Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 300 (9.6.1933)
- Date
- 1933-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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1fr. 300 1ME NHEUE WELT Seit« 9 j * j»* c/ / ■/ 5^ / / € S. /ff3/l/l/BQ iJ^TÄBiÖftiflfti IITABORSTRASSE4Ö II-TA&0RSTR48 Brief aus der Tschechoslowakei In Böhm. - Leipa fand eine Tagung des „Deutschen Kultur Verbandes" statt. Dieser Verband ist der Nachfolger des Deutschen Schulvereihes und verfolgt nach wie vor die Tradition, Juden für deutsche Belange (Trutzschulen und dergleichen) Geld abzuknöpfen. Vor Jahrzehnten traten im alten Oesterreich viele Juden aus dem Schulverein aus, weil einzelne Ortsgruppen den Arierparagraphen eingeführt hatten. Die Kulturverbands-Ortsgruppe in Böhm.-Leipa nimmt gleichfalls keine Juden auf. Bs muß daher als eine besonders scharfe Provokation der dem Verbände angehörigen Juden bezeichnet werden, wenn die Verbandstagung ausgerechnet in Böhm.-Leipa angesetzt wurde. Ein Prager Montagsblatt raunzt wehmütig, man hätte in Leipa so sehr bedauert, daß Juden, die andernorts so wertvolle Arbeit für den Kulturverband leisten, in dieser Stadt nicht Mitglieder des Kulturverbandes sein dürften. Es ist unfaßbar, daß es noch immer so viel Juden gibt, die im tschechischen Staat Geld für deutsche Kulturzwecke hergeben, wodurch sie nicht nur die Stellung der Jüdischnationalen schwer beeinträchtigen, sondern ihrer Würde so viel vergeben. Es wird eine wichtige Aufgabe der Jüdischen Partei, welche sich gerade jetzt zu beleben scheint, sein, durch Aufklärung, resp. Anprangerung diese Germanophilen zur Besinnung zu bringen. Die Poale-Zion in Brünn hatte sich Dr. Arlosoroff, von der zionistischen Exekutive zu Gaste geladen. Es hatten sich nur 800 Hörer eingefunden (der gemietete Saal faßt doppelt soviel Zuhörer) und so blieb die erwartete Stärkung des Wahlfonds zur Gänze aus. Hingegen hatte der von der Poale-Zion veranstaltete Vortrag des „Genossen"1 Prof. Lessing einen großen materiellen Erfolg. Der moralische Erfolg iU KOLOPEt (JUGOSLAWIEN) ■PII PtRU OER ADRIAI DIE SCHOMSTI INS«. BD RAGUSA I NKUINTPKKTE BLAUE GROTTE II Herrlichster Sommer- und Herbstaufenthalt. Vorzügliche und reichliche Wiener Küche. Schöne Zimmer mit fließendem Waaser. Beste Badegelegenheiten, wundervoller Sandatrand. Schöne Waldungen, keine Mücken! Täglicher1 Schiffsverkehr, im Sommer 50% Fahrpreisermäßigung, imi Herbst 25%. Komplette Pension 60 bis 75 Dinar! — Pro-, spekte auf Verlangen. war hingegen eine Blamage für die Veranstalter, denn Lessing versuchte sich in einer so unmöglichen Synthese als Deutscher, Zionist und Genosse, daß selbst Funktionären der Poale-Zion übel wurde. Dabei war diese Einstellung Lessings aus der Tagespresse genau bekannt, so daß es sich um. einen nachweisbaren zionistischen und nationalen Verrat der Poale-Zion handelt. Das ist man aber von dieser Parteigruppe längst gewohnt. Was die Brünner Poale-Zioriisten' noch vor anderen Ortsgruppen voraus haben, ist ihr Kokettieren mit den Komin unisten, wodurch sie das Gesamtjudentum von Brünn in eine schiefe Situation zu bringen drohen. Momentan wüten sie Über den großen Erfolg einer Versammlung der Jüdischen Partei in Brünn, bei der u. a. auch der Kultuspräsident von Wien, Dr. Des. Friedmann, als Gast anwesend war und die rote Assimilation der Wiener Juden unter großem. Beifall ins richtige Licht setzte. Hiebei stattete er Dollfuß den ihm gebührenden Dank für die Zurückdrängung der braunen Flut in Oesterreich aus. Unsere lieben „Genossen" hielten sich darüber auf, weil, ihnen offenbar die Drosselung der „Arbeiter-Zeitung" mehr zu Herzen geht als die Abwehr gegen die Todfeinde des Judentums. Antisemitische Kundgebung slowakischer Studenten in Bratislava Aus Bratislava: Anläßlich einer antirevisionistischen Kundgebung slowakischer Student en in Bratislava kam es auch zu Demonstrationen gegen die jüdische Bevölkerung. Die Studenten zogen unter dem Ruf „Hinaus mit den ungarischen Juden, wir wollen slowakische Juden!" durch das Judenviertel und versuchten, jüdische Läden anzugreifen. Die Polizei verhielt sich passiv, die Juden organisierten selbst einen energischen Widerstand und schlugen den Angriff der Studenten zurück. Aus Dänemark Die Jüdische Gemeinde Kopenhagen hat ein Komitee gebildet, dessen Aufgabe es ist, junge CbaJuzira, die aus Deutschland kommen und nach Palästina gehen wollen, für ein Jahr als Land wir tschaftsschüler auf dem Lande unterzubringen. Ferner wurde von der Gemeinde eine großzügige Geldsammlung eingeleitet * ■ - Aus Anlaß einer Eingabe, die 50 aus Deutschland eingetroffene Studenten ' zum Zwecke der Fortführung ihrer Studien an die Kopenhagener Universitätsbehörden gerichtet haben, äußerte sich der Universitätsadministrator Professor Dr. H. Münch- Petersen, daß die Erlaubnis trotz Ueberfüllung der Universität sicherlich erteilt werde. Was aber die Möglichkeit einer späteren Berufsausübung anbelangt, fuhr Professor Munch-Petersen fort, so dürften die un* glücklichen jüdischen Studenten, die hierherkommen, nicht vergessen, daß Stellungen und Aemter nur dänischen Staatsbürgern gegeben werden — und zwar ohne Rücksicht auf arische oder nichtarische Abkunft —, daß aber andererseits das dänische Bürgerrecht erst nach 15jährigem Aufenthalt erteilt »verde. Im übrigen sei die Universität Aarhus (Jütland) für das Studium zu empfehlen, weil dort im Gegensatz zur -Kopenhagener Universität -noch , kein Platzmangel herrscht. Erklärung Während meines heurigen Urlaubes wurde ebenso wie im Vorjahr nicht nur im 2. Bezirk, den ich als Vertreter der Schuhcreme-Firma Karl Schmoll bearbeite, sondern auch in mehreren anderen Wiener Gemeindebezirken das Gerücht verbreitet, daß. ich von der Firma Schmoll entlassen worden sei. ' ' '• Ich erkläre hiemit, daß dieses Gerücht auch heuer wieder vollkommen unwahr ist, da von der Firma Karl Schmoll niemand, also auch ich nicht, entlassen; wurde. Der Urheber und Verbreiter des Gerüchtes ist daher ein Lügner und Verleumder. ' Diese Gehässigkeit gegen meinen Arbeitgeber, die Firma Karl Schmoll, und mich ist um so bedauerlicher, . da der von mir infolge schwerer Erkrankung meines Kindes erbetene vorzeitige Urlaubaantritt sofort bewilligt wurde. Dieser unvorhergesehene, plötzliche Urlaubsantritt verhinderte mich, meine geschätzten Kunden von meiner dreiwöchigen Abwesenheit im Monate Mai vorher noch fn Kenntnis zu setzen. Für zweckdienliche Mitteilungen zur Ermittlung des Urhebers, beziehungsweise Verbreiters des meine Existenz bedrohenden Gerüchtes würde ichmich dankbar und erkennt' r'' zeigen. Rudolf Löwy Vertreter der Firma Karl Schmoll VI., Mollardgasse 70