Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 300 (9.6.1933)
- Date
- 1933-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seil« 2 DIE NEUE WELT Nr. 300 Kr müsse daran erinnern, wie die Beschwerden europäischer Minderheiten in lebenswichtigen "Fragen Uber -das ihnen gegen die ausdrücklichen Bestimmungen der Minderheltenschutzverträge zugefügte Unrecht vor dem Forum des Volkerbundes behandelt worden seien; Der deutsche Vertreter schloß seine Ausführungen mitder - Erklärung* daß er sich bezüglich des Vorschlages des Berichterstatters der Stimme enthalte* Nachdem der Berichterstatter kuf* de« Vorwurf, der Rat habe seine Pfliönt in der Vergangenheit nicht erfüllt, zurückgewiesen hatte» stimmte der V Ö1 k e r b n n drat schließlich den Vorschlagen Lesters *U. Die Fragen, über die der Juristen-Ausschuß ein Gutachten wi forma« Heren hat, sind folgende». 1. Igt Herr Bernneim berechtigt, eine Petition vorltlbringett? g. Ist Herr Bernheim berech* tigt, Fragen allgemeiner Natur In einer Petition aufzuwerten? . . Nach einer' mehrtägigen Paus« erstattete der Juristen-Ausschuß, die Professoren Et über (Schweiz), Bonrquin (Belgien) und Petfrwso (Spanien), sein einstimmiges Gutachten,: Ks; läutete auf Ablehnung aller von Deutschland erhobenen''lEhiwehäuflgeni Auf Grund dieses Gutachtens fällte nunmehr der Völkerbundrat ohne Gegenstimme (nur Deutschland und Italien hatten sich der Stimmabgabe enthalten) sein Urteil. Danach hat Deutschland alle gegen die Judenin Oberschlesien getroffenen Verfügungeta zurückzuziehen und den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. Altes unter Kontrolle des*" Völkerbundrates, welchem Deutschland fortlaufend Bericht Uber die Gutmaohung erstatten muß. Dieses Urteil im Falle der oberschlesi* sehen Juden im Zusammenhange mit der Erklärung der Mächte, daß. die gesamtdeutsche Judenfrage bei nächster Gelegenheit aufgerollt .wird, bedeutet die diplomatische Niederläge einer Großmacht, wie sie früher kaum zu verzeichnen war. •v . RUNDSCHAU Solange noch ein Tropfen Blut vorhanden ist Der 1. April,, der offizielle Boykott-Tag des Hakenkreuzes gegen die jüdischen Existenzen iü Deutschland, hat in einem kontmuierlichen, wenn auch weniger. offensichtlichen Vernichtungsfeldzug gegen den „N,ichtarier" seine Fortsetzung gefunden. Jüdische Firmen, auf öffentliche Lieferungen eingestellt, erhalten auftragsgemäß solche nicht mehr, Sie sind gezwungen, einen . Teil ihres. Personals zu entlasse^, um wenigstens weitervegetieren zu können. Aber auch das wird nicht geduldet. Das Opfer soll bis zum Weißbluten gepeinigt werden. Das nationalsozialistische „8-Uhr-Blatt" in Nürnberg zeigt ganz unverhüllt diese Methode, wenn es flahreibtt:' / ' -•''*>-*'"• ,;Durch die politische Umwälzung in Deutschland (werden■.immermehr jüdische Firmen von der Auftrags- .ej-teUung, durch .Staat, Länder und Gemeinden ausge- .schaltet. Dieser Umstand wird dazu benützt, um deut- "sehen Angestellten und Arbeitern den. Arbeitsplatz.zil ' kündigen. Der ' Deütschnationale Handlungsgehilfen; Verband, Geschäftsstelle Nürnberg, warnt vpr feinem solchen Vorgehen und weist ausdrücklich darauf hin, daß es gegen die Auffassung der heutigen Staatsftihrung verstößt. Diese politischen Umwälzungen dürfen sich nicht zu Lasten deutscher Ärbeitnejimer auswirken. Es dürfen deshalb Entlassungen, solange . -noch eine-wirtschaftliche Substanz vorhanden ist, nicht yprgenommen werden, sondern es müssen andere Mittel und Wege gefunden werden, um solche Geschäfte in deutsche Hände zu überführen. Solange noch eine wirtschaftliche Substanz vorhanden ist...! krasser kann sich wohl die Vernichtungsabsicht des deutschen Pogromantisemitismus nicht mehr enthüllen. , , f Da§ Spiel mit der Demokratie Die „Jüdis che Volksp^arteiM, zu einer Zeit gegründet, da allen ein- und ferhslchtigen Juden sich die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller jüdische! Kräfte aufdrang, wird allmählich zum Kristallisationspurikt dieser Kräfte in Oesterreich. Jeder Versuch, die jüdischen Interessen von nicht jüdischen- Parteien vertreten zu lasseh, ist zwangsläufig gescheitert. Aber die lendenlahmen jüdischen Trabanten der österrreichischen Sozialdemokratie, die Herren „werktätigen Juden", haben sich auf Gedeih (der marxistischen Führer) und Verderb (der österreichischen Juden) der Sozialdemokratie verschrieben. Sie hassen die frische Luft, die durchs jüdische Lager geht. Sie geben ihre schmählichen Zutreiberdienste nicht auf. Sie haben Angst davor, daß sie Ihr Versprechen, die jüdischen Schäfchen bis in die Unendlichkeit an der roten Stange zu halten, nicht lange mehr werden halten können. Darum schreibt ihr Organ, bis zu den von Verbeugungen weich gewordenen Knien im Schlagwort „Demokratie" watend, in einer Art Aufruf, der sich gegen die wachsende Jüdische Volkspartei richtet: „Die Juden bedeuten zahlemxfÄg nichts in Oesterreich. Eine jüdische Partei in Oesterreich hätte nicht das geringste politische Gewicht, bliebe völlig einflußlos auf die Schicksalsgestaltung unseres Landes. Wohl aber würde die Isolierung' der Juden in einer eigenen Partei der Demokratie Kräfte entziehen^ die Demokratie in Oesterreich spalten." Die Juden bedeuten zahlenmäßig zwar nichts, aber sie würden ... spalten. Diese auf deh Kopf gestellte Wahrheit wird die Entwicklung der nächsten Zeit auf die Beine stellen. Gewiß auch den kindischen Unsinn, den das "in Brilhn, erscheinende, ^nkszionistische Organ „Der neue Weg", vbn "sich l'. . ..,..; \ .„>':•.;. . j.;;,ii^::2Su8ammen^e^.i^fS&:Ppa,le Zipn^mit der Jüdischen. Partei (das, ist die jüdischhationaie, Partei 4er,;.^9cEec£p^6wi^che^ Republik) " ist inkonsequent und kompromittierend. Wo es nötig ist, soft: "ein - Zusammengehen 'Äialt der '■ t'ä-c h e c h ö* slowakischen. .Sozialdemokratie,, angestrebt werden." ..• ■ - .'Viv^,- ..... ~,i y "-,'- >'• : ■'„'■'» >• . ji- '"•'•'',}■■ ' * •••*»>/ Das sind die 'Refeuitate: ^ef>\l^Sae^ämp£#iscW fr Erziehung düreb die Herren Ben Gurion, Kaplänsky und Arlosoroff gesungen, so zwitschern nun in unseren Gegenden dlp Jungen... z/Weltkrieg ohne Waffen" Das ist der Titel eines soeben erschienenen Werkes aus der Feder des deutschen .Reichsarchivars Dr. Hans Thimme, der unter „Weltkrieg ohne Waffen" den Informationsdienst versteht, den die Entente organisierte, um ihre eigenen Ziele zu Verdeutlichen und denen des Gegners entgegenzuarbeiten. Wir wissen heute, was die Propaganda inl Weltkrieg bedeutete. Und wir wissen auch, daß die Erweckung von Sympathie für eine Sache, für eine gerechte Sache/ dieser besser Und nachhaltiger dient ais das Pochen auf Gewalt, das Vernachlässigen "geistiger und gefühlsmäßiger Bröberung. Ueber die' kulturpolitischen Betrachtungen Thlmmes wäre für einen zionistischen Be1obachter nicht viel zu sagen, würde hier nicht eine in die Augen springende 'Analogiek:auch für unsere 'Sache von Wert seinr Thimme erzählt "von der1 Bearbeitung der Gehirne der deutschen Frontsoldaten, 'des' deutschen Hinterlandes, der Neutralen, von dem gewaltigen" Schlägwort dir Westmächte, das „Freiheit und Demokratie, Selbstbestimmungsrecht der Nationen" hieß, während Deutschland dem nichts entgegenzustellen "hatte. Thimme bekennt: * „Schon allein die Tatsache, daß die deutsche Regierung ihre Kriegsziele niemals öffentlich bekanntgab, versetzte sie in schweren Nachteil gegenüber der Entente und war vom Standpunkt der Propaganda aus der allergrößte Fehler/' Wer erinnert sich hier nicht an Herzls Forderung, der Welt zu verkünden, Was man anstrebe, das sittliche Anrecht auf diese Forderung klarzumachen, auf daß dem Gegner keine Möglichkeit bleibe, die zionistischen Aspirationen zu verdunkeln, anzuschwärzen, zu verleumden, zu diskreditieren! w Der Krieg ohne Waffe ist ein moralischer Krieg. Es ist der Krieg des Rechts, des sittlichen Anspruches» der zum Sieg führen muß, wenn man die legitimen Ansprüche, das ist den großen Herzl-ZionIsmus, rückhaltslos verkündet und — betätigt., An die Juden aller Länder . Das Schicksal, das über die deutschen Juden hereingebrochen ist, Jtait die Judenheit der ganzen Welt auf« tiefste erschüttert. <lfc. der Hilfsaktion für die Flüchtlinge inden Nachbarländern Deutschlands sowie fttf die Judeii.u} Deutschland Reibst hat das'Gefühl brüderlicher Solidarität seinen. eriten,.MwntAnen -Ausdruck gefunden. Tausende von deutschen Juden, insbesondere weite Teile der deutseh*jüdischen Jugend; sehen in der Verwurzelung in Palästina den Weg zu einem n *;ü eßj Lebe n.- Die<, Btowanderttng deutscher - Juden nach Palästina Hat bereits eingesetzt. ...... Wenn ttf' Ä Äi aller 'Ltffider, "kann Pütt* stina mit seiner itetig sich entwickelnden Landwirtschaft Üöd Industrie, mit seiner dauernd steigenden Aufnahmefähigkeit in ipamer wachsender Zahl deutsche Juden aufnehmen und Ihnen Und ihren Kindern, denen die Übrige Welt bis auf schmale Spalten verschlössen ist, dauernde Heimat werden. 1 Als ..Beauftragte., der auf Grund des Palästina- MandätÄ des Völkerbundes geschaffenen und von, der MäädätBregierung anerkannten Jewish Agency for Palestine und als Freunde des jüdischen Volkes und des Jüdischen Nationalen Heims in Palästina rufen wir Euch auf . zur Schaffung des Pal äst Ina-Fonds für deutschte Juden,. < ' Komitees, die die Mittel für diesen Fonds aufzubringen haben, müssen Unverzüglich an ihr Werk' geTiert. Aus den Mitteln dieses Fonds soll, im Zusammenwirken mit den bestehenden Finanzinstitutionen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, dem Keren Hajesäod und dem Jüdischen Nationalfonds, Boden In Palästina erworben und durch deutsche Juden besiedelt werden, sollen handwerkliche -und industrielle Unternehmungen gefördert,, Kredite bereitgestellt, die Privatinitiative bemittelter Elemente unterstützt, der Uebergang. .zu neuen Berufen ermöglicht werden. Dieser Fonds soll deutschen Juden, jungen Chaluzim, Handwerkern, Angehörigen der freien Berufe, Gelehrten und Kaufleuten zur Begründung einer neuen Existenz der Arbeit verhelfen; Der Hebräischen'Universität in Jerusalem, der Landwirtschaftlichen Versuchsstation, dem Technikum in Haifa. soll die. Aufnahme von Männern der Wissenschaft erleichtert werden, die die Möglichkeit verlören haben, an deutschen Stätten der Lehre und Forschung zu dienen. . Nicht milde. Gaben, sondern wirkliche Opfer sind erforderlich, wenn, das . große Ziel der Verankerung Tausender von deutschen Juden in Palästina erreicht werden soll. - .; Die. Juden. Palästinas haben als erste diese Aktion organisiert. Die Sammlungen für den Palästina-Fonds, für deutsche Juden sind in Palästina unter der Autorität der Jewish Agency und unter Beteiligung aller Kreise des Jischuw bereits eingeleitet. Die Juden aller Länder werden'aufgerufen,- diesem Beispiel durch. Opfer und Leistung unverzüglich zu folgen^-; . r, :- ": •'«' CecnY D- Lloyd-George; Herbert-Samuel, . .• J. C Smuts;, fDrv. Cyrus Adler,'- Morris Rothenberg, Nahum Sokölöw, Felis •"':' ^';■'-••>"-W $ . reidhs! •;'' ßjjir größe' Sammelaktion! zur Ueberführuhg -' deutscher Juden nach Palästina hat allenthalben eingesetzt. Auch wir :öster>eiehiseja^ un^.weiden^nlqht zurückstehen. Vom gleichen" Hasse ängefiallen 'wie unsere Brüder in Deutschland, wollen wir unsere Solidarität mit ihnen durch Taten fnanifestieren. Die außerordentliche Zeitlage erfordert außerordentliche Opfer! Wirr uJe n Euch auf zu sof or.tiger, o.pf erb er eiter Tat! Helfet den Brüdern in D6utsch! 1 and!: D^n» fcet an Eure unid-' Eurer Kinder Zukunft! BrüngV Eu er- Opf &r.;f ür .P a 1 ä,sti.na dar! . Adolf Böhm, Hof rat Dr. S. Frankfurter, Dr. Heinrich .Glücker, Dr.Josef.. Löwenhe«, Mendel Singer, Doktor! pesider Friedmann, Rabb. Sal. Friedmähn," Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Dr." Leopold Pläschkes,' Dr. Heinrich Sökal. Dr. Fritz - Eksteini 'Dr. Oskar Grünbaum, Ober- . Ingenieur Otto; Krasny, Sophie, Löwenherz, Oberbauyat ■ Ing., Robert Stricker, Hofra.t Dr. Ludwig yfßrne^. * ' Das Komitee zur Ansiedlüng deutscher Juden' in Palästina hat seinen Sitz in Wien? I., Kärntnerstraße 28 (Tel. R-27-3-20, R-27-4-?0). Postsparkassenkontö C 133.988. Mitarbeiter werden gebeten, sich unverzüglich an angegebenem Orte zu melden. Der Kampf umj|ie Staatsbürger« lfdie Stellung der deutschen .Juden •Von.Max Eeinheimer.. j ( ,? -Unser Blatt hat! inseiner Ausgabe vom 26. Mai jeinen. Artikel . aus; dem Hamburger „Israe- : litisehen Familienblatt"^ .der .sich mit der staatsbürgerlichen Stellung der deutschen Juden beschäftigte, auszugsweise' gestreift Der Verfasser dieseta Artikels, bittet um die Aufnahme: nachfolgender Zeilen, die wir aus Gerechtigkeitsgründen bbzwar. sie unserer Ansicht picht entsprechen ~ wiedergeben.; ' Alle deutschen Juden sind sich, abgesehen von der kleinen, unbedeutenden' G'rUppe 'um den1 Verband nationaldeutscher Juden, klar darüber, daß die Zelt der Vollemanzipation der Juden in Deutschland wahrscheinlich für länge Zeit vorüber ist. Die Mehrheit der deutschen Juden.' ist sich ebenso klar darüber, daß in den kommenden-Monaten um die bürgerliche Existenz der Juden in Deutschend gewürfelt wird. Niemand weiß, wie sich * die > höhen Regierungsstellen die Lösung der. Judenfrage vorstellen. Man weiß nur, daß man die deutschen Juden vorher sehr wenig fragen wird, wenn sie Werbet forme JfldischeVolkspartei Österreichs!