in der Nähe der bessarabischen Stadt Sorocca wurden die Leichen von zwei Mädchen und zwei jungen Männern gefunden, die anscheinend erwürgt worden sind. Die polizeilichen Nachforschungen sind bisher ergebnislos verlaufen. In der jüdischen Bevölkerung herrscht im Hinblick darauf, daß alle vier Opfer Juden sind, lebhafte Erregung. Man nimmt allgemein an, daß der Tat politische Motive zugrunde liegen. , Haus eisten Ranges modernster Komfort, 180 Betten, 25 Privatbadezimmer, warme Meerwasserbäder und Kohlensäurebäder im Hause. Internationale Küche, ärztliche Diätküche auf Verlangen. Pensionspreis inkl. Zimmer 33 Lire aufwärts. Zimmer auch ohne Pensionszwang. Ganzjährig geöffnet. Prospekte gratis. Bei Berufung auf „Die Neue Welt4' erhalten Sie 5 Prozent Ermäßigung. Frage aufgeworfen, wen eigentlich die jüdischen Schachspieler vertreten, wenn sie für Frankreich oder Polen oder Tschechoslowakei oder Amerika spielen. Die großen Meister Lasker, Rubinstein, Nimzowitsch, Flohr, Kashdan werden sich jetzt gezwungenermaßen entscheiden müssen, das jüdische Volk als Schachspieler zu vertreten. Das gewollte oder erzwungene Versteckenspielen muß jetzt ein Ende nehmen. Wie wäre es, wenn sich die jüdischen Schachspieler zu dem. Selbstverständlichen entschließen wollten — zur Gründung eines Jüdischen Schachverbandes? Die Wiener Schachvereinigung H a k o a h könnte hier den Anfang machen. Den A§sinulatu>nsjuden ins Siammbudt In Deutschland existiert ein „Nationalverband deutscher Juden", weicher die Idee der Assimilation bis zur letzten Konsequenz vertritt. Schon vor dem Umsturz forderte dieser Verband,,man möge die Zionisten und Ostjuden als störendes Element aus dem öffentlichen Leben ausschalten und unter Ausnahmsgesetze stellen. Jetzt ist der Verband natürlich auch daran, sich durch Verleumdung der Zionisten bei den Antisemiten lieb Kind zu machen. Eine dem nationalsozialistischen Blatte „Rheinfront" entnommene Notiz beschäftigt sich mit diesen „jüdischen Deutschen" wie fqlgt:. „Nachdem der Boykott so kläglich gescheitert ist, versuoht sich Juda in neuen Methoden, nämlich im A nt l« e mit i s mu>s 1 Als letztes Rettungsmittel, die Position zu halten, wird man einmal völkischrevolutionär. H a u p 11 r ä g e r der neuen Aktion ist ,der N a t i o n a 1 v e r b. a n d. deutscher Juden, der angeblich Ostjuden und Zionisten genau so bekämpfen Will wie wir. Er veranstaltet „Ausspracheabende", an denen sich sogar „Nationalsozialisten" an der Debatte . beteiligen. Es nützt alles nichts, der Jude ist einmal erkannt und wird immer wieder erkannt werden* mag er sich tarnen wie er will. Auch die „nationale" Maske hat gar keinen Wert!" .*.... Aus dem (.Verein der Berliner Presse" wurden mit der Begründung, daß ihre weitere Mitgliedschaft das Ansehen des Vereines gröblich verletzen würde, folgende Herren ausgeschlossen: Theodor Wolf f, ehemaliger Hauptschriftleiter des „Berliner Tageblatt", Hermann Zuoker, ehemaliger Hauptschriftleiter des „8-Uhr-Abendblatt", Friedrich Stampfer, ehemaliger Hauptschriftleiter des „Vorwärts", zur Zeit Prag, Max Cohen-Reuß, Vorstandsmitglied der Liga für Menschenrechte, Dr. Alfons Goldschmidt, zur Zeit Moskau. Lauter Männer, die ihr Judentum längst und gründ- lieh abgelegt hatten und sich nicht nur als Deutsche, son* dern als Führer des Deutschtums fühlten. Sie wollen ganze Arbeit machen Wir erhielten aus Deutschland folgende Zuschrift: Vor der natioalsozialistischen Machtergreifung lautete die Antwort der Nazis auf die Frage: Was wird aus den deutschen Juden werden? gewöhnlich wie folgt: Die Juden, die sich nach dem Jahre 1914 niedergelassen haben, werden aus Deutschland ausgewiesen werden, diejenigen, die vorher schon da waren, sollten die Bürgerrechte verlieren, aus allen ihren Stellungen im öffentlichen Leben verdrängt werden, im übrigen sollte, wie Goering es einmal sagte, ein „ehrsamer israelitischer Kaufmann nach wie vor unbehelligt seinem Geschäfte nachgehen können". Die Lösung hieß also: Ghetto. Heute hat jedoch der radikalere Standpunkt endgültig gesiegt, das heißt — rest* lose Vertreibung der Juden und der von den Juden abstammenden Personen (Judenstämmlingen) aus Deutschland. Bezeichnend dafür sind die Ausführungen von Dr. Achim Gercke, dem Sachverständigen für Rasseforschung im Reichsministerium des Innern, im letzten Hefte der NS.-Monatshefte. In seinem Artikel „Die Lösung der Judenfrage" lehnt er alle Vorschläge, die darauf hinauslaufen, die Juden in Deutschland zu belassen,, mit aller Entschiedenheit ab. Gercke ftltat u. 9W! uAU« Vorschläge, die einen Daueraustand, ein« Um die Ermordung Dr* Arlo$oroff§ Aus den Nachrichten, die betreffs des in Untersuchungshaft befindlichen Stavsky vorliegen, läßt sich schließen, daß keinerlei neue Verdachtsmomente eruiert worden sind. Die Untersuchung scheint an einem toten Punkt angelangt zu sein. Die J. T. A. berichtet hierüber aus Jerusalem: Im Verlauf der Untersuchung gegen Abraham Stavsky würde ein neuer Zeuge einvernommen. Der Zeuge, ein Koch in einem Jerusalemer Restaurant, sagt aus, daß Stavsky am Freitag, den 16. Juni, abends zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr in dem betreffenden Restaurant das-Abendbfot eingenommen habe. Die Mordtat geschah am selben Abend um 11 Uhr in Tel-Awiw. Die Verhaftung eines sephardischen Juden in Jerusalem hat zu Gerüchten, die auch in die palästinensische Presse Eingang fanden, Anlaß gegeben, denen zufolge der Verhaftete dem Manne, der auf Arlosoroff geschossen hat, ähnlich sehen sollte. Diese Gerüchte, die einen Zusammenhang zwischen dem Verhafteten und dem Mordfall herstellen wollten, wurden von der palästinensischen Polizei nicht bestätigt. Es erscheint auch unwahrscheinlich, daß ein unbekannter Mann aus den unteren sephardischen Volksschichten, der keinerlei politische Bindungen besitzt, mit dem Mord etwas zu tun haben sollte. ' Drei der hervorragendsten' Rechtsanwälte Palästinas, Dr. Eliash, Rechtsanwalt Horowitz und Rechtsanwalt Bernard Joseph, werden, wenn es zum Prozeß gegen die Mörder Dr. Arlosoroffs' kommen wird, die Vertretung Frau Arlosoroffs, die sich rdem Verfahren als Privatbeteiligte anzuschließen beabsichtigt, übernehmen. Widersprechende Aussagen Nach Ablauf der über Abraham Stavsky verhängten 14tägigen Untersuchungshaft wird dieser aus dem Jerusalemer Zentralgefängnis nach Jaffa gebracht, um vor dem dortigen britischen Richter zu erscheinen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um die Erhebung der formellen Anklage, sondern um eine von der Polizei, die ihre Untersuchungen noch nicht abgeschlossen hat, verlangte Verlängerung der Untersuchungshaft. Die hebräischen Zeitungen hatten gemeldet, daß die Anklage gegen Stavsky wegen Mordes bereits fertiggestellt sei. Diese Nachricht hat sich als unzutreffend erwiesen. Die bisherigen Verdachts* momente reichen zur Anklageerhebung noch nicht aus. In den letzten Tagen haben sich sechs Zeugen gemeldet, die aussagen, sie hätten Stavsky kurz vor der ' Ermordung Dr. Arlosoroffs in Tel-Awiw gesehen. Schwierige Untersuchung Wie aus Jerusalemer Regierungskrelsen gemeldet wird, dehnt sich die Untersuchung über die Grenzen Palästinas aus. Es werden Erhebungen nicht nur in Syrien und Aegypten, sondern auch in manchen Ländern Europas geführt. Gegen die Hetze um den Mord an Dr. Arlosoroff Der „Jüdische Volksverein" in Komotau (Tschechoslowakei) ersucht uns um Veröffentlichung folgender Resolution: Die zionistische Presse, insbesondere aber die Prager „Selbstwehr" und „zMovske" Zprävy", brachte zu wiederholten Malen Nachrichten, daß der gemeine Mord an Dr. Arlosoroff von einem Juden, der der Revisionistischen Partei angehört, begangen wurde. Diese Presse macht sogar die ganze revisionistischeParteirichtungfür diese zu verurteilende Tat verantwortlich. Der Ausschuß des Jüdischen Volksvereines Th. Herzl in Komotau, zusammengesetzt aus Angehörigen der meisten Parteien, bedauert diese zu mißbilligende Schreibweise aufs tiefste und ist der Ansicht, daß die jüdische Presse nicht das Recht hat, einen Menschen des Mordes zu beschuldigen, solange dies nicht durch eine gerichtliche Untersuchung und ein Urteil nachgewiesen ist. Der obgenannte Ausschuß lenkt die Aufmerksamkeit der zionistischen Behörden auf diese unjüdischen und unverantwortlichen Berichte der genannten jüdischen Presse und bittet, diesen Nachrichten und den häßlichen Auseinandersetzungen Einhalt zu gebieten. Der gefertigte Ausschuß ist der Meinung, daß diese schwere Zeit uns die Pflicht auferlegt, alles daranzusetzen, um eine einheitliche. Aufbauarbeit aller Par- RUNDSCHAU „Machet diesen Kongreß zu einem HerzbKongreß" Während der Wahlkampagne zum Zionistenkongreß in London sprachen in einer Massenversammlung der Allgemeinen Zionisten auch Präsident Nahum Sokolow und das Exekutive-Mitglied Prof. Brodetzky. Sokolow, als Präsident der Organisation, mußte sich Reserve auferlegen, mußte diplomatisch, „allgemein"- zionistisch vergehen. Nichtsdestoweniger berief er sich auf — Herzl, wenn er ausrief: „Machet diesen Kongreß vor allen Dingen zu einem Herzl- Kongreß. Bs Wird für Israel keinen dauernden Frieden außer in. Palästina geben. Wir müasen mehr Juden hinbringen." Also Palästina als Majorität, Herzl als Vorverkünder des Juder Staates! Sokolows Vorgänger auf dem Präsidentenstuhl, Professor Weizmann, war nicht so •— radikal, nicht so — zionistisch. Auf der Berliner , Aktionskomitee-Sitzung 1930 rief er (in jener denkwürdigen Sitzung) aus: „Ich glaube nicht an den Judenstaat. Er ist auch nicht , notwendig. Der Wunsch nach ihm ist im Nebel der Nachkriegszeit entstanden. Sie. graben Herzl aus, um uns mit ihm zu bekämpfen." Und nicht minder denkwürdig ist Robert S t r i c k e r s entgegnender Zuruf: „Wir brauchen Herzl nicht auszugraben. Für uns hat er immer gelebt .'. -: Dieses Thema habe** die Wahlen zum 18. Zionistenkongreß wieder aktuell gemacht. D( er offizielle Zionismus will nicht an Herzl erinnert' werden; Aber Herzls Geist ist in der jüdischen Gasse derart, gegenwärtig, daß jedes Vertuschen seines großen Zionismus scheitern muß. Auch Prof. Brodetzky sprach, wie gesagt, bei der. Londoner Wahlversammlung. Er zeichnete das Programjin der Allgemeinen Zionisten, indem er das Programm des demokratischen R e v i s i o'n i s m u s entwickelte und besonders einen Punkt, den des Klassenkampfes, wie die Poale Zion ihn betont, ablehnte: „Es wäre sehr bedauerlich, wenn in unser politisches Credo die Scheidung zwischen Kapital und Arbeit Eingang fände. Klassenkampf hat sich überall als ein sehr kostspieliger Luxus erwiesen." Welch goldene Worte! Klassenkampf ist ein kostspieliger Luxus! Uns hat er in Palästina ein paar Millionen Pfund gekostet und viele Jahre hindurch das Zuströmen privaten Kapitals verhindert. Prof. Brodetzkys Warnung vor dem Klassenkampf |st von jedem ehrlichen Zionisten zu begrüßen. Wird politische Leiter der Agency-Exekutive den Mut haben, auf dem Kongreß (auf dem HerzlTKongreß!) den Linken, den von den Allgemeinen Zionisten verhätschelten Linken, die Wahrheit ins Gesicht: zu sagen? Und werden die Herren Allgemeinen endlich der klassenkämpferischen Histadruth die kostspielige Gefolgschaft versagen? Der blinde und der sdiadispi'elende Jude tDer Reichsverband der Blinden in Deutschland hat den Arier Paragraphen angenommen und alle Juden ausgeschlossen. — Man muß blind sein im Hakenkreuz- Deutschland. Blind für das Zerstampfen jüdischer Existenzen, für das Schänden jüdischer Ehre, für alle Brutalitäten des erwachenden Deutschland, dessen bester Teil heute unter der braunen. Knute zittert. Aber man darf nicht blind sein, physisch blind — denn auch die physisch Blinden werden gleichgeschaltet. Der blindgeborene deutsche Staatsbürger Dr. Ludwig Kohn wurde aus der deutschen Blinden-Reichsorganisation hinausgeworfen. Der blinde Jude, der sein Leben lang in der Blindenfürsorge mit Hingebung tätig war, der seinen blinden Leidensgenossen beratend und helfend zur Seite stand, muß verschwinden, Schweigen wir ob solcher Schandtat! Reden wir nicht vom Weltgewissen.' Der jüdische Blinde ist verfemt. * Nun müssen auch die jüdischen Schachspieler dran glauben. Der neugeschaffene deutsche Reichsschachbund hat alle jüdischen Mitglieder eliminiert. Sie werden von nun ab Deutschland in internationalen Turnieren nicht mehr vertreten. Wir haben kürzlich dte <

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