Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 300 (9.6.1933)
- Date
- 1933-06-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 300 DIB NEUE WELT Seite 5 < wurde, in Boden und Landarbeit Wurzel zu fassen, über das jüdische Volk verbreitete verleumderische Behauptungen Lügen strafte, als eine der größten Segnungen erwiesen. Barnett Janner erteilte sodann Professor Brodetsky das Wort, der u. a. ausführte: „Man hat gegen uns Zionisten die Beschuldigung erhoben, wir wollten aus der Lage in Deutschland politisch Kapital schlagen; ich weise diese Beschuldigung auf das entschiedenste zurück. Die Lehre Deutschlands muß richtig verstanden werden. Deutschland lehrt uns, daß die Theorie von der Assimilation als Lösung der Judenfrage ein für allemal zusammengebrochen ist. Wenn diese Theorie sich auf irgend etwas berufen konnte, so darauf, daß das Beispiel der Juden in Deutschland zeige, wie restlos Juden in ihre Umwelt eingegliedert werden können. Man wies darauf hin, daß die deutschen Juden seit Jahrhunderten auf deutschem Boden ansässig seien; daß sio an Deutschlands Wissenschaft, seiner Literatur, seiner Verfassung, am Aufbau seines Wirtschaftslebens mitgearbeitet hätten. Wenn irgendwo, so war hier das Land, in dem Juden bodenständig waren. Und gerade dieses Land habe das klassische Beispiel dafür geliefert, wie man ein ganzes Volk ausspeie. 1 „Wir fordern Sie nicht auf, zu glauben", fuhr Professor Brodetsky fort, „Zionismus bedeute, ein Jude k'önne in keinem anderen Lande, außer in Palästina Bürger sein. Aber das müssen Sie glauben, daß es ohne Aufbau Palästinas für Sie als Juden keine Zukunft gibt. Keine Legende war jemals so irreführend wie die vom ewigen Juden, der in der Sehnsucht nach Erlösung durch den Tod. die Welt durchstreift. Denn das hervorstechendste Charaktermerkmal des Judentums ist seine staunenswerte Vitalität, seine Sehnsucht nicht nach dem Tode, sondern nach dem Leben. Der ViersPunkle«Plan Aus New York: Die auf der vor kurzem im Hotel Astor zu New York abgehaltenen Tagung der amerikanischen Mitglieder des Council der Jewish Agency gefaßte Resolution liegt nunmehr im Wortlaut vor. Die Resolution, nach ihrer Gliederung in vier Punkte in den amerikanisch-jüdischen Kreisen kurz als „V i e r- Punkte-Plan" bezeichnet, richtet an die Exekutive der Jewish: Agency die Aufforderung, einvernehmlich mit der Mandatarmacht, dem Völkerbund und der Regierung der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die kritische Lage der Juden in Mitteleuropa einen großzügigen Kqlonisatiorisplan für P a 1 äs t in ä auszuarbeiten, dessen Finanzierung womöglich durch eine internationale Anleihe erfolgen soll. Die .Resolution laute,t: s „Angesichts der gegenwärtigen Notlage, die eine große Zahl unserer dem Druck in Zeritraleuropa weichenden Brüder in eirien Zustand der Heimatlosigkeit versetzt hat}'-fordern die amerikanischen Vertreter der Jewish Agency ftir Palästina die Exekutive der Jewish Agency auf: Eratens: sich an die Regierung der englischen Mandatarmacht, die tiefes Verständnis für das dem jüdischen Volke in dieser entscheidenden Stunde gestellte Problem bewiesen hat, mit der Bitte zu wenden, die Zulassung, einer größtmöglichen Zahl von Juden, die vor Verfolgungen geflohen sind, nach Palästina sofort zu ermöglichen; zweitens: an die Mandatarmächt die Aufforderung zu richten, dem Völkerbund, die Tatsachen der gegenwärtigen1 jüdischen Lage zu unterbreiten und gemeinsam mit ihm das Programm einer i n t e r n a t i onalen Aktion zu formulieren, in der Art, wie solche Aktionenschon früher vom Völkerbund zugunsten Expatriierter und deren Ansiedlung in Territorien, in denen sie frei und gleichberechtigt leben können, unternommen worden sind; drittens: an die Regierung der Mandatarmacht den Appell zu richten,, sie möge den Völkerbund, auffordern, eine Kommission, in die\auch die Vereinigten Staaten einea, Vertreter zu entsenden eingeladen werden sollen, zu organisieren und einzusetzen und dieser Voll- Willkommen m Oesterreich! Vielen unserer Leser sind die Vorzüge Oesterreichs als Reiseland bereits bekannt. Viele werden sich aber erst aus eigener Anschauung von den Schönheiten dieses Landes Uberzeugen wollen. Wer sich zu dieser Reise entschließt, wozu wir ihn durch diese Zeilen einladen und ermuntern möchten, wird dies nicht zu bereuen haben. Jeder wird entzückt und hochbefriedigt von dem Gesehenen und Dargebotenen in seine Heimat zurückkehren, mit dem Vorsatze, baldmöglichst wiederzukommen. Die österreichische Bundesregierung, die in Würdigung der großen Bedeutung des Fremdenverkehres erst vor kurzem die Errichtung eines Staatssekretariats für Fremdenverkehr beschlossen und den bekannten Abgeordneten Godo Neustädter-Stürmer mit seiner Leitung betraut hat, lädt herzlichst zum Besuche Oesterreichs ein, das allen seinen Besuchern ohne Unterschied den besten Empfang bereiten wird und auch in der Lage ist, durch eine Fülle von Reiseantrieben die Reiselust zu fördern. Die österreichische Bundesregierung hat auch alle Vorsorgen'»getroffen, um einen ruhigen Verlauf der Sommersaison zu gewährleisten, so daß jeder Gast des Landes mit einem angenehmen und ungestörten Aufenthält in Oesterreich rechnen kann. Die bekannte Gastfreundlichkeit der österreichischen Bevölkerung erstreckt sich auf alle Besucher des Landes. Sie hat niemals Unterschiede gemacht und wird auch in Zukunft solche zu vermeiden wissen. Daher sei ein jeder, der einen genußreichen Sommer in herrlicher Landschaft verbringen wiU, zum Besuche Oesterreichs eingeladen. Er ist in Oesterreich herzlichst willkommen. Aufruf! Infolge der bekannten Vorkommnisse besteht die Gefahr, daß die Österreichischen Kurorte und Sommerfrischen in der heurigen Saison nicht von Gästen aus dem Deutschen Reich aufgesucht werden. Dem ohnehin durch die Weltkrise so empfindlich betroffenen Oesterreich droht dadurch noch eine besonder* schwere wirtschaftliche Schädigung. Es ergibt sich daraus für alle die patriotische Pflicht, nach besten Kräften dahin zu wirken, daß dieser Ausfall im Reise* verkehr in anderer Weise wettgemacht werde. In diesem Jahre sollen alle Oesterreicher nicht mir selbst die heimischen Kurorte und. Sommerfrischen aufsuchen, sondern es soll ein jeder überdies in seinem Familien- und Bekanntenkreis außerhalb Oesterreichs sich mit allem Nachdruck für den Besuch der österreichischen Fremdenverkehrsgebiete einsetzen. Nach den wiederholten Zusicherungen der Regierung sowie dank der Einsicht der wirtschaftlich daran besonders interessierten Bevölkerungskreise ist keinerlei Störung der Ruhe oder Behelligung jüdischer Gäste zu gewärtigen. An,die gesamte. Judenschaft richten wir daher die dringende Aufforderung, in Betätigung ihres Verständnisses für diese wirtschaftlich für unsere Republik eminent wichtige Frage, an der Hebung des Fremdenverkehrs. als einer Maßnahme mitzuwirken, die dem Wohle der Gesamtheit der öster? reichischen Bevölkerung dient. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. . I/INOPROGRAMME Im DIESER WOCHE KREUZaKINO W°11ZTeeiephon R-24-2-16 Vom 9. bis 15. Juni: Verhaftung um Mitternacht mit Frederik March Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN-KINO ^T»e 1 Vom 9. bis 15 Juni: Der größte und beste. Film aller Zeiten WEISSE SCHATTEN Wochentags: 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Vi, Mariahilferstr. 37 Telephon B-20-203 Vom 13. bis 15 Juni: Das Liebestaxi SCHSFFER-KINO Vom 9. bis 12. Juni: TR EN CK ., mit Gaorg Milton; farnar Sxökt mit Paul Hörbiger , szakaii in „AhoirAhoi" Sonn- und, Wochentags: 3.30,^5.15, 7.15 und. 9 Uhr mächt zu geben, einen Plan zur Ansiedlung einer so großen Zahl von Juden aufzustellen, als Palästina in die Lage zu absorbieren versetzt werden kann; ferner dieser Kommission die Ermächtigung zu erteilen, gemeinsam mit der Regierung der Mandatarmacht und der Jewish Agency die Mittel zur Finanzierung dieser Operation aufzubringen; viertens: Eingedenk der von der amerikanischen Regierung der Sache der Errichtung des Jüdischen Nationalheims bei verschiedenen Anlässen und insbesondere durch die von beiden Häusern des amerikanischen Kongresses angenommene und später in .einem besonderen Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Mandatarmacht für Palästina zum Ausdruck gebrachte Resolution gewährten Unterstützung fordern die amerikanischen Vertreter der Jewish Agency für Palästina die amerikanische Regierung auf, Plänen zur Losung der aus den augenblicklichen Bedingungen des jüdischen Lebens sich ergebenden Probleme, die etwa in gemeinsamer Arbeit vom Völkerbund, von der Regierung der Mandatarmacht und von der Jewish Agency für Palästina ausgearbeitet werden sollten, ihre Unterstützung und ihre Mitarbeit bei deren -Verwirklichung: zu gewähretf" ' - ' -;' nur um die Form und die Art der erforderlichen Reform: ob sie sich durch organisches Wachstum oder; durch mechanische Vergrößerung vollziehen solle. Es gab eine lange Reihe von Projekten bezüglich der Erweiterung und Vervollständigung der zionisten Organisation: durch eine Art zweite Kammer, durch einen ökonomischen Rat, durch ein neues Wahl« System zum Kongreß, durch Gemeindevertretungen usw. Alle Projekte bezogen sich auf die Vergrößerung der Agency, aber die „Fifty-Fifty "-Schöpfung hat keine Sympathie gefunden. Leider hat Prof. Welz* mann seinen Willen gegen den gesunden Naturverstand der Mehrheit durchgesetzt. Die Niederlage der „erweiterten" Agency mag viel-i leicht eine moralische Befriedigung für jene Menschen sein, .die ihr solch ein Ende vorausgesagt haben. Aber die Frage an sich „Wie verwandelt man die zionistische Organisation in eine mächtige nationale Körperschaft?" ist damit nicht gelöst worden. Im Gegenteil. Erst jetzt wird die Frage noch aktueller und drängender. Die Liquidierung eines untauglichen Versuches liquidiert noch nicht das Problem selbst. Die //«weiferte" ist gestorben Jemsh Agency und nun? Die durch Nichtzionisten „erweiterte" Jewish Agency ist gestorben. Niemand bestreitet es. Man hört bei Gott auch kein einziges Wort, daß man bereue und bedaure. Sie Ist still dahingegangen, ohne Konvulsionen und Schmerzen. Wahrlich, es sitzen noch in der Exekutive der „Jewish Agency" drei- Vertreter der nichtxlonistischen Hälfte, aber sie selbst wissen ganz gut, daßihreTage gezählt sind, Jetzt geben schon alle zu, daß, die übertriebene Aufmachung ein schwerer Fehler war. Aber vor nicht langer fcelt hat man noch diese Anschauung übelgenommen. Und dieselben Menschen, die vor vier Jahren unterm Traudach in Zürich standen und sentimentale Von Meir Groß mann (TeUAwiw London) Menschen, kein politisches Prestige. Das bißchen Respekt, das anfangs vorhanden war, ist bald verronnen. ihren ehemaligen, innigs^erbundenen Kompagnons ab gewendet abgewendet mit Gift und Galle.. Man muß Ihre Gefühle verstehen. Auf soloji ein Debakel waren rieht lelBBt; B:e l'ir G'el d, fctfftt*r Wir, die wir die „erweiterte" Jewish Agency so weit bekämpften, daß wir in sie nicht eingetreten sind, hatten niemals etwas gegen die Nlcht-Zlonisten. Keine Spur. Vielmehr haben wir ihre gute Absiebt anerkannt und sie für keine schlechten Juden gehalten. Ohne Zionisten zu sein, haben sie dennoch einen politischen Pakt mit Nationalisten geschlossen, deren Anschauungen sie verurteilten. Auch wir haben den Grundgedanken einer Verbreiterung des zionistischen Freudentränen weinten, haben sich jetet ostentativ von ^Aktionsradius für richtig gehalten, der Zuziejtung neuer Menschen und der EJ^üfcrung neuer Arbeitsmethoden. Schon vor Jahren hat jeder ernste Zlonlst zugegeben, daß die Zeit gekommen ist, in jene VcJksschUAten ehizudiingen, Gerade jetzt, da der größte Teil der Weltjudenheit seine Blicke auf Palästina richtet, befindet sich die Trägerin des zionistischen Staatsg e d a n k e n s in einem kritischen Zustand. Nicht nu» sind ihre Finanzen in einer hoffnungslosen Lage, sondern auch rein organisationeil ist sie zerbrochen. Es ist eine gewisse Ohnmacht, eine Einsamkeit des Verlassenen zu fühlen. Während in den Banken Palästinas 5 bis 6 Millionen Pfund jüdischer Depots liege n, zittert der Kassier der Jewish Agency vor dem morgigen Tag. Die Zahl der Scheitel fällt, keinesfalls vergrößert sie sich. Die besonderen Steuern, wie Gold-SchekeL hat man schon längst fallengelassen. Die „Trägerin des jüdischen Staatsgedankens" und das „politische Instrument des jüdischen Volkes" — welch stolze Namen! — leben von den Brocken, die von den armen Tischen unserer Fonds fallen. Man ist unzufrieden mit der zionistischen Organisation. Und mit Recht. Die Vorwürfe, die man ihr macht, sind größtenteils begründet. Man kann leicht eine lange Liste ihrer Sünden zusammenstellen. Aber man muß auch ins Kalkül ziehen, daß dieses Ausführungsorgan des jüdischen Volkes eigentlich im luftleeren Baum lebt, von der Hand in den Mund. Nicht bloß finanziell, sondern auch Organisationen und psychologisch. Es hat niemand, auf wen es sich ajisreden könnte. Der Zionist ist eigentlich ein Anonymus. Wer kennt ihn? Wo befindet er sich die ganze Zelt? Welche Verbindung besteht zwischen ihm und dem „Instrument des jüdischen Volkes"? Welche unmittelbare Pflichten erfüllt er, dieser Unbekannte, der immer Zertifikate, Interventionen, politische Tätigkeit, eine kräftige Organisationsmaschine verlangt? Jedenfalls hört man doch nichts seinetwegen. Er erscheint bloß knapp vor den Kongreßwahlen und auf Protestversammlungen. Es scheint, daß die jetzige Konstruktion und Konstitution der zionistischen Organisation einen tiefliegenden organischen Fehler besitzt. Es fehlt ihr die Innere organisatorische Verbindung und das richtige Verhältnis zwischen den ausführenden Organen der zionistischen Organisationen und dem zionistischä Wähler. Einer der Gründe ist zweifellos die merkwürdige Tatsache, daß die Beteiligung am Zlonistenkongreß nicht mit der Erfüllung von bestimmten Pflichten und Aufgaben verbunden ist. Derjenige, welcher einen Schekel einen Tag vor den Wahlen gekauft oder dem man den Sohekel geschenkt hat, besitzt die Möglichkeit, das. Schicksal der] Bewegung und Palästinas zu bestimmen. Der ScUekelzabler gibt seine Stimme ab — und versinkt in <i*n Hintergrund. Der Delegierte, Mv~ mm. Kj»«re&_. Jwpwfestüjmit *b uajfc