Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 301 (16.6.1933)
- Date
- 1933-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.Nr. 301 DIE NEUE WELT Seite 5 wenig Wert auf eine eigene Meinung und eigene .Würde oder glaubt sie berufen zu sein, bloß jenes anderen Meinung und Würde zu dienen? Meint sie, daß sjte, wenn der Führer N. N. gestern für den Eintritt in die Zionistische Organisation, heute für den Austritt und morgen gleichzeitig für den Eintritt und Aus* |j*ltt ist, gestern, heute und morgen diesen schwindelerregenden Tanz mitmachen muß? Ist sie der Meinung, (faß der Führer der Idee angepaßt oder daß die Idee dem Führer angepaßt werden muß? Wollen wir eine freie Bewegung sein oder ist uns der atemraubende Zustand von ^Leninismus" lieber? Revisionistisches Geschlecht, offenbare dein Ge- Brith Hakanaim Von B. Weinstein (Tel-Awiw-Warschau) Bemerkung der Redaktion. Die Vorgänge im Zionismus-Revisionismus haben unmittelbaren Anlaß zur Gründung einer neuen zionistischen Jugendorganisation „Brith Hakanaim" gegeben. Beim Versuche Jabotinskys, die legal gewählte Leitung der revisionistischen Weltunion'willkürlich zu beseitigen und so eine Diktatur im Revisionismus zu etablieren, wurde die große revisionistische Jugendorganisation „Brith TrumpeldorM (Betar) in den politischen Kampf hineingezogen. Der Betar, zu blindem Gehorsam gegenüber dem Bosch Betar (Jabotinsky) erzogen, wurde zum willenlosen politischen Werkzeug. Die Tendenz, die Gehorsamspflicht gegenüber dem Führer so weit auszudehnen, daß durch sie die freie Bildung einer politischen Ueberzeugung bei der Jugend verhindert wird, ist schon lange von vielen revisionistischen Führern als gefährlich für den Revisionismus und den Betar selbst bekämpft worden. Aber, wie die letzten Vorgänge beweisen, vergeblich. Dieser als unhaltbar empfundene Zustand hat zur Gründung des „Brith Hakanaim" geführt. Der Name knüpft historisch an den jüdischen Befreiungskrieg im alten Palästina an, in welchem die Kanaim (Eiferer) die große patriotische Rolle spielten. Der Schreiber des Artikels ist einer der. Gründer der neuen Organisation. Was bedeutet die Gründung des „Brith Hakanalm"? Bedeutet sie Schaffung eines neuen Begriffes in unserer Fartei-Terminologie? Nein. Die ,,Brith-Hakanaim"-Bewegung schafft nichts Neues. Sie will nur In der Jugend die großen Grundgedanken des Herzl-Zionismus verstärken. Die „Brith-Hakanaim"-Bewegung will unsere Jugend mit der Wirklichkeit in der Galuth und in Palästina verbinden und sie für den Aufbau des Juden Staates vorbereiten. '■'!Die ,,Brith-Hakahälm"-Bewegung Ist in ihrer Erscheinung jühg,v aber ihre Wurzeln liegen tief in der jüdischen Geschichte. Man wird sicherlich die Frage auf werfen: Darf man im gegenwärtigen Augenblick eine neue Organisation schaffen und eine schon existierende Organisation schwächen? Wir sagen ja. Es ist notwendig. Die Krise in der revisionistischen Bewegung führte — ohne zwingenden Grund — zu einer geistigen und moralischen Krise in der betarischen Bewegung. Dies müssen wir zu unserem Bedauern feststellen. Der Betar ist entstanden als Antwort auf verschiedene negative Erscheinungen innerhalb der zionistischen Jugendbewegungen. Die revisionistische Bewegung, welche den Kampf für die Erneuerung der Herzischen Ideen aufnahm, schuf den Betar als Hauptinstrument für die Verwirklichung dieser Ideen. Einige Jahre angestrengter Tätigkeit verwendete die revisionistische Union für den Ausbau des- Betar. So ist das große Heer der Betarim entstanden, immer wachsend. Aber in einem entscheidenden Augenblick hat der Betar versagt. Er hat sich selbst preisgegeben. Denn er hat sich hineinziehen lassen in einen fraktionellen Kampf und hat die ihm gezogenen. Grenzen Uberschritten. Seihe militärische Struktur wurde ausgenützt, um einen Druck auf das betarische Gewisse n auszuüben. Viele der Betarim leiden heute schon unter dem Gewissenskonflikt. Sie sind mit dem Schritte des Führers (Bosch Betar) nicht einverstanden. Aber der „Befehl" besiegte das Gewissen und hat die moralische Grundlage der Bewegung zerstört. ■■- Die militärische Disziplin im Betar wurde geschaffen, um die Jugend» welche in einer Atmosphäre nationaler und gesellschaftlicher Vernachlässigung vegetierte, zu innerer und äußerer Ordnung zu erziehen. Wenn aber der Militarismus das geistige Innenleben der Jugend erdrüokt, dann wird er zum Fluche. Als untrennbarer Teil, der revisionistischen Bewegung wird ihr der „Brith Hakanaim" Immer verbunden sein,. Der „Brith Hakanaim" Wird selbstverständlich sein eigenes Leben führen. Seine Leiter aber werden von der gesamten, demokratisch gewählten revisionistischen Leitung bestimmt werden. Die militärische Disziplin wird und darf nicht das Gewissen der Mitglieder vergewaltigen. Als Teile der zionistischen Weltorganisation werden die Mitglieder alle Pflichten erfüllen, welche aus dieser Zugehörigkeit erwachsen. Als Schöpfung des Herzischen Zionismus wird der „Brith Hakanaim" den Weg des Legionismus und der Chaluzlnth geben, wird ein Heer von Herzl-Zionlsten heranbilden, welche dem „Befehl" des Volkes folgen, welche dem Volke und seinen Vertretern treu dienen. Keine Sonderinteressen, sondern das Gebot der Stunde hat uns veranlaßt, den „Brith Hakanaim" zu schaffen. Es fehlen jetzt die Kanaim, die. Eiferer für das MM« ""V" ""TBy"""^. "Vi Kurort Baden bei Wien Oesterreichs grosses Heilbad gegen Sicht, Eheuma, Ischias s anatoriwr «■■t«nH»imi% ^ggafewtffl Erstklassige physikalisch - diätetische Heilanstalt / Herz- und Nierenstation alle Diätkuren / Badekuren / Schwefelbäder im Hause / Großer Zandersaal Volk, für den Judenstaat, Eiferer für unsere Sprache, Elferer für die zionistische Bewegung und ihr Schicksal. Wir brauchen Kanaim bei unserer täglichen Arbelt in Palästina und in der Galuth. Kanauth — ist ein Programm, welches weit über die Grenzen einer Partei hinausreicht. Die Illusionen der Galuth sind zerstört. Ihre Ideologen sitzen vor Ruinen. Der Zionismus hat gesiegt. Palästina ist heute die Hoffnung der Massen, der Judenstaat die einzige Antwort auf die Frage der ungeheuren Not unseres Volkes. In diesem Augenblick wenden wir uns an die Jugend. Jugend Israels! Versäume nicht den Augenblick! Verharre In der nationalen Einheitsfront. Sie allein kann den Sieg bringen! Die Gründungsversammlung des Brith Hakanaim in Palästina Aus Tel-Awiw wird uns gemeldet: In Anwesenheit vieler Mitglieder aus Tel-Awiw, Rechowoth, Petach- Tikah, Mikweh-Israel usw. und vieler Gäste fand in Rechowoth die Gründungsversammlung des „Brith Hakanaim" in Palästina statt. Herr Ben-Zion J e d i d j a h hielt die programmatische Rede. Er führte aus,' daß die Form der Organisation wohl eine neue sei, ihr Wesen und ihr Inhalt aber sind alt. Der Redner betonte, daß es Aufgabe des Brith sei, praktische Arbeit im Lande zu leisten und sich nicht lediglich mit Kritik zu begnügen. Nach ihm sprach der Vizepräsident der Weltunion der Zionisten-Revisionisten, Herr Meir Großmann. Er betonte, daß der Gedanke der Schaffung des Brith Hanakanaim noch vor Kattowitz, auf der Wiener zionistischen Weltkonferenz entstanden sei. Die Grundlagen der neuen Bewegung sind: Vernunft, Gewissenhaftigkeit, Demokratie, unbeschadet der legionistIschen Form der Bewegung. Außerdem sprachen die , Herren Babkoff und Rosenberg. Die Tagung wurde niit der Hymne „Hatikwah" geschlossen. DIESER WOCHE KREUZ-KINO *' W°UZTeeiephon R-24-2-16 Vorn 16. bis 22. Juni: T|#SB B U A I mit Richard Arien und IUEK"nMI Edwaid G. Robinson Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN - KINO «Äe 1 Vom 16. bis 22 Juni: Ich bin ein entflohener Kettensträfling mit Paul Muni Wochentags: 5, 7, 9 Uhr, Sohntags ab 3 Uhr SCHAFFER-KINO Vom 16 bis 19. Juni: Oos letzte Erlebnis mit Kay Francis VI, Mariahilferstr. 37 Telephon B-20-2U3 Vom 20. bis 22. Juni: Auf allgemeinen Wunsch: BABYm" Anny Ondra Sonn- und Wochentags: 3.30, 5.15, 7.15 und 9 Uhr Ohne Führung! Die verantwortlichen zionistischen Fuhrer sind, auf Reisen gegangen. Seit Monaten fährt der Leiter der Palästina-Exekutive, Dr.Arlosoroff, in Europa umher und hält Agitationsreden. Ihm ist der Organisationsreferent der Zionistischen Exekutive, Herr Berl Locker, gefolgt. Auch er hat London verlassen und bereist als Agitator für die Kongreßwahl den Kontinent. In einer Zeit, dft Im Weltjudentum und in Palästina die gewaltigsten Umwälzungen vor sich gehen, läßt man die wichtigsten Führerposten unbesetzt und hat nur eine Sorge: Möglichst viele Delegiertenposten auf dem Kongresse mit lauten der eigenen Partei zu besetzen. Diese Herren Führer sind wahrlich um ihre ruhige Sorglosigkeit. zu beneiden* Weniger zu beneiden ist allerdings die Zionistische Organisation, das jüdische Volk. Ijn fuhrungslosen Palästina gehen Dinge von entscheidender Bedeutung vor sich. Der totgeglaubte F r. e p c h - P1 a n, welcher den Juden nichts und den Arabern alles geben will, dieses unselige Produkt des unseligen Passfleldschen Weißbuches, ist wieder auf der Tagesordnung. Man hetzt wieder die tr ans jordanischen Araber» welche nach langen Bemühungen für die jüdisehe Kolonisation in TransJordanien gewonnen worden waren, gegen'den Zionismus auf. Die Verdrängung der Juden aus derpalästlnensischenPolizei und die damit .verbundene Untergrabung der Sicherheit Cafe Central / Rendezvous der Sport-, Theaterwelt, aller Fremden in Palästina wird fortgesetzt. Der Zustrom jüdischer Einwanderer, insbesondere aus Deutschland, erzeugt naturgemäß Schwierigkeiten kolonisatorischer Art und erfordert eine erhöhte organisatorische Tätigkeit. Die palästinensische Regierung trifft keine Anstalten, um hier helfend einzugreifen, dafür verwendet sie gerade In diesem Zeitpunkte ganz große Mittel aus Steuergeldern für die arabische Kolonisation. Solche Dinge sind im Gange. Aber die verantwortlichen Führer absolvieren Agitationsreisen und Besuche bei ihren engeren Parteifreunden. Wird da der nächste Kongreß endlich Wandel schaffen? Meldungen der J. T. A. aus Palästina: Weiterer Bückgang der Prozentzahl von Juden in der palästinensischen Polizei Aus Jerusalem: Das für die Juden ungünstige perzentuelle Verhältnis von jüdischen und arabischen Beamten in der palästinensischen Polizei hat eine weitere Verschlechterung erfahren. Am 1. Juni fanden Neuaufnahmen in die Polizeischule statt; bei denen 22 Araber, aber kein einziger Jude in die Schule eingereiht wurden. Am Pölizeiofflzierskurs nehmen gegenwärtig 12 Araber und 1 Jude teil. Zur Frage Transjordaniens Aus Jerusalem: Das Büro des Emir Abdullah veröffentlicht in diesen Tagen eine Erklärung, in der den Behauptungen der palästinensischen Presse, wonach der Emir die Bemühungen der Zionisten, Transjordanien für die jüdische Einwanderung zu erschließen, unterstützt, entgegengetreten wird. Aus der Erklärung geht hervor, daß der Emir nicht nur den Zionismus, sondern auch eine Fühlungnahme mit Personen, welche mit Zionisten verkehren, ablehnt,- Aus Jerusalem: Mithqal Pascha Fais, der Führer der Delegation transjordanischer Schelks, die. kürzlich in Jerusalem eine Besprechung mit jüdischen Führern, betreffend die Ausdehnung der , jüdischen Kolonisation auf Transjordanien, abgehalten haben, hat eine neue judenfreundliche transjor* danische Partei gegründet, die den Namn „Jordanbrüderschaft" trägt und demnächst ihre erste Konferenz in Amah abhalten wird. Eine gleichfalls von Mithqal Pascha für Anfang Juni einberufene transjordanische Wirtschaftskonferenz, die als Gegenkundgebung gegen eine für denselben Zeitpunkt einberufene Zusammenkunft transjordanischer Nationalisten gedacht war, wurde von der transjordanischen Regierung verboten. Mithqal Pascha hat in einem Telegramm an Emir Abdullah Protest gegen diese Verfügung der transjordanischen Regierung erhoben. < Der French-Plan wieder erstanden? Aus Jerusalem : Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, beabsichtigt die Regierung, binnen kurzem eine Anleihe in der Höhe von einigen. Millionen Pfund zur Förderung der Landwirtschaft und Landsiedlung in Palästina, aber auch für eine Reihe anderer Zwecke aufzunehmen. Mit Hilfe dieser Anleihe soll der sogenannte French-Plan zum Teil verwirklicht werden.. Die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des French- Plans gerade in diesem Augenblick hat in jüdischen Kreisen, wo man der Ansicht war, der Plan sei endgültig fallengelassen worden, tiefe Besorgnis erregt. Auf Anfragen beim Colonial Office wurde bisher weder eine Bestätigung noch ein Dementi betreffend die Meldung Uber eine durch die Palästina- Regierung beabsichtigte Anleiheaufnahme erlangt. Im Colonial Office erklärt man, man sei derzeit a u ß e rstände, Mitteilungen über diesen Gegenstand zu machen. Die Umsiedlung von Beduinen Aus Jerusalem: Die Umsiedlung der auf Nationalfonds-Boden in Wadl Hawarith provisorisch angesiedelten Beduinen auf das ihnen von der Regierung in Tel Shok im Beisan-Gebiet zur Verfügung gestellte Land hat nach langwierigen Verhandlungen begonnen. Ungefähr 20 Beduinenfamilien haben einen Vertrag mit der Regierung unterzeichnet, in dem sie sich bereit erklären, Wadl Hawarith zu verlassen und sich nach Tel Shok zu begeben., Die restlichen Siedler verweigern vorläufig noch unter dem Einfluß arabischer Agitatoren ihre Zustimmung zur Umsiedlung. Auf Grund des Abkommens mit der Regierung werden'den Beduinen voft Wadl Hawarith folgende Bedingungen geboten; Mf