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Die neue Welt · 1933-06-30 · Heft 303 (30.6.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 303 (30.6.1933)
Date
1933-06-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 303 TIROL-KOSSEN MOTIL-PINSION KAPtLLI worden. Auf all diejenigen, die an die Aufgabe des Revisionismus innerhalb des Rahmens der zionistischen Organisation glauben, stützt sich die Liste des Sonder- Verbandes. Und ferner: Auch die revisionistische Jugend, welche Anteil nehmen will am Aufbauprozeß, und die gesehen hat, daß sie seitens derer, deren ganzer Pathos In ewiger Demonstration und Feuerwerk liegt, keine Stütze findet, wird mithelfen zum Erfolg dieser Liste. Die Jugend Hebt Glanz und Draufgängerei. Die Jugend hat auch Verständnis für Ideen und Gerechtigkeitsbewußtsein. Nicht alle jungen Menschen, besonders Juden, lassen sich verblenden. Der beste Beweis ist, daß iih Verlauf von zwei Monaten unter den ungünstigsten Verhältnissen solch eine Jugendorganisation wie der Brlth Hakanalm entstanden ist, der bereits tausende Mitglieder zählt. Auch In Palastina sind sie da. Keine Riesenziffer, aber ausgesuchtes Menschenmaterlal. Sie sind keine Mitläufer und „Heil"« Schreier. Sie bauen den Brith Hakanaim, weil sie an die tiefe Wahrheit der Bewegung glauben, die eine neue Generaton für neue Wege schaffen will. Außer den Revisionisten existieren auf der jüdischen Gasse noch abertausende Zionlsten. und einfache Schekelzahler,,die gezwungen sind, die Liste der revisionistischen Weltexekutive zu unterstützen. Für wen sollen sie stimmen? Für die Linken? Für die, deren Ideal der Klassenkampf ist und die die E i n w a n d e r u n g des Mittelstandes einschränken Wollen? Für die Allgemeinen Zionlsten, die sieh 00 erfolglos, kurzsichtig, unentschlossen erwiesen haben, die tinsei* nationales Kapital einer einzigen Klasse ausge liefert haben und hin- und hertaumeln, nicht wissend, wo sie sich anhalten sollen? Für Jette Revisipnl sten, die dem Kongreß ein Ultima tarn stellen, Krieg erklären nach rechts und links, Angst haben, die Ver antwortung der Führung derzlonistlschen Geschäftezu übernehmen und Ihre eigenen Grundsätze zerbrechen? Ich beneide nicht denjenigen, der die Qual der Wahl hat. Aber solange eine Liste des revisionistischen Sonder Verbandes existiert, an dessen Spitze die revisionistische Exekutive steht, kann der Wähler, der Zionlst ah sich, der Durchschhfttsjude, der kleine Kaufmann und der Unternehmer, der nicht „brechen" und nicht „nachgeben" will, eine Liste finden, für welche er ruhigen Gewissens stimmen wird. Die Liste der revisionistischen Exekutive enthält Namen von Kandidaten, die Judenstaatler sind, Demokraten, die die Einheit der Zionistischen Organisation erhalten, ein Ende mit der Budgetwirtschaft machen wollen, die die Herrschaft der Linken beseitigen und im gegenwärtigen tragischen Moment der jüdischen Geschichte zusammen mit den anderen Partelen die Verantwortung für den Zionismus Ubernehmen wollen. Die zwei Listen bedeuten zwei Wege. Und es ist Sache des Wählers zu bestimmen, welcher Weg ihm näher liegt. Italien und das Judenproblem (Brief aus Italien) Von Ludwig Batö Mailand, Ende Juni. Wenn man in der jüdischen Welt herumhorcht und verschiedene jüdische Zeitungen liest, merkt man,, daß über das. Verhältnis Italiens zur Judenfrage ganz merkwürdige Anschauungen vorherrschen. Im allgemeinen nimmt die jüdische Oeffentlichkeit an, daß die Judenfreundlichkeit in der italienischen Politik eine große Rolle spiele und daß Italien auf dem Sprunge steht, sich mit Hitler-Deutschland wegen dessen Judenfeindlichkeit zu überwerfen. Wie ist es nun in Wirklichkeit um die judenfreundliche Politik Italiens bestellt? / , Die Judenfrage spielt in der italienischen Politik und in der faschistischen Ideologie schon vermöge der geringen. Zahl der italienischen Juden — ÖÖ.ÖÖÖ Seelen ohne die Kolonien. — ü b e r hau p t k c i n e R oll e. Italien kennt keine JudenpoÜitik mit festgelegten Richtlinien und sein Verhalten einzelnen Juden oder der Judenheit gegenüber .klingt wohl an die Traditionen des liberalen Regimes an, wird aber jedenfalls durch die jeweiligen Umstände bestimmt, wodurch sich "oft eine von den Juden stark empfundene G e g e n s ä t z 1 i c h k e i t ergibt. Das faschistische Italien hat vor allem unter Mitwirkung der Judenheit selbst ein neues jüdisches Gerne ind. e g e s e t z geschaffen, das wohl das beste und modernste ist, das das jüdische Volk in der Diaspora besitzt. Es verleiht den Gemeinden Geltung und Ansehen, läßt die Umlagen ,durch die staatlichen Steuerämter einfachen und stattet den im Gesetze vorgesehenen Bund der Gemeinden mit weitgehenden öffentlichrechtlichen Befugnissen aus! Bezeichnend für den Geist des Gesetzes ist die Bestimmung, wonach sich der Geme'indebund mit ähnlichen Körperschaften des Auslandes ins. Einvernehmen zu setzen habe. Der jüdische Professor des Kirchenrecht es'an der Universität Mailand, Mario Falco, ist der Schöpfer dieses Gesetzes und seine zionistische Auffassung vom Judentum läßt sich wahrhaftig1 nicht verleugnen. Dieses Gemeindegesetz, welches das erstemal die Reihen der" italienischen Judenheit zu einer einheitlichen Organisation zusammenschließt, ist von allen bewußten, natlonajgesifchten Juden mit aufrichtiger Freude begrüßt worden. Dagegen fehlte es nicht an Stimmen aus dem Lager der Ässimi lauten, die in der straffen Zusammenfassung der italienischen Judenheit eine Art neuen Ghettos erblickten. Das faschistische Italien war es, das den von verschiedenen europäischen Hochschulen vertriebenen jüdischen. Ötudenten spontan die Pforten der italienischen Hochschulen erschloß und ihnen das Studium auch heute noch durch; Einräumung wesentlicher Vergünstigungen erleichtert. Zahlreiche fremde Juden ließen sich in der Nachkriegszeit in Italien nieder, denen auch nicht das geringste Hindernis in den Weg gelegt wurde. Die italienischen Juden seibat bekleiden ragende »4 Diesen woche SCHWEDEN - KINO f.Ä5S3?1 : Vom 30. Juni bis 7. Juli: Dl« aroB« Lachparad« Staii Laiiral - Olivsjr Hardy in ■ . „Wüste Abenteuer Bühneneinlage: Franz Schier, der preisgekrönte Wiener Lieder- und Jazzsänger. Wochentags: 5, 7, 9 Uhr, Sonntag* a^S Uhr Stellungen — an den Universitäten und in der Armee, auf zwei Gebieten, in denen sich die Juden seit Generationen heimisch fühlen. Sie führen in der Medizin, Jurisprudenz und Mathematik — die Universität Bologna allein hat dreißig jüdische Professoren — und viele Generäle bekennen sich mit Stolz zum Judentum. Aber auch als Kaufleute, Financiers und Industrielle gehören sie zu den Geachtetsten des Landes, wenn sie auch keine Führung in diesen Berufszweigen innehaben. Eigenartigerweise spielen die Juden — von wenigen Ausnahmen', wie Sabatino Lopez und Guido da Verona, abgesehen — in der Literat u* r und der Politik überhaupt keine Rolle- . Auf gesellschaftlichem Gehiete Ist der Jude so gut wie gleichgestellt. Es gibt, zwischen Juden und Niclitjudeh einen engen, gesellschaftlichen Verkehr, der ah Herzlichkeit nichts missen läßt und in Mitteleuropa heute ganz unvorstellbar ist. Und doch! Die Gegensätzlichkeit macht sich immer mehr fühlbar. Die Italienischen Juden haben das Gefühl, daß sie aus dem öffentlichen Leben a 11 m ä h 11 c h v e r d r ä n g t werden. Der Faschismus kennt wohl keine Rassenf rage im Sinne des Nationalismus und seine Ideologie ist durchaus nicht antijüdisch, und doch betreibt er letzten Endes eine a jüdisch e, entjudete Politik. Ohne der Rassentheorie zu huldigen, lassen die Faschisten oft das Wort vom „latainischenBlute" vernehmen, man spricht vom „lateinischen Ahnherren" und da fühlen die italienischen Juden, die viel mehr Wirklichkeitssinn haben als ihre Brüder in Deutschland, daß sie Irgendwie nicht dazugehören. Aber ist es bloß Gefühl? Während früher die Juden in fast jeder Regierung vertreten waren, höchste Regierungsstellen bekleideten und im Durchschnitt zwanzig Abgeordnete zu den Ihrigen zählten, ist heute die Regierung judenreis, die Juden sind aus den hohen Stellen der staatlichen Verwaltung so gut wie verschwunden und nur noch ein Jude — der Direktor des Industriellenverbandes, Gino Olivetti — gehört der Kammer an. Seit Mussolini die Geschicke Italiens lenkt, wurde kein Jude mehr zum Senator ernannt Die noch vorhandenen jüdischen Senatoren — Barzilai, Diena, Deila Torre, Catejlani usw. — sind durchwegs alte Herren und entstammen einer früheren Aera. Unter den sechsunddreißig Unsterb- 1 ichen der von Müssolini nach französischem Vorbild ins Leben gerufenen „Accademia dltalia" sucht man vergebens nach einem jüdischen Gelehrten oder Künstler. Dies fiel selbst Emil, Ludwig auf, der die Sache in seinen bekannten Gesprächen mit Mussolini zur Sprache brachte. Vor wehigen Wochen kamen nun drei Stellen In der Akademie zur Neubesetzung und ganz Italien rechnete damit, daß der größte Archäolog des Landes, der Jude Deila S e t a, den ihm gebührenden Platz unter den Akademikern einnehmen würde. Es kam aber anders: der Kardinal Gasparri gelangte an die erstrebte Stelle. Die Femhaltung der Juden von der Akademie Ist Übrigens um so bemerkenswerter, als der Papst es für richtig befunden hat, in die päpstliche Akademie der Wissenschaften den ersten Mathematiker Italiens, den Juden Tu Iii o Xi.tvii- Glvita, zu berufen. Es entbehrt auch nicht einer gewissen Pikanterle, daß die , Verfassung des Vatikanischen Staates auf päpstlichen Auftrag von dem an der Universität Florenz wirkenden jüdischen Rechtslehrer Finzi entworfen wurde. Diese Ausschaltung aus dem öffentlichen Leben ist |f^c* ge^gn^t» die, J^jd^ö Italiens, die gewohnt sparen, TOBELBAD 83» Ideale Sommerfrische, wundervolles Thermal-Strandbad, 2400 m'gr. beton. BaMin, mitten im Walde gelegen. (Pension: 4 relchn. Mahlzeiten) inkl. freier Benützung des Stiandbadea von S 8.- bis 10.— (Keine Kurtaxe). Alle Kurbeheffe. — Auskunft und Prospekte durch die Kurvetwaltu: g. an den höchsten Stellen ihre Dienste dem Vaterlande zuj weihen, tief zu kränken. * Die Im Auslande umherschwirrenden Gerüchte be« sagen natürlich das Gegenteil. Der jüdische Mensch Ist von Natur aus optimistisch veranlagt und eine gewisse Sorte von Zeitungen findet sich stets gerne bereit, dieser; Leichtgläubigkeit durch Auftischung abenteuerlichster Gerüchte Nachschub zu leisten. So wird der Ministe? Balbo, der einer alten Turiner italienischen Familie entstammt, von sensationslüsternen Journa-* listen zum Juden gestempelt — seht ihr, wie gut es die? Juden in Italien haben! — und der Hakenkreuz-Minister, Goering muß auf Mussolinis Geheiß an dessen koscherer] Tafel speisen. Dieser erlogene Unsinn fand in allen jüdischen Zeitungen freudigen Nachdruck. Ich selbst sah Ihn; In einer nordafrikanischen Zeitung mit Schlaglettern ver« Öffentlicht. Und wenn's mit Balbo nichts ist, so klammert man sich mit einer gewissen Selbstberuhigung an Minister: Jung. Als dieser Staatsmann zu den Finanzverhandlungen nach Amerika fuhr, da posaunte die „ITA" jubelnd in die Welt die Nachricht hiaus,. daß Minister Jung, „ein orthodoxer Jude" (alle jüdischen Minister, sind orthodoxe Juden!), gelandet sei. Daß die Presse in Erez Israel ihn nachher täglich mit Talis und Tefilin beten ließ und daß das „Hamburger Israelitische Familienblatt" strahlend sein Konterfei der staunenden Mitwelt zeigte, liegt auf der Hand. Leider ist es auch" mit Jungs Judentum sehr arg bestellt. Seine Großeltern, Juden aus dem badischen Geilingen, ließen sich in Palermo nieder und selbst seine Eltern — Jung ist über sechzig Jahre alt — waren noch Juden. Er selbst wurde aber nicht mehr ins Judentum aufgenommen, auch nicht mehr als Jude erzogen, er, gehört dem Judentum Uberhaupt nicht an. Diese Tatsachen mögen jene in Bestürzung versetzen, die die wirksamste Wahrnehmung jüdischer Interessen in einer Hintertreppenpolitik erblicken. Die Zeiten sind aber längst vorbei, wo die Juden mit großer Befriedigung auf das Vorhandensein von Staatsmännern jüdischer Abstammung hingewiesen haben, auch wenn diese gar keine jüdischen Interessen hatten oder gar antijüdisch; gesinnt waren. Das jüdische Volk hat seither sein Schicksal selbst In die Hand genommen. Ueber das Verhältnis Italiens zur deutschen Judenf rage das nächste Mal. Die Sammlungen in England zugunsten deutsch«! Juden — Bisheriges Ergebnis: 120.000 Pfund Aus London: Wie aus dem eben veröffentlichten Bericht des britischen Zentralhilfskomitees hervorgeht, haben die Sammlungen für den britischen Zentralf o n d s f ü r H i 1 f s arbeit zugunsten deutscher Juden insgesamt 120.000 Pfund ergeben. Unter den Personen, die größere Beiträge zu diesem Fonds beigesteuert haben, befinden sich zahlreiche N i c h t j u d e n, die in ausführlichen Begleitschreiben ihre Beteiligung an der Sammlung mit dem allgemein humanitären Charakter der Aktion und mit ihrem Wunsche, ihrer Sympathie für die leidenden: deutschen Juden Ausdruck zu geben, begründen, Jüdische Volkspartei' Oesterreichs Die Organisierung der einzelnen Bezirks-, gruppen ist in Angriff genommen worden und erfordert regste Mitarbeit! Die Mitglieder der einzelnen Bezirke werden ersucht, sich zu dieser Arbeit unver* züglich zur Verfügung zu stellen und dies dem Sekretariat der „Jüdischen Volkspartei", Wien, II., Untere Augartenstraße^ 38 (Tel. A-45-6-S4), bekanntzugeben. Parteienverkehr, Auskünfte usw. täglich» von 10 bis U Uhr. X-------rT*inTiiiriiitinniiiimiiiiiinn Dienstag, den 4. Juli 1933 In «amtlichen SophiensHIen, III, Marxergasse 17 VORTRAG Wladimir Ja bot Ins ky „Untergang oder Rettung des Judenvolkes" Leutsprechsranlage Beginn 8 Uhr abends Preise d«r PWtxo von 90 fj bis S 3.- Kartenvorverkauf: Sekretariat, IX, Bereg. 16, Tel. A-17-5-40 / Tageskasse der Sophiensäle A. Q. III, Marsergasse 17, Tel. U-42-2^36 / Kartensentrale Am Graben 28, Tel. U-22-4-45/ Buchhandlung M. Rath, II, Taborstraße 20A, Tel. R-4SM.58 / In den BeSrheimen: II, Schtffamtseasse 17, II, Obere Donaustr. 45a II, Taborstraße 5 a, VI, Stumpergasae 47 Smmemmmem—m—m—m— issssmuswm

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