Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 301 (16.6.1933)
- Date
- 1933-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 301 DIE NEUE WELT Seite, V Jüdische Volkspartei' Oe§terrei'di§ Die Organisierung der einzelnen Bezirksgruppen ist in Angriff genommen worden und erfordert regste Mitarbeit! Die Mitglieder der einzelnen Bezirke werden ersucht, sich zu dieser Arbeit unverzüglich zur Verfügung zu stellen und dies dem Sekretariat der „Jüdischen Volkspartei" Wien, H., Untere Augartenstraße 38 (Tel. A-45-6-84), bekanntzugeben. Parteienverkehr, Auskünfte usw. täglich von 10 bis 14 Uhr. Zionistisch-revisionistischer Studentenklub An alle jüdischen Hochschüler! Dienstag, den 20. Juni, 8 Uhr abends, im Chajes-Saal des Heimes der „Jüdischen Studentenschaft« (Judäa), IX, Alserstraße 26 VORTRAG Thema: Was will der Zionismus-Revisionismus? Redner: Oberbaurat Robert Stricker 1000 M«t«r SeehShe Internationaler Höhenkurort SEMMERING Zwei Stunden von Wien und Graz Ganzjähriger Betrieb / Mäßige Preise / Schönster Sommmeraufenthalt / Strand* und Hallenbäder SODBAHNHOTEL HflLlENSTRANDBAP ■HHHHMHHBMHHH* GOLF/TENNIS / REITEN Hotel PenSlOlt WALLNER / Büfgefh'ches Familien!. aus IPMIMHW Entklanlg« Famlllanpantlon / Batltxar; Pr. W. TOLK / Talgphon Sammorlng 6k / Ptnilon ob S I».— Modarn aingatichtalas Haut in harrlichar Sudiaga / 40 Zimmer / Liagatarratta / Garag« J Hotel« STEFANIE Gutbürgerliches Haus Vorzügliche Küche § ErbOiUDQShSilH KUty KlßllZ ^^^^^F..1!^ sonnige Lage, fließend» Wasser, Pensiönsjreis bei 4 Mahlzeiten von SU.- aufwärts. Angeschlossen Kinderheim in separieiter Villa monatlidü S250.— ■ Cafe-Pension „Daheim" Telephon 82, Inhaber Dir. E. Gunst. Pension ab S 10.—. Täglich 5-Uhr-Tee, ab 9 Uhr abends Konzert (Treffpunkt der jüdischen Oeselischalt). Gute jüdische Küche Auskunft: Wien R-13-0-21 RUNDSCHAU Unwurde im Unglück Das früher von liberalen und sozialdemokratischen Assimilationsjuden gemachte und jetzt „gleichgeschaltete" „Berliner Tageblatt" bringt seit einiger Zeit Artikel über die Judenfrage, welche, scheinbar objektiv, an Verlogenheit kaum zu übertreffen sind. Die grausamsten Gewalttaten gegen Juden werden als peinliehe Mitgriffe und Irrtümer qualifiziert. Soweit Juden zu Wort kommen, sucht man sich die feigsten und würdelosesten Exemplare aus. So kann wohl der Artikel „Keine Fremdlinge" von einem Dr. Leopold Heinemann als Mutterbeispiel perverser Knechtseligkeit gelten. Nachdem Dr. Heinemann den schon zehntausendemal und immer nutzlos erbrachten Beweis, daß es schon seit tausend Jahren Juden in Deutschland gibt, lang und breit wiederholt, kommt er zu folgendem Schluß: „Das ist altes deutsches Recht, daß man die Heimat ersitzen kann. Man kann uns tausend Dinge nehmen, man kann unser materielles Recht kürzen, man kann uns Beschränkungen aller Art auferlegen. Nicht aber nehmen, nicht kürzen und nicht beschränken kann man unsere Liebe zu unserem Vaterlande, zu unserem deutschen Volke, dessen wir ewig und lebenslange ein Teil s i n d. Zu diesem Volke, dem wir unser Sein, unser Denken, unser Wissen, unsere Erkenntnis danken, gehören wir. Man kann uns dies und das tun, aber unsere Liebe zum Vaterland und das Bewußtselnunserer 'Zugehörigkeit kann man nicht aus unseren 'Herzen herausreißen!" Der Henker tritt dem Opfer den Stiefel in die Kehle. Und unterm Stiefel krächzt und ächzt es: „Henker, ich liebe dich!" — Die jüdische Assimilation stirbt, wie sie gelebt hat — unwürdig. „Unsägliches erlitten ♦ ♦ " Der Trumpf der deutschen Machthaber gegen die Juden besteht darin, daß sie die im Ausland verbreiteten Meldungen über den antisemitischen Terror als — jüdische Racheakte bezeichnen. „Den Juden ist kein Haar gekrümmt worden", so lautet die amtliche Beschwichtigungsformel. Das Ausland allerdings hat diese Heuchelei mit; Abscheu und Verachtung beantwortet. Nun melden sich unverdächtige Zeugen der grenzenlosen Judenverfolgung: die deutschen katholischen Bischöfe! Sie mit den vorzögl« Jalonsdiiffen des Lloyd Triestino Abfahrten jaden Mittwoch um 13 Uhr (Fernen Wöchentliche Expreßllnle nach Istanbul; wöchentliche Luxuseillinie nach Alexandrien; zweimal monatlich LuxuseHHnle nach Bombay; monatliche Expreßllnle nach Ceylon, Slneapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarzes haben soeben einen Hirtenbrief erlassen, der in folgenden Appell an die sadistischen Hakenkreuzführer ausklingt: „Wir vertrauen darauf, daß die Gerechtigkeit sich nunmehr auch jenen gegenüber großmütig bewähren wird, die bisher unter den Zusammenbrüchen, Umschaltungen und Ausschaltungen Unsägliches erlitten haben und unser innigstes Mitleid verdienen.'* Hier bezeugen katholische Bischöfe, deutsche Bischöfe, die Tatsache unsäglichenLeidsim Hakenkreuz-Deutschland. Hier erhoffen arische Männer die Wiederherstellung der Gerechtigkeit. Und die Herren Göbbels und Göring wagen immer noch von einer jüdischen Greuelpropaganda zu reden. Man merke sich die Worte der katholischen Bischöfe: „Unsägliches erlitten. . ." Tsdiechoslowakisdier Geist in Genf Der Fall Bernheim bekommt symbolischen Charakter. Die Petition eines oberschlesischen Juden hat die Rechtsgrundsätze, auf denen das Völkerleben beruht, ins Blickfeld internationaler Betrachtung gerückt. Es hat sich — zunächst durch die französische Auffassung — ergeben, daß die bloß regionale Lösung der Beschwerde Bernheims nicht befriedigte, daß man vielmehr sich bemühte, die oberschlesische Judenfrage in den Rahmen einer großangelegten Kulturdebatte rechtlicher und historischer Natur zu stellen. Nachdem einmal festgesteUt worden war, daß die Petition Bernheim den Bestimmungen des Genfer Abkommens über Oberschlesien entspricht, konnten die einzelnen Delegierten ihre Auffassung und Entscheidung motivieren. Während aber' die Delegierten (mit Ausnahme des deutschen und italienischen) in der Diskussion sich bloß mit den Grundsätzen beschäftigten, die auf den Fall Bernheim Bezug haben, sprach der tschechoslowakische Delegierte Gesandter Dr. Osusky über den Minderheitenschutz an sich. Die Legitimität, sich an der Diskussion über die Petition Bernheims zu beteiligen, konnte wohl niemand der tschechoslowakischen Republik streitig machen, nachdem der Gesandte Dr. Osusky einige historische Wahrheiten, die das alte Böhmen als aktives und passives Asyl für die Juden betrafen, in präzise pointierter Darstellung angeführt hatte. Er wies darauf hin, daß die Angelegenheit der Bernheim-Petition als Ganzes auf der Grundlage des Gleichheitsprinzips im Minderheitenschutzsystem gelöst werden müsse. Und er wünschte dieses Problem in seinem ganzen Umfang überprüft zu sehen. Es gibt nur eine einzige und unteilbare Gerechtigkeit, rief Osusky aus, und es handelt sich um eine aufsteigende und nicht um eine absteigende Gleichheit. Die mit dem Minderheitenproblem vertrauten Delegierten haben keineswegs den tschechoslowakischen Rechtstitel auf diese Art der Debatte in Zweifel gezogen. Wußten sie dach, daß die tschechoslowakische Republik als erste die jüdische Nationalität anerkannt und so dem bei ihr wohnenden Teil des jüdischen Volkes die Möglichkeit elgenvolklicher Entwicklung gegeben hat. Nach außen hin hat »„Böhmen" die Kontinuität geistesgeschichtlichen und staatsbildenden Werdens in der Linie Hus-Komensky-Palacky-Masaryk gewahrt. Die Tschechoslowaken, die selbst um die Freiheit ihres nationalen Daseins bis zu dessen Durchbruch rangen, haben das umfassendste Verständnis für das metaphysische Bedürfnis der Juden nach eigener nationaler Profilierung an den Tag gelegt. Osusky konnte sich darauf berufen, daß in dem von ihm vertretenen Staate. Freiheit und Demokratie für die Minder- Maslu. Liegekuren, Sonnenbäder. Pension von S 8.— aufw. Wochenpauschale S 50.—. Prospekte Retourmarke. Telephon-Nr, 1 Steinhaus am Semmering/ Kürhotel „Stüh lecker hol" ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich 5-Uhr*Tee SEMMERING ISSttüSXÜS:"4* Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 heiteh gewährleistet seien, zwei Tugenden, die Kultur und Frieden verteidigen. Neben dem praktisch-aktuellen Wert der Darlegungen Osuskys aber konnten insbesondere wir Zionlsten noch ein zweites Gut für uns buchen. Die deutschen Machthaber versuchten bekanntlich, ihre judenfeindlichen Maßnahmen ,als „i n n e r e" Angelegenheit zu bezeichnen, die keine Einmischung von außen dulde. Diese gefährliche Tendenz hat nun der tschechoslowakische Völkerbunddelegierte ad absurdum geführt. Denn seht großes kämpferisches Referat gipfelte in der These —* in der von allen Kulturvölkern gehandhabten These •— daß es auch im innerstaatlichen Leben eine Grenze: gibt, bei der die Berufung auf eben diese „innere Angelegenheit" aufhören muß, soll das Völkerrecht überhaupt noch einen Sinn, einen rechtlichen Wert haben« In Genf wurde vor den Ohren und Augen, der gan-» zen Welt deklariert, daß die Juden frageeine internationale Frage sei. In Genf wurde die Judenfrage vor dem internationalen Forum — im Herzisch eil Sinne — behandelt. Der zionistische Gedanke, die zioniv stische Lösungsform hat sich Bahn gebrochen. Es gibt nun auch für alle anderen Länder außer Deutschland und für die Juden selbst kein Zurück mehr. Was in den Seelen der zionistischen Massen als Hoffnung, als sittliche Forderung schlummerte — der Tschechoslowake Dr. Osusky; hat es in eine nicht mehr aus der Welt zu schaffende Formel gepreßt. 4 o. r. Wer vertritt uns Juden? . In der Vorwoche begann in der englischen Hafenstadt Folkestone die Schacholympiade. Achtzehn Nationen beteiligen sich an diesem Wettkampf. Nach dem Urteil der Sachverständigen dürfte die Entscheidung zwischen fünf Völkern fallen, die durch je vier Spieler; vertreten sind: Frankreich durch Dr. Osip Bernstein» Polen durch Akiba Rubinstein und Dr. S. Tartakower, Ungarn durch G6za Maroczy und Lajos Steiner, Amerika durch Kashdan, Tschechoslowakei durch Salo Flohr. Die angeführten Spitzenführer sind Juden, Deutschland beteiligt sich an diesem Völkertreffen nicht, da es nach Ausschaltung der jüdischen Spieler keine starke Mannschaft zur Verfügung hat. Die chancenreichen fünf Nationen werden durch Juden vertreten. Da ist wohl die Frage erlaubt: Wer vertritt uns Juden?. Wenn man Geschäfte machen will ♦ ♦ 4 Dann kann man auch anders Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht auf derselben Seite zwei Nachrichten über Badeangelegenheiten, und zwar aus Tübingen und aus Wiesbaden. Aus Tübingen wird berichtet: In der Tübinger Gemeinderatssitzung vom 15. Mai wurde von der NSDAP, ein Antrag eingebracht, in dem ea u. a. heißt: „Juden und Fremdrassigen ist def Zutritt zu der städtischen Freibad*»