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Die neue Welt · 1933-06-09 · Heft 300 (9.6.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 300 (9.6.1933)
Date
1933-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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186 TM. Universitätsbibliothek Wien, I. Preis 35 droschen Jahrgang 7 frdfag/ den lim nr« jvo r* «w V« Ii* D* Zeitung vom Verleger versendet' „Journal expldie par Mältfenr« RM m Ol ■ ■■■ BEZUOSBEDINOlfNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20. ganzjähriß S16.—i Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Ztoty 6.— B M ■ ■ Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich MM ■ ■ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig U Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Franca 1^0, vurtef. ■jgH W ^JVF MB iährlg Schwelzer FratlC3 4-50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung; Wien IX, Universitätsstr, 6-8, 7 et. 8-48-504 — Erscheint jeden Freitag En Si«, WM^-fa. - HitlerrDeiit§ehlaiid im Kreuzfeuer Mächtige Kundgebung der Mächte der Welt für das verfolgte jüdische Volk Ein in der traurigen Geschichte des Judenvolkes einzigartiger Fall! Wie e i n Mann sind die Vertreter aller Mächte der Welt, die Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens, Spaniens, Polens, dar Tschechoslowakei, Belgiens, der Schweiz, amerikanischer Staaten und anderer Mächte mit Wort und Tat für das Recht des jüdischen Volkes eingetreten. Als Kläger fungierte der kleine Jude Bernheim aus Oberschlesien. Auf der Angeklagtenbank saß das große Deutsche Reich, die allmächtige Regierung eines 70-MlUionen-Volkes. Mit einer Rtickhaltlosigkeit, die alle Traditionen des diplomatischen Verkehres von vordem über den Haufen wirft, stellten sich alle auf Seite des kleinen jüdischen Volkes, «• , S1LLERS CAFE-GARTEN Wien i, Schwedenplatz 3-4 und'die angeklagte Großmacht müßte Worte und ein tJrt^R Über sich ergehen lassen und zur Kenntnis nehmen, d)e!noch vor wenigen Jahren der kleinste Staat nicht ger ciüldet und mit einer Kriegserklärung beantwortet hätte. % Ein herrlicher Sieg des Völkerbundgedankens! Dessen sollen alle eingedenk sein, die in leichtfertiger [Ungeduld und mit dummdreisten Worten über den ^schwachen und ohnmächtigen" Völkerbund herfallen, *veil ihre blöden Augen die Größe des Bundes nicht übersehen können. Vor allem jene Juden — und ihrer sind leider allzu viel —, die sich in der Herabsetzung und Verspottung des Völkerbundes nicht genugtun konnten. Juden, denket immer daran! Der Völkerbund hat euch das Palästina-Mandat gegeben. Der Völkerbund hat sich in der deutschen Sache dem jüdischen Volke an die Seite gestellt, des jüdischen Volkes Ehre gewahrt. Juden,, denket immer daran! * Nachstehend ein zusammenfassender Bericht über die denkwürdigen Verhandlungen: Aus Genf. Die Petition des früher in Gleiwitz, jetzt in Prag wohnhaften Angestellten Franz Bern heim gab Anlaß zu einer bedeutsamen öffentlichen Diskussion. Die deutsche Regierung hatte ihre Genfer Delegation beauftragt, den vom Vertreter des Freistaates Irland, Lester, in seiner Eigenschaft als Berichterstatter entworfenen Bericht nicht anzunehmen. Herr ' L e s t e r verlas deshalb vor dem Rat seinen Bericht,, ohne daß er vorher versucht hätte, mit der deutschen Delegation ein Abkommen über' einen Text zu treffen, der auch von Deutschland angenommen worden wäre. In dem drei Schreibmaschinenselten umfassenden ■ Bericht analysierte Herr Lester die Erklärung der . .deutschen Delegation. Er wies darauf hin, daß - die deutsche Regierung sich in dieser Erklärung vorpflichtet habe: 1. die internationalen Vereinbarungen .bezüglich der j ü d i s c h e n M i n d e r h e i t in Ober- Schlesien . einzuhalten; 3. daß die Rechte der Juden In' Oberschlesien wiederhergestellt werden würden; 3. daß der Völkerbund von Zelt zu Zeit Uber die Maßnahmen lnf6rmiert werden wird, die ergriffen• worden; sind,' um aus ihren Positionen entlassene Juden wieder-: e i n z u s teile n, und wie dies praktisch vor - »ich: geht; 4. daß die Behandlung der .von bereits geschädigten . Juden eingebrachten Klagen den örtlichen Gerichten überwiesen werden. Herr Lester führte aus, der Rat des Völkerbundes halte es für äußerst wichtig, daß die deutsche Regierung' ersucht werde, ihn, den Berichterstatter, über alles auf dem laufenden zu halten, was für die (Wiedereinsetzung der Juden in ihre, bis« herigen Positionen geschieht. Die Erklärung der deutschen Regierung vom vergangenen Freitag sei so auszulegen, daß Deutschland sich verpflichte, die Rechte der nationalen Minderheiten vollauf zu »espektleren. Da die bereits entstandenen Schäden im Wege örtlicher Verfahren behandelt werden sollen, möge die deutsche Regierung auch den Fall des Petenten Bernhelm einem örtlichen Verfahren unterwerfen. Namens der deutschen Regierung erklärte Herr von Keller, den Bericht nicht annehmen zu können: 1. weil die deutsche Regierung Bernhelm nicht als Bewohner Oberschlesiens anerkenne; 2. weil er, auch wenn er dies wäre, einen Anspruch nur für sich selbst, aber nicht namens aller Juden Ob er Schlesiens anmelden könne; 3. weil Bernheim, falls er Anspruch auf Schadenersatz habe, diesen den lokalen Gerichten . Oberschlesiens, nicht aber dem Völkerbund zu unterbreiten habe. Die deutsche Regierung habe erwartet, daß der Rat ihre Erklärung vom letzten Freitag akzeptieren und die Beschwerde als er ledigt'betrachten ■werde. ":" Der VörsifeEen'^e,; "Sigjrijor Bt a,ncKeri, fachte nach diesen Ausführungen des,; deutschen; Vertreters den Vorschlag, da die deutsche Regierüng Bernheims Recht auf eine Petition an den Völkerbund bestreite, solle diese einer Juristen -Kommission zur Prüfung der deutschen Einwände überwiesen werden. Der Berichterstatter Lester erklärte sich mit diesem Vorschlag unter der Voraussetzung einverstanden, daß der Völkerbundsrat weitertage, so daß, falls die Juristen-Kommission die Petition Bernheims als zulässig erachte, die ganze Angelegenheit Innerhalb der nächsten acht bis vierzehn Tage wieder vor den Rat kommen könne. Captain Eden, Unterstaatssekretär im britischen Außenministerium, stimmte der Einsetzung der Juristen- Kommission zu, wandte sich aber gegen die Ausführungen der deutschen Delegation. Paul-Boncour, der französische Außenminister, brachte sein Bedauern über die durch die Einsetzung einer Juristen-Kommission neuerlich eintretende Verschiebung der Angelegenheit zum Ausdruck. Die Ratsmitglleder fühlen sich wie in einem schweren Gewissenkonflikt, weil sie sich nur mit der Lage, der Juden In Ob er Schlesien befassen sollen. Wir können an dern Schicksal der Juden von ganz Deutschland nicht desinteressiert bleiben. Paul-Boncour schilderte an Hand vieler geschichtlicher Einzeltatsachen, wie Frankreich in der Vergangenheit für die Rechte der Juden ■ in 1.50 Weekend im Samstag oder Sonntag den ganzen Nachmittag , Int We 11 en-S chwim m bia^d mit Freiluft-5onnenbad Vorzügliches Dachgarten - Res. ta ur a »iL■.> . Fa m 11 i enba d in beiden Schwimmhallen;; und] in einer Abteilung de« Sonnenbad« #C^W>l;jn «n:W' un d: s'aW<:n'©;^"#'¥S'«'^ auch Mailtag offen! COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3 Tel. B-42-5-38 Ferien- Ä PALASTINA 11. J U LI 19 3 3 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet —————----- ■ " r -Ä%v ■■ . ■■■ , - . « verschiedenen Ländern eingetreten ist. Er erinnert^ Deutschland4 an seine auf der Friedenskonferenz 1019 übernommenen Verpflichtungen, alle innerhalb der deutschen Grenzen lebenden Minderheiten gerecht S*n a fair zu behandeln. Der polnische Vertreter Raczy nsk 1 stellte )die Behauptung auf, Deutschland sei immer für die'liberalste Interpretation der Minderheltenklausel eingetreten, wenn es sich um andere Länder handelte. Jetzt befindet sich Deutschland in einer völlig anderen Position* Die uns vorliegende Frage k a n n n i c h t a u f Oberschlesien beschränkt werden. Es ist eine^moralische Pflicht, von Deutschland Rechtsgleichheit für die Juden In allen Teilen des Landes, zu fordern. Deutschland habe sich hlezu durch; den Friedensvertrag von 1.919 und durch den Völkerbundsbeschloß von 1982 verpflichtet. Der spanische Außenminister, Z u 1 u e 11 a, sprach den Wunsch aus, daß die Verpflichtungen Deutschlands gegenüber seinen nationalen Minderhelten vollauf durchgeführt werden. Darüber hinaus beobachtet Spanien mit tiefstem Mitgefühl und mit mütterlicher Anteilnahme das Schicksal der Tausende und Abertausende von Juden, die vor mehreren Jahrhunderten gezwungen wurden, Spanien zu verlassen. Der Vertreter Norwegens, Lange, führte aus, Norwegen betrachte es als moralische Pflicht des Völkerbundes, daß dieser die jüdische Frage nicht nur für Oberschlesien, sondern fürganz Deutschland behandle. Deutschland könne nicht behaupten, daß dies eine Interne Frage sei, denn In der Welt seien heute alle Fragen, besonders aber die jüdische, vou internationalem Charakter. Nachdem im weiteren Verlauf der Debatte die Vertreter G u a.tema 1 as und der Tschechoslowakel sowie der Berichterstatter Lester gesprochen hatten, erhob sich noch einmal der deutsche Vertreter,; Gesandter von Keller, zu längeren Darlegungen. Er stellte zunächst f§st, daß in der Debatte Fragen berührt worden seien, die nicht : Gegenstand einer Diskussion des Rates. bilden dürften. Aus diesem Grunde könne er auch. in. keine Diskussion über die Frage eintreten, ob die jüdische 'Bevölkerung im Reiche den Charakter einer Minderheit habe oder nicht. Im Laufe der Debatte sei der Akzent auf die Grundsätze der Moral und der Zivilisation mit einer Emphase gelegt worden, wie man sie bei früheren Anlässen in Minderheitenangelegenheiten vielfach vermißt habjQ»

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