Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 303 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 303 DIE NEUE WELT Seite 5 loa zu erklären und alle ihre jüdischen Mitglieder sofort hinauszuwerfen. Das ist verständlich. Aber warum die Ausnahme bezüglich der „alten Herren"? Warum läßt Herr Hitler zu, daß man jüdische „alte Herren" unter gewissen Umständen nicht hinauswirft? Vielleicht will er seinen wackeren jungen Leuten doch die Möglichkeit lassen, weiter hohe Geldbeträge von den geehrten jüdischen alten Herren zu beziehen. Jedenfalls bedeutet diese „Milde" feinen größeren Schimpf als der glatte Hinauswurf. Da ist nämlich vorausgesetzt, daß es Juden, alte jüdische Akademiker, gibt, die in ihrer Verbindung bleiben werden, auch wenn diese alle Juden für ehrlos erklärt und alle jüngeren und weniger zahlungskräftigen jüdischen Mitglieder hinauswirft. Ist diese Zumutung Hitlers an Juden berechtigt? Die Frage ist leider nicht absolut zu verneinen. Leider gibt es solche Juden . » „ SEMMERINü Zwei stunden von Wien und Graz Oberffnatural Dr* Hiigo Benedikt 60 Jahre all . Wieder kann einer aus der ersten zionistischen Garde auf eine bedeutsame Epoche in der Renaissance ■des jüdischen Volkes zurückblicken. Es war in der heroischen Zeit des Herzl-Zionismus, da Dr. Hugo Benedikt in ' die Reihen der Wiener zionistischen Studentenschaft eintrat und hier in der Organisierung und Führung zu wirken begann. Gleichzeitig setzte seine Arbeit für den Jüdischen Nationalfonds ein, dessen Bedeutung für 'die Zukunft des Zionismus schon der junge Akademiker erkannte. Wie nicht anders zu erwarten, betätigte sich Dr. Benedikt auf allen Gebieten zionistischen Schaffens und nahm eine Reihe von Ehrenstellen in der zionistischen Partei Oesterreichs ein. In den letzten Jahren entfaltete' er auch als Propagandist des na1 tionaljüdischen Sports eine erfolgreiche Tätigkeit und zählt zu den führenden Persönlichkeiten des Sportklubs Hakoah. , Der 60jährige Dr. Benedikt kann des aufrichtigsten Dankes. der zionistischen Organisation und seiner unzähligen Freunde und Mitarbeiter" an seinem 60. Geg| 1000 Mtf«r Stahöh« §s Internationaler |H Höhenkurort M Gttiuiähtlger Betrieb / MäOlge Preise / SdiOnster Sommmeraufeftthalt / Strand- und Hallenbäder SODBAHNHOTEL HAllBNSTBAMPBOP GOLF/TENNIS/REITEN Hotel Pen§IOn WALLNER / Bürgerliches F.mUienhai» Hotel-Pension STEFANIE Gutbürgerliches Haus § Vorzügliche Küche § SS PafA DftnOiAM Ttahnim" Telephon 82. Inhaber Dir. £. Bunst. Pension ab S 10.-. Täglich MJhr-Tec, ab S §3 |»flTR*r RnSlflll llnllRlm 9 Uhr abends Konz rUTreftpunkt der jüdischen Gesellschaft). Gute jüdische Küche =£* UUIU 1 UllUIUU fyUUUUlllI Auskunft: Wien R-13 0 21 5burtstag gewiß sein. Wir entbieten ihm heute die besten Wünsche und hoffen, daß seihe wertvollen Kräfte noch lange der zionistischen Sache erhalten bleiben. Justizrat Elias Straus — ein Herzl-Zionist — gestorben In München verstarb im Alter von 54 Jahren der zweite Vorsitzende der Münchener Kultusgemeinde, Schriftführer des Landesverbandes Bayerischer Gemeinden und langjährige Leiter der Münchener zionistischen Ortsgruppe Justizrat Elias Straus'. Dem Verstorbenen widmet die „Jüdische Rundschau" einen (Nachruf, in dem es unter anderem heißt: Der Zusammenhang mit dem vergangenen und dem gegenwärtigen Leben unseres Volkes gaben ihm echte Stärke und wahre Unüberwindlichkeit, die Stärke der Menschen, die auch imstande sind, eine wohltuende, unpersönliche, große Güte jedem zu zeigen, der in ihre Nähe kommt. Das stille Leuchten seiner r e i n e n und e d 1 e n P e r s ö n 1 i c h k e i t wurde weithin wahrgenommen. Zwei Listen — Zwei Wege Von Meir Oroßmann ■j Es ist. zweifellos bedauerlich, aber eine vollzogene Tatsache: Zu den Wahlen zum 18. Zionistenjcongreß werden zwei revisionistische Listen aufgestellt werden. ]Bis zum letzten Augenblick bestand die. Hoffnung, daß es, falls es nicht zu vollständigem, den KonfUkt liquidle- ..;-l|-,VJ .-;•."?.< r(.aiy .;;,•!•."..:.. i-^"f.~ ■ ■ .. - rendem Ausgleich kommen sollte, doch, möglich wäre, einen revisionistischen .Wahlblock zu schaffen. Leider ist auch dies nicht geschehen. '; ESJst nicht meine Aufgabe, hier die Gründe auseinanderzusetzen, weshalb zwei Riehtungen in einer Bewegung nicht den Weg zu einem Ausgleich gefunden haben, um trotz aller Differenzen wenigstens nach außen .als einheitliche Front aufzutreten. Es ist klar, daß dieselben Kräfte, welche die Spaltung herbeiführten, auch absichtlich oder unabsichtlich die Wiederherstellung der Einheit gestört haben. . Es wäre aber ganz falsch, den heutigen Konflikt im Revisionismus und ihre Folgen bloß mit dem „Putsch" vom 23. März zu erklären, wenn man versucht hat, die legalen Grundlagen des . Verbandes der Zlonlsten- Revisionisten aufzulösen und in die Bewegung ein persönliches Regime einzuführen. In Wahrheit — und das weiß die ganze zionistische Welt — sind in der revisionistischen Bewegung schon lange ernste Differenzen bezüglich programmatischer und taktischer Fragen gewesen. Zwar hat man durch ein Kompromiß versucht, einen' Ausweg aus dem Zusiunmehprall zweier Meinungen - zu finden, aber die Meinungsverschiedenheiten sind weiter geblieben. Ja, mehr noch. Wehn ein neues Problem auftrat, kristallisierten sieh sofort zwei verschiedene Auffassungen heraus. Die letzte Bombe, die in die Bewegung hineingeworfen. wurde, hat eine schreckliche Unruhe hervorgerufen; sie hat den Prozeß der Kristallisierung jeder der beiden Rlchtungn beschleunigt. Selbstverständlich werden die Wahlplattformen der beiden Listen in vieler Hinsicht einander nahestehen. Beide werden Forderungen aufstellen und ideologische Grundsätze wahren, die den revisionistischen Hauptpunkten angehören. Beide werden die Definition der zionistischen Ziele als der Schaffung eines Judenstaates verlangen. Beide werden gegen die erweiterte Agency, Steljung nehmen. Sie werden die Aktivierung der zionistischen Politik und die Reorganisation unseres Finanzsystems verlangen. Aber das ist nicht genug. Man will den konkreten Weg sehen. Man will die Menschen kennen, die ein gewisses Programm in die Tat umsetzeu. So wie die Revisionisten zu sagen pflegen» daß die Judenstaatsresolution in den Händen Dr.. Welzmanns noch nicht die Aenderung der zionistischen Politik bedeutet, so kann man auch heute sagen, daß nicht jede Wahlliste, die den Namen einer revisionistischen trägt, den konstruktiven, Judenstaatsbauenden Revisionismus beinhaltet.; > Es wird bei den Wahlen zwei revisionistische Listen geben. Sie repräsentieren nicht bloß zwei Richtungen -r eine demokratische und eine „autoritatlve?- diktatorische —, sondern auch zwei verschiedene Wege, 'Arbeitsmethoden und Taktiken., Es Kann «ein, daß Jede der beiden eine gewisse Berechtigung und eine besondere geschichtliche Aufgabe hat. Ich bin beispielsweise ein entschiedener Gegner der Schaffung einer" zweiten parallelen zionistischen Weltorganisation. Man kann aber jene Menschen verstehen, welche gewisse zionistische Kräfte für eine Arbeit' separieren und bereitstellen wollen, die, wie sie glauben, bloß äußerhalb der zionistischen Organisation geleistet werden kann.. Ein solcher Standpunkt ist jedenfalls klar. Er bedeutet Austritt. Ebenso klar ist ein zweiter Standpunkt, der besagt, daß die Aufgabe unserer Zeit in der Konzentrierung und Sammlung aller jüdischen Kräfte in der Organisation bedeutet, die ununterbrochen den Bereich ihrer Tätigkeit vergrößern muß. Unhaltbar aber ist die Lage jener,-, die eine zweite parallele Organisation, schaffen wollen, hiefür die Vorbereitungen treffen und gleichzeitig proklamieren, daß sie die jetzige zionistische. Organisation „sanieren" gehen. Es ist ein tiefer Widerspruch und die: zionistischen Kreise sind nicht so naiv, ■ um diesen Wderspruch nicht zu verstehen. Und wenn sie begreifen werden, was das bedeutet und wohin das führt, werden sie wissen, welche Liste sie zu unterstützen haben. .. * . - . , . . , Der Sonderverband der , Zionisten-Reyisionisten, welcher ständig ein Teil der -zionistischen Organisation gewesen ist und es noch heute ist, geht zum 18. Zlonlstenkongreß im Einklang mit dem Beschluß seiner Konferenz Von Kattowitz. An der, Spitze' des Sonderverbandes steht ihre Leitung, die gleichzeitig die Leitung der Weltunion der Zionisten-Revisionisten ist. Alle Mitglieder, der gegenwärtigen revisionistischen Exekutive sind immer Mitglieder der Zionistischen Weltorganisation gewesen. Sie sind niemals aus ihr ausgetreten. Im Gegenteil, sie haben stets . öffentlich erklärt, daß, sie eniT- ><♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦♦»»♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦»♦»♦»»»♦<»♦♦♦»»♦»< 4wywßt mckpci4<ad& ■ URAUFFÜHRUNG- S T A N MÄRD^ SCHWEDEN-KINO II. ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaileehaut / Taglich S-Uhr-Tee CCtlUCOllklf? Telephon 11, Hochstraße43 . MSrafVBKINU neben Hotel Panhan« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension" S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter . Telephon U-27-6-24 Mastu. Liegekuren, Sonnenbäder. Pension von S 8.— aufw. Wochenpauschäle S 50.—. Prospekte Retourmaike. Teiephon-Nr. 1 Sieinhaui am Semmering, Kurhotel „Stuhleckerhof schlössen sind, in der zionistischen Organisation zu bleiben. Sie haben die Politik und die Methoden der zionistischen Exekutive bekämpft, aber sind der Meinung gewesen, daß die zionistische Organisation zur Zeit die einzige zentrale Körperschaft sei, die das Recht hat, im Namen des ganzen Zionismus zur 'Welt und zu den Juden zu reden. Alle Mitglieder der jetzigen revisionistischen Exekutive, die sich an den Wähler wendet, er möge ihr das Vertrauen ausdrücken, sind seilt einer Menge von Jahren — einige seit der Gründung der zionistischen Organisation — Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees. * Weshalb bringe ich all die Details vor? Weil es wichtig ist, daß die Welt weiß, daß an der Spitze; des Sonderverbandes Menschen stehen, dessen Meinungen felsenfest sind und auf die man sich verlassen kann. Besonders heute, wo die Zerbröckelung unserer Kräfte und jeder Separa11 smus ein t ö d 1 icher Hieb gegen den Aufbau des jüdischen Heims in Palästina ist. Es ist wichtig, daß am Kongreß die Menschen sind, welche die Einheit und Konzentration der Kräfte wollen, Die Liste des revisionistischen Exekutivkomitees oder richtiger gesagt, die liste des Sonderverbandes wird selbstverständlich die Ideen jener vertreten, die das Recht bekommen haben, im Namen der Bewegung zu reden. Zwei Listen — zwei Wege. Unangenehm, aber nicht tragisch. Vielleicht sogar geschichtlich richtig. Ein Weg, trotz aller guten Absichten, führt zu einem verschärften Kampf in den zionistischen Keihen, zu der Proklamierung eines „P r 1 m a t s" einer Partei über eine ganze Volksbewegung, zu einem System der Isolierung und Separierung — kurz, zu einer Politik, die mit dem Wort „Knacks" (Brechen) bezeichnet /'wird. Die Theorie des „Brechens" als die unbedingte Voraussetzung des Bauens , geht bei den Menschen so weit, daß sie in ihrem leidenschaftlichen Drang ihre eigene Armee knapp vor dem Sieg brechen« Gewiß sind ihre Absichten die schönsten und besten, wie weit dies mit dem zionistischen Endziel zu tun hat. Sie würden so schnell als möglich den Judenstaat sehen wollen. Aber Ihre Wege und Methoden sind stets die unge* eignetsten; in gewissen Augenblicken werden sie sogar über alles schädIieh. Der zweite Weg — unser Weg — hat vor sjch, als das, nächste Endziel, den Aufbau eines jüdischen Staates^ Die diesen Weg gehen, wissen aber gut, daß das Brechen als permanentes System politischer Tätigkeit nur zu einem Zusammenbruch der zionistischen Bewegung führen kann. Zum Judenstaat fuhren die Sammlung aller Kräfte, Ausgleich, Kooperation, Aktivität und stürmische Energie, die sich selbst im Zaum halten kann, demokratische Methoden und Arbeit, Schätzung der Leistungen Andersdenkender. Es gibt eine Periode bitteren Angriffs und es gibt eine Periode gemeinsamer Aktion — für jede Zeit und für jede Situation; ... Die Revisionisten gehen mit zwei Listen zum Kongreß. Eine davon ist die des revisionistischen Exekutivkomitees. Auf wen stützt es sich? Vor allem auf eine große Zahl Revisionisten, die dem Programm und dem demokratischen Charakter der revisionistischen Bewegung treu geblieben sind. Auf jene Menschen, die nicht die Fähigkeit zu überlegen und zu denken verloren haben. Der Revisionismus war immer stolz auf seine demokratische Grundlage. Er hat immer nationale Front und nationale Pflicht gepredigt. Der Revisionismus Ist groß geworden als ein Teil der zionistischen Bewegung. Solange er darinnen war, ist er gewachsen und groß *e-