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Die neue Welt · 1933-07-07 · Heft 304 (7.7.1933) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 304 (7.7.1933)
Date
1933-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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gelte* DIE NEUE WELT Nr. 304 fle find willkommen im tM|M^MaMMAM l *m.*~JA dem Lande der Ordnung, der Gastfreundschaft u. lülTPUrOBr LflllOB der altbewährten Fremdenverkehrseinrichtungen! ^B^P» MVB^nl^P tALZBUBG Olf MSTSPIIUSTAOT Salzburger Festspiele: 28. Juli bis 31. August Gaisberg-Autostraße, die reizvollste Gipfelstraße der Alpen DAS SEEN-PARADIES SALZKAMMERGUT St. Gilgen / Strobl / Fuschl / Mettsee / Wallersse RADIOAKTIVSTE THIRMIN DIft WILT in den Weltbadern Thermalbad BADGAfTEIN HOFGASTEIN Im ftftlcN« d«t OroBgfocknar« (3? 08 ifi) Gewaltig« Szenerien der österreiohlsöhen Alpen Q ttl Onn das herrliche Alpenseebod. mit de, /yKII #1 III (iKK Schwebebahn auf die Schmittenhöhe und »VI« Ulli WU mft der Q.oBglooknei-Hoohalpenetraße / 8aaifelden arh Steinernen Meer / Lofer mit den Loferer Steinbergen . (1083 in) 47« C Naturwärme («69 m) Die berühmten Schaustücke äää St. Johann im Pongau / Tauernpaß bei Radstadt / Eisriesenwelt-Höhle bei Werfen / Salzburger Dolomitenstraße bei Golling-Abtenau / Salzbergwerk bei Hallein--•-:--;— ALLE NÄHEREN AUSKÜNFTE erteilen sämtliche Reisebüros und das LANDESVERKEHRSAMT IN SALZBURG RUNDSCHAU Brief au§ Nordafrika tV,«? Hakenkreuz hetzt — Antifranzösischc Propaganda Tunis, Ende Juni. Wenn wir die Verfolgungen der Juden in Deutschland Betrachten, so haben wir das Gefühl, daß sie den Beginn einer neuen antisemitischen Aera darstellen. Denn die Grundsätze dieses hitleristischen Antisemitismus werden dauernd dort in die wirtschaftlichen und politischen Gedanken einbezogen und allmählich zum Gemeingut der betreffenden Länder. Der Hitlerismus hat die Grenzen Deutschlands überschritten und auch in Nordafrika Einzug gehalten, wo er einen leichten Boden fand, da vorher schon der Antisemitismus eines Max Regia und Morinaud (beide Mitarbeiter des berüchtigten Journals „Le Voix Tunesien") populär geworden war. Die algerische Zeitung „La Presse llbre", die bisher nur das Organ einer milden Reaktion war, hat sich jetzt offen zum Antisemitismus bekannt. So bringt diese Zeitung in ihrer Ausgabe vom 1. Mai 1933 folgende" scheinheilige Schlagzeile: „Die Getreidebörse von Algier — eine Filiale der internationalen jüdischen Hochfinanz. 25 Mitglieder der Börse Strohmänner der internationalen jüdischen Hochfinanz, darunter nur zwei französische Juden." Im weiteren Artikel finden wir die bekannten hakenkreuzlerischeri Phrasen vom jüdischen Gift, das die Bevölkerung ruiniere. Das Blatt verlangt bei dieser Gelegenheit die Sperre der Getreidebörse und die Ausschaltung des jüdischen Elements aus dem Wirtschaftsleben. Das revisionistische Organ „Le Reveil Juif", das schon seit langer Zeit einen heroischen Kampf gegen den tunesischen Antisemitismus führt, sieht sich unter dem Aspekt der neuen antijüdischsn Angriffe veranlaßt, unter dem Titel „Seien wir auf der Hut!" auf die Gefahren dieses neuerlich hervorgebrochenen Pogrom-Antisemitismus hinzuweisen. „Le Reveil Juif" schreibt: „Die Zahl der antisemitischen Zeitungen nimmt von Tag zu Tag zu. Gleichzeitig häufen sich die antijüdischen Exzesse. In Marokko kam es kürzlich zu Straßenkämpfen, über die die ganze französische Presse Mitteilungen gebracht hat. In Tunis haben reichsdeutsche Touristen, mit dem Hakenkreuz ito Knopfloch, provozierende Zwischenfälle hervorgerufen. In Algier spitzen sich die Spannungen zu. In Konstantine (Algerien) ga1es kürzlich blutige Zusammenstöße, die von der Presse totgeschwiegen wurden, nachdem sie von der antisemitischen Zeitung „L'Eclair" hervorgerufen worden waren. ....... Allgemein herrscht hier die Ansicht, daß die antijüdische Propaganda von einer „fremden Macht" inszeniert werde, die kein Hehl daraus macht,, den Kampf gegen die Juden in alle Länder zu tragen. Auch die finanzielle Unterstützung dieser. Propaganda rührt von dieser fremden Macht (d. i. selbstverständlich Hakenkreuzbeutscnland) her. Die Behörden von Algier bemühen sich, die unterirdischen Quellen dieser Propaganda festzustellen, .obwohl man sich über deren Ursprung im klaren ist." „Diese Propaganda", schreibt das zionistisch-revisionistische Blatt „Le Reveil Juif", „richtet sich im letzten Grunde auch gegen Frankreich, dessen Position im nordafrikanischen Kolonialgebiet man erschüttern will." Die jüdische Bevölkerung Nordafrikas sieht mit Rücksicht auf Frankreichs historisch-demokratische Sendung den weiteren Ereignissen entschlossen und ruhig entgegen. Palästina vor dem Völkerbund Aus Genf: Die Mandatskommission des Völkerbundes hat in ihrer am 27. Juni abgehaltenen Sitzung mit der Beratung der mit dem Palästina-Mandat in Zusammenhang stehenden Fragen begonnen. Wie immer fand die Beratung in geheimer Sitzung statt. Eine Reihe von Mitgliedern der Kommission haben, wie der Genfer J. T. A.-Vertreter erfährt, an den ehemaligen Chef- ■ekretär der Palästina-Regierung Young, der der Sitzung Im Auftrag der Palästina-Regierung beiwohnte, Fragen betreffend die Möglichkeiten der Einwanderung deutscher Juden,nach Palästina und die geplante Einsetzung eines Legislative Council (Parlaments) gestellt. Auch die Frage einer jüdischen Einwanderung nach Transjordanien wurde" berührt. Young erklärte, es käme wohl eine Einwanderung einzelner Juden nach Transjordanien in Betracht, jedoch nicht eine Siedlung größeren Maßstabes im Hinblick auf die ungenügenden Sicherheits Verhältnisse. Aus Berlin: Dem „Völkischen Beobachter" wird aus Genf, berichtet, daß in der Mandatskommission ein Antrag, 4000 Juden aus Deutschland die Einwanderimg nach Palästina zu ermöglichen, behandelt worden sei. Der Mandatsausschuß habe dem Standpunkt der englischen' Regierung zugestimmt, daß die Einwanderungserlaubnis nur jenen deutschen Juden, die ein Eigenvermögen von 1000 Pfund besitzen, gegeben werden könne. Hierzu bemerkt der „V. B.": „Damit wird also sogar für die jüdische „Heimat" Palästina die Notwendigkeit anerkannt, sich gegen die - jüdische Einwanderung "zu schützen. Mit wieviel mehr Recht wehrt sich dann Deutschland gegen diesen Bazillus!" *• Ob die Nachricht des „Völkischen Beobachter" richtig ist, läßt sich vorläufig nicht feststellen. Daß sich aber das Hakenkreuz mit Recht einer gewissen Seelenverwähdtachaft mit der britischen TpalästinaTRegierung^ ihren Vertretern rühmen kann, Ist leider nicht ganz unbegreiflich. Herr Young und:seine Kollegen, wenn sie auch keine Hakenkreuzler sind, haben ihr möglichstes" getan, um die Juden von Palästina fernzuhalten» Die Version mit den 1000-Pfund-Juden ist gar nicht unwahrscheinlich. — Direkt abstoßend wirkt die Aeußerung des Herrn Young in der transjordanischen Frage. Die. Araber Transjordaniens fordern direkt eine jüdische Einwanderung, weil i sie in ihr die einzige Möglichkeit sehen, die Bevölkerung vor Hunger und Verelendung zu retten. Die Juden sind bereit. . Der Emir von* Transjqrdanien hatte bereits Kaufverträge'mit; den Juden abgeschlossen. Da stellte sich die Palästina-Regierung, dazwischen ,und sswang den Emir mit Androhung der Entziehung seiner Pension? den-Vertrag nicht zu .erfüllen"., Das iweiß jedermann in Palästina. Herr i Young aber* jammert üW die Sic h e r h e i t der Juden. Eine nette Heuchelei. PalästmavBeridit und Frendhv Bericht Aus Jerusalem: Am 7. Juli begibt sich der Schatzmeister der Palästina-Regierang, Johnson, nach London im Zusammenhang mit der geplanten 2- Millionen-Anleihe der Paläst Ina-Regierung, bei deren Verwendung Forderungen des Fronch- Berichtes teilweise berücksichtigt werden sollen. Die Bemühungen der, Jewish Agency, durchzusetzen, daß der amtlichen Publikation des French-Berichtes die von jüdischer Seite erhobenen Einwände beigefügt werden, hatten keinen Erfolg. Es wird nunmehr damit gerechnet, daß die Jewish Agency ihre Einwände gegen den French-Bericht in einer eigenen Publikation darlegen wird, die gleichzeitig mit dem French-Bericht erscheinen soll. Ob auch die arabische Exekutive ihre Einwände veröffentlichen wird, ist noch nicht bekannt. * Der verfluchte und totgesagte French-Bericht steht wieder auf. Vor ungefähr zwei Jahren hat der englische Beamte Frenoh im Auftrage der Palästina- Regierung einen Besiedlungsplan für Palästina erstellt, der gewaltige Mittel für die arabische Kolonisation voraussah und direkt auf die Vernichtung der jüdischen Entwicklung im Lande eingestellt war. Ein jüdischer Proteststurm erhob sich. Um die Aufregung zu dämpfen, ließ die Palästina-Regierung „indirekt verlauten", daß der French-Plan ad acta gelegt sei. Leider hat die Zionistische Exekutive diese Gerüchte gefördert und selbst die zionistische Oeffentlichkeit in der Meinung bestärkt, daß der ge-! tährllohe antizionistische, ja antisemitische French- Plan tot und begraben sei. Daraufhin hat sich der Protest- I stürm gelegt. Aber die antizionistischen Kräfte In der , PalästinaRegierung haben weitergearbeitet und jetzt ist der French-Plan wieder da. Die zionistische Leichtgläubigkeit steht wirklich in schreiendem Mißverhältnis zur Beharrlichkeit der antizionistischen Feinde. Palästina in Front! Und warum? Jahrzehnte hindurch hat der zionistische Gedank» vergeblich an die Tore der jüdischen Massen Deutschland» geklopft. Die Assimilation hatte den Blick der deutschen Juden für die Realitäten des jüdischen Volkstums getrübt, das Eingehen in den deutschen Volkskörper als möglich und wünschenswert erscheinen lassen. Es ist anders gekommen. Die zionistische These hat sich durchgesetzt. Herzls Wort „Man wird uns keine Ruhe geben" ist fürchterliche, tägliche Wirklichkeit geworden. Das.liberale „Israelitische Familienblatt" (Hamburg) Versucht dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Es sieht sich genötigt, eine Palästina-Rubrik zu eröffnen, den deutschen Juden unter dem Titel „Palästina in Front! Und warum?" den Weg nach Palästina zu weisen, einen Palästina-Informationsdienst einzuleiten. Das Blatt motiviert die Aenderung seiner bisherigen unzionlstischcn Halturj folgendermaßen: „Durch die umstürzenden Ereignisse in Deutschland in den letzten Monaten richten sich die Hoffnungen und Wünsche vieler deutscher Juden heute auf Palästina, gleichgültig, welche jüdische Auffassung ihre Träger an sich vertreten. Die Ausschaltungsmaßnahmen der neuen Regierung zwingen leider Scharen jüdischer BiV ger unseres Vaterlandes, sich fern von der deutschen Heimat eine neue Existenz zu suchen. Da sich aber die Regierungen in so ziemlich allen Staaten unter dem Druck der wirtschaftlichen Weltkrise und der damit verbundenen eigenen Arbeitslosigkeit und vielleicht auch aus anderen, außerwirtschaftlichen Gründen mit aller Energie gegen diesen jüdischen Zustrom aus Deutschland wehren, so hatten wir — leider — recht, einer jüngst bei uns erschienenen Zusammenfassung der Maßnahmen des Auslandes zur Drosselung jüdischer Zuwanderung das Dantesche Wort „Laßt alle Hoffnung fahren" voranzustellen. Da rückt denn Palästina, obwohl es gewiß im Augenblick nicht für Hundert- oder selbst nur Zehntausende deutscher Juden, aber immerhin für eine beträchtliche Zahl jüdischer Einwanderer aufnahmefähig •ind -v/ i 11 i g ist, zwangsläufig immr mehr in „Front". M&k Reinhardts ,Judentum" Zum zweitenmal innerhalb weniger Tage hat Max Reinhardt seine Stellung zum Judentum öffentlich revidiert. Wir kennen nicht die psychologische Grundlage dieser neuen Haltung; wir wollen auch nicht das Bekenntnis eines Künstlers als Kohjunkturstimmung werten, sondern vorläufig diesen neuen Weg des „Juden" Reinhardt mit wohlwollender Aufmerksamkeit verfolgen. Im „J e w i s h Economic Foru m", dem Organ der englisch-jüdischen Handels- und Industrievereinigung in London, lesen wir folgende Aeußerungen Max Reinhardts: „Als Jude, heiße, ich diesen neuen Geist willkommen und beglückwünsche diese Politik des gemeinsamen wirtschaftlichen Bewußtseins der Judenschaft.. Ich muß zugeben, daß ich .von wirtschaftlichen Fragen »als solchen nicht viel verstehe. Aber ich verstehe die Bedeutung dieses eminent wichtigen und, soweit ich weiß, einzigartigen Bekenntnisses und bin überzeugt daß es ein gesundes und lebensnotwendiges Prinzip für die gesamte Judenschaft beinhaltet...... Durch nahezu zweitausend Jahre waren wir gewöhnt, unsere kulturellen Gaben anderen Völkern zur Verfügung zu stellen, indem wir sie in jedem Land den nationalen Ideen und den geistigen und moralischen Eigentümlichkeiten des betreffenden Landes anpassen. Und auch unsere jüdische Kultur hat sich geradeso von den Idealen und der Kultur der verschiedenen Nationen beeinflussen lassen, in denen wir durch all die vielen Jahrhunderte zu Gast waren ...... ■ Was ich verlange, ist die Renaissance der jüdischen Kultur, in der jüdische Produkte auf dem Gebiet der Literatur, der Kurist und der Musik und des Dramas die unverkennbaren Anzeichen ihrer jüdischen Entstehung trägen sollen und in denen der jüdische Geist nicht ge» zwungen wird, die Verkleidung einer anderen Nationalität anzunehmen." Bravo, Herr Professor! Ganz besonders werden wir uns das mit der Verkleidung merken. Ein Stimmungsbild Antisemitismus und Sozialdemokratie ,Ein Leser stellt uns die „Salzburger Vplkswacht1* vom 22. Mai 1933 zur Verfügung. Die Zeitung enthält einen Artikel „Das deutsche Volk und die Juden". Als Verfasser zeichnet.: Oberrechnungsrat Vinzenz Grünwald, Mitglied der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs. U. a. heißt es in diesem Artikel: „Die Klasse der Kapitalisten nützt die Wehrlosigkeit der nur auf ihre Arbeit Angewiesenen. aus und diese mußten sich zusammenschließen, um möglichst menschliche Arbeitsbedingungen und Löhne zu erzwingen. Bei uns in Deutschösterreich erfolgte dieser Zusammenschluß in der sozialdemokratischen Partei unter der Führung S c h u h m e i e r s, 'Perherstor fers und Viktor Adlers, der ein menschenfreundlicher, opferwilliger Jude war. Damals konnte man noch nicht von einer überwiegend jüdisch geführten Partei sprechen. Seit dem Tode Adlers aber kam die Partei und ihr Hauptorgan, die „Arbeiter-Zeitun g", immer mehr in jüdische Hände, die alle wichtigen Stellen an sich zu reißen wußten. Der Jude Dr. Deutsch gründete den Republikanischen Schutzbund und leitete Ihn bis heute. Die Folgen der Ueberfremdung zeigten sich bald: Die Kluft zwischen den deutschen Parteigenossen und den übrigen Deutschen wurde immer weiter aufgerissen, der persönliche, auch harmloseste Verkehr deutscher sozialdemokratischer Führer mit bürgerlichen Deutschen wurde zum Makel, keine sozialdemokratische Sportvereinigung durfte mehr mit bürgerlichen spielen, die Kinder im Maifestzugf mußten statt schöner Kinder- und Heimatslieder die Inttr*

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