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Die neue Welt · 1933-06-02 · Heft 299 (2.6.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 299 (2.6.1933)
Date
1933-06-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE MüLK WKLT Nr. 299 Kaufet den JudenstaatarSdiekel Die Union der Z i o niste u-Re vlslonllten Oesterreichs erläßt folgenden Aufruf: Jüdische Massen l in eurer Hand liegt es» aus der jetzigen Katastrophe der jüdischen Gallith den Juden- Staat zu schweißen. Im August 1938 wird der 18. Ztonistenkongreß tagen. Er steht vor gigantischen Aufgaben und vor einer entscheidenden Chance. Die Umwälzungen im Galuthleben, die Entrechtung Aar deutschen Judenschaft, die Zertrümmerung der ökonomischen Basis der Juden in allen Ländern der Galuth, selbst in Amerika, die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft, die furcht* bar steigende Judennot, die Einwanderungswclle nach Palästina, sie beweisen die Wahrheit des Revisionismus* Achad Haams Vorschlag eine» geistigen Zentrums in Palästina, gestern noch ein ernstes Diskusslonsproblem, ist heute durch die Ereignisse widerlegt. Gestern noch Weidmanns Ironie gegenüber der rc» visionistischen Forderung nach Transjordanien — heute ist die Notwendigkeit Transjordaniens für das jüdische Aufbauwerk akut. Noch vor kaum zwei Jahren konnte Weizmahn dem letzten Zionlstenkongreß in Basel sagen, daß eine jüdische Majorität in Palästina gar nicht notwendig und gar nicht erstrebenswert ist — heute enthüllt die Hatastrophe des jüdischen Galuthlebens die Nichtigkeit dieses „Kleinzionismus". Der große Judenstaatsgedanke des großen Theodor Herzl siegt auf allen Linien. Jeder Jude erlebt es heute, daß die jüdische Not in der Tatsache wurzelt, daß die Juden überall nur eine Minorität bilden, daß die Beseitigung dieser Not nur durch die Schaffung einer jüidi* sehen Majorität in Palästina zu beiden Seiten des Jordans, der Schaffung des Judenstaates erfolgen kann. Joden! Betrachtet die Ereignisse! Ihr werdet erkennen, daß sie den Revisionismus, den Herz 1- Zionismus hundertprozentig bestätigen. Was war die Leitlinie Weizmannscher Politik, was ist das System der jetzigen Exekutive? Züchtung eines zionistischen Minderwertigkeitsgefühles, Ergebung gegenüber der britischen Palästina-Politik, deren Ziel die Verhinderung der Judaisierung Palästinas ist, Ablehnung der Privatinitiative, des Gewerbes, der Industrie, des Handels, einer intensiven Landwirtschaft, Ablehnung einer Beform des z i o n i s t i s c h e n B a n k e nwesens, Mangel jeglichen Planes zwecks, allmählicher Erlangung einer Autonomie, Duldung eines Systems, bei welchem die Frage, ob ein Jude Arbeit findet, davon abhängt, ob er marxlstischer Gesinnung ist, Verzicht auf Staatsländereien für die jüdische Siedlung, Unterlassung jeglicher Bestrebung nach einer Bodenref orm, wie sie das Mandat fordert, nach Kpnzessionen für öffentliche Arbeiten (Bewässerungs- und Hafenanlagen usw.), Eta> blferung einer iandwirtschaftUchen •' P ä r a d e kl elnkolonisation für wenige Tausende, wo Hunderttausende Galuth juden nach Erlösung schreien, ständiges Kokettieren mit dem Plan eines binationalen Staates, einer fürchterlichen Neuauflage des Ghettos, Verhöhnung der revisionistischen Forderung nach einem britischen Kolonisationsregime, Spott gegenüber dem Grundsatz des Revisionismus, daß die Wiedererrichtung des jüdischen Nationalheims, die Schaffung einer Basis für Millionen Juden in Palästina insolange nicht gesiohert ist, als die britische Palästina-Verwaltung selbst nicht, wie es das Mandat fordert, alles tut, was zur Förderung dieses Zieles notwendig ist,, sondern es verhindert, Spott und Indolenz gegenüber der revisionistischen Forderung, die Verzweiflung der jüdischen Galuthmassen zu einer mächtigen aktiven Außenpol i t i k zu schmieden. Was sind die Folgen? Die Judennot sprengt das Geleise der Exekutive, Privatinitiative baut Palästina, die Exekutive hört und sieht niemand In Palästna. Die Exekutive der Jewish Agency, die den gewaltigen Drang der jüdischen Massen nach Palästina zu organisieren, die. Aufbautätigkeit zu lenken hätte, erstirbt in Trägheit und Bürokratie, wir von den Ereignissen Uberrannt. Heute ist die jüdische Masse voll gärender Verzweiflung — politische Initiative kann mit dieser Masse den ganzen Kurs der britischen Palästina-Politik ändern, kann aus der Judennot den Judenstaat s c h a f f en. Der Revisionismus, der Herzl-Zionismus fordert: 1. Konzentration aller Judenstaatskräfte auf dem Kongreß. 2. Schaffung einer Exekutive der nationalen Konzentration, die geeignet Ist, die politischen und Wirtschaft« liehen Bedingungen für die Entwicklung des Judenstaatea zu gestalten. 8. Beseitigung der Weißbuchpolitik, dieser Verhinderung der Judaisierung Palästinas: Realisierung des Mandats durch aktive Außenpolitik, Beseitigung des Zertifikatsystems: nur die Weißbücher und der MacDonald*Brlef kennen den Unterschied zwischen einer „legalen" und einer „)!• legalen" jüdischen Einwanderung. Jede jüdIsche Ei nwanderung ist nach dem' Mandat legftyU Schluß mit der Schmach der Nötigung zum Menschen- Schmuggel nach Palästina! Britisches Kolonisation!* regime, d. h. aktive Unterstützung der Entwicklung tde» jüdischen Nationalheims durch dit Regierung Palästinas, Völkerbundhilfe, Staatotändereion,Bod«nrefprnv Reform des Bodenrechtes zwecks Ausgestaltung des Immobiliarkredits, Konzessionen für die Zionistische Organisation für ö f f e n 11 i c h e Ä r b e i t e n. ' 4. Eine große Lan d k au fge Seilschaft, eine innere Anleihe des jüdischen Volkes, Realisierung der intensiven Landwirtschaft (Obst-, Gemüsebau, Geflügelzucht) in großem Maße, Kreditkoöpcrattveh. 5. Neutrale Arbeitsvermittlung sstellen, soziale Gesetzgebung der Palästina-Verwaltung. England wird Millionen verzweifelter Juden nicht das Bündnis versagen, das der Revisionismus anstrebt, zum Wohl des jüdischen Volkes, Englands und der Menschheit: Das Bündnis, an das Bai fou r gedacht hat, das Bündnis der Tat zwischen England und dem jüdischen Volke. Jüdische Massen! An euch liegt es, den Zionlstenkongreß 1938 zu einem Wendepunkt der jüdischen Geschichte zu machen, die gegebene Chance zu nützen. Der Schekel gibt das Wahlrecht zu diesem Kongreß. Kaufet den Herzl-Schekel, den Judenstaats- Schckcl! Union der Zionisten-Itevisionisten Oesterreichs. Wer den Schekel kaufen, wer sich zu freiwilliger Mitarbeit-melden will, wendet sich an das Büro der Union, Heim der Union, IL, Untere Augartenstraße 88, Telephon Nr. A-45-6-34. V Union der Zionismen- Revisionisten Oesterreichs Wien, II., Untere Augartenstraße 38 Mittwoch, den 7. Juni, halb 9 Uhr, erster Vortrag des Instruktorenkurses. Referent Ing. Oberbaurrat Robort S t r i c k e r; „Unser Parteiprogramm".. .. ■ , ..■ * .. . , W*e die Leitung, der Union <Jer Zlonisten-Revionisten mitteilt, veranstaltet sie einen I n s t r u k t or e nkürs zwecks Aufklärung der Mitglieder über die notwendige Propagandatätigkeit anläßlich des bevorstehenden Kongreßwahlkampf-es. Das erste Seminar findet Mittwoch, den , 7.. Juni 1933, halb 9 Uhr abends, im. Verbandsheim,, Wien, IL, Untere Augartenstraße 88, statt. Die weiteren Redher und Vortragsthemen werden in der nächsten „Neuen Welt?' bekanntgegeben. DIESER WOCHE KREUZ"KINO ' T°nZTelephon. . Vom 2. bis ,8. Juni Prolongiert KORRUPTION Pag^ÄÄne' Regie :-S.W. van Dyke; , : (: Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, .9,15; Uhr .; . SCHWEDEN-KINO «8»! ■ Vom 2; bis 8 Juni:;i » - : i •; •* '•'••* ■• * *• DIE OHV0LLK0NHEHE EHE &ST Weltmeister Tilden erteilt Tennieunterrloht, . Bühneneinlage: Qle Klavier-Humoristen Ralf and Ralf in ihrem urdrolligen musikalischen SketscH „Sohiager auf Schlager" Wochentags: 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr SCHKFFER-KINO Vom 2. bis 5. Juni; TIGER-HAI mit Rldrard Ari«n und Edward C, Roblnian Sonn- und Wochentags: 3.30, 5.15, 7.15 und 9 Uhr VI, Mariahilferstn 37 Telephon B-20-203 Vom 6, bis 8 Juni: *■ Fritz Langt M«l»t«rw«rk Unterschriften von ßir Herbert Samuel, Cyru* Adler, Felix Warburg, Mahum8©<kftlow und*Prof. Weizmann tragen. . * . .Wie wir. erfahren,. sind. Aktionen für diesen Fondi in *11 en Ländern in. Vorbereitung, pie Aktion In Oesterreich wird, in .den nächsten Tagen eingeleitet-werden. Ein Wellhilfefoitds für die deut§dien Juden Aus London wird uns gemeldet: Bin' Komitee prominenter jüdischer und nichtjüdischer 'Persönlichkeiten erläßt einen Aufruf zur Schaffung eines W elthilf sfonds für deutsche Juden , zum Zwecke der Ueberführung deutscher Juden nach Palästina.. EJa wird eine großzügige Aktion eingeleitet, welche sich Uber alle Länder erstrecken soll* In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß Palästina mit seiner dauernd steigenden Aufnahmsfähigkeit deutsche Juden inimmer wachsender Zahl aufnehmen und ihnen und ihren;Kindern dauernde Heimat werden kann. Komitees in den ein«, zelnen Ländern müssen sich konstituieren und unverzüglich ans Werk gehen. Aus den Mitteln dieses Fonds soll im Zusammenwirken mit den bestehenden Finanzinstitutionen der Zionistischen Organisation und der ' Jewish Agency Boden in Palästina erworben und durch deutsche Juden besiedelt werden» sollen .handwerkliche und - industrielle Unternehmungen gefördert, es soll überhaupt alles unternommen werden, was deutschen Juden in Palästina' den Uebergang zu neuen Berufen ermöglicht und Ihnen den Aufbau eines neuen Lebens in Freiheit und Ehre [ sichert. ■ Den Aufruf haben bisher vonnichtJüdMöhet» Seite Lord Robert CecH P. Lloyd George und' General Sw-ute untereeictoet« Br soll ttmw die Konflikte hi der Ziomsfiidien Exekutive Eigenbericht aus London Unser Londoner Berichterstatter schreibt: . In der zionistischen Welt herrgeht Enttäuschung und Entrüstung über die Haltung,der Exekutive der ziorü- , »tischen Weltorganisation, welche in diesem für das Juden-; tum entscheidenden Zeitpunkte in Untätigkeit verharrt. Das jüdische Volk sehreit nach einer Führung und die Exekutive schweigt. Sie steht teilnahmslos; ohne Beziehung zu den Vorgängen in Deutschland, im Weltjudentume und in Palästina da. Sie unternimmt nichts oder hinkt den Ereignissen nach Die Schuld an diesem beklagenswerten Zustande tragen allerdings nicht' alle Männer der Exekutive. Die Majorität auf dem letzten Zionistenkengresse trägt die Verantwortung dafür, weil sie ei;te Leitung gewählt, die schon ihrer Zusammensetzung nach zu jeder großon Handlung unfähig War. Nicht zuletzt unter dem Einflüsse der großen revisionistischen Fraktion hat dor letzte Kongreß Weizmann gestürzt und sich gegen den von Weizmann und der im eng befreundeten Arbeiter« parte! betriebenen sozialistischen „Klein- und Kulturzionismus" ausgesprochen. Statt bei der Wähl die richtige Folgerung zu ziehen, hat man sich dazu verleiten lassen —" unter Ausschaltung der Revisionisten — eine Leitung ohne Weizmann, aber mit einer Wei zmanri-Majorität zu'wählen. Neben den Vertretern der Kongreßrichtiing F a r b s t e 1 n und N e w man nicht weniger als drei Linke und Weizmann-Leutc, Brödetzki, Locker Und Arlosoroff, zu denen sich dann noch drei Nichtzionisten als Vertreter der Agency gesellten. Daß In einer sölbhen Leitung von einer gedeihlichen Zusammenarbeit keliie Bede sein konnte, ist selbstverständlich. . Arlosoroff,* Locker und Brödetzki rissen mit Unterstützung 'der NicHt-Ziohi steh /die Mächt an sich; bis schließlich jeder Verkehr innerhalb der Leitung unmöglich;i war. Der Konflikt nahm dann öffentlichen Charakter ah. Die linke Fresse griff ^Newman und" Farbstein" als; „Arbeiterfeinde" an und die Poale Zion forderte,- Wohl •l nicht ohne Zustimmung der Herren Locker und Arlosoroff, Säle^ peinission Farbstejns/ Die Ant^'Oflt .war ein Begehren •der Misrachisten nach Entfernung Arlosoroffs. So sieht die „Koalition" aus. Wer .kann sich da noch über das Versagen der Exekutive wundern? Nun ist die Situation durch das Eingreifen W t4 i zraanns noch verschärft worden. Es ist heute ganz ersichtlich, daß von selten der Weizmann-Freunde und der Poale Zion darauf hingearbeitet wird, den Präsidenten Sokolow zu stürzen und Welzmanu wieder an seine. Stelle zu setzen. Was. bisher Geplänkel, war, ist nun offener Kampf geworden. Den Anlaß hiezu bot die Aktion „D e u t s c h c J u de n nach P a 1 ä s t i n a". Nach langem Zögern wurde die Einleitung einer großen zionistischen Geldsammlung beschlossen. Weizmann gelang Cs, die Führung dieser Sache zu übernehmen. Aber er weigert sich jetzt, das Verfügungsrecht über den gesammelten Fonds der.. Zi oni sii sc hern , O r g.ani s a tio iv zu .Uberlassen. Er will die Gebarung mit den Geldern an sich fesseln. Um den kommenden Kongreß unter unwiderstehlichen Druck zu stellen und gefügig zu machen? Präsident Sokolow, Farbsteil! und Newman protestieren energisch gegen diese. Beleidigung, und Beeinträchtigung der Zionistischen Organisation; die Herren Brpdßtzki. und Looker fördern Weizmann, .Sonderbare. Patrioten der Zionistischen Organisation! Jetzt tobt ein peinliqher Streit, der danach angetan ist,.. das Ansehen, der Zionistischen Organisation herabzusetzen und die Aktion; schwer zu aehädjgen.. . ,w ( Nooh ein anderer Konflikt spielt sich ah. JJinlge Mitglieder der ExeJiutlvc. . treten für eine Verschi ebung des Zionlstenkongresses vom 18. August auf einen späteren Zeitpunkt ein. Die Schekelsaminlungon haben zu spät begonnen und der Kongreß wird daher an Größe einbüßen. Er wird nicht, wie es heute notwendig wäre, Millionen vertreten, sondern höchstens einige Hunderttausend. Wieder ist es die Linke, die Opposition macht. Sie hofft, daß die an einer Inneren Krise leidende revisionistische Organisation. . sich in kurzer Zeit nicht konsolidieren kann. Daher rasch. Wahlen! Der Linken ist ein schwacher Weltkongreß mit weniger Revisionisten lieber als ein machtvoller grandioser Zionistenkongreß, auf welchem Zionlsten-Revisionlsten eine größere Roll« spielen könnten. A/uiah das hennt man jüiili sahen und zionistischen Patriotismus! Wenn man noch in Betracht zieht, daß in der- Frage T r a n s io r d a n-1 e n s die Exekutive gespalten ist, daß Farbstein und Newman, von Sokolow unterstützt, für die lebensnotwendige jüdische Kolonisation in TransJordanien arbeiten und hiebet von anderen Mitgliedern der Exekutive behindert werden, hq1n$x$ßi* wenig trostreloh. Wen" der nächste Zionlstenkongreß nlcKf grünttUoh Wandel schafft; dann steht das Schicksal der mächtigen,' vof Hytfyg<irtiifyünMt We|tqff>fli»>ttw auf tom*Ük

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