Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 304 (7.7.1933)
- Date
- 1933-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 303 DIE NEUE WELT Seite 7 Entlassungen jüdischer Hochschulprofessoren in Hessen Aus Darm Stadt: Die amtliche „Darmstädter Zeitung" teilt mit, daß der ordentliche Professor an der philosophischen Fakultät der Universität Gießen Dr. Paul Mombert, der o. Professor für theoretische Physik an der Universität Gießen Dr. Georg Jaffe\ der a.-o. Professor für semitische Philologie und persönliche Ordinarius Dr. Julius Lewy und der a.-o. Professor für klassische Archäologie Dr. Margarete Bieber, beide an der Universität Gießen, ferner der a.-o. Professor für theoretische Physik an der Technischen Hochschule Darm- «tadt Dr. Johann Baerwald sowie der Kustos des hessischen Landesmuseums Dr. Karl Freund und der Verwaltungsdirektor des hessischen Landestheaters Regierungsrat Dr. Sander auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen wurden. * Es handelt sich hier fast durchwegs um getaufte Und ausgetretene Juden. BADGA/TEIN Europas stärkste radioaktive Alpentherme, 1083 Meter. 18 Qneilen, 47° C Naturwärme. 360 Ltter pro Minute Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Thüringen verboten Aus Frankfurt a. M.: Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, ist der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Lande Thüringen durch Verfügung des thüringischen Ministeriums des Innern auf Grund von § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 verboten und aufgelöst worden. Die Verarmung der jüdischen Gemeinden in Deutschland. — Weitgehende Gehaltskürzungen Aus Karlsruhe; Das Verordnungsblatt des Oberrats der Israeliten Badens publiziert eine mit Zu- . Stimmung des Synodalausschusses erlassene Verordnung •des Oberrats, derzufolge die Gehalts- und Versorgungsbezüge der Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren und der sonstigen Gemeindebeamten sowie ihrer, Hinterbliebenen weitgehend gekürzt werden. Von der Kürzung befreit bleiben die Bezüge bis zu 120 RM. monatlich, ferner die Kinderzulagen und die Waisengelder. Die Kürzungen sind nach Bezugsklassen gestaffelt. Die Verordnung tritt im Juli 1933 in Kraft. Städtisch unterstützte jüdische Kranke dürfen nicht in das jüdische Krankenhaus . . . Aus B e rl i n: Der Magistrat hat eine Anordnung erlassen, wonach es den Krankenkassen und Wohlfahrtsämtern. künftighin untersägt ist, auch jüdische Patienten, die von der Stadt Unterstützung erhalten, dem Jüdischen Krankenhaus zu überweisen. Bisher galt das Verbot nur für nichtjüdische Patienten. * Die. Anordnung ist mehr boshaft als schädlich, da die Juden von der städtischen Unterstützung fast gänzlich ausgeschlossen sind. Billige Großmut Aus Berlin: Vom Preußischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Hälberstadt); wird mitgeteilt, daß in verschiedenen Schulen des Landes die Geltung der Bestimmungen über die Befreiung vom Schulbesuch am Sabbat, beziehungsweise vom Schreiben usw. in Frage gestellt war, Auf Vorstellung hat der. Minister,für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung .die Weitergeltung der Bestimmungen gemäß folgendem Erlaß bestätigt: „Vereinzelte Fälle geben mir Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Bestimmungen über die Arbeitsruhe jüdischer: Schüler noch in Geltung sind und demgemäß jüdischen Eltern,: welche aus religiösen Motiven ihren Sohn (Tochter) am Sonnabend ganz oder für die Stunde des Gottesdienstes vom Schulbesuch entbunden zu sehen wünschen, die gebührende Berücksichtigung nicht versagt werden kann und auch jüdische Schüler (innen) auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern vom Schreiben und Zeichnen befreien sind. Für die aus derartigen .Versäumnissen den betreffenden Schulern(innen) etwa entstehenden Folgen Ubernimmt die Schule keine Verantwortung. Der Erlaß wird im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen abgedruckt." Motel Di remer Abb azia Haus eisten Ranges modernster Komfort, 180 Betten, 25 Privatbade^ Zimmer, warme Meerwasserbäder und Kohlensäurebäder im Hause. Internationale Küche, ärztliche Diätküche auf Verlangen. Pensionspreis inkl. Zimmer 33 Lire aufwärts. Zimmer auch ohne Pensionszwang. Ganzjährig geöffnet, Prospekte gratis. Bei Berufung auf „Die Neue Welt" erhalten Sie 5 Prozent Ermäßigung. Altersbeschwerden — Vorzeitiges Altern - Alle Nervenleiden — Gicht — Rheuma — Blasenleiden — Nierensteine Moderne Hotels und Kurhäuser 2u mäßigen Preisen — Thermalbad In jedem Hause Für Ruhe und Erholung wird gebürgt! 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In England bekommt der Arbeitslose mehr Wochenunterstützung als der russische Fabriksarbeiter Lohn bekommt, wenn man berücksichtigt, was man in England und was man in Rußland für 1 Pfund an Produkten erhält. Aber zwischen Hungern und Sterben vor Hunger ist ein großer Unterschied ... Wenn man in Rußland zu den Machthabern kommt und ihnen erzählt, daß Menschen buchstäblich Hungers sterben und daß man Brotkarten für einzelne Familien hergeben möge, für gewesene Kaufleute, Händler, Intellektuelle, antworten sie' in voller Gemütsruhe: „Ganz gut. So wird es halt in Rußland weniger Parasiten geben. Es wäre besser gewesen, in die hungrigen Mäuler hineinzuknallen. Die .Welt hätte aber ein großes Geschrei erhoben. Nun sterben sie auf natürliche Weise den Hüngertod..." Das ist die Antwort auf Interpellationen jüdischer Delegierten. ' Nur das eine .schreckt sie, daß die Leichen von Millionen Verhungerten die Luft verpesten könnten. Diesbezügliche Aeußerungen liegen vor. Die Regierung . kümmert sich nicht um die; Menschen in den jüdischen Städtchen. Sie müssen sich selbst versorgen. Ein halbes Kilo Brot kostet im jüdischen Städtchen fast 4 Rubel und der Preis ist im Steigen (zu einer Zeit, da die Erwerbsmöglichkeiten sehr gering sind), besonders in den Monaten Mai bis Juni, vor der Ernte. Im Jahre 1932 sind die Juden von den Städtchen nach Charkow, Moskau usw. gelaufen, um dort einen Erwerb und Brot zu finden. Sie wollten in die Synagogen, um dort zu nächtigen, aber man trieb sie von den Vorhöfen Weg und überließ sie ihrem Schicksal. Viele der so Verfolgten befinden sich heute in Palästina und erzählen, daß die besser situierten Juden in Rußland das Letzte hergeben, um ihren Brüdern zu helfen. Im April .1982 hat das Oeffnen des freien Markts für landwirtschaftliche Produkte viele Juden vor dem: Hungertod gerettet. Außerdem haben ausländische Verwandte Geldunterstützungen geschickt. Heuer ist die Lage besonders arg. Denn zunächst ist der Brotpreis enorm gestiegen, die Verdlenst- £ßedß/o, vjeiM-sgnAjwjvz. tjeissode/o 76 Si UTABORSTR. Zi'on Uatx möglichkeit geringer geworden. Zweitens ist die Brotration (für die, welche Brot bekommen) reduziert worden« Im Vorjahre hat der Arbeiter noch ziemlich viel Brot bekommen und es verkauft. Heute hat er nicht einmal genug Brot für sich. Drittens die Paßmisere: Leningrad, Charkow, Moskau usw. bleiben dem gewesenen Bourgeois verschlossen, so daß er in Gegenden verbleiben muß, wo fast kein Brot zu bekommen ist. Die russischen Städte und Städtchen befinden sich selbst in elender Lage und sehen mit verbitterten Augen auf den ankommenden Juden, der die Brotversorgung noch verknappt. Hier gibt es nur eine Abhilfe: Goldvaluta. Nach Mitteilungen von authentischer Seite braucht eine Familie mindestens zwei Dollar per Monat, um sich Uber Wasser zu halten. Für diesen Betrag bekommt man im „Torgsin" (staatliche Verschleiß-Stelle) ein ganzes Pud schwarzes Mehl und einige Kilogramm Hirse. Denen, welche diese zwei Dollar von ihren ausländischen Verwandten nicht bekommen können, steht der Hungertod vor Augen Als im Jahre 1921 Rußland sich in Hungersgefahr -befand, gingen Aufrufe durch die ganze Welt, die bedeutendsten Persönlichkeiten setzten sich an die Spitze von Hilfsaktionen und brachten aucli Hilfe. Jetzt, da sich die Welt an den Gedanken gewöhnt hat, daß in Sowjetrußland ein sozialistischer Staat aufgebaut werde, schweigt man, geht zur Tagesordnung über. Aber wir dürfen nicht ruhen, wenn hunderttausende jüdische Menschen Vor dem Hungertod stehen. Zunächst müssen wir fordern,- daß man die Einfuhr von Lebensmitteln ohne jede Erschwerung erlaube. An den 2 Dollars, welche zur Rettung einer Familie erforderlich sind, profitiert die Sowjetmacht netto 70 Prozent, da dem „Torgsin" bei Abgabe von 1 Pud schwarzen Mehls und einigen Kilo Hirse (das Ganze kostet zu Weltmarktpreisen 60 Cent) 1.40 Dollar verbleiben. Bei billigen Getreidepreisen und bei der unerhörten Bescheidenheit der russischen Juden können wir viele Hunderttausende vor dem Hungertod retten. Mit 60 Cent pro Monat ist einer Familie geholfen. Auch könnte der „Joint", der sich bisher mit konstruktiver Arbeit beschäftigt hat, hier energisch eingreifen, ohne sich um prinzipielle Standpunkte zu kümmern. Hier wäre noch die Notwendigkeit der Einfuhr von Medikamenten zu erwähnen. Wie verarmt und in Anspruch genommen das Weltjudentum auch sein mag — es ist unsere Pflicht» hier so rasch als möglich einzgureifen, damit die Lage der russischen Juden sich , nicht zu einer Katastrophe verdichte. Judenfeindliche Ausschreitungen in Ostgalizien Aus Lemberg: In letzter Zeit mehren sich die Nachrichten über AngriffegegenJudenin ukrainischen Dörfern, Besonders häufig ist es. im Städtchen Sassow zu antijüdischen Auaschreitungen gekommen. In einem Dorfe haben Ukrainer die Fensterscheiben der jüdischen Häuser zertrümmert. Auf den jüdischen Einwohner Jakob. G r Ü n s p a n wurden Re volverschüsse abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Man glaubt, daß die Bewegung unter der. ukrainischen Bevölkerung durch ausländische Agitatoren geschürt wird. * Im Kreise Stryj dauern die von ausländischen Agitatoren geschürten antisemitischen Unruhen uijter der ukrainischen Bauernbevölkerung an. In den letzten Tagen sind wieder Ueberfälle auf Juden in ukrainischen Dörfern verübt worden. Im Zusammenhang mit diesen Ausschreitungen wurden 2 8 Bauern verhaftet, IflNOPROGRAMME Im DIESER WOCHE SCHWEDEN - KINO Vom 7. Juli bis 13. 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