Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 303 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 303 DIE NEUE WELT Seite 3 Die KongreBpIaltform des demokratisdien Revisionismus Eine jüdische Mehrheit in Palästina — Internationale Lösung der Judenfrage — Freie Einwanderung — Eine halbe Million neuer jüdischer Einwanderer in den nächsten zehn Jahren — Sozialer Friede während des Aufbauprozesses — Eine Exekutive der nationalen Konzentration Niemals in unserer Geschichte war die jüdische Tragödie so grausam wie jetzt. Die jüdische Katastrophe in Deutschland hat plötzlich den Abgrund des Oaluth enthüllt. Hoffnungen von Generationen sind zertrümmert worden. Das deutsche Judentum, das auf seine tiefverwurzelte Gleichberechtigung und höhe Kultur so stolz war, ist mit einem Schlage zugrunde gerichtet — moralisch, politisch, wirtschaftlich. Diese Katastrophe ist eine Warnung für das ganze jüdische Volk. Nochmals wird die tiefe Wahrheit bestätigt, daß die Zukunft des Volkes, seine einzige Rettung in der Schaffung eines Judenstaates liegt. Die jüdische Lage erfordert eine rasche und radikale Lösung. Der staatsbauende Zionismus, wie er Im revisionistischen Programm zum Ausdruck kommt, hat jetzt die historische Aufgabe, alle jüdischen Kräfte für die Erreichung dieses Zieles zu sammeln. Die Ereignisse der letzten Jahre haben bewiesen, daß die langjährige revisionistische Forderung zur Schaffung eines Heims für Millionen Juden in Palästina richtig und zeitgemäß gewesen ist. Wir haben den Zionismus immer als erschöpfende Antwort auf die jüdische Not aufgefaßt. Wir forderten: Eine ausgedehnte politische Tätigkeit auf internationalem Gebiet, Aenderung der wirtschaftlichen Methoden des Kleinzionismus, freie Einwanderang, Abschaffung aller Störungen für Arbeitgeber .und Arbeitnehmer. Der Revisionismus verlangte die Schaffung , einer jüdischen Schutzmacht gegen brutale Ueberfäüe. Auch war er immer der Ansicht, daß ohne Besiedlung Transjorda- . niens der Zionismus verurteilt ist, eine romantische Bewegung für Einzelpersonen zu bleiben. Jahrelang wurden die revisionistischen Ideen als phantastisch verpönt. Nun wird bereits anerkannt, daß sich unsere Kritik als richtig erwiesen hatte und daß das von uns seinerzeit unterbreitete Programm und die Arbeitsmethoden den Interessen des Zionismus entsprechen. Jeder Jude weiß heute schon, daß die j tf'äl sehe Mas s ein ei n w and e r u n g das Lebensbedürfnis der "jüdischen Massen ist. Die Zeit ist reff für eine grundlegende A e n d e r u n g der zionistischen P o I i t i k und der Kolonisationsmethoden. Herzls große Schöpfung, die Zionistische Weltorganisation, muß erhalten bleiben, sie muß aber einen anderen Inhalt und ein anderes Tempo bekommen. Das ganze jüdische Volk erwartet vom 18. Kongreß entsprechende Handlungen, denn Palästina ist heute eine Lebensfrage sowohl für die jüdische Gesamtheit als auch für den einzelnen Juden. Damit der nächste Kongreß nicht alles beim alten lasse; damit die Personen, welche sich vom Endziel des Zionismus, dem Judenstaat, losgesagt und die schädliche Politik der Palästina-Verwaltung ohne entsprechenden Widerstand hingenommen haben, nicht wieder die Führerschaft erlangen, müssen die zionistischen Massen diesmal eine zahlreiche revisionistische Delegation zum Kongreß entsenden. Der konstruktive demokratische Revisionismus geht heute wie früher zum . Kongreß von dem Wunsche beseelt, den Zionismus zu seinem Herzischen Ursprung zurückzuführen. Er , geht, um mitzuarbeiten, mitzuhelfen und mitzubauen. Die Hauptaufgabe des 18. Zionistenkongresses besteht nun darin, eine neue Linie zionistischer Politik festzusetzen und alle Kräfte des Judenstaatszlohismus der Erreichung dieses Zieles zu widmen. Die revisionistische Fraktion am Kongreß, die den demokratischen. Revisionismus repräsentieren wird, kommt zum 18. Kongreß mit folgendem Programm: 1. Der Kongreß muß klar feststellen, daß unsere Aufgabe die Lösung der jüdischen Frage durch Schaffung eines auf jüdischer Majorität beruhenden Judenstaates in den historischen Grenze ^Palästinas ist; alle konkreten Arbeitspläne zum Aufbau Palästinas müssen mit dieser großen historischen Mission, die ein entsprechendes Regime seitens der Mandatarmacht erforderlich macht, in Einklang gebracht werden. i 2. Eine großzügige politische Aufklärungsarbeit muß in England und an der internationalen Front eingeleitet werden. Die jüdische Frage muß wieder zu einem Weltproblem erhoben werden, das mit politischen. Mitteln durch Intervention und aktive Unterstützung des Völkerbundes und der daran direkt interessierten Mächte gelöst werden kann und muß. 3. Eine internationale Anleihe für eine grpße jüdische Immigrationsfrage durch den Völkerbund müssen bewirkt werden. 1 4. Eine freie jüdische Einwanderung nach Palästina ohne künstliche Einschränkungen, ohne Privilegien für gewisse Schichten, ohne Schikanen, die den Begriff „Jüdisches Nationalheim" zum Spott machen. Jüdische Initiative und jüdischer Pioniergeist müssen Raum erhalten. Das Zertifikatensystem«, das eine Demoralisierung in unsere eigenen Reihen hineingebracht hat, soll abgeschafft werden. Das Ausmaß der jüdischen Einwanderung muß mit dem jüdischen Endziel im Einklang stehen, die Verantwortung für das Schicksal der Einwanderer dieZionistischeOrganisation selbst tragen. Mindestens eine halbe Million neuer jüdischer Einwanderer in zehn Jahren ist unser Programm! 5. Das gegenwärtige politische und wirtschaftliche Regime im Lande muß so geändert werden, daß die Palästina-Regierung die jüdische Initiative, jüdisches Kapital und jüdische Schaffungskraft nicht solchen Zwecken dienlich macht, die mit den Aufgaben der Mandatarmacht in Palästina nichts zu tun haben. Es muß eine Agrarreform durchgeführt und das jetzige Bodenrecht dem Geiste des Mandats angepaßt werden. Die Budgets des Schul- und Gesundheitswesens in Palästina müssen aus den allgemeinen S t a a t s e i n k ü n f t e n gedeckt werden. 6. Eine bewaffnete jüdische Formation zum Schutze des Jischuw muß ins Leben gerufen werden. Der jüdische Einwanderer und der jüdische Bürger müssen die sichere Gewißheit haben, daß sie nicht Opfer von Ueberfällen werden können. Jüdischer Schutz ist der Stützpunkt jüdischer Kolonisation. . 7. Das gegenwärtige jBu d g e t s y s t e m der Zionistischen Organisation, das auf den Fonds aufgebaut ist, muß gründlich reorganisiert werden. Keine Koloni sation kann auf einem 'Wohltätigkeitssystem beruhen. Die zionistischen Fonds müssen einer Reform unterzogen werden. Nationale Kapitalien müssen durch entsprechende Institutionen als Gar antief onds zur Unterstützung jeder konstruktiven Initiative verwendet werden. Es ist die Aufgabe der Zionistischen Organisation, die Bildung und Tätigkeit großer Gesellschaften für spezielle Gebiete der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie, die - auf normalen wirtschaftlichen Grundlagen aufgebaut sind, zu fördern. 8. Die Zionistische Organisation muß die J e w i s h Agency, das einzige jüdisch-politische Instrument mit einem internationalen Status in ihre Hände bekommen. Die Z. O. soll ihren demokratischen Volkscharakter wiederherstellen. Die gemischte, durch Jewish Agency muß abgeschafft werden. Die Tore der Z. O. sollen allen denen geöffnet werden, die auf der Grundlage der Souveränität des Zionistenkongresses mitarbeiten wollen. 9. Das gegenwärtige ungesunde soziale System im Jischuw, wo die Kontrolle über die Arbeitskräfte, die Arbeitsverteilung und alle sozialen Funktionen in den Händen einer politischen Partei liegt, die offen den Klassenkampf predigt und Streiks im Aufbauprozeß als normales Mittel zur Lösung sozialer Konflikte erachtet, muß einer Liquidation zugeführt werden. Es müssen in Palästina neutrale Arbeitsyermittlungsstellen und eine nationale schiedsgerichtliche Institution ins Leben gerufen werden. Nicht nur der palästinensische Jischuw, sondern das ganze Judentum ist daran interessiert, daß das gesellschaftliche Leben Palästinas von Herrschern und Beherrschten, von Terror, Ueberfällen und sozialer Unterdrückung freigemacht werde. Recht auf Arbeit für jeden Juden, der nach Palästina kommt! 10. Eine Exekutive der national en Konzent ration auf Grund des obenerwähnten Programms und gestützt auf eine zionistische Einheitsfront Reklamiert Euer Wahl' recht! Ab Donnerstag, den 29.'d., liegt im Sekretariat, II., Untere Augartenstraße 38 (9 bis S, 6 bis 9 Uhr) die WÄHLERLISTE zur Einsichtnahme auf. Alle Freunde werden ersucht, in der Wählerliste nachzusehen» ob sie sowie ihre Angehörigen und Freunde darin enthalten sind, damit sie nicht ihres Wahlrechtes verlustig werden. Wahüeitung der Zionisten-Revisionlsten Listenfünrer: Robert Stricker* Dr. Mautners Sanatorien Waldtanatorlum Parchtoldtdort hat tili** Schönste Lage im Wienerwald, direkte Autobusverbindung von Wien 1. Altvatettaitatorium Fretwaldau*Qr8lanbar0, CS. ff. Prachtvollste Höhenanlage, in beiden Sanatorien alle Kurbehelft für innere, Nerven- und Stoffwechselkrankheiten, Erholung** bedürftige etc. Modernster Komfort. Zeitgemäß reduzierte Preise muß gebildet werden. Die tragische Lage des jüdischen Volkes und die vor uns stehenden Aufgaben mächen jetzt die Zusammenarbeit aller konstruktiven Judenstaatskräfte erforderlich. Die Zionistische Weltorganisation muß jetzt zum Sammelplatz des gesamten jüdischen nationalen Willens aufgebaut werden. Die revisionistische Exekutive, die nicht nur die Ideen organisierter Revisionisten, sondern auch diejeni« gen großer zionistischer Massen vertritt, erstrebt die Erneuerung der Zionistischen Or« g a n i s a t i o n. Sie ist sicher, daß ihr Programm Wider« hall und Untersuchung finden wird. Der Sonderverband der Zionisten-Revisionisten geht zum Kongreß; tun Mit*' lionen verzweifelter Juden, denen der Zionismus mehr ist als ein geistiges Erlebnis, eine Antwort zu erteilen. Er Ist auch bereit, die Verantwortung für die Führung des Zio nismus zu Ubernehmen, in desesn Dienst er seine Kräfte.' stellt. Die Zionistische Organisation muß wieder die ■_• Trägerin des jüdischen Staatsgedankens werden! Eine Atmosphäre von Frieden und Arbeit muß wieder in unsere Reihen einziehen! Der Weg hiezu ist — die Unterstützung der Liste der revisionistischen Exekutive! Entsendet zum Kongreß unabhängige, 1 mutige, stolze, überzeugte Männer, die für euer Becht zu kämpfen verstehen! L Unser Ziel ist der Judenstaat! Unser Weg ist die internationale. Lösung des jüdischen Problems! Die Stärkung, der Zionistischen Organisation als des politischen Instruments unserer Befreiungsbewegung! Unsere Methoden sind Mobilisierung nationaler Kapitalien, Ermutigung der privaten Initiative, Chaluzijut der Arbeit und des Kapitals, sozialer Frieden auf der Grundlage jüdischer Arbeit! Exekutive des Sonderverbandes der Zlonisten- ' Revisionisten: Meir Groß man, Dr. Jona Machove r, Dr. S. Soskin, Robert Stricker. London, am 20. Juni 1933. ' Ver§aminlungskalender Liste der Zi'oni'slen»Revioni$ien Listenführer Robert Stricker; Montag, den 3. Juli 1933, um halb 9 Uhr abends: , Cafe Kriegsministerium, III., Invalidenstraße 9. Redner: Ing. Robert Stricker, Dr. N. Sa-: monsky.; Cafe Dank, XVIII., W ä h r i n g e r gü r t e X Nr. 10 4a. Redner: Frau Erna Patak, Hans Kandl,- Dr. S. Wolf. . - , Cafe City, IX., Porzellangasse 1. Redner: Fritz Richter, Frau Margit Buch-: binder, Ing. Stricker. Dienstag, den 4. Juli 1933, um halb 9 Uhr abends: Restaurant Kolafik, V., Margarete n p 1 a t z 7. , . , . .V Redner: Dr. S. Wolf, Frau Margit Buch* binder, Hans Kandl. ' Restaurant „Grüner Bau m", VI 1/ Mariahilferstraße5 6. Redner: Dr. N. Samonsky, Ing. Eugen Buchbinder, Dr. S. Wolf. i Restaurant Mariensäle, XIV., Reindorfgasse 3. Redner: Fritz Richter, Hans. Kojb, Dr. N. Samonsky. Mittwoch, den 5. Juli 1933, um halb 9 Uhr abends: Cafe A11 a s h o f, I., A s p e r n P1 a; t z 4. Redner: Fritz Richter, Dr. 'D. Bukspan, Dr. S. Wolf. „Deutschmeister - Schützenhaus", VIII., Albertgasse 43. " Redner: Dr. S. Wolf, Hans Kolb, Iiig. Robert Stricker. CafeDÖblingerhof, XIX., Billrothstraße 4 9. Redner: Josef Frankel, Frau Margit Buchbinder, Dr. N. Samonsky. Bimse Ferien- und Uriaubsrelsen nach ganz Polen iür 31 und 10 Tage. Abreise 15. Juli Übend«). Alle Visa gratis. 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