Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 305 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711927--3816-2717227- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 305 DIE NEUE WELT Seite 3 Hen- und Frauenheilbad JSk TATZHANNSDORF ^BffMPI (Buroonland) ■^^^ Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder. Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Auskttnlte und Ptospekte: Knrdirektlon oder Kurkotnmlssion, Bad Tatzmannsdorf, Burgenland, und in allen Fremdenverkehrbüros, sowie bei der Oesterr. Anzeigen-Ges., A.Q., Wien I, Brandstätte?. Zwei rituelle Restaurants, darunter eines orthodox. 1925 wollte Herr Bürgermeister Seitz den Zionistenkongreß in Wien nicht begrüßen, weil „das eine klerikale Veranstaltung" sei. Zu den Augustunruhen 1929 in Palästina schrieb die „Arbeiter-Zeitung", sie seien eine natürliche Reaktion gegen das zionistische Ausbeutertum. Ja, damals! Aber heute ist's was anderes. Heute macht sie Ihren Genossen von der Poale Zion die Mauer, rührt für sie die Werbetrommel. Der Zionismus ist plötzlich nicht reaktionär, das palästinensische Ausbeutertum ist eine Lüge! Denn sonst könnte die „Arbeiter-Zeitung" doch nicht die Poale Zion in ihrem zionistischen Wahlkampf unterstützen und folgende Mitteilung am Wahltag veröffentlichen: „Die Wahlen zum Zionistenkongreß, die Donnerstag, den 6. Juli stattfinden, sind für alle, die sich mit der jüdischen Arbeiterbewegung verbunden fühlen, von großer Bedeutung. Die organisierte jüdische Arbeiterschaft ist bisher die stärkste Kraft im Aufbauwerk Palästinas. Die Reaktionäre, die bisher die Position der Arbeiter in Dorf und Stadt nicht zu erschüttern vermochten, glauben nun, die internationale Konterrevolution ausnützen zu können. Sie sind teils offen, teils versteckt zu Faschisten geworden und ziehen mit den von Hitler geborgten Losungen ins Feld gegen den Marxismus und Zionismus. Die Arbeiterschaft Palästinas ist stark genug, dem Angriff zu begegnen. Aber sie rechnet auf die Solidarität aller Sozialisten, die sich zum Zionismus bekennen, und erwartet von ihnen, daß sie wirken und stimmen für die Liste „Arbeitendes Palästina — Listenführer Mendel Singer. Und die Poale Zion? Die lammfrommen, naiven Herren vom arbeitenden Palästina? Sie verbünden sich mit der antisemitelnden, antizionistischen G e n o s s i n, wenn es um das Zusammenraffen von ein paar Stimmen, wenn es um die Unterdrückung des Vollzionismus geht. — Was sagt die Redaktion eines z i o n igtischen Blattes dazu?. Die Kongreßwahlen in Galizien Aus Lemberg wird bei Blattschluß gemeldet: Vorläufig sind Kongreßwahl-Berichte aus 33 Städten Ostgaliziens eingetroffen. Laut diesen Berichten haben die Allgemeinen Zionisten insgesamt 17.538, Misrachi 5797, Vereinigte Arbeiterliste (Hitachduth und rechte Poale Zion) 18.399 Stimmen bekommen; demokratische Revisionisten (Großmann- Liste) 2187, Jabotinsky-Liste 7265, Radikale 549, Hitachduth (Gegner der Vereinigten Arbeiterliste) 1242. Bisher wurden in 83 Städten 54.088 Stimmen abgegeben. Nach den bisherigen Ergebnissen rechnet man damit, daß die Allgemeinen Zionisten und die Vereinigte Arbeiterliste je 11, der Misrachi 3, die Jabotinsky-Liste 5 Und die demokratischen Revisionisten 1 Mandat erhalten. Alle anderen Gruppen gehen leer aus. Besonders auffallend ist die vollständige Niederlage der Radikalen;(Grünbaum-Gruppe), welche durch ihre Agitation ganz überflüssige Spannungen hervorgerufen haben. Aus Krakau wird gemeldet, daß in Westgalizien die Allgemeinen Zionisten 8500, die Vereinigte Linke 4100, der Misrachi 2600, die Revisionisten 2300', Hitachduth 475 Stimmen erhalten haben. Council der Jewish Agency für den 31. August einberufen. Die Exekutive der Jewish Agency hat beschlossen, die dritte ordentliche Tagung des Council der Jewish Agency für den 31. August und 1. September X933 nach Praha, Teschechoslowakei, einzuberufen. Die zionistischen Mitglieder des Council werden im Einklang mit der Verfassung vom Zionistenkongreß bestimmt werden. In bezug auf die Bestellung der Vertreter der Nichtzionisten in den verschiedenen Ländern wird die Exekutive die nötigen Anordnungen treffen. Das Administrative Committee der Jewish Agency wird am 30. August 1933 in Praha eine ordentliche Tagung abhalten. Relief den HerzI'ZioiHsmus! Von J. Elizedek (TePAwiw), Wir haben den Bericht der Palästina- Regierung an die Mandatskommission des Völkerbundes in unserer Nummer vom 1. Juli veröffentlicht. Der politische Publizist J. E1 iz e de k knüpft daran eine Reihe von Schlüssen, deren richtige Erkenntnis für die weitere zionistische Politik bestimmend sein muß. Der Bericht der Palästina-Regierung besagt ausdrücklich, daß die Mandatarmacht den Plan zur Schaffung einer gesetzgebenden Körperschaft (Parlament) verwirklichen wird, und zwar nach dem Inkrafttreten der Gemeindeordnung. Auch den bekannten Entwicklungsplan des Herrn Louis F r e n c h hat die Regierung nicht fallen gelassen. Ja, sie denkt daran, eine Anleihe von 2 Millionen Pfund aufzunehmen, deren Haupt an teil den Arabern zugute kommen soll. Trotz des geänderten Tones der Mandatarmacht in Jerusalem und London hat sich deren Politik in keinem Funkte geändert. In Wirklichkeit verfolgt sie die gleiche Politik.der Antizionisten, wie Lord Pasafield, mit dem Unterschied, daß die gegenwäjtige Uon^cyaUy.e i Regierung alles behutsamer tut und ausspricht als die seinerzeitige sozialistische, die etwas plump im Ton war. Der Kolonialminister läßt sich bei jeder Gelegenheit vernehmen, daß er gewillt sei, das Mandat dem Wort und Geist nach zu erfüllen. Der Oberkommissär wünscht uns bei jeder Gelegenheit Erfolg für unsere Arbeit. Ja, er gibt oft in kleinen Dingen nach. Aber die Bedeutung seiner wohlwollenden Worte für die Erlangung unseres Endziels ist fast null. Es ist symptomatisch, daß er noch nie das Wort „Jüdisches Nationalheim" in den Mund genommen hat. Er hat auch nichts zur Errichtung dieses jüdischen Nationalheimes beigetragen. Alle seine „Gefälligkeiten" bezogen sich auf die Juden als Bürger Palästinas, nicht aber auf die Träger des jüdischen National heims. Wir fühlen uns geschmeichelt durch schöne Worte. In Wirklichkeit abervwerden jetzt harte Schläge gegen uns vorbereitet, die den Bestand des Nationalheims gefährden können. Die Dinge liegen klar zutage. Beide Regierungen — die Londoner und Jerusalemer — gehen daran, etwas zu tun, das dem Wortlaut und dem Geist des Mandats widerspricht. Anstatt eine jüdische Kolonisation auf Regierungsböden zu ermöglichen, wird eine großzügige Ansied 1 u n g von Arabern vorbereitet. Anstatt Palästina zum jüdischen Nationalheim umzuwandeln, werden alle Schritte unternommen, aus Palästina ein arabisches Nationalheim zu machen. In dieser Beziehung Ist Cunliffe- Lister gleich Passfield. Beide wollen den Großzionismus töten. Dies geschieht in einer Stunde, die wir als die geeignetste für die Aenderung des politischen Kurses der Regierung betrachten. Erst vor wenigen Wochen drückte die britische Regierung ihr Mitgefühl für die Leiden unserer Brüder in Deutschland aus. Wir glaubten, daß diese Teilnahme sich irgendwie positiv in Palästina auswirken werde. Aber die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten. Statt einer großzügigen Tat wurden insgesamt 1200 Zertifikate für deutsche Juden erteilt. Und der letzte Bericht an den Völkerbund bezeugt wiederum die Tatsache vom, Unterschied zwischen guten Worten und guten Taten. Nichtsdestoweniger sehen wir die Hauptgefahr nicht bei der Mandatarmacht und nicht bei der Palästina-Regierung, sondern bei „unseren Regierungen", bei der Leitung der erweiterten Jewish Agency, der Zionistischen Organisation und Dr. Mautners Sanatorien Waldtanatortum Perchloldsdorl bei Wien Schönste Lag« im Wienerwald, direkte Autobusverbindung von Wien I. Altvatersanatorium Freiwaldau*Gräfenberg, CS. II, Prachtvollste Höhenanlage, in beiden Sanatorien alle Kurbehelf« für innere, Nerven- und Stoffwechselkrankheiten, Erholungsbedürftige etc. Modernster Komfort. Zeitgemäß reduzierte Preis» beim Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat). , Noch heute sind wir in der Lage, die Pläne der Regierung nicht Wirklichkeit werden zu lassen. Der Chef der britischen Regierung sägte vor wenigen Wochen: „Uebt einen Druck auf uns aus, und wir werden uns bemühen, eure gerechten Forderungen Schritt für Schritt zu erfüllen." Wir haben aus dieser Erklärung nichts gelernt. Wir haben nicht verstanden, daß wir auf die britisch© Regierung Einfluß üben können, wenn wir unsere Offensive zu einer permanenten machen. In Palästina kann kein gesetzgebender Rat (Parlament) geschaffen werden, wenn wir unseren Widerstand verstärken. Dasselbe gilt vom Landentwicklungsplan. Wir müssen mit unserem eigenen, unserem Ziel dienenden Entwicklungsplan hervortreten. Das kann man allerdings von Nicht- und Halb» zionisten niemals verlangen. Diejenigen, deren politisches Weltbild in einem Kompromiß zwischen zwei verschiedenen Ideen besteht, können wieder nur ein Kompromiß, ein schlimmes Kompromiß, zustande bringen. Wenn wir der Gefahr der Arabisierung Palästinas begegnen, die Politik der Mandatarmacht ändern wollen, so müssen wir zunächst unsere Reihen reinigen, den Nichtzionisten und Halbzionisten die Leitung aus der Hand nehmen. Menschen, die der Ansicht huldigen, daß Palästina den Arabern genau so gehört wie den Juden, können sich nicht für einen Judenstaat zu beiden Selten des Jordans einsetzen. Eine Partei, der der Klassenkampf im werdenden Palästina mindestens so wiphtig ist wie der Aufbau des Judenstaates, kann nicht alles zurückstellen , und alle Kräfte der Wiedergeburt des Volkes widmen. Eine Partei, die als ihre besondere Aufgabe die Organisierung des arabischen Proletariats betrachtet, kann nicht für eine ausschließlich projüdische Politik eintreten. Will das jüdische Volk den Judenstaat haben, dann muß sie Vollzionisten an die Spitze der Bewegung stellen; Zionisten, die nur ein Ziel vor Augen haben: den Aufbau des jüdischen Staates. Daß die Vollzionisten nur in den Reihen der Zio niste n- Revisionisten, der Herzl-Zionisten, zu finden sind, haben alle objektiv denkenden Juden anerkannt. Darum muß es in bezug auf den IS. Zionistenkongreß heißen: „Revisionisten, Herzl-Zionisten, an die Spitze der Bewegung!" Was wird aus der Jüdischen Weliw irtsdiaftskönferenz I Dunkle Kräfte am Werk Aus London wird uns u. d. 10. Juni geschrieben: Lord Melchett hat plötzlich die für den 17. Juli einberufene Jüdische Weltwirtschaftskonferenz zur Boykottierung deutscher Waren verschoben. Diese Tatsache hat in allen wirtschaftlichen und polltischen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen. Man weiß, daß Lord Melchett sich zu seinen Schritten nicht aus inneren Gründen, sondern unter einem äußeren Druck entschlossen hat, zu einem Zeltpunkt, da der Board of Deputies of British Jewish und die Vorsitzenden des Joint Foreign Committee Alle Vorzüge eines Hotels, Alle Bequemlichkeit einer Pension finden Sie in der Hotel-Pension Wien lf Kärntnerstraße 3t. Las kl and Montefiore ihre gegnerischen Erklärungen noch nicht abgegeben hatten. Es hieß zunächst, die Konferenz werde von London nach Paris verlegt werden und man werde vorerst^in einer Plenarsitzung allen Delegierten Gelegenheit geben, zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Heute aber liegen bereits Einzelhelten vor, die beweisen, daß gegen die Initiative des Lord Melchett eine weitverzweigte Intrige gesponnen wurde, zum Zweck, das Zustandekommen der Konferenz zu stören. Die „Frankfurter Zeitung« vom 4. Juli brachte folgende telegraphische Heidung aus London: „Englische Juden sprechen sich gegen den Boykott Deutschlands aus." Wie bereits erwähnt, haben die Herren Laski und Montefiore erklärt» das Lord-Melohett-Komltee hätte nicht das Recht, „im Namen der Gesamtjudenheit" zu sprechen, aber sie haben dem „Manchester Guardian" mitgeteilt, daß sie „mit der Verständigungsformel einverstanden seien, die seinerzeit zwlsghgn dem de.utspb.ea Botschafter in London und Sir Herbert Samuel festgelegt worden war." Zum erstenmal erfährt die jüdische Welt von einer Verständigung, die zwischen Herbert Samuel und dem Botschafter Hitlers zustande gekommen sei. Hier ist völlige Aufklärung nötig. Denn die Lage der deutschen Juden hat sich nicht gebessert. Im Gegenteil: Wie wir hier in London von zuverlässiger Seite erfahren, hat ein neuer brutaler Hakenkreuz-Feldzug gegen die jüdischen Bürger, Geschäftsleute und Intellektuellen, eingesetzt, so daß man geradezu von einem Pogrom sprechen kann. Es besteht kein Zweifel, daß Lord Melchett von gewissen Elementen beeinflußt wurde, die aus Feigheit den offenen Feldzug gegen das barbarische nationalsozialistische Regime vermieden haben wollten. Die Rolle Herbert Samuels in dieser Affäre war jedenfalls derart, daß er vorläufig die Aktion Lord Melchetts paralysiert hat. Einem Manne, der seinerzeit als erster Gouverneur Palästinas alles getan hat, um die jüdischen und zionistischen Interessen im Mandatsgebiet hinter fremde Interessen zu stellen, der arabische Pogromisten geschützt und gefördert hat, ist auch die Sabotage der Abwehr gegen das Hakenkreuz zuzutrauen. "^Pension KIRSCHBAUM LIDO" VENEDIO 8. "S"^ 20 Gut bürgerliche Familienpension, mit direkter Sicht nach Venedig / Fließendes Wasser in allen Zimmern / Vorzügliche Wiener Küche / Terrasse mit großem, schattigem Garten / Eigene Badezelte Sehr mäßige Preise / Prospekte auf Verlangen / Schilling.Einzahlung auch in Wien