Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 300 (9.6.1933)
- Date
- 1933-06-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711922--3759-2717165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kr. 3Ö0 DIE tfEUE WELT Seite Ii Kaufet den Judens«aats*Sdiekel Die Union de rZionisten- Revisionisten Oesterreichs erläßt folgenden Aufruf: Jüdische Massen! In eurer Hand Hegt es, aus der jetzigen Katastrophe der jüdischen Gallith den Juden- * t ä a t. zu schweißen. " ' Im August 1933 wird der 18. Zionistenkongreß tagen. Er steht vor gigantischen Aufgaben und vor einer entscheidenden Chance. Die Umwälzungen im Galuthleben, die Entrechtung ■der deutschen Judenschaft, die Zer t r ü m. m efrung der ökonomischen Basis; der Juden ipt allen Ländern der Galuth, selbst in Amerika, die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft, die furchtbar steigende J u d e n n o t, die Einwanderüngswelle nach Palästina, sie beweisen die W a h r hTe i t des Reivisionismus. , Achad Haaras Vorschlag eines geistigen Zentrums in Palästina, gestern noeh ein ernstes Dis- [kusslonsproblem, ist heute durch die Ereignisse widerlegt. Gestern noch Weizmanns Ironie gegenüber der revisionistischen Forderung nach Transjordanien — heute ist die Notwendigkeit Transjordaniens für das jüdische Aufbauwerk akut. Noch vor kaum zwei Jahren konnte Weizmann dem letzten Zionistenkongreß in Basel sagen, daß eine jüdische Majorität in Palästina gar nicht 'notwendig Und gar nicht erstrebenswert ist — heute enthüllt die Katastrophe des jüdischen Galuthlebens die Nichtigkeit dieses „Kleinzionismus". Der lgroße Judenstaatsgedanke des großen Theodor HerzI siegt auf allen Linien. Jeder Jude erlebt es heute, daß die jüdische Not in der Tatsache wurzelt, daß die Juden überall nur eine Minorität bilden, daß die Beseitigung dieser Not nur durch die Schaffung einer jüdischen Majorität in Palästina zu beiden Seiten des Jordans, der Schaffung des Judenstaates erf olgen kann. Juden! Betrachtet die Ereignisse! Dir werdet erkennen, daß sie den Revisionismus, den HerzIi.Z i o n i s m u s hundertprozentig bestätigen. - Was war die Leitlinie Weizmannscher Politik, was i^st das System der jetzigen Exekutive? Züchtung eines zionistischen Minderwertig- •'.fc e i, t s g e f ü b 1 e s, Ergebung gegenüber der b r i t ivjschen Palästina-Politik, deren Ziel die Veriinäerung der Judaisierung Palästinas ist, Ablehnung %er?'"J* t i V wt i n i t i a t i v e, des :Gewerbes, der Industrie, lÜBes''Handels, einer intensiven Landwirtschaft, :E:t 1 a«ngung einer Autonomie, Duldung eines Systems, bei welchem die Frage, ob ein Jude Arbeit findet, davon. abhängt, ob er marxistischer Gesinnung ist, Verzicht auf Staatsländereien für die jüdische Siedlung, Unterlassung jeglicher Bestrebung nach einer Bodenreform, wie sie das Mandat fordert, nach Konzessionen für öffentliche Arbeit en (Bewässerungs- und Hafenanlagen usw.), Etablierung einer landwirtschaftlichen Paradekleinkolonisation für wenige Tausende, wo Hunderttausende Galuth juden nach Erlösung schreien, ständiges Kokettieren mit dem Plan eines binationalen Staates, einer fürchterlichen Neuauflage des Ghettos, Verhöhnung der revisionistischen Forderung nach einem britischen Kolonisationsregime, Spott gegenüber dem Grundsatz des Revisionismus, daß die Wiedererrichtung des jüdischen Nationalheims, die Schaffung einer Basis für Millionen Jaden in Palästina insolange nicht gesichert ist, als die britische Palästina-Verwaltung selbst nicht, wie es das Mandat fordert, alles tut, was zur Förderung dieses Zieles notwendig ist, sondern es verhindert, Spott und Indolenz gegenüber der revisionistische« Forderung, die Verzweiflung der jüdischen Galuthmassen zu einer mäehtigen aktiven Außenpolitik zu schmieden. Was sirtd die Folgen? Die Judennot sprengt das Geleise der Exekutive, Privatinitiative baut Palästina, die Exekutive hört und sieht niemand in Palästna. Die Exekutive der Jewish Agency, die den gewaltigen Drang der jüdischen Massen nach Palästina zu organisieren, die Aufbautätigkeit zu lenken hätte, erstirbt in Trägheit und Bürokratie, wir von den Ereignissen Uberrannt. Heute ist die jüdische Masse voll gärender Verzweiflung — politische Initiative kann mit dieser Masse den ganzen Kurs der britischen Palästina-Politik ändern, kann aus der Juden not den Judenstaat schaffen. Der Revisionismus, dor Herzl-Zionismus fordert: 1. Konzentration aller Judenstaatskräfte auf dem Kongreß. 2. Schaffung einer Exekutive der nationalen Konzentration, die geeignet ist, die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Entwicklung des Juden«taates zu gestalten. 8. Beseitigung der Weißbuchpolitik, dieser Verhinderung der Judaisierung Palästinas. Realisierung des Mandats durch aktive Außenpolitik, Beseitigung des Zertifikat Systems: nur die Weißbücher und der MacDonald-Brief kennen den Unterschied zwischen einer „legalen" und'einer „illegalen" jüdischen Einwanderung. JedejüdischeEinwanderung ist nach dem Mandat legal! Schluß mit der Schmach der Nötigung zum Menschen-. Schmuggel nach Palästina! Britisches Kölönisationsregime, d. h. aktive Unterstützung der Entwicklung des jüdischen Nationalheims durch die Regierung Palästinas, Völkerbundhilfe, Staatsländereien, Bodenreform, Reform des Bodenrechtes zwecks Ausgestaltung des Immobiliarkredits, Konzessionen für die Zionistische Organisation für; ö f f e n 11 ic h e, A r b e i t e n,,; 4. Eine große Lan d"fi auf gesell sc häft, eine innere Anleihe des jüdischen Volkes, Realisierung .der int.e n^i ven Land wirt s c h a f t (Obst-,.Gemüsebau, Geflügelzucht) in großem .Maße, Kredltkooperätiven. '.:':;'$r'N$ulrlSTTte"' 'Ä'fi't^l"'*"^ y"e> in' i Vt l'u n g ssteilen, soziale Gesetzgebung der Palästina-Verwaltung. England wird Millionen verzweifelter Juden nicht das Bündnis versagen, das der Revisionismus anstrebt, zum Wohl des jüdischen Volkes, Englands und der Menschheit: Das Bündnis, an das Balfonr gedacht hat, das Bündnis! der Tat zwischen England und dem jüdischen Volke. Jüdische Massen! An euch liegt es, den Zionistenkongreß 1933 zu einem Wendepunkt der jüdischen Geschichte zu machen, die gegebene Chance zu nützen. Der Schekel gibt das Wahlrecht zu diesem Kongreß. Kaufet den HerzI-Schekel, den Judenstaat s- S oh ekel! Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. Wer den Schekel kaufen, wer sich zu freiwilliger Mitarbeit melden will, wendet sich an das Büro der Union, Heim, der Union, n., Untere Augartenstraße 38, Telephon Nr. A-45-6-34. Geleitet von S. Beutum Problem Nr. 3 P. A. Orlimont. Journal de Geneve. ÄäKäSS «SSSSSÄ? v/ZXVm liTZT!/, m rm m * m $ Wi mm mM 5 HiJäL mm' mm mm ^B^B^^^B Matt in zwei Zügen. Lösung zu Problem Nr. 2 Bb7 —b8S. Ke8 —f8. Te4 — g4. Kf8—-e8. T g 4 — g 8 -f matt. Lösung zu Endspiel Nr. 1: Tc2 —e2. Dgl —g8. S h 5 — g 7 und gewinnt. Falsch wäre: 2. Sh5 —f 6. 3. Te2-— e8+. 4. Te8—-g8 + . 5. Tg8XD£l. Dg8 — gl. Kb.8 — g7. Kg7 —h6. patt! Das vom Oesterr. Schachverband für das Jahr 1933 veranstaltete Hauptturnier wurde im Cafe Hamerling (Sitz des Deutschen Schachvereines) ausgetragen und wurde am 27. Mal beendet. Als Sieger gingen die beiden Kakoahner Hauser und Weinstock hervor, die geraeinsam den I. und II. Platz besetzten (9 Zähler aus 11 Partien). Dieses Ergebnis berechtigt die beiden Sieger zur Teilnahme an dem mit 6. Juni d. J. bereits begonnenen Qualifikationsturnier. Für die diesjährige Olympiade in Folkes t o n e stellt Frankreich eine besonders starke Mannschaft auf. Auf dem Spitzenbrett wird Weltmeister Dr. Aljechin spielen, während das 2. Brett von dem bekannten jüdischen Meister Dr. Osip Bernstein, einem in Frankreich naturalisierten Russen, besetzt wird. Diese beiden Namen allein werden Frankreich in die vorderste Reihe der Konkurrenten in dem Ringen um den Hamllton-Russel-Pokal bringen. Jüdische Schachspieler! Tretet der Schachsektion des Sportklubs Hakoah, Wien, I., Wallnerstraße 2, Cafe" Rabel, bei! Tel. U-21-2-15. Mitgliederaufnahme täglich, mäßiger Mitgliedsbeitrag. Bridge-Unterricht für Mitglieder frei! — Alle diese Rubrik betreffenden Zuschriften sind zu richten an: S. Beutum, Wien, II., Pfeffergasse 3. üdifdie Sport« und Jiiliiuilin Turnbewegung Glänzendes Spiel — unglückliche Niederlage Hakoah vom Meister geschlagen Im letzten Spiel gegen Vienna, den Meister von Wien, erlitten die Blau-Weißen eine unverdiente Niederlage. Ebenso' wie im Herbstspiel war die jüdische Mannschaft den Döblingern überlegen und hätte vielleicht auch diesmal gewonnen, wenn sie nicht gezwungen gewesen Wäre, 50 Minuten des Kampfes mit nur zehn Mann zu bestreiten. Araster zog sich einige Minuten vor Seitenwechsel eine Verletzung zu und mußte ausscheiden. Bis zu dieser Zeit führten die Hakoahner ein glänzendes Spiel vor und man konnte eher sie als Vienna für den Meister halten. Durch Ehrlich I gelangte Hakoah in der 24. Minute in Führung. Die Döblinger mußten ihre ganze Kunst aufbieten, um die zahlreichen Angriffe abzuwehren. Die Situation änderte sich erst, als Hakoah mit nur zehn Mann spielte und Donnen« feld in die Verteidigung zurückziehen mußte. Die ' Meistermannschaft kam in den letzten Minuten stark auf und erzielte durch Tögel drei Treffer. Bis zur Umstellung der Mannschaft wies Hakoah keinen schwachen Punkt auf. Besonders gefielen die beiden Backs, weiters Stroß, Platschek, Reich und Ehrlich II. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Löwy; "Ä'mster, Feldmann; Dortnertfeld, Stroß, Platschek; Ehrlich I, Ehrlich II, Stern, Mausner, Reich. Vor dem Spiel überreichte die Hakoah der Vienna einen Lorbeerkranz und beglückwünschte sie zum Sieg in in der Meisterschaft. Großes Bnfer esse für das i'üdisdie Sportfest Wie . bereits berichtet, findet am 18. Jünt auf dem Hakoah-Platze ein großes jüdisches Sportfest statt. Es soll eine Propagandaveranstaltung für die jüdische Sport- und die nationale Bewegung seih. Wie in anderen Ländern will auch die jüdische Sportjugend Oesterreichs als Kerntruppe an der Spitze ihres Volkes marschieren. Bemerkenswerterweise hat in letzter Zeit ein starker Abfall jüdischer Sportler, von sozialistischen Sportvereinen eingesetzt. Die jüdisahe Jugend ist schließlich doch zur Ueberzeugung gelangt, daß es in höchster Not nür eine Rettung gibt — die n ationaljüdische Bewegung. Für das jüdische Sportfest gibt sich nicht nur in Oesterreich, sondern auch im Ausland großes Interesse kund und man rechnet mit einer überaus starken Beteiligung. Den Hauptteil des Programms nehmen Leichtathletikbewerbe ein. Hagibor-Prag und Makkabi-Brünn werden ihre besten Athleten entsenden: Außerdem finden Vorführungen im Fechte n und Ringen statt. Kämpfe im Handball und Hockey bilden die Fortsetzung des Meetings. D^e wehrhafte jüdische Jugend wird zum Schluß der Veranstaltung gemeinsam mit den Sportlern aufmarschieren und sich zu einer gewaltigen Kundgebung für den jüdischen Nationalgedanken-vereinigen. ' Die Grazer Hakoah siegte inder Meisterschaft gegen Kapfenberg 1 : 0. . . , :;; Die Hakoah-Handballer trugen in Budapest zw*ei Spiele aus. Am ersten Tag unterlagen sie gegen Vivo und spielten am zweiten Tage gegen U. T. E. 7 :7 ühentschieden. Hakoah Im" SfIbcrschild-FinaJe. Das Hockeyiriä'tfeh zwischen Hakoah Und dem führenden Allround endete mit , einem sicheren-3-:. 1-^Sieg der jüdischen^ Mannschaft. Hakoah gelangt durch diesen Erfolg, ins Fihale und trifft auf Währing. •*.* ■ > ..' Frankfurter.; Sportbericht: Einer Einladung., .des Sportvereins „Schild", Frankfurt, zufolge, bestritt der „Bar Kochba", Frankfurt, am 28. Mai einen Klubkampf mit vier Mannschaften. „Bar Kochba" gewann mit 3 :1 Siegen und 6:2 Punkten. Das Hauptspiel des Tages, das Zusammentreffen der beiderseitigen ersten Fußballmannschaften gestaltete sich zu einem großen Erfolge. Die Mannschaft des „Bar Kochba" schlug den favorisierten Gegner klar mit 6:2 Toren. Die Blau-Weißen lieferten eine ausgezeichnete Partie und waren ihrem Gegner in jeder Phase des Kampfes überlegen. Die Schild- Spieler brachten eine sehr harte Note ins Spiel, das nach Halbzeit äußerst rohe Formen ahnahm. Die Regelwidrigkeiten nahmen gegen Spielende beängstigende Formen an. Das Spiel der ersten Handballmannschaften vermochte der Schild, der sich mit größtem Ehrgeiz einsetzte, mit 4:1 für sich zu entscheiden. Die Bar KÖchbaner spielten unter ihrer normalen Form. (Die letzten Verbandsspiele gewann Bar Kochba überlegen, mit 10 : 3 und 4:0.) Die Begegnung der zweiten Handballmannschaften endete mit einem knappen, jedoch verdienten 3 :2-Siege der technisch feiner spielenden B.-K.-Reserve. Im Damenhandballspiel blieben die Bar Kochbanerinnen mit 3 :1 Sieger. Sie stellten die einheitlichere, technisch einwandfrei besseren und zweckmäßigeren Handball spielende Elf, die dem Spielverlaufe nach einen höheren Sieg verdient gehabt hätte. Unerhört waren die wüsten Beschimpfungen des „Schild" nach besiegelter Niederlage gegenüber dem Bar Kochba. Mittelläufer Wertheimer sowie Buchsbaum auf Halbrechts, das langjährige Vorstandsmitglied des „Schild", brachten vor hunderten nichtjüdischen Zuschauern es fertig, Spieler und Funktionäre des „Bar Kochba" mit „Saupollack" u, dgl. mehr während des Spiels zu betiteln. Es reihen sich diese Vorfälle würdig den Ausrufen: „Schild erwache — Bar Kochba verkrache" und „Geht nach Palästina spielen, Ihr Pollacken!" an, die Schild-Mitglieder bei einem früheren Treffen beider Vereine zum Ausdruck gebracht haben. Zu diesen Taktlosigkeiten, besonders im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Monate, erübrigt sich wöhl ein Kommentar. Der Sportverein „Schild", Frankfurt; der ja noch heute diverse nichtjüdische Spieler in seinen Reihen hat, scheint eigenartige Begriffe von seiner statutengemäßen „Neutralität" zu haben. Unter diesen Umständen können wir uns nicht denken, daß bewußt jüdische Vereine, noch Wert darauf legen, mit dem „Schild", Frankfurt, Spiele auszutragen. Gründung eines jüdisohen Turn- und Sportverbandes in Berlin. Auf den Aufruf des, Jugendpflegedezernats der Jüdischen Gemeinde Berlin, hat sich eine große Anzahl jüdischer Turner und Sportler gemeldet, die in Berlin am 24. Mai den „Bund jüdischer Turn- und Sportvereine Deutschlands" gegründet haben. Seine Anschrift ist Berlin C 2, Rosenstraße 2—4. Er bezweckt, die bestehenden jüdischen Turn- und Sportvereine zu: erfassen und solche Vereine in Deutschland ins Leben zu rufen. Der Verband wird seiu_;Auge;nmerk.;>üwbesondeTe. .darauf richten, die im deutschen Sport bewährten Kräfte nunmehr fttr de»