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Die neue Welt · 1933-06-09 · Heft 300 (9.6.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 300 (9.6.1933)
Date
1933-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sfcitei DIE NEUE WELT Nr. 300 4«4# ♦>Mt»MIMM>MIMIMM»»t»«MHMMIHIIMi»M» , SIEGM. KORNMiHL QROSSPI.IISCHMAU1RE! Zentrale: IX., Berggasse 19. Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Ü Lieferant für Heilanstalten JNWgJJJ^g^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Atitosuttellung koat«nlo» X. Barggasso 15 , XVIII., Währlngarstr. 97 a. M. war bereits auf der letzten Ostermesse die Verfügung getroffen worden, daß die jüdischen Händler ihre Plätze in einer besonderen „Judenreihe" zugewiesen erhielten. Eine gesetzliche Bestimmung oder eine Anweisung der Zentralbehörden, auf die sich solche Maßnahmen berufen kannten, besteht nicht. Da» vorläufige Verbot des Ausschlusses von Nichtariern aus den höheren Schulen in Deutschland bezieht sich nicht auf Neueingetretene In einer Zuschrift an die „Frankfurter Zeitung" Wird darauf hingewiesen, daß die Verfügung des preußischen Unterrichtsministers, bis zum Erlaß genauerer Bestimmungen nichtarische Schüler aus den höheren und mittleren Schulen nicht auszuschließen, sich nicht auf die in diesem Jahre in den ersten Jahrgang der Schulen Neu auf genom m e ne n bezieht. In dem betreffenden Ministerialerlaß heißt es vielmehr ausdrücklich, daß bei. Neuaufnahmen darauf zu sehen sei,, daß die vorgeschriebene Anteilzahl von .1,5 Prozent der Gesamtschülerzahl von der Zahl reichsdeutscher Nichtarier . nicht überstiegen werde. Etwa zu viel neu aufgenommene Schüler oder Schülerinnen nichtarischer Abstammung seien vom. weiteren Besuch der höheren Lehranstalten . unverzüglich auszuschließen. Die in der Zuschrift an die „Frankfurter Zeitung" erwähnten Verfügungen werden von zuständiger Stelle bestätigt. Kein Jude kaiin Bauer werden Das preußische Staatsministerium hat am 15. Mai 1933 das Erbrecht für b ä u e r 1 i ch e Betriebe des Lahdes Preußen heu geregelt. Das Gesetz umfaßt 63 Paragraphen; über denjenigen Teil, 'de*' sich auf die R ars s e h f r ä g e bezieht, macht die "„Frankfurter Zeitung" folgende Angaben: Nur wer deutscher! Staatsbürger und „d eü t sehen 'o d er stamm esj g'ieieben Biutes ist", kann Bauer seih und einen j Elrbhof besitzen. Es kann nicht Erbhöfbauersein; "wer | unter - seinenübrigen Vorfahren bis^'-zUrück zu den Groß*! eitern eine Person „jüdischer oder farbiger Herkunf t" hat. iSchließt ein Bauer mit einer solchen Person in Zukunft die Ehe, so werden die Nachkommen dauernd unfähig, als Besitzer eines Erbhofes Bauer zu sein. Die "Eintragung in die Erbhöferolle setzt voraus, daß der Eigentümer deutscher Staatsbürger und ^deutschen Blutes" ist. Wenn sich bei Nachprüfung ergibt, daß im Mannesstamm des Eigentümers ein Vorfahr „nicht-deutscher Art" ist, so ist die Eintragung des Hofes in die Erbhöferolle abzulehnen. Der Eigentümer darf sich dann nicht Bauer nennen. Erweist sich, daß zwar der Mannesstamm rein ist, daß aber unter den übrigen Vorfahren des Eigentümers bis hinauf zu den Großeltern einschließlich eine Person „nicht deutscher. Herkunft" ist (die Qualitätsunterschiede sind nach dem Gesetzestext zitiert), so ist der Hof zwar in die Erbhöferolle einzutragen und damit unter den Schutz des Anerbenrechts zu stellen, es . soll aber dabei vermerkt werden, daß die von dieser Person abstammenden Eigentümer des Hofes bis ina zweite Glied nicht das Recht haben, sich Bauer zu nennen, die Urenkel einer aolchen Person können also wieder Erbhofbauern werden. „Erbunwürdige (BGB. §§ 2339 ff.), rechtskräftig zu Zuchthaus Verurteilte und N i c h t deutschblütige" scheiden als Anerben überhaupt aus. Auch die Lage der Juden im Saargebiet soll behandelt werden Aus Genf: Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur erfährt, wurde auf die Tagesordnung der .Völkerbundsratstagung auch die Besprechung der Lage der Juden im Saargebiet gestellt. Dies ist auf Verlangen der Regierungskommission für das Saargebiet geschehen. Die Regierungskommission für das Saargebiet hat dem Völkerbundsrat ein Memorandum vorgelegt, das sich u. a. auch mit der Frage der antijüdischen Gesetzgebung in Deutschland befaßt. Im Friedensvertrag von Versailles ist vorgesehen, daß die endgültige Entscheidung über das von einer Bevölkerung von über 770.000 Seelen bewohnte S a a r g e b I e t nach 15 Jahren — somit im kommenden Jahre — getroffen werden soll. Bis dahin untersteht es dem Völkerbund. Die Regierungskommission lenkt nunmehr die Aufmerksamkeit des Rates darauf, daß die gegenwärtig im Saar- Auftorderung an alle absolvierten zionistischen Akademiker Bildung einer Arbeitsgemeinschaft Hierüber spricht Oberbaurat Ing. Robert .Stricker am Dienstag, dem 13. Juni d. J., um halb 9 Uhr abends, im Arkaden-Caf€, I., Universitätsstraße 3. — Im Anschluß daran großer Vortrag Uber die „Wirtschaf tsmögllchkeiten in Patastina"; die Referenten Dr. N. Samonsky und M. Lutzky blicken auf eine jahrelange palästinensische Erfahrung zurück. — Die Exekutive, des Ringes der Alt-Herren-Verbände veranstaltet in Ausführung ihres Arbeltsprogramms eine Vortragsreihe .Uber aktuelle Themen und ladet zu diesem dritten Vortrag seine Mitglieder wie auch die gesamte zionistische absolv. Akademikerschaft ein und ersucht um rege Beteiligung. Für die Exekutive des Alt-Herren-Ringes: Oberbaurat Ing. R. Stricker Dr. O. Grünbaum; Ak. M. L. A. Robitschek. Mitteilungen des Alt-Herrcn-Ringes Am 4MMai fand eine außerordentliche Vouversamnv lung des Ringes statt, in welcher die neue Exekutive göx wählt wurde: Oberbaurat Ing. Fedor Ackermann, Rechtsanwalt Dr. Desider Friedmann. Facharzt Doktor Josef Grünborger, akadem. Maler Leo A. Rob i t s c he k, Chemiker Dr. Max Silberberg, Rechtsanwalt Dr. Paul Stern; als Präsidium: Oberbaurat Ingenieur Robert Stricker und Rechtsanwalt Dr. Oskar Grün bäum; als Kaspere: Rechtsanwalt Dr. Jakob .- / -,, ■ ■ i;.■ ' ' ' ■ ■ sv? Burchs bäum und Bankier. Dr. Kurt Offen berger. " Die; Versammlung, die stark besucht war, nahm lebhaften Anteil an dem der, Wähl. folgenden fesselnden Vortrag des Herrn Dr. Desider Friedmann über: „Die innen- und außenpolitische Situation der Judenschaft." Für die Exekutive skizzierte akademischer Maler L. Robitschek das Arbeitsprogramm. Es wurde die Drucklegung des umfangreichen M i tg 1 i e d e r v e r z e i c h n i s s e s beschlossen. Der Exekutive ist es inzwischen gelungen, die aoförtige Durch?; führung des Beschlusses in die Wege zu. leiten. Am 1. Juni fand eine, gleichfalls gut besuchte Versammlung des Ringes" .mit der Tagesordnung^ „M-äßh a h m ett 'tf w m Schutze der b e drohtert J u denschaf t" statt. Den überzeugenden Referaten dei* Herren Oberbäürat] Ingenieur R. S t ri e k e r. und Dr., O. G r Ü n b a u m folgte^ eine interessante Debatte, an der sich ausführlicher; die Rerren Redakteur T. M b h t e s e r und Ing. Oberländer beteiligten. Es; wurde schließlich die Bildung einer größer Arbeitsgemeinschaft der absolvierten zionistischen ' Akademiker gefordert:" 'XjeMr'f letzteres Thema *......—' ...... ..;.'*»*.?.'.>---.. »•»*>•• •.••.>>.■- ,. .r v~. wie „Wi rtschaf t s m ö gl i c h k e i t e n, i h;,, P,a 1 ä-. s t i n a" (siehe obige Ankündigung), findet am 1 3. J u.n i ein großer Vortrag statt. Da zweifellos; in der gesamten . zionistischen Akadem Hc er Schaft ein Verlangen nach einem engen Zusammenschluß besteht, beschloß die Exekutive mit Zustimmung der Präsidien, ihre Tätigkeit größtenteils in einem Vrwelferteh Rahmen einer' zu schaf- : fenden Gesamtor g anisation der zio'ni- ". »tischen absolvierten: Akademiker auszuüben. Die Exekutive ladet daher alle zionistischen absolvierten Akademiker zum Besuche der Vorträge ein, welche das Interesse an zionistlschjüdischnätionaler Arbeit wecken sollen. Sie wird ebenso Maßnahmen treffen, um die im großen Verbände leichter erreichbaren wirtschaftlichen Möglichkeiten' zu erfassen. Für die Exekutive: Oberbaurat Ing. R. Stricke r, Dr. O. Grün bau ra*„ akademischer Maler. Ii. Robi tsch e k. gebiet, beschäftigten jüdischen Staatsbeamten entlassen werden würden, falls die nächstjährige Abstimmung zugunsten Deutschlands ausfallen sollte. Die Regierungskomxnisslon ist. d?r Ansicht» daß diese, Möglichkeit sowie die von gewissen Zeitungen betriebene aggressive antisemitische Propaganda Faktoren darstellen, die sich schon jetzt störend auf die Verwaltung des Saargebietes auswirken. Die Kommission verlangt vom Völkerbundsrat, dieser Frage entsprechende Aufmerksamkeit zuzuwenden und die in dieser Hinsicht notwendigen Zusicherungen von Deutschland zu fordern. Keine jüdischen Vereine in der staatlich geförderten Jugendpflege Aus Berlin: Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Regierungspräsidenten darauf hin, daß alle Jugendpflege und Leibes? Übungen treibenden jüdischen Vereine und Organlf sationen aus den Orts-, Stadt", Kreis- und Bezirksaus-. •schüpsen für Jugendpflege auszuschließen undjdaß ihnen auch jegliche Vergünstigungen zu /versagen sind. [Direktor Kareski, Vorsitzender der Jüdischen Volks* parte! In Berlin Aus Berlin: Parteivorstand und Fraktion der Jüdischen Volkspartei in der Berliner Jüdischen Gemeinde verlautbaren: 1 Am Mittwoch, dem 24. Mai, tagten gemeinsam die \F r a k t i o n und ein engerer Ausschuß der Jüdi» Ischen Volkspartei zur Beratung der pol 1 tiis c he n L i n i e, welche die Jüdische Volkspartet [in der Berliner Gemeinde in der nächsten Zeit einschlagen [wird. Ein Referat von Direktor Kareski wurde sowohl jim grundsätzlichen wie im taktischen Teil einstimmig;.von den Versammelten gebilligt. Es wurde ein neuer Parteivorstand gewählt, an dessen Spitze einstimmig;D i.rekto'r Kareski berufen wurde. Der neue 'Fraktionsvorstand besteht aus den Herren Direktor. Kareski als Vorsitzendem, Professor Heinrich Loewa .'"'und Rechtsanwalt Kozower als Beisitzern. Auch diesa 'Wahl erfolgte einstimmig. Es wurde ein Organisationsausschuß eingesetzt, welcher die Frage zu prüfen haben wird, 'ob und in welcher Form die politische Arbeit der Jüdischen Volkspartei auch durch eine organisatorische ergänzt werden soll. Wir beglückwünschen die Jüdische Volkspartei zur j.jWahl. des Vorsitzenden . Direktor Kareski. Direktor I Kareski, ein Freund und Mitarbeiter unseres Blattes, bat j jin Jahren unermüdlicher Tätigkeit für die, jüdischnationale > fSache in Deutschland bewiesen, daß er der berufene 'Führer in schwerster Zeit ist. Jüdisch-deutsche Künstler — auswärts;! Aus Kopenhagen: Am Dagmar-Theater Jzu Kopenhagen tritt" derzeit Fritz Kor tn er, dessen jj Name von einem großen Teil der deutschen Presse seit;ilangem nicht mehr ohne den Zusatz Cohn genannt •wird, als Shylock auf. Der Künstler wird vom Kopenjhagener Theaterpublikum, stürmisch gefeiert. Vor seinem (Auftreten erhielt der jüdische Direkter des (Theaters Otto Jacobsen einen Drohbrief, der, jniedrige Beschimpfungen des Künstlers ent- | hielt. Der Brief war mit „Deutscher Kampfbund im i Auslande gegen das Judentum, Abteilung S t,o c kr!holm-K openh ag en" unterzeichnet. Unterschriften . ) von Einzelpersonen trug , der Brief nicht. DJe Kqpenr^ :! hagener deutsche Gesandschaft erklärte auf eine Anfrage, eine Vereinigung obigen Namens', sei ihr'nicht bekannt... |Die-im 'Hinblick : auf die angekündigten Störungen ,-get trof f enen polizeilichen Sc h;U t^.m aß n. a h.m e n; : haben 'sich als;-überflüssig erwiesen! Es kam anläßlich 1 der- Premiere zu großen Sympathiekundgebungen . für, Fritz Kortner,; die .nach den: Shy)pc^.Worten , ,,I s.t ,d e n n . der Jude kein. Mensch? Habe ich nicht Augen,. Hände, Füße, Gedanken und Gefühle wie jeder andere sich zu tosendem Beifall steigerten, der offensichtlich nicht nur dem Künstler galt* Die Judenchristen in Deutschland .! Aus. Berlin: Die „Deutsch-Evangelische Korre-r : spondenz" meldet: Nach den letzten Angaben, des '„Kirchlichen Jahrbuchs" gibt.es im evangeli-. •sehen Deutschland verhältnismäßig nur wenig Juden- Ichristen. 1920 zählte man 452 jüdische Uebertritte,.;1925 : 226, 1929: 172, 1930 : 212. Noch geringer sind selbstredend Uebertritte vom. evangelischen. Be- , kenntnis zum Judentum. Hier zählte man 1920: 82, 1925 : 44, 1929 : 36, 1930 : 55. — Unter „Judenchristen" . versteht die „Deutsch-Evangelische Korrespondenz" solche, die vom J udentum zum Christentum , übergetreten »Ind. Die A*SBiniIa*ions«Theorie zusammengebrodieii Aus London: Anläßlich der Eröffnung des;ti on, a.l j ü d i s c h e n Kl u b s in Whitechapel hielt Professor Selig Brodetsky, Mitglied der Zionistischen Exekutive, ejine Ansprache, in der er erklärte, die Theorie der. Judenassimilation sei infolge der Ercignißse in Deutschland zusammengebrochen. Er richtete ah" seine Zuhörer .die Mahnung, aus der Vergangenheit für die Zukunft, zu lernen, sich durch innigen Kontakt mit dem jüdischen Leben efn gesundes Urteil Über 'jüdische Vorgänge zu bilden und für die Erziehung einer fähigen jungen Führergeneration Sorge zu trägen. Den Vorsitz in der Versammlung führte der A bgeordnete Barnett Janner, der in seiner, Eröffnungsansprache an die Rolle des Londoner East End in den Anfängen der-, zionistischen Bewegimg erinnerte. Whitechapel, aus dem Theodor Herzl sich oft Kraft Und Inspiration geholt habe, sei berufen, auch in Zukunft an der Bewegung besonders intensiv Anteil zu nehmen. Palästina, fuhr Abgeordneter Janner fort, habe sich dadurch, daß das jüdische Leben in diesem Lande, wo jüdischen Männern und Frauen die Möglichkeit geboten

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