Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 304 (7.7.1933)
- Date
- 1933-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 304 TIROL-KOSSEN HOTEL-PENSION KAPiLLE hat. Er war berufsmäßig nur politisch tätig. Er wurde «mannt, als der letzte Kongreß ihn nicht mehr zum Mitglied der Zionistischen Exekutive gewählt hatte. Wir hatten darauf hingewiesen, daß hunderte höchstqualifizierter jüdischer Techniker in Europa und Arnerika es sich zur Ehre anrechnen würden, unter den bescheidensten Bedingungen an das Technikum gehen zu dürfen. Es war vergebens. Als vor einigen Monaten bekannt wurde, daß die Verhältnisse am Technikum so arg liegen, daß die Sperre der Anstalt droht, haben wir wieder gewarnt. Wieder vergebens. Nun erhalten wir von einem hervorragenden Techniker Palästinas folgende Zuschrift, Welch« die Mißwirtschaft an dieser Anstalt, welche einst 4er .Stolz des jüdischen Palästina war, schildert: Geehrte Redaktion! Zu Ihrem Artikel in der Nummer vom 26. Mai d. J. über die Zustände am Technikum in Haifa wäre zu bemerken, daß Ihre Angaben Über die Mißwirtschaft und die Unfähigkeit des Herrn Direktors Kaplansky, dieses Institut zu leiten, völlig zutreffen. Leider ist die Lage noch ärger, noch skandalöser, als Sie es von Wien aus beurteilen können. Zur Beurteilung mögen folgende Details dienen: Kurz nach seiner Ernennung trat Herr Direktor Kaplansky eine lange Europareise an und das Technikum blieb ohne Leitung. Herr Kaplansky sollte Geld bringen. Er kam mit leeren Händen zurück. Dafür setzte er sofort mit seiner „direktoralen" Tätigkeit ein, als ein langjähriger ■ Professor des Technikums, Professor Großmann, die Bemerkung wagte, daß die Ernennung des Nichtfachmannes Kaplansky ein Fehlschlag gewesen sei. Herr Kaplansky forderte die Entlassung des Herrn Großmann und setzte sie in einer Kuratoriumssitzung durch. Mit fünf gegen zwei Stimmen. Allerdings waren unter den fünf Stimmen seine eigene, ferner die eines Herrn, welcher, wie es sich später vor dem. Schiedsgericht herausgestellt hat, gar nicht das Recht hatte, im Kuratorium zu sitzen. Ferner waren zwei Mitglieder abwesend, welche schriftlich ihre Abwesenheit entschuldigt und die. Verschiebung der Sitzung gefordert hatten. Die unter solchen Umständen erfolgte Entlassung eines. verdienstvollen Lehrers empörte einen Teil des Lehrkörpers derart, daß er in den Streik trat und die Einberufung eines Schiedsgerichtes forderte. Nach Wochen sah sich Direktor Kaplansky genötigt, .ein Schiedsgericht einzuberufen. Die Folge war, daß die Entlassung Großmanns zurückgenommen wurde. Jetzt wurde der ordentliche Unterricht aufgenommen. Ende Dezemr b e r statt An fang November, Zwei vergeudete Monate. Nebenher lief der Fall „Festigkeitslehre". Die Besetzung dieses Faches wurde im heurigen Jahre nicht weniger als dreimal gewechselt, dank der verfehlten Dispositionen des Herrn Direktors. Hiermit habe ich Ihnen einen Ausschnitt, leider ist es nur e i n Ausschnitt, der Lage einer der wichtigsten Anstalten in Palästina gegeben. Das.-alles geschieht, well die allmächtige linke Arbeiterpartei einen . Posten für einen ihrer Führer brauchte und die „allgemeinen" Zionisten, wie immer, auch diesmal Ja. und Amen sagten. Das sind die Folgen einer einsei t i gen Parteiwirtschaft in der Zionistischen Organisation, die dank solcher Vorfälle bei der palästinensischen Judenschaft nachgerade alles Ansehen eingebüßt hat. werden angefragt, welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenken, um die Zuteilung von Büchern, die die jüdische nationale und religiöse Minderheit gröblich beleidigen, an Bibliotheken in Hinkunft zu verhindern und die Kolportage solcher Werke zu unterbinden. Aus Jugoslawien Die Vereinigung der „Zionisten-Revislonisten im Verband der Zionisten Jugoslawiens" teilt mit: Zum ersten Male treten die Zionisten-Revisionisten Jugoslawiens im Wahlkampfe zum Zionistenkongreß als Wahlwerber mit einer eigenen Liste auf. Die Revisionisten Jugoslawiens stehen hinter der legal gewählten Exekutive der revisionistischen Weltunion (Großman, Stricker, Soskin, Machower), die vertreten den demokratischen Revisionismus, der die zionistische Weltorganisation, die Organisation Theodor Herzl's nicht spalten,' sondern in ihr verbleiben und sie mit der Judenstaats-Idee Theodor Herzl's erfüllen will. Zum Listenführer wurde der bekannte zionistische Führer Oberbaurat Robert Stricker ausersehen. Die Liste lautet: Ing. Robert Stricker, Oberbadrat,' Wien, Dr. Julio Dohany, Advokat, Novisad, David Spitzer, Kaufmann, Zagreb, Dr. Vilim Schmuckler, Arzt, Osijek, Joslp Elias, Kaufmann, Zemun, Dr. Drako Fuchs, Prokurist, Zagreb, Alfred Platzner, Privatbeamter, Zagreb, Egon Goldner, abs. jur., Ogulin. Zionisten Jugoslawiens! Stimmet bei der Kongreßwahl für die Liste der Zionisten-Revislonisten, Listenführer: Robert Stricker, Dr. Dohany! Gegen die Verbreitung antisemitischer Literatur in der Tschechoslowakei Aus Prag: Der jüdische Abgeordnete Dr. Angelo Goldstein hat im tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus an den Unter richts:min ister und den Justizminister zwei Interpellationen gerichtet, in denen darauf hingewiesen wird, daß das Ministerium für Schulwesen und Volksaufklärung der Stadtbibliothek von Kremnica das Buch von Stefan Pribyslavsky „Die Juden als Weitbeherrscher" zugeteilt hat und daß in zahlreichen Provinzorten, w}e Pilsen und Göding, ein antisemitisches Machwerk von Karl ReJink „Der Juden Spiegel" im Auftrage dortiger Buchhandlungen ia des Hausem kolppctierj; afed, Die Ministes Coty wegen Beleidigung der jüdischen Kriegsveteranen verurteilt Aus Paris: Die 12. Pariser Strafkammer hat den bekannten Parfümfabrikanten, Zeitungsherausgeber und Politiker Francols Coty wegen Beleidigung der jüdischen Kriegsveteranen zu einer Geldstrafe von 100 Francs und Veröffentlichung des Urteils in sechs Pariser Tageszeitungen verurteilt. Die Klage gegen Coty war vom Verband der ehemaligen jüdischen Kriegsfreiwilligen wegen einiger Artikel in Cotys „Ami du Peup 1 e" und „Figaro" erhoben worden, in denen behauptet wurde, die jüdischen Kriegsteilnehmerorganisationen seien geheime revolutionäre Zellen. Vor Gericht erklärte Coty, er habe keine antisemitische Kampagne geführt und richte seinen Kampf nicht gegen die Juden als Volk, sondern nur gegen Financiers, Bolschewiken und Anarchisten. Zahlreiche Zeugen bekundeten die Tapferkeit und Opferbereitschaft der jüdischen Soldaten während des Weltkriegs. Zur selben Strafe wie' Coty wurde auch der verantwortliche Schriftleiter des „Ami du Peuple" verurteilt. China und die deutschen Judenverfolgungen Aus Schanghai: Die Leitung der vereinigten jüdischen Organisationen für Auswanderungshilfe Hjcem hat sich mit jüdischen Gemeinden in China in Verbindung gesetzt, um Möglichkeiten für die Niederlassung deutscher Juden ausfindig zu TOBELBAD S&z Ideale Sommerfrische, wundervolles Thermal-Strandbad, 2400 m»gr. beton Bassin, mitten Im Walde gelegen. (Pension: 4 reiebh. Mahlzelten) Inkl. freier Benützung des Strandbades von S 8.— bis 10.— (Keine Kurtaxe) Alte Kurbehelfe. — Auskunft und Prospekte durch die Kurverwaltung* machen. Es wurde festgestellt, daß in Peking drei bis vier jüdischen Aerzten Niederlassungserlaubnis gegeben werden kann; in Tientsin fünf bis sechs Aerzten, in Shanghai können 15 bis 20 Aerzte aufgenommen werden, eine Anzahl. weiterer jüdischer Aerzte könnte iti anderen Städten unterkommen. Europäische Aerzte werden nicht nur von den in China lebenden Europäern, sondern auch von Chinesen der wohlhabenden Klassen und des Mittelstandes bevorzugt. Es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß derzeit etwa 50 jüdische Aerzte unter der chinesischen Bevölkerung eine Praxi! sich schaffen könnten. Es gibt zwar in China eine größere Anzahl junger Aerzte mit geringer praktischer Erfahrung, an erfahrenen Aerzten aber herrscht fühlbarer Mangel. Die chinesische Liga für Mensehenrechte hat durch ihre Präsidentin Frau Sunjatsen, die Witwe des bekannten chinesischen Staatsmannes und Reformers, dem deutschen Generalkonsul in Shanghai einen Protest gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland überreicht, anderseits treiben antisemitische deutsche und russische Zeitungen eine lebhafte judenfeindliche Propaganda und versuchen, eine der Einwanderung deutscher Juden feindliche Stimmung bei der chinesischen Bevölkerung zu erzeugen. Keine Greuel ♦ ♦ ♦ Der Schandpfahl Aus Berlin: Die „C. V.-Zeitung" weist darauf hin, daß die Boykottaktionen fortgesetzt werden. So zitiert die „C. V.-Zeitung" folgende unter dem Titel „Ein Schandpfahl auf dem ^uedlinburger Marktplatz" erschienene Notiz des Quedlinburger Kreisblattes: „Wie wir hören, wird im Laufe der nächsten Wochen, ähnlich wie in Wernigerode, auf dem Marktplatz ein Schandpfahl errichtet. Der Ortegruppen-Kampfbundobmann Klietmann (Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes) hat bereits eine Liste derjenigen aufgestellt, deren Namen an diesem Schandpfahl angeprangert werden sollen. Hoffentlich werden nun die Uebertretung des Räbattgewährungsverbötes als auch die Preisschleuderei sehr bald aufhören. Auch die Hausfrauen, die sich noch immer nicht an deutsche Geschäfte gewöhnen können, müssen sich in Zultunft etwas vorsehen." — In Westfalen („Recklinghausener Zeitung" vom 23. Juni und »MMM»M»M»M.....t.........»M».....I........«M«V SIEGM. KORNMEHL GRÖSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX.. Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-54 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für nty^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinais der Isr. / Kultusgemeinde Wien Autozusteilung kostonlo» . :: IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. 97 * :>MM<MMM»MMMMMM.........»......M».....<.....^ „Großdortmunder Anzeiger" vom 22. Juni) und in Bochum wird den Parteigenossen das Betreten von Warenhäusern streng verboten. „Wer trotz dieser Anweisung beim Betreten solcher Geschäfte angetroffen wird, hat den sofortigen Ausschluß aus der NSDAP, zu erwarten." — Ferner gibt es noch Boykottposten, und in Corbach (Waldeck) werden sogar die Namen derjenigen, „die sich national, nennen und trotzdem schamlos genug sind, bei Juden zu kaufen", in einem Schaukasten an der Hauptstraße veröffentlicht. Keine Vergünstigungen für jüdische Studenten Aus Würzburg: Die Würzburger Studentenschaft erläßt folgende Erklärung: „Die Deutsche Studentenschaft besteht aus allen volleingeschriebenen Studenten deutscher Abstammung und deutscher Muttersprache.. Für. sie allein sind die V e r g ü n s t igun.gen bestimmt, die das deutsche Volk seinen Jungakademikerh zukommen läßt. Um nun die deutschen Studenten von den nichtdeutschen zu unterscheiden, hat die Deutsche Studentenschaft die Ausweiskarte der deutschen Studenten mit einem Stempel versehen: „Mitglied der Deutschen Studentenschaft." Die Geschäftsleute und Unternehmer, die den Inhabern von Studentenausweisen Vergünstigungen gewähr e n, haben auf diesen Stempel, der in roter Farbe aufgedrückt ist, zu achten und solchen Studenten, deren Karte den Stejnpel nicht aufweist, jede Vergünstigung zu versagen." Maßnahmen gegen einen judenfreundlichen Rechtsanwalt in Tilsit Aus Tilsit: In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde ein Dringlichkeitsantrag angenommen,, dem deutschnationalen Rechtsanwalt und Notar Dr. Jacoby kejne städtischen Rechtsaufträge mehr zu erteilen, weil er dadurch, daß er in einer Anwaltsver-, Sammlung das gegen einen jüdischen Rechtsanwalt erlassene. Vertretungsverbot bedauerte, seine Judenfreundlichkeit zu erkennen gegeben habe. Juden können der deutschen Arbeitsfront nicht angehören Aus Berlin: Die Tageszeitungen veröffentlichen eine Meldung des Vdz.-Btiros, derzufolge ejs in Kreisen der Deutschen Arbeitsfront unliebVame's Auf- Mb& B erregt hat« da£ das Presseorgan des C.eutralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Aufruf veröffentlichte, der unter der Ueberschrift „Bleibt in den Berufsverbänden" die jüdischen Arbeitnehmer, besonders die Angestellten, aufforderte, sich als Mitglieder den neuen berufsständischen. Organisationen anzuschließen. . In unterrichteten Kreisen wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß jüdische Arbeitnehmer von allen Organisationen der Nationalsozialisten, also auch von den Verbänden der Deutschen Arbeitsfront ein für allemal ausgeschlossen bleiben. Wenn einige Angestelltenverbände bisher den jüdischen Mitgliedern erst nahegelegt hätten, f r eiwLMig auszuscheiden, so wolle das nichts besagen für die kommenden Statuten der neun Fachverbände in der Angestelltensäule. Diese, Statuten . würden vielmehr ebenso wie die der anderen, Gliederungen der Deutschen Arbeitsfront den Arierparagraphen enthalten. Einer..der; Gedanken, die in diesem Zusammenhang auftauchten, geht dahin, sämtliche jüdische Arbeitnehmer beider Geschlechter und aller Berufsgruppen zusammen mit den übrigen jüdischen Mitgliedern der verschiedenen Berufe in einem Gesamtverbande der jüdischen Beschäftigten zusammenzufassen, dem allerdings im wesentlichen wohl nur gesellschaftliche Bedeutung zukommen würde, und der an die.Deutsche Arbeitsfront nicht angegliedert werden könnte. Jüdische Badeärzte figurieren nicht in den Kurlisten deutscher Badeorte Aus Berlin: In den Kurlisten vieler deutscher Badeorte sind eine Reihe jüdischer Badeärzte gestrichen worden, obwohl sie zur Kassenpraxis zugelassen sind. 62 Berliner Notare entlassen Aus Berlin: Eine soeben veröffentlichte neue Liste von Notaren, die in Berlin auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen wurden, enthält die Namen von 62 bisherigen jüdischen oder dem Judentum entstammenden Notaren. Unter den Entlassenen befindet, sich auch Justizrat Dr. Julius Brodnitz, der Erste'Vorsitzende des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Juden und Ehegatten von Juden können nicht Beamte! werden Aus Berlin: Die Reichsregierung hat im Reichsgesetzblatt vom 1. Juli ein Gesetz publiziert, durch das die bisherigen Bestimmungen des Reichsbeamtenrechta dahin abgeändert werden, daß in Zukunft Personen nichtarischer Abstammung nicht zu Beamten des Reichs, der Länder, der Gemeinden, Gemeindever* bänden, sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des. öffentlichen Rechts berufen werden. Entsprechendes wird für die Reichsbahn, die Reichsbank und die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften noch bestimmt werden. Außerdem dürfen Personen, die mit Frauen oder Männern nichtarischer Abstammung verheiratet sind, nicht zu Beamten berufen werden« Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichti arischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu ent* lassen. , hotepU.n KIRSCHBAUM UDO-VENEDIG PIAZZAU S. M. Ellsabitta 20 W ^gF Gut bürgerliche Familienpension, mit direkter Sicht nach Venedig / Fließendes Wasser in allen Zimmern / Vorzügliche Wiener Küche / Terrasse mit großem, schattigem Garten / Eigene Badezelte Sehr mäßige Preise / Prospekte auf Verlangen / Schilling-Einzahlung auch in Wien